Virginia Foster Durr
US-amerikanische Bürgerrechtlerin
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Virginia Foster Durr (* 6. August 1903 in Birmingham; † 24. Februar 1999 in Carlisle) war eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin.

Leben
Virginia Foster Durr war die Tochter des presbyterianischen Predigers Stirling Johnson Foster und dessen Frau Anne Patterson Foster. Ihr Schwager war der Politiker und Jurist Hugo Black. Sie wurde entlang der Prinzipien der weißen Mittelschicht der Südstaaten zu einer gentilen Southern Belle erzogen. Das rassistische Jim-Crow-System akzeptierte sie in ihrer Jugend, ohne es zu hinterfragen. Erst auf dem in den Nordstaaten gelegenen Wellesley College, einer privaten Hochschule für Frauen, erlebte sie ein gleichberechtigtes Miteinander mit Afroamerikanerinnen, mit denen sie nebeneinander in der Mensa essen musste. Dadurch lernte sie, den ihr anerzogenen Rassismus zu hinterfragen. Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten musste sie ihr Studium abbrechen und in ihre Geburtsstadt Birmingham zurückkehren. 1926 heiratete sie den Anwalt Clifford Durr, mit dem sie fünf Kinder hatte, von denen eines als Säugling verstarb.
Während der Großen Depression organisierte sie Hilfeleistungen für Bedürftige. Nach dem Wahlsieg Franklin D. Roosevelts zog sie 1933 nach Washington, D. C., wo ihr Mann Arbeit bei einer Bundesbehörde gefunden hatte. Er war beteiligt an der Entwicklung des New Deals, des linken Reformprogramms Roosevelts. Sie engagierte sich politisch bei der Women’s Division der Democratic National Committee und machte sich für die Rechte der Afroamerikaner stark. Ihr Hauptanliegen war die Abschaffung der poll taxes, durch die arme Weiße und vor allem Schwarze von der Teilhabe an Wahlen ausgeschlossen wurden. 1938 war sie eine der Gründungsmitglieder der Southern Conference for Human Welfare (SCHW). Ziel der Organisation war es, die Lebensbedingungen in den Südstaaten zu verbessern. Zu ihren Unterstützern gehörten prominente Linke wie Lillian Smith und Eleanor Roosevelt, aber auch viele Gewerkschaften des Südens. Durr wurde 1941 Vizevorsitzende des Bürgerrechtsunterkomitees der SCHW, die sich im selben Jahr zur National Committee to Abolish the Poll Tax wurde. Den Vorsitz hatte der Politiker Maury Maverick inne.
Unzufrieden mit der Regierungspolitik Harry Trumans schloss sie sich 1948 der kurzlebigen Progressive Party um Henry Wallace an und kandidierte erfolglos für den Senat von Virginia. Clifford Durr kündigte 1948 aus Protest gegen den Treueschwur, den Regierungsangestellte gemäß Executive Order 9835 leisten mussten. Nach einigen Jahren in Denver kehrte die Familie nach Alabama zurück und zog nach Montgomery. Dort waren die Durrs einer Hetzkampagne durch den Senator James Eastland ausgesetzt, die im Zeichen der McCarthy-Ära stand. Virginia Durr musste deswegen mit ihrem Freund Aubrey Willis Williams vor dem Internal Security Committee des Senats erscheinen, verweigerte allerdings die Aussage. Gemeinsam unterstützten sie die Bürgerrechtsbewegung, insbesondere den Busboykott von Montgomery, die Freedom Rides und die Selma-nach-Montgomery-Märsche. Dabei arbeiteten sie mit Bürgerrechtlern wie Martin Luther King, Rosa Parks, Fred Gray und E. D. Nixon zusammen. Für ihren Aktivismus wurden die Durrs von anderen Weißen oftmals angefeindet.
Virginia Durr veröffentlichte 1985 ihre Autobiographie Outside the Magic Circle, die generell positiv rezipiert wurde. Im hohen Alter wurde sie vor allem von linken Aktivisten und Politikern für ihr Engagement geehrt. Sie starb 1999.
Schriften
- Hollinger F. Barnard (Hrsg.): Outside the Magic Circle: The Autobiography of Virginia Foster Durr. University of Alabama Press, Tuscaloosa 1990. (Erstveröffentlichung 1985)
- Patricia Sullivan: Freedom Writer: Virginia Foster Durr, Letters from the Civil Rights Years. Routledge, New York 2003.
Literatur
- Warren St. John: Old Terrorist. In: The New Yorker. 6. September 1993, abgerufen am 27. Februar 2026.
- Edward L. Lach, Jr.: Durr, Virginia Foster. In: American National Biography. Oxford University Press, abgerufen am 27. Februar 2026 (englisch, Zugriff beschränkt).
Weblinks
- Durr, Virginia Foster. In: Martin Luther King, Jr. Research And Education Institute, Stanford University. Abgerufen am 27. Februar 2026.
- Rebecca Woodham: Virginia Foster Durr. In: Encyclopedia of Alabama. Abgerufen am 27. Februar 2026.
- Virginia Foster Durr in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 27. Februar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Durr, Virginia Foster |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Bürgerrechtlerin |
| GEBURTSDATUM | 6. August 1903 |
| GEBURTSORT | Birmingham (Alabama) |
| STERBEDATUM | 24. Februar 1999 |
| STERBEORT | Carlisle (Pennsylvania) |