Võ Nguyên Giáp
vietnamesischer General und Guerillakämpfer
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Võ Nguyên Giáp (Aussprache [vɔ̌ˀ ŋʷīən zǎːp], * 25. August 1911 in Lệ Thủy, Quảng Bình; † 4. Oktober 2013 in Hanoi[1][2]) war ein vietnamesischer General, Politiker und Guerillakämpfer. Er war militärischer Führer der Việt-Minh-Truppen im Unabhängigkeitskampf gegen die französische Kolonialherrschaft. Von 1946 bis 1977 war er Sekretär der Zentralen Militärkommission der Kommunistischen Partei Vietnams sowie von 1946 bis 1947 und von 1948 bis 1980 Verteidigungsminister der Demokratischen Republik Vietnam. Ab 1941 war er der militärische Oberbefehlshaber der Việt Minh und anschließend bis 1972 der Befehlshaber der (Nord-)Vietnamesischen Volksarmee während des Vietnamkriegs. Von 1955 bis 1991 war er zudem stellvertretender Premierminister Vietnams.

Leben
Võ Nguyên Giáp war Sohn eines vietnamesischen Dorflehrers, der über eigenes Land verfügte, und besuchte ab 1926 das trường Quốc học, das französische Lyceum in der vietnamesischen Kaiserstadt Huế. Sein Vater und eine seiner Schwestern starben in französischer Haft aufgrund nationalistischer Aktivitäten. Mit 15 Jahren wurde er Mitglied der revolutionären Partei von Annam (Tân Việt Cách mạng đảng), mit 18 Jahren wurde er wegen Teilnahme an Studentenprotesten verhaftet. Von 1933 bis 1938 studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Hanoi. Als Lehrer für Geschichte und Geographie war er in Hanoi tätig.

Wegen seiner Gegnerschaft zur französischen Kolonialmacht wurde er 1939 auf die Gefängnisinsel Poulo Condor verbracht und emigrierte 1940 vor den Japanern in die Republik China. Dort wurde er im Mai 1941 Mitbegründer der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams (Việt Minh). Hồ Chí Minh wurde der politische Vorsitzende der Việt Minh, während Giap zum militärischen Befehlshaber ernannt wurde. Giaps Ehefrau, Tochter, Vater, sowie seine Stiefschwester und sein Stiefbruder wurden von den französischen Kolonialbehörden verhaftet und starben 1941 bis 1943 in Haft.[3]
Er wurde vom Zentralkomitee der Việt Minh mit der Schaffung einer Volksarmee betraut, die offiziell am 22. Dezember 1944 begründet wurde. In China nahm er am Aufbau der Guerillastreitkräfte teil, organisierte mit Hilfe des amerikanischen OSS in Nordvietnam ein Netz von Agenten, befehligte den vietnamesischen Widerstand gegen die japanische Armee und kehrte 1944 als Kommandeur der Partisanengruppen nach Vietnam zurück. 1945 wurde Giáp Innenminister der Demokratischen Republik Vietnam. Entgegen seinen Hoffnungen zerbrach das gute Einvernehmen mit den Amerikanern nach dem Krieg, als diese die Rückkehr der französischen Kolonialmacht ermöglichten und ihre vietnamesischen Verbündeten fallenließen.
Võ Nguyên Giáp war von 1945 bis 1982 Mitglied des Zentralkomitees und des Politbüros der Partei der Werktätigen Vietnams (Đảng Lao động Việt Nam) bzw. der Kommunistischen Partei Vietnams. Von 1946 bis 1977 leitete er die Zentrale Militärkommission der Partei. Zudem war er von 1946 bis 1947 sowie erneut ab 1948 Verteidigungsminister der Demokratischen Republik Vietnam und damit Oberbefehlshaber der (Nord)-Vietnamesischen Volksarmee. Er entwickelte als Logistiker und Militärtaktiker eine mehrstufige, außerordentlich erfolgreiche Guerillataktik. Diese ließ die vietnamesischen Truppen in der Schlacht von Điện Biên Phủ am 7. Mai 1954 über die modern ausgerüstete französische Armee, einschließlich ausgewählter Einheiten der Fremdenlegion, siegen und befreite Vietnam von der französischen Kolonialherrschaft.[4]
Nach dem Abzug der Franzosen und der Teilung Vietnams auf der Indochinakonferenz 1954 war Giáp ab 1955 Stellvertretender Ministerpräsident von Nordvietnam. Im Vietnamkrieg führte er die Nordvietnamesischen Volksarmee im Kampf gegen die USA und Südvietnam, für die Wiedervereinigung des Landes. Die überraschende Tết-Offensive Anfang 1968, welche militärisch fehlschlug, lehnte er ab, welche jedoch politisch den Wendepunkt brachte. Daher verließ er Vietnam vor der Offensive um sich in Ungarn medizinisch behandeln zu lassen und kehrte erst nach Beginn der Offensive zurück. Die Offensive hatten der neue starke Mann der kommunistischen Partei Lê Duẩn und der Generalstabschef Văn Tiến Dũng gegen seinen militärischen Rat durchgesetzt. Der Tod von Hồ Chí Minh 1969, an dessen Seite er 28 Jahre gestanden hatte und die folgende Machtübernahme Lê Duẩns führten für Giap zu einem schleichenden Macht Verlust. 1972 wurde Giáp als Feldkommandeur der PAVN schließlich abgelöst und verfolgte von da an die weiteren Ereignisse am Rande, wobei der Ruhm des Sieges 1975 dem Generalstabschef Văn Tiến Dũng zufiel. Giáps Beitrag zum Sieg von 1975 wird von offiziellen vietnamesischen Berichten weitgehend ignoriert.

Nach der Vereinigung von Nord- und Südvietnam 1976 übernahm Võ Nguyên Giáp das Amt des Verteidigungsministers und des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Sozialistischen Republik Vietnam. 1978 folgte die erfolgreiche Invasion Kambodschas im Kambodschanisch-Vietnamesischen Krieg gegen die Terrorherrschaft der Roten Khmer, sowie 1979 der dadurch entstandene Chinesisch-Vietnamesische Krieg. 1980 wurde er nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister durch Văn Tiến Dũng ersetzt. Ab 1982 gehörte er dem Politbüro nicht mehr an, blieb aber bis 1991 Stellvertretender Ministerpräsident und Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.
Am 25. August 2011 feierte Giáp seinen 100. Geburtstag in einem Armeekrankenhaus in Hanoi. Zuletzt hatte er 2009 öffentliches Interesse erregt, als er in einem offenen Brief ein Projekt der Regierung zur Genehmigung einer chinesischen Bauxitmine in Zentralvietnam vehement kritisierte.[5]
Werke in deutscher Übersetzung
- Vo Nguyen Giap: Volkskrieg, Volksarmee. Trikont-Verlag, München 1968.
- Vo Nguyen Giap: Nationaler Befreiungskrieg in Vietnam. Verlag Rote Fahne, Berlin 1973.
Medien
Nach einer mehr als zehnjährigen Vorbereitungszeit wurde das Leben Giáps zu einer Bühnenshow mit 300 Mitwirkenden verarbeitet, die in 12 Akten die Rolle Giáps in der Schlacht um Điện Biên Phủ zeigt. Das dreistündige Werk mit dem Titel General Võ Nguyên Giáp und die Điện Biên Symphony wurde vom Regisseur Nguyễn Quang Vinh aus Elementen des Theaters und des Kinos konzipiert. Die Uraufführung fand am 28. Mai 2011 in Đồng Hới statt und wurde von Việt Nam Television VTV1 live ausgestrahlt.[6]
Literatur
- Andreas Margara: Der Amerikanische Krieg. Erinnerungskultur in Vietnam. regiospectra, Berlin 2012, ISBN 978-3-940132-48-2.