Volvo Trucks

schwedischer Lastwagenhersteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Volvo Trucks (schwedisch Volvo Lastvagnar) ist ein schwedischer Lastwagenhersteller mit Sitz in Göteborg und Teil der Volvo Group. Die Unternehmensgeschichte reicht bis zum ersten Lastwagen der Marke Volvo im Jahr 1928 zurück.[1] Das Unternehmen setzte Standards in den Bereichen Qualität, Sicherheit und Umweltschutz.[2] Mittlerweile spielt die Elektromobilität eine entscheidende Rolle.[3][4] Seit der Übernahme von Renault Trucks durch die Volvo Group im Jahr 2001 ist Volvo Group Trucks Marktführer für Nutzfahrzeuge in Europa.[5][6]

Schnelle Fakten
Volvo Trucks
Logo
Rechtsform Geschäftsbereich der Aktiebolag Volvo
Gründung 1928
Sitz Göteborg, Schweden
Leitung
  • Roger Alm, Executive Vice President Volvo Group und President Volvo Trucks
  • Markus Weckesser, Managing Director und Vice President (DE)
Branche Nutzfahrzeuge
Website www.volvotrucks.de
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Geschichte

Gründung und Aufbau des Nutzfahrzeuggeschäfts (1928–1945)

Am 20. Februar 1928 berichteten schwedische Zeitungen über den ersten Volvo-Lastwagen. Er hatte eine Nutzlast von rund eineinhalb Tonnen.[7] Ende der 1920er Jahre begann die Weltwirtschaftskrise; die Produktion von Nutzfahrzeugen (in der Nähe von Göteborg) war zunächst nur als Ausgleich für Verluste aus dem Automobilbereich gedacht und wurde in den 1930er Jahren zu einem wichtigen Geschäftsfeld. Lastwagen wurden zum festen Bestandteil der Modellpalette und Volvo zum größten Nutzfahrzeughersteller Schwedens noch vor Scania.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich Volvo zum Hauptzulieferer der schwedischen Streitkräfte. Der Roundnose-Lastwagen war ein Modell mit vereinfachtem Design und Allradantrieb.[2]

Technische Entwicklung und internationale Expansion (1950er–1990er Jahre)

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte Volvo viele technische Innovationen, beispielsweise Dieselmotoren mit Direkteinspritzung und ein kippbares Fahrerhaus. Obwohl die Produktion von Lastwagen in den 1960er Jahren rote Zahlen schrieb, führte Volvo den Geschäftsbereich fort. In den 1970er Jahren wurde die Modellpalette grundlegend überarbeitet, wobei Aspekte wie Ergonomie, Fahrkomfort und Sicherheit stärker berücksichtigt wurden.

Ab den 1970er Jahren weitete Volvo Trucks seine Aktivitäten auf Märkte außerhalb Europas aus, darunter auch auf die Vereinigten Staaten.[8] Im Jahr 1981 übernahm Volvo die Vermögenswerte der White Motor Corporation, wodurch Produktions- und Vertriebsstrukturen in den Vereinigten Staaten in den Konzern integriert wurden.[9]

In den 1980er und 1990er Jahren erfolgte eine Weiterentwicklung bestehender Technologien.[1] Der Umweltschutz nahm eine immer größere Rolle ein. Zudem investierte Volvo in digitale Plattformen für Flottenmanagement (verwalten, planen und steuern von Flotten).[2]

Strategische Neuausrichtung und Globalisierung (1999–2020er Jahre)

Volvo verkaufte 1999 seine Pkw-Sparte an Ford und richtete seine Unternehmensstrategie stärker auf das Nutzfahrzeuggeschäft aus.[10] Im selben Zeitraum wurde eine langfristige Kooperation mit der Lkw-Sparte von Mitsubishi vereinbart.[11] Nachdem die Europäische Kommission eine geplante Fusion mit Scania nicht genehmigt hatte, galt Volvo Trucks wegen relativ geringer Stückzahlen selbst als Kandidat für eine Übernahme.[12] Im Jahr 2001 sicherte sich Volvo dann mit dem Kauf der Lkw-Sparte von Renault eine aussichtsreiche Marktposition.[13][14] Es stieg zum Marktführer in Europa und zum international zweitgrößten Anbieter auf.[15][16] Mit der US-amerikanischen Tochtergesellschaft Mack Trucks, die Renault in den 1990er Jahren übernommen hatte,[17] stabilisierte das Unternehmen sein Geschäft in den Vereinigten Staaten.[18][19]

In den 2000er Jahren entwickelte Volvo Trucks als erster Hersteller einen Hybridmotor für Lastwagen. Dieser erhöhte die Wirtschaftlichkeit um rund ein Drittel.[20] Außerdem erforschte das Unternehmen alternative Antriebe, beispielsweise einen Methan-Diesel-Motor und den Antrieb mit Flüssigerdgas, der einen deutlich reduzierten CO2-Ausstoß verspricht.[21][22] Katalysatoren und Dieselrußpartikelfilter verbesserten zusätzlich die Umweltfreundlichkeit.[23] Volvo setzte sich frühzeitig für den Einsatz von Assistenzsystemen ein, insbesondere zur Vermeidung von Auffahrunfällen aufgrund von Unachtsamkeit.[24] Mittlerweile arbeitet Volvo Trucks an autonom fahrenden Lkw.[25][26]

Mit der Einführung des I-Shift-Getriebes im Jahr 2001 gehörte Volvo Trucks zu den ersten Herstellern, die ein automatisiertes Getriebe serienmäßig für schwere Nutzfahrzeuge anboten. Seitdem wurden weltweit mehr als eine Million Lastkraftwagen mit dieser Getriebetechnologie ausgeliefert.[27]

Die weltweite Finanzkrise ab 2008 führte auch bei Volvo Trucks zu wirtschaftlichen Einschnitten,[28] in deren Verlauf Arbeitsplätze abgebaut wurden.[29] Ab 2011 kehrte das Unternehmen in die Gewinnzone zurück.[30] Im Zuge der internationalen Expansion beteiligte sich die Volvo Group im Jahr 2013 mit 45 Prozent an Dongfeng Commercial Vehicles,[31] dem Nutzfahrzeugbereich des chinesischen Automobilkonzerns Dongfeng. Diese Beteiligung stand nicht im Zusammenhang mit dem Pkw-Joint-Venture Dongfeng-Nissan, sondern bezog sich ausschließlich auf das Geschäft mit mittleren und schweren Lastkraftwagen.[32][33] Eine frühere Verbindung zu Nissan bestand indirekt über Nissan Diesel, das 2007 von Volvo übernommen und später unter dem Namen UD Trucks geführt wurde; diese Sparte wurde 2021 an Isuzu veräußert.[33] Während sich die Aktivitäten von Volvo Trucks in Europa und den Vereinigten Staaten in diesem Zeitraum kaum veränderten, erhielt das Unternehmen durch die Beteiligung Zugang zum chinesischen Nutzfahrzeugmarkt.[34] Medien deuteten die Transaktion vor allem als Angriff auf den Marktführer Daimler.[35]

Im Zusammenhang mit der internationalen Ausrichtung der Volvo Group entstanden seit den 2020er Jahren zudem neue Gemeinschaftsunternehmen außerhalb des klassischen Fahrzeuggeschäfts. Dazu zählt Milence, ein 2022 gegründetes Joint Venture der Volvo Group mit Daimler Truck und der Traton Group zum Aufbau von Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lastkraftwagen in Europa.[36][37] Außerdem wurde 2025 das Joint Venture Coretura mit Daimler Truck aufgenommen, das auf die Entwicklung gemeinsamer softwarebasierter Systeme für Nutzfahrzeuge ausgerichtet ist.[38][39]

Elektrifizierung, Automatisierung und neue Antriebstechnologien

2017 stellte Volvo Trucks auf der Internationalen Automobil-Ausstellung das autonome, elektrisch betriebene Konzeptfahrzeug Volvo Vera vor. Ab 2019 wurde das Fahrzeug erstmals im praktischen Einsatz getestet.[40] Im Januar 2019 gab die Volvo Group das historisch beste Geschäftsergebnis für Volvo Trucks bekannt.[41][42]

Seit der Markteinführung im Jahr 2019 wurden die Batteriepakete der elektrischen Modelle mehrfach weiterentwickelt und der Energiegehalt pro Pack schrittweise erhöht.[43] Ab Anfang der 2020er Jahre wurden batterieelektrische Volvo FE Electric in kommunalen Entsorgungsbetrieben in Deutschland eingesetzt, unter anderem im Regelbetrieb der Münchner Abfallwirtschaft.[44] Ab 2022 erweiterte Volvo Trucks sein Angebot elektrischer Lkw um Modelle für die schweren Klassen sowie für den Baustellen- und Offroad-Bereich.[45]

Im Jahr 2021 wurde der Volvo FH Electric im Rahmen eines Praxistests erstmals auf einer rund 343 Kilometer langen Teststrecke eingesetzt. Nach Angaben der Verkehrsrundschau handelte es sich dabei um den ersten Langstreckentest eines batterieelektrischen Lastkraftwagens auf dieser Strecke.[46] In den folgenden Jahren wurden die elektrischen Antriebssysteme weiterentwickelt[46] und mit der Einführung des FM Low Entry erweiterte Volvo Trucks sein Elektro-Programm erstmals um ein Modell, das ausschließlich mit batterieelektrischem Antrieb angeboten wird. Frühere Elektro-Lastkraftwagen des Herstellers basierten auf bestehenden Verbrennermodellen.[47]

Volvo Trucks führte Mitte der 2020er Jahre als erster europäischer Hersteller eine automatische Motorabschaltung während der Fahrt für schwere Lastkraftwagen ein. Bei dieser Funktion wird der Verbrennungsmotor während geeigneter Schub- und Rollphasen vollständig abgeschaltet.[48]

Struktur

Volvo Trucks ist ein Geschäftsbereich der Volvo Group (AB Volvo), ebenso wie Renault Trucks, Mack Trucks, Volvo Construction Equipment, Volvo Buses, Volvo Penta, Volvo Energy oder Volvo Autonomous Solutions.[49] Es existieren Tochtergesellschaften in diversen Ländern, darunter die deutsche Volvo Group Trucks Central Europe GmbH mit Sitz in Ismaning.[50]

Die Leitung von Volvo Trucks unterliegt Roger Alm (Executive Vice President Volvo Group und President Volvo Trucks), der auch Mitglied im Group Executive Board der Volvo Group ist.[51] In Deutschland wird Volvo Trucks seit November 2025 von Markus Weckesser als Geschäftsführer und Vizepräsident geführt.[52]

Nach Unternehmensangaben war Volvo Trucks 2024 Marktführer bei schweren batterieelektrischen Lastkraftwagen ab 16 Tonnen in Europa[53] und in den Jahren 2024 und 2025 Gesamtmarktführer bei schweren Nutzfahrzeugen.[54]

Technologien und Antriebsarten

Volvo Trucks nennt Qualität, Sicherheit und Umweltschutz[55] als Unternehmenswerte. Unter dem Leitsatz „Together Towards Zero“ verfolgt das Unternehmen das Ziel, Emissionen und schwere Verkehrsunfälle im Straßengüterverkehr zu verringern. Zur Reduzierung des Einsatzes fossiler Antriebe nutzt das Unternehmen ein sogenanntes Dreipfad-Modell bestehend aus batterieelektrischen Antrieben, wasserstoffbasierten Technologien sowie Verbrennungsmotoren mit erneuerbaren Kraftstoffen.[56][57][58] Nach Unternehmensangaben strebt das Unternehmen bis 2040 Netto-Null-Emissionen an.[59]

Dieselantriebe

Volvo FM (2024)

Für bestehende und neue Modelle werden Dieselmotoren angeboten, die auch mit erneuerbaren Kraftstoffen wie HVO oder Biodiesel betrieben werden können.[60] Seit 2025 sind die Modelle vollständig für den Betrieb mit B100-Kraftstoff ausgelegt.[61]

Elektrische Antriebe

Volvo FH Electric Wacken Open Air Truck (2022)

Seit 2019 produziert Volvo Trucks batterieelektrische Lastkraftwagen in Serie.[53] Dies umfasst Modelle in Gewichtsklassen von 16 bis 44 Tonnen für Einsatzbereiche wie Bau-, Entsorgungs- und Verteilerverkehr.[62][63] Außerdem bietet Volvo Trucks digitale Dienste zur Planung, Steuerung und Abrechnung von Ladevorgängen für batterieelektrische Lastkraftwagen an.[64] Im Jahr 2024 führte das Unternehmen hierzu den digitalen Dienst „Charging Management“ ein, der Transportunternehmen ermöglicht, das Laden von Elektro-Lkw in deren Depots zu planen und zu überwachen. Über die Anwendung lassen sich unter anderem Ladezeiten festlegen.[64]

Nach Unternehmensangaben umfasst das Angebot acht batterieelektrische Modelle. Weltweit wurden bis Ende 2025 5.700 E-Lkw mit gesamt 250 Millionen zurückgelegten Kilometern ausgeliefert, davon über 1.000 in Deutschland.[65][66]

Gasbetriebene Antriebe

Volvo FH Aero gas powered (2024)

Für einige Baureihen sind Antriebe, die mit Flüssigerdgas oder Biogas betrieben werden können, verfügbar.[60] Die gasbetriebenen Fahrzeuge verwenden überwiegend Bio-LNG, können jedoch auch mit fossilem LNG genutzt werden. Zur Zündung des Gas-Luft-Gemisches wird Diesel oder hydriertes Pflanzenöl (HVO) eingesetzt.[67]

Wasserstoffantriebe

Volvo FH fuel cell testing (2023)

Volvo Trucks arbeitet an der Entwicklung von Brennstoffzellen-Lastkraftwagen und Lastkraftwagen mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren.[68] 2023 begann die Erprobung von Brennstoffzellen-Lastkraftwagen auf öffentlichen Straßen in Nordschweden, teils unter extremen Witterungsbedingungen wie Kälte, Schnee und Eis. Nach Unternehmensangaben ist vorgesehen, Lastkraftwagen mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren gegen Ende der 2020er-Jahre auf den regulären Markt zu bringen.[69][68]

Technische Merkmale

Im Jahr 2023 führte Volvo Trucks mehrere Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme ein. Dazu zählen unter anderem eine Frontraumüberwachung zur Erkennung von Personen im unmittelbaren Bereich vor dem Fahrzeug, eine Türöffnungswarnung zur Vermeidung sogenannter Dooring-Unfälle sowie ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent zur Anzeige und Überwachung geltender Tempolimits. Ergänzend wurden Funktionen zur Unterstützung des Fahrbetriebs eingeführt, darunter eine Auto-Hold-Funktion zum automatischen Halten des Fahrzeugs im Stillstand sowie ein Reifendrucküberwachungssystem, das vor Abweichungen im Luftdruck warnt. Ein Teil der neuen Systeme wurde im Hinblick auf die verschärften Sicherheitsanforderungen der Europäischen Union entwickelt. Mit der Einführung dieser Systeme erfüllte Volvo Trucks nach eigenen Angaben vorzeitig mehrere Vorgaben der ab 2024 geltenden General Safety Regulation.[56][70]

Ab Jahr 2024 ergänzte Volvo Trucks das Angebot zudem um ein Camera Monitor System (CMS), bei dem herkömmliche Außenspiegel durch Kameras und Monitore ersetzt wurden.[71][72] Im Zusammenhang mit der sicherheitsbezogenen Ausstattung erhielten mehrere Modelle von Volvo Trucks in den Sicherheitsbewertungen der unabhängigen Organisation Euro NCAP die Höchstwertung von fünf Sternen.[73][74][75]

I-Roll

Das System I-Roll kann in Kombination mit einer Motor-Stop-Start-Funktion den Verbrennungsmotor in geeigneten Schub- und Rollphasen abschalten. Die Erweiterung I-Roll mit Stopp-/Start-Funktion nutzt hierfür unter anderem GPS-gestützte Fahrdaten, den Eco-Modus und eine adaptive Drehmomentregelung. Während der Abschaltphasen bleiben die Fahr- und Assistenzsysteme funktionsfähig.[48]

I-Save

I-Save ist eine Variante des Antriebsstrangs der FH-Baureihe von Volvo Trucks, die der Reduktion des Kraftstoffverbrauchs im Fernverkehr dient.[76] 2019 brachte Volvo Trucks den Volvo FH erstmals mit dem I-Save-Paket in Kombination mit einem Turbo-Compound-Dieselmotor (D13TC) auf den Markt.[77] Im Jahr 2022 wurde die I-Save-Technologie technisch überarbeitet. Dabei verbesserte Volvo Trucks unter anderem den Verbrennungsprozess der 13-Liter-Dieselmotoren durch angepasste Einspritzsysteme, eine veränderte Verdichtung sowie modifizierte Nockenwellen und Kolben. Die überarbeitete I-Save-Technologie wurde auf weitere Leistungsstufen ausgeweitet und ist seit 2022 auch für Motorvarianten mit 420 PS verfügbar.[78]

I-See

I-See ist ein GPS-gestütztes Fahrerassistenzsystem, das anhand topografischer Streckendaten vorausschauend Geschwindigkeit, Gangwahl und Motorbetrieb anpassen kann. Das System greift besonders bei Steigungen, Gefällestrecken und gleichmäßigen Fahrprofilen in die Fahrzeugsteuerung ein. Dadurch soll die Zahl der Schaltvorgänge reduziert und die Nutzung des Motordrehmoments verbessert werden.[79]

I-Shift

Das automatisierte Getriebe I-Shift wird seit 2001 in schweren Lastkraftwagen von Volvo Trucks eingesetzt. Es war das erste automatisierte Getriebe für schwere Nutzfahrzeuge und wird seitdem serienmäßig in allen schweren Modellen sowie deren Elektrovarianten verbaut. In einer Weiterentwicklung von 2022 wurde die Schaltgeschwindigkeit um bis zu 30 Prozent erhöht.[27]

Modelle

Der Schwerpunkt von Volvo Trucks liegt auf der Herstellung schwerer Nutzfahrzeuge.[2][80][81] Diese beginnen bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 12 Tonnen und werden seit den 2000er Jahren immer stärker am Markt nachgefragt.[82][83]

Vollständig überarbeitet wurden die großen Modellreihen zuletzt 2024.[84]

Im Mai 2018 wurde der FL Electric als erster elektrischer Lkw von Volvo vorgestellt, der dann 2019 in Serienproduktion ging. Die weiteren schweren elektrischen Modelle gingen 2022 in Serienproduktion.[85]

Im europäischen Raum bietet das Unternehmen derzeit folgende Baureihen an:[86]

Volvo FH

Volvo FH Aero Electric (2024)
Volvo FH (2024)

Der Volvo FH wird seit 1993 produziert und zählt zu den meistverkauften Baureihen des Herstellers.[60] Er ist für den Fernverkehr ausgelegt und wird unter anderem mit Blick auf Fahrerkomfort, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit eingesetzt.[87][88]

Der Elektro-Lkw Volvo FH Electric wird für regionale und überregionale Transporte genutzt. Zum Start der Serienproduktion 2022 wies der Volvo FH Electric eine Dauerleistung von bis zu 490 kW und eine Batteriekapazität von bis zu 540 kWh auf, das mögliche Gesamtzuggewicht liegt bei 44 Tonnen.[89][90]

2024 wurde die Variante Volvo FH Aero eingeführt.[91] Die Modellreihe ist mit Diesel-, Gas- und Elektroantrieb erhältlich.[91][60] Für den Volvo FH Aero 500 I-Save werden gegenüber der Standardausführung des Volvo FH Verbrauchseinsparungen von bis zu fünf Prozent angegeben.[92]

Für 2026 kündigte Volvo Trucks eine Langstreckenversion des FH Electric mit einer Reichweite von bis zu 600 Kilometern an.[63][93]

Volvo FH16

Volvo FH16 (2024)

Der Volvo FH16 ist das leistungsstärkste Lkw-Modell und kann mit seiner hohen Leistung und Kapazität schwere Lasten, zum Beispiel für Holz- und Schwerlasttransporte sowie im Bergbau bewegen.[94] Seit 2024 wird der Volvo FH16 mit einem 17,3-Liter-Dieselmotor angeboten, der in drei Leistungsstufen mit 600, 700 und 780 PS verfügbar ist. Der Motor ist für den Betrieb mit Biokraftstoffen wie HVO zertifiziert.[91] Der FH16 mit 780 PS gilt als stärkster Serien-Verbrenner Lkw der Welt.[95]

Volvo FM

Volvo FM Electric (2024)

Der Volvo FM wird unter anderem im Verteilerverkehr eingesetzt und ist für den innerstädtischen sowie regionalen Transport ausgelegt.[96][97] Seit 2017 wird er auch mit Flüssigerdgas oder Biogas-Antrieb vertrieben,[98][99] seit 2022 ist er auch elektrisch erhältlich.[100]

In der Verteiler-Variante wird der Volvo FM unter anderem mit einem 10,8-Liter-Dieselmotor angeboten. Diese Ausführung für den schweren Verteilerverkehr hat eine hohe Motorleistung bei vergleichsweise kompakten Fahrzeugmaßen.[97]

Volvo FM Low Entry

Volvo FM Low Entry Electric (2024)

Der Volvo FM Low Entry ist ein vollelektrischer Lastkraftwagen mit Niederflurfahrerhaus und einem zulässigen Gesamtgewicht von 19 bis 32 Tonnen. Das Modell wird für innerstädtische Transportaufgaben wie Abfallwirtschaft, Verteilerverkehr und kommunale Einsätze genutzt.[62][47]

Der FM Low Entry wird ausschließlich mit einem Elektroantrieb angeboten und ist damit das erste Fahrzeug eines europäischen Nutzfahrzeugherstellers, welches als rein elektrisches Fahrzeug konzipiert wurde und in Großserie produziert wird.[101][102]

Angetrieben wird der FM Low Entry von einem Antriebsaggregat mit 2 Elektromotoren mit 330 kW Dauerleistung und einer Batteriekapazität von rund 360 kWh. Die Reichweite wird vom Hersteller mit bis zu 200 Kilometern angegeben. Das Modell ist mit verschiedenen Achskonfigurationen sowie Radständen erhältlich und wird als Zwei-, Drei- oder Vierachser angeboten.[47]

Volvo FMX

Volvo FMX (2024)

Der Volvo FMX wird überwiegend im Bau- und Offroad-Einsatz verwendet und ist sowohl mit Diesel- als auch mit Elektroantrieb verfügbar.[45] Er besitzt unter anderem mehr Bodenfreiheit.[103]

Das Modell wurde in seiner elektrischen Variante 2022 eingeführt.[104] Der Volvo FMX ist in unterschiedlichen Varianten und Aufbauten für den Einsatz im Baugewerbe erhältlich. Der Volvo FMX Electric ist unter anderem als dreiachsige Ausführung erhältlich und erreicht eine elektrische Antriebsleistung von bis zu 490 kW.[45]

Volvo FE

Volvo FE Electric (2019)

Der Volvo FE ist ein Lkw für den regionalen Verteilerverkehr. Einsatzbereiche sind unter anderem Lieferverkehr, Abfall- und Recyclingwirtschaft, Feuerwehr und städtischer Baustellenverkehr.[105][106] Je nach Vertriebsregion wird das Modell mit Diesel- und CNG-Motoren und Elektroantrieb angeboten.[107] Die elektrische Variante wird seit 2019 in Serie produziert und hat je nach Batteriegröße eine Reichweite von bis zu 275 km.[43][44] Es werden verschiedene Achskonfigurationen angeboten; in der Entsorgung wird der Volvo FE Electric unter anderem als dreiachsige 6×2-Variante mit zweimotorigem Elektroantrieb eingesetzt.[44]

Volvo FL

Volvo FL (2021)

Beim Volvo FL handelt es sich um einen kompakten Lkw für Stadtlieferungen, leichte städtische Bautransporte und Rettungsdienste.[108][109] Das Model wird mit Dieselmotoren und Elektroantrieb angeboten. Die elektrische Variante wird seit 2019 in Serie produziert und hat je nach Batteriegröße eine Reichweite von bis zu 450 km.[110][111]

Die Varianten mit Dieselantrieb gibt es für die Gewichtsklassen 10 bis 19 Tonnen.[112] Für das Baujahr 2026 hat Volvo Trucks das Angebot mit elektrischem Antrieb nach unten hin ergänzt. Seitdem wird der Volvo FL Electric auch in einer 14-, 16- und 18-Tonnen-Variante angeboten. In der 14-Tonnen-Variante verfügt der FL Electric über eine nutzbare Batteriekapazität von rund 145 kWh und erreicht Reichweiten von bis zu 200 Kilometern.[65]

Produktionszahlen VOLVO [LKW-Omnibus-Traktoren]

2023 lieferte Volvo Trucks weltweit 145.395 Lastkraftwagen aus und erreichte damit den höchsten jemals ausgewiesenen Jahreswert.[113] Im Jahr 2024 gingen die Auslieferungen auf rund 134.000 Fahrzeuge zurück.[114]

Kritik

2018 stellte Volvo Trucks auch Probleme bei der Abgasreinigung fest. Ein Bauteil zur Kontrolle des Ausstoßes von Schadstoffen nutzte sich schneller ab als erwartet, wodurch möglicherweise die zulässigen Emissionswerte überschritten werden könnten. Volvo Trucks kündigte eine umfassende Untersuchung an.[115][116] Mit Einführung der neuen Abgasnorm Euro 6d im Jahr 2019 soll dieses Problem hinfällig sein.[117]

Engagement

Bewegen mit Herz

Volvo Trucks unterstützt soziale Initiativen im Umfeld des Straßengüterverkehrs. Dazu zählt die Beteiligung an der von Berufskraftfahrern gegründeten Initiative „Bewegen mit Herz e. V.“, die den jährlichen Aktionstag „A Happy Day of Life“ für benachteiligte Kinder organisiert. Im Rahmen dessen werden Kinder aus sozialen Einrichtungen mit Lkw zu einem Veranstaltungsort mit Freizeitprogramm gebracht. Die Aktion findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt und wird ehrenamtlich organisiert.[118]

Christopher Street Day

Volvo Trucks beteiligt sich zudem am Christopher Street Day (CSD). Die Beteiligung wird durch das Netzwerk für Diversität und Inklusion innerhalb des Unternehmens, „Volvo Eagle“, organisiert.[119][120]

E-Cannonball

2025 nahm das Unternehmen als erster Lastkraftwagenhersteller mit einem batterieelektrischen Fahrzeug an der Elektromobilitäts-Rallye E-Cannonball teil. Bei der Veranstaltung setzte Volvo Trucks einen Volvo FH Aero Electric ein, der ohne Auflieger auf einer mehrtägigen Strecke zwischen Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und dem Sauerland[121] unterwegs war. Hierdurch sollte die Sichtbarkeit batterieelektrischer Nutzfahrzeuge erhöht und deren Einsatzmöglichkeiten im öffentlichen Raum dargestellt werden. Neben der Teilnahme war Volvo Trucks auch ein Sponsor der Veranstaltung.[122]

HoLa-Projekt

Volvo Trucks beteiligt sich am Forschungs- und Pilotprojekt zum Aufbau einer Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lastkraftwagen „HoLa“ (Hochleistungsladen Lkw-Fernverkehr). Das Projekt untersucht den Aufbau, Betrieb und die wissenschaftliche Begleitung von Hochleistungs-Ladeinfrastruktur für schwere Elektro-Lkw im Fernverkehr.[123]

Im Rahmen des Projekts werden entlang der Autobahn A2 zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet mehrere Lade-Standorte errichtet und im realen Logistikbetrieb genutzt. Zum Einsatz kommen sowohl Ladepunkte nach dem Combined Charging System (CCS) mit Leistungen bis zu 350 kW als auch Ladepunkte nach dem Megawatt Charging System (MCS), das Ladeleistungen im Megawattbereich ermöglicht. Ziel ist es, Erkenntnisse für das Zwischenladen schwerer Elektro-Lkw während gesetzlich vorgeschriebener Pausen zu gewinnen. Das Projekt läuft von 2021 bis 2025, wird vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) koordiniert und vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert.[123]

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2024: Truck of the Year Auszeichnung für den Volvo FH Electric[124][125]
  • 2024: Sieger in der Kategorie „variable Kosten“ beim Praxistests der Spedition Fehrenkötter[126]
  • 2024: Euro NCAP Höchstbewertung von fünf Sternen für mehrere Modelle im Segment „Flottenfahrzeuge“[73] und Volvo FM, Volvo FH und Volvo FH Aero[127] mit bestem Gesamtergebnis[74] sowie „City Safe“-Label[75]
  • 2024: ETM Award in der Kategorie „Best of New Transportation“ für emissionsfreie Mobilität[128]
  • 2025: Green Truck Auszeichnung für den Volvo FH Aero als kraftstoffeffizientestes Fernverkehrsfahrzeug im Vergleichstest der Fachzeitschriften Trucker und Verkehrsrundschau[129]
  • 2025: TTW-Award in der Kategorie „Fernverkehrs-Champ“ für den Volvo FH Aero, verliehen von der Leserjury der Fachzeitschrift Truck & Trailer Welt[130]
  • 2026: Europäischer Transportpreis für Nachhaltigkeit (ETPN) in der Kategorie „Wasserstoff-Verbrenner-Lkw“[131]
  • 2026: Deutscher Nachhaltigkeitspreis für die Strategie zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks[132]
Commons: Volvo Trucks – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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