Vorderweißbuch
Dorf und seit 1972 ein Gemeindeteil der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis
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Vorderweißbuch ist ein kleines Dorf und seit 1972 ein Gemeindeteil der Großgemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Vorderweißbuch Gemeinde Berglen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 51′ N, 9° 30′ O |
| Höhe: | 407 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1. April 1972 |
| Eingemeindet nach: | Buchenberg |
| Postleitzahl: | 73663 |
| Vorwahl: | 07181 |
Lage von Vorderweißbuch in der Gemeinde Berglen
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Vorderweißbuch 2022 | |

Geographische Lage
Vorderweißbuch liegt am Rand einer kleineren Stubensandsteinhochfläche zwischen den Talsystemen des Buchenbachs im Norden, der Wieslauf im Osten und des Schornbachs im Süden.
Umliegende Ortschaften sind die Weiler Necklinsberg und Krehwinkel (beide Rudersberg), Buhlbronn, Schornbach und Mannshaupten (Stadt Schorndorf), Kottweil, Ödernhardt sowie Oppelsbohm (im Uhrzeigersinn).
Zur Altgemeinde Vorderweißbuch gehören die Weiler Birkenweißbuch und Streich.
Geschichte
Vorderweißbuch wurde erstmals als Wissenbuch[1] im Jahre 1326 erwähnt, als Hans von Urbach Besitzungen im Ort an die Prämonstratenser des Klosters Adelberg veräußerte. Die Herren von Ebersberg waren ebenfalls im Ort begütert: 1343 verkaufte Walter von Ebersberg seinen Besitz an das Kloster. Im ganzen 14. Jahrhundert wurde nicht zwischen Vorder- und Birkenweißbuch unterschieden. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts (1404) wird zwischen Vordern Wisbuch und Hinder Wysbuch daz wiler zu den Birken unterschieden. Der Ortsname bedeutet so viel wie Siedlung im hellblättrigen Buchenwald.[1] Herzog Ulrich von Württemberg führte 1535 die Reformation in seinen Gebieten ein und brachte in der Folgezeit auch Kloster Adelberg unter seine Kontrolle. Seitdem gehörte Vorderweißbuch zu Altwürttemberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Vorderweißbuch dem Oberamt Schorndorf angegliedert. 1819 wurde Vorderweißbuch mit den Weilern Birkenweißbuch und Streich zu einer eigenen Gemeinde erhoben. Bis dahin gehörte das Dorf zur Gemeinde Steinenberg. 1840 wurde ein eigenes Schulhaus gebaut, welches auch als Rathaus diente. Im Gegensatz zu den umliegenden Ortschaften gab es in Vorderweißbuch keinen Weinbau. Im Weiler Streich gestaltete sich der Ackerbau wegen unfruchtbaren Böden als sehr schwierig. Das Gemeindevermögen war unbedeutend.
Im Zuge der Gebietsreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde Vorderweißbuch 1938 in den Landkreis Waiblingen eingegliedert.
Im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurde die Gemeinde Vorderweißbuch am 1. April 1972 aufgelöst und in die Großgemeinde Buchenberg eingegliedert, die kurz darauf in Berglen umbenannt wurde.
Einwohnerentwicklung
Religion
Im Mittelalter gehörte Vorderweißbuch zur Pfarrei Buoch. Nach der Errichtung der Pfarrei Oppelsbohm (1440) wurde Vorderweißbuch von dort aus betreut. Mit der Einführung der Reformation 1535 trat die ganze Einwohnerschaft zum evangelisch-lutherischen Glauben über. Die wenigen römisch-katholischen Christen sind zumeist erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und sind nach Winnenden eingepfarrt.
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
- 1964–1972: Gerhard Schnabel
Wappen und Flagge

Die Altgemeinde Vorderweißbuch führte ein Gemeindewappen sowie eine Hiss- und Bannerflagge.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: In blauem Wappenschild ein silberner (weißer) Laubbaum.
Wappenbegründung: Das Wappen soll auf den Ortsnamen hinweisen, der Siedlung im hellblättrigen Buchenwald bedeutet. Es handelt sich somit um ein redendes Wappen.
Mit der Auflösung der Gemeinde Vorderweißbuch im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1972 ist das Wappen erloschen. Es kann jedoch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege weiterhin benutzt werden, etwa als Abzeichen oder Wimpel.
Bildungseinrichtungen
In Vorderweißbuch besteht eine Grundschule, die auch von Kindern aus Buhlbronn besucht wird.
Sehenswürdigkeiten
- Backhäusle (Belchenstraße 16)
Ortsneckname
In früheren Zeiten wurden die Einwohner von Vorderweißbuch wegen ihrer angeblichen Spießbürgerlichkeit in den umliegenden Orten scherzhaft Philister genannt.
Sonstiges
Nach der Gründung der Gemeinde Berglen herrschte bei vielen Straßen Namensgleichheit. Um Verwechslungen zu vermeiden, beschloss der Gemeinderat die Umbenennung der Straßen. Man entschied sich dabei, Bezeichnungen aus einem festumrissenen Bereich zu wählen. Man entschied sich bei Vorderweißbuch für Namen von Bergen und Ortschaften des Schwarzwalds: Belchenstraße, Feldbergstraße, Kniebisweg, Sommerbergweg (nach dem Berg bei Bad Wildbad) und Tribergstraße.
Literatur
- Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Schorndorf. J. B. Müller’s Verlagshandlung, Stuttgart 1851, S. 190f.
- Ilse Böwing-Bauer: Die Berglen. Hopfer Verlag, Tübingen 1958.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 285–286.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 198.
- Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.


