Volker Foertsch

deutscher Geheimdienstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Volker Foertsch (* 2. Juli 1934 in Berlin;[1]April 2018) war ein deutscher Mitarbeiter der Organisation Gehlen und des Bundesnachrichtendienstes (BND). Als Erster Direktor leitete er von 1989 bis 1994 die Abteilung Beschaffung und anschließend bis 1998 die Abteilung Eigensicherung des BND.

Leben

Foertsch trat 1953 dem BND-Vorläufer Organisation Gehlen ein.[2][3] Von 1954 bis 1957 studierte er Wirtschaftswissenschaft in Hamburg und München.[4] 1957 trat er hauptamtlich in den BND ein, bekam dort den Decknamen Volker Fleming und arbeitete bei der politischen Beschaffung und anschließend als Referent im Leitungsstab. In den 1960er übernahm er Kommunikationsaufgaben für die Organisationseinheit 85, die sich um die Ermittlung NS-belasteter Dienstangehöriger im BND bemühte.[5] Später war er Referatsleiter Beschaffung Gegenspionage. Unter ihm wurde der Doppelagent Leonid Kutergin geführt.[6.1] 1989 zum Abteilungsleiter befördert, leitete er von Juni 1989 bis zum Februar 1994 die Abteilung I (Beschaffung), zu deren Aufgabengebiet die Führung nachrichtendienstlicher Verbindungen gehört. Von 1994 bis 1998 war er Leiter der Abteilung V (Sicherheit). Foertsch soll auch zeitweise Direktor der vom BND betreuten deutschen Stay-behind-Organisationen gewesen sein.[7]

Foertsch soll nach Medienberichten einer der Hauptbeteiligten am Journalisten-Skandal, der Bespitzelung von Journalisten durch den BND im Inland, gewesen sein. So soll dieser den Kontakt zu kritischen Journalisten hergestellt und diese anschließend „abgeschöpft“ haben.[2][8]

Foertsch wurde in der sogenannten „Rübezahl-Affäre“ von eigenen Mitarbeitern bezichtigt, ein Zuträger des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zu sein. Diese Vorwürfe stammten von BND-Mitarbeiter Hauptmann Norbert Juretzko, der sie von einer angeblichen russischen Quelle (Deckname Rübezahl) erhalten haben wollte. Juretzko hat zwei Bücher geschrieben (Im Visier und Bedingt Dienstbereit, beide in Zusammenarbeit mit Wilhelm Dietl), die auch dieses Thema behandeln. Der BND ließ Foertsch daraufhin mit Unterstützung des Bundesamtes für Verfassungsschutz 16 Monate lang überprüfen.[3] Seine Telefone wurden überwacht und sein Büro mit zwei Kameras.[6.2] Auf Grund eines Anfangsverdachts schaltete der BND nach Rücksprache mit dem Bundeskanzleramt den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof ein.[3] Diese stellte jedoch bereits wenige Tage später am 12. Mai 1998 das Verfahren ein, da der Verdacht ausgeräumt sei (§ 170 Abs. 2 StPO).[9] Der Fall wurde der Münchner Staatsanwaltschaft übergeben, die nach kurzer Zeit Anklage wegen Betrugs gegen Juretzko und einen weiteren Mitarbeiter erhob. Wegen Betrugs und Urkundenfälschung im Zusammenhang mit den angeblich von Rübezahl gelieferten Hinweisen verurteilte das Landgericht München I Juretzko am 21. Januar 2003 zu elf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.[10] Foertsch ließ sich auf eigenen Wunsch vorzeitig in den Ruhestand versetzen, sechseinhalb Monate vor Vollendung des 65. Lebensjahres, zu dem er regulär in den Ruhestand eingetreten wäre.

Foertschs Vater war Hermann Foertsch, ehemaliger Generalleutnant der Wehrmacht und alter Vertrauter und Mitarbeiter des BND-Gründers Reinhard Gehlen,[11] sein Onkel Friedrich Foertsch Generalinspekteur der Bundeswehr und sein Cousin Hartmut Foertsch Generalmajor der Bundeswehr. Volker Foertsch war verheiratet und hatte zwei Söhne, wovon der ältere im Juli 1996 Suizid beging.[6.3]

Foertsch war Beisitzer im Vorstand des Gesprächskreises Nachrichtendienste in Deutschland (GKND) mit Sitz in Berlin und lebte in München.[12] Er verstarb im April 2018.

Einzelnachweise

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