Vithkuq

Dorf in Albanien From Wikipedia, the free encyclopedia

Vithkuq (albanisch auch Vithkuqi) ist ein im Südosten Albaniens gelegenes Dorf. Seine Blütezeit hatte Vithkuq, wie der zehn Kilometer nördlich gelegene Ort Voskopoja, in der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert.[2.1] Bekannt ist Vithkuq für Kirchen aus dieser Zeit.[3]

Schnelle Fakten Vithkuq Vithkuqi(Bezeichnung in unbestimmter und bestimmter Form), Basisdaten ...
Vithkuq
Vithkuqi
Vithkuq (Albanien)
Vithkuq (Albanien)

Basisdaten
Staat: Albanien Albanien
Qark: Korça
Gemeinde: Korça
Höhe: 1.200 m ü. A.
Einwohner: 918 (2023[1])
Telefonvorwahl: (+355) 082
Postleitzahl: 7025
Das Dorf Vithkuq in den Bergen von Südostalbanien
Das Dorf Vithkuq in den Bergen von Südostalbanien
Das Dorf Vithkuq in den Bergen von Südostalbanien
Schließen

Geographie

Gjanç-Wasserbecken östlich des Dorfes (Aufnahme aus dem Jahr 2000)

Vithkuq liegt abgelegen in den Bergen südwestlich von Korça auf 1200 m ü. A.,[4] von Bergweiden und Wälder umgeben. Einzig die Straße hinunter nach Korça, das 27 Kilometer entfernt ist, verbindet das Dorf mit der Außenwelt. Das Südende der Ebene von Korça liegt rund zehn Kilometer östlich.

Zur Njësia administrative Vithkuq gehören noch zahlreiche weitere Dörfer: Lehsnja an der Straße nach Osten, Gjanç weiter nordöstlich, im Süden Rehova, Lubonja und Roshanj, Stratobërdha, Treska, Trebicka und Grabocka in den Bergen im Südwesten, Shtylla im Gebirge westlich (auf über 1400 m ü. A. gelegen und somit das höchstgelegene Dorf Albaniens), weiter südwestlich respektive westlich die Dörfer Panarit und Çemerica. Panarit hatte 1989 fast gleich viele Einwohner wie das Dorf Vithkuq, Lubonja etwas weniger. Rehova und Shtylla hatten nicht ganz halb so viele Einwohner, die üblichen Dörfer waren deutlich kleiner.[5]

Vithkuq liegt am Oberlauf des Osum, wird also im Gegensatz zum Rest der Region Korça nicht zum Devoll entwässert.

Die Wasserscheide wird östlich vom Gjanç-Wasserbecken überquert, wo die 13 Kilometer lange Verbindungsstraße von Vithkuq eine Höhe von 1120 m ü. A. erreicht. Vithkuq liegt somit am Übergang zwischen der Region Korça und Kolonja. Die Verbindungsstraße SH75 von Korça nach Erseka passiert das Gebiet von Vithkuq östlich.

Südwestlich von Vithkuq erhebt sich der Berg Maja e Rungajës (1945 m ü. A.).[6] Der höchste Punkt der Region liegt im Zentrum der Njësia administrative und wird nur von der Ostrovica (2383 m ü. A.), rund elf Kilometer westlich bei Çemerica, überragt. Während schon Vithkuq abgelegenen von den Durchgangswegen liegt, sind insbesondere die Dörfer südlich, südwestlich und westlich der Rungaja sehr abgeschieden. Südlich von Vithkuq bei Rehova wurde Kupfer abgebaut.[7]

Das Dorf Vithkuq gliedert sich in drei Ortsteile,[8] die sich an einem Osthang zwischen etwa 1150 m ü. A. und 1300 m ü. A. langziehen.

Bis 2015 war Vithkuq eine eigene Komuna, die dann in die Bashkia Korça integriert wurde.

Bevölkerung

Die Einwohner teilen sich in Muslime, Bektaschi und Orthodoxe. Bei der Volkszählung 2011 war die Gruppe der Orthodoxen etwas größer, diejenige der Bektaschi etwas kleiner als die der Muslime.[9]

Ein kleiner Teil der Bevölkerung zählt sich zu den Aromunen.[10]

1989 hatte die Komuna Vithkuq noch über 5000 Einwohner. 2001 war die Hälfte der Bevölkerung abgewandert, Vithkuq zählte nur noch 2700 Einwohner. In den nächsten zehn Jahren bis 2011 wurden nochmals 1200 Personen weniger erfasst. 2023 waren es nur noch knapp 900 Einwohner.[5]

Die aromunische Bevölkerung in Albanien war von 2011 bis 2023 um 70 % zurückgegangen, im Qark Korça sogar um über 80 %.[11][1]

Geschichte

Der Name bedeutet Rote Ulmen, ein noch immer in der Region verbreiteter Baum.[12.1]

Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1489, als Vithkuq und andere Orte vom Sultan Bayezid II. an Iljaz Bej Mirahori geschenkt wurde. Das kleine Dorf mit einer mehrheitlich albanisch orthodoxen Bevölkerung entwickelte sich – wie Voskopoja – dank der Lage an Handelswegen von der mittelalbanischen Küste nach Südosten zu einer kleinen Stadt, die 1600 rund 3000 Einwohner hatte. Der Ort profitierte auch davon, dass es als muslimische Stiftung nicht steuerlich belastet wurde. Die Bewohner von Vithkuq waren zudem als Wanderarbeiter im ganzen Osmanischen Reich und sogar bis Österreich unterwegs und brachten Geld nach Hause.[2][3]

„Vithkuq gehört zu jenen Bergstädten, in denen orthodoxe Kultur fernab der osmanisch-muslimischen Verwaltungszentren blühte.“

Oliver Jens Schmitt: Der Standard[3]

In Vithkuq wurden zahlreiche Kirchen gebaut, die von Größe, Reichtum und kultureller Entwicklung im Ort zeugen. Lokale Quellen sprechen von einer fünfstelligen Einwohnerzahl in der Blütezeit.[13] Im Ort gab es 14 Kirchen und Klöster.[14.1]

Wie der Aufschwung in Vithkuq sich ähnlich zu Voskopja entwickelt, entwickelte sich auch der Niedergang am Ende des 18. Jahrhunderts parallel, eingeleitet durch Überfälle und Streitigkeiten zwischen den Machthabern. 1823 fand ein entscheidender Überfall statt, der zum Niedergang beitrug. Die Bewohner wanderten ab. Im Ort lebten bald nur noch wenige Familien – aber schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts war das Dorf wieder deutlich angewachsen.[3][13]

Aus Vithkuq stammte der Gelehrte Naum Veqilharxhi, der sich als Persönlichkeit der Rilindja für die albanische Nationalbewegung starkmachte. Veqilharxhi entwickelte das sogenannte Vithkuqi-Alphabet als Vorschlag zur Schreibung des Albanischen.

1936 wurde in Vithkuq das erste Wasserkraftwerk Albaniens gebaut.[15] Wasser wurde auch von Vithkuq nach Korça geleitet, um dort eine Wasserversorgung aufzubauen.[12.2]

Das abgeschiedene Dorf war im Zweiten Weltkrieg Rückzugsort der Partisanen, die aus der abgeschiedenen Region die italienischen und deutschen Besatzer bekämpften. Der Zentrale Rat der kommunistischen Befreiungsarmee hatte zwischendurch hier seinen Sitz.[16.1] Ende August 1943 bombardierten die Italiener das Dorf mit Artillerie und aus der Luft.[16.2]

Die Kooperative in kommunistischer Zeit fokussierte auf die Haltung von Vieh, Schafen und Ziegen sowie die Produktion von Milchprodukten.[7]

In Vithkuq, Shtylla und andere Dörfer der Komuna wurden politische Häftlinge und Angehörige vom kommunistischen Regime interniert.[17] Das Bergdorf Shtylla wurde wegen seiner hohen Lage und kaltem Klima von den Internierten als „Sibirien Albaniens“ bezeichnet.[18]

In den 2010er Jahren wurde im Gebiet von Vithkuq die Transadriatische Pipeline verlegt.

Sehenswürdigkeiten

Kloster Heiliger Petrus und Paulus

Im Gegensatz zu Voskopoja hat sich der Tourismus in Vithkuq kaum entwickelt, obwohl es im Dorf mehrere Kulturgüter gibt.[12][19]

Etwas vor dem Ortseingang führt die Steinbrücke Ura e Zotos aus dem 19. Jahrhundert über den Osum, die unter Schutz steht.[20]

Nördlich dieser Brücke liegt auf einem Hügel die Reste des Klosters Heiliger Petrus und Paulus (Manastiri i Shën Pjetrit dhe Pavlit). Vom Kloster stehen noch zwei Kirchen. Die restlichen Wirtschaftsgebäude und Mauern wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Klosterkirche folgt keinen typischen Bauformen, sondern verbindet eine dreischiffige Basilika mit einer Kreuzkuppelkirche, eine kleine, fast turmartige Vorhalle im Nordwesten vorgelagert. Sie wurde 1759 erbaut und 1763 bemalt. Die Fresken stammen von den bekannten Malern Kostandin und Athanas Zografi, die 1750 bereits die erste Kirche ausgeschmückt hatten. Die kleine Kirche außerhalb den Mauern am Friedhof ist den Heiligen Kosmas und Damian gewidmet. Sie ist nur rund fünf Meter breit und nicht viel mehr als doppelt so lang. Vom Vorraum führt eine Treppe ins Ossarium im Untergeschoss. Die Kirche Heiliger Kosmas und Damian stammt aus dem Jahr 1736.[14.2]

Zwischen Brücke und Ortszentrum liegt abseits der Straße am Berg die Marienkirche von Vithkuq (Kisha e Shën Mërisë). Die kleine Kirche ist keine acht auf fünf Meter groß. Das flache Walmdach überspannt noch zwei Vorhallen: eine im Westen, eine mit Holzpfeilern abgestützte entlang der Südseite der Kirche. Zudem überdeckt es eine kleine Kuppel der Kirche aus einem Raum. Erbaut wurde die Kirche wohl in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.[14.3]

Im Ortszentrum von Vithkuq liegt eine neue Kirche.

Michaelskirche

Die größte historische Kirche in Vithkuq liegt am nordwestlichen Dorfrand. Die Michaelskirche (Kisha e Shën Mëhillit) wurde 1682 erbaut und 1728 bemalt. Charakteristisch ist die lange Vorhalle mit zwölf Säulen, die sich der ganzen Südseite entlang zieht. Die lange dreischiffige Basilika ist in einen Kirchenraum und eine innere, geschlossene Vorhalle aufgeteilt.[14.4]

Literatur

  • Karin Kirchhainer: Das Ossuarium des Petrus-und Paulus-Klosters in Vithkuq (Nordepirus) und seine Freskendekoration (1750). In: Μακεδονικά. Nr. 34, 2004, S. 149–208, doi:10.12681/makedonika.872.
  • Ernest Shtepani, Anna Yunitsyna, Minuel Çollaku: The Village of Vithkuq, A Bizantine Settlement. In: All Sciences Academy (Hrsg.): 3rd International Conference on Frontiers in Academic Research ICFAR 2024. June 15–16, 2024, Konya, Turkey. Konya 15. Juni 2024, S. 31–37 (researchgate.net [abgerufen am 9. November 2025]).
Commons: Vithkuq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI