Vox (Partei)

spanische politische Partei From Wikipedia, the free encyclopedia

Vox (Latein für „Stimme“) ist eine nationalkonservative, rechtspopulistische und europaskeptische Partei in Spanien,[2][3] die im Dezember 2013 von früheren Mitgliedern der Partido Popular (PP) gegründet wurde. Sie lehnt die Autonomierechte der spanischen Regionen ab und strebt stattdessen eine zentralistische Verfassung an;[4] sie lehnt Immigration und Feminismus ab. In spanischen Medien wird sie teilweise als rechtsextrem eingestuft.[5]

Schnelle Fakten
Vox
Partei­vorsitzender Santiago Abascal Conde
General­sekretär Ignacio Garriga
Gründung 17. Dezember 2013
Entstehung Abspaltung von:
Partido Popular
Ausrichtung Rechtspopulismus
Nationalkonservatismus
Nationalismus
Wirtschaftsliberalismus
Zentralismus
Farbe(n) Grün
Sitze Abgeordnetenhaus
33 / 350 (9,4 %)
Sitze Senat
3 / 265 (1,1 %)
Mitglieder­zahl 67.769 (30. Juni 2025)[1]
Sitze EU-Parlament
6 / 61 (9,8 %)
Europapartei Partei Europäische Konservative und Reformer (EKR, 2019–2024)
Patriots.eu (PEU, seit 2024)
EP-Fraktion Patrioten für Europa (PfE)
Website www.voxespana.es
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Gründung

Am 16. Januar 2014 wurde Vox offiziell bei einer Pressekonferenz in Madrid vorgestellt.[6] Die Gründe für die Abspaltung waren laut eigener Angabe die nachgiebige Art, mit der die PP mit der baskischen Terrororganisation ETA umgeht.[7] Zusätzlich stand auch der Wunsch nach einem zentralisierten System in Spanien im Vordergrund, das im Gegensatz zum quasi-föderalistischen System der autonomen Gemeinschaften Spaniens von 1978 stehen soll.

Programmatik

Die Partei fokussierte sich anfangs auf Zentralismus, also die Ablehnung der Autonomierechte von Regionen wie dem Baskenland und Katalonien und wirtschaftsliberale Programmatik. Sie tätigte dann aber zunehmend islam- und migrationskritische Aussagen und kritisiert den Multikulturalismus.[8]

Vox hängt ferner dem Antifeminismus an, bezeichnet aus ihrer Sicht radikale Feministinnen als „Feminazi“ und fordert unter anderem die Aufhebung von spezifischen Gesetzen zu Gewalt gegen Frauen,[9] um diese stattdessen durch geschlechtsneutrale Gesetze gegen Gewalt in der Familie zu ersetzen. Aus Sicht der Partei widerspricht die derzeitige Gesetzgebung dem in der spanischen Verfassung verankerten Grundsatz der Gleichberechtigung.[10] Vox vertritt eine ablehnende Haltung gegenüber Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen Ehen.[11]

Im Wahlkampf zu den spanischen Parlamentswahlen 2019 forderte Vox ein liberaleres Waffengesetz und präzisierte im weiteren Verlauf, dass man Gesetze verabschieden wolle, die es Bürgern erlauben sollen, sich auf ihrem Grund gegen vermeintliche Einbrecher, nötigenfalls mit Waffengewalt, zur Wehr zu setzen.[12] Ferner kündigte Vizepräsident Manuel Mariscal in einer Parteisitzung an, „im Falle eines Wahlsieges“ einen privaten TV-Sender schließen zu wollen, der kritisch über Vox berichtet hatte. Parteichef Abascal widersprach umgehend und verwies lediglich auf eine geplante Schließung von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in den autonomen Gemeinschaften.[13][14] Weiters kündigte Vox auch die Verschärfung der Grenzsicherung an, unter anderem wolle man Mauern errichten, um die Einwanderung in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu unterbinden.[15]

In Bezug auf Hausbesetzungen ist der Standpunkt der Partei, dass man die Besetzer in weniger als 24 Stunden aus den Wohnungen befördert, wenn nachgewiesen ist, dass es einen rechtmäßigen Eigentümer gibt, der seines Eigentums beraubt wurde.[16]

2024 anerkannte die Sprecherin von Vox, dass der Franquismus eine Diktatur war, eine Sicht, die nicht von allen Mitgliedern geteilt wird. Zwar sagte Santiago Abascal Conde, er habe keine Meinung zu Francisco Franco, da dieser eine historische Person sei, doch Joaquín Robles gab an, er verstehe sich als „Erbe“[17] Francos. Die balearischen Vox-Abgeordneten im Madrider Parlament haben die Meinung geäußert, dass Franco „sanft“ war. Als einzige Partei Spaniens hat Vox 2019 die Überführung des Leichnams Francos in ein privates Familiengrab abgelehnt. Vox hat sich selbst als „antifaschistisch, antinazistisch und antikommunistisch[17] bezeichnet, steht aber direkt in der franquistischen Tradition des Leitspruchs des Franquismus „España, una, grande, libre“ (dt. Spanien, eins, groß, frei), der von 1938 bis 1981 auf der nationalistischen Flagge bzw. der spanischen Flagge stand. Der französische Spanien-Historiker Stéphane Michonneau ordnet Vox als rechtsextrem, monarchistisch, zentralistisch, euroskeptisch und neoliberal ein, dies bei inhaltlicher Übereinstimmung mit illiberalen politischen Bewegungen in Europa und den USA.[17]

Nachdem ihre eigene Demonstration gegen die Energiepreis-Erhöhungen am 19. März 2022 nur einige wenige Tausend Anhänger[18] mobilisiert hatte, solidarisierte sich am 20. März 2022 Vox mit einer Demonstration der „Ländlichen Allianz“ mit über 150.000 Teilnehmern in Madrid, die sich gegen die in Folge des Ukraine-Krieges 2022 verschärften Benzinpreis-Erhöhungen richtete.[19]

Vorstand

Der erste Parteivorsitzende war der Philosoph José Luis González Quirós. Der derzeitige Präsident der Partei ist seit September 2014 Santiago Abascal Conde. Andere Mitglieder sind Iván Espinosa de los Monteros und José Antonio Ortega Lara.

Santiago Abascal wurde am 5. März 2016 und am 7. März 2020 als Präsident wiedergewählt.[20][21]

Wahlen

Frühe Wahlen

Die Partei stand das erste Mal bei der Europawahl in Spanien 2014 zur Wahl, konnte jedoch mit ca. 1,56 % keinen Sitz gewinnen.[22]

Stimmenanteile der Vox bei der Europawahl 2014 in Spanien.

Bei den Parlamentswahlen 2015 und 2016 erreichte die Partei jeweils 0,2 %.

Wahlen ab 2018

Bei den Regionalwahlen in Andalusien 2018 zog die Partei erstmals in das Regionalparlament ein und konnte mit einem Stimmenanteil von 11 Prozent 12 Sitze erringen.[23][24] In Folge der Wahlen wurde Vox in die Bildung der neuen Regionalregierung involviert. Um einen Machtwechsel herbeizuführen, entschlossen sich sowohl der Partido Popular, als auch die als zentristisch geltende Partei Ciudadanos, zu der Bildung einer Minderheitsregierung unter der Führung von Juan Manuel Moreno Bonilla und der Duldung von Vox. Im Gegenzug wurden Kompromisse bezüglich der politischen Positionen gemacht.[25] Bei den Spanischen Parlamentswahlen im April 2019 konnte sie 10,3 Prozent der Stimmen und 24 Mandate erzielen,[26] bei der Neuwahl, den Spanischen Parlamentswahlen im November 2019, erzielten sie 15,1 Prozent der Stimmen und 52 Mandate. Bei der Wahl zum EU-Parlament 2019 erzielte die Partei 6,2 Prozent und zog mit drei Abgeordneten zum ersten Mal ins EU-Parlament ein und wurde dort Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR).[27]

Zudem gelang Vox bei mehreren Wahlen zu Regionalparlamenten im Jahr 2019 der Einzug in diese. Seitdem sitzen Abgeordneten der Vox als Oppositionelle in den Regionalparlamenten von Aragonien[28], Asturien[29], der Balearischen Inseln[30], Kantabrien[31], Kastilien und León[32] und Valencia[33]. In den Regionen Madrid und Murcia wählten Abgeordnete der Vox wiederum die Kandidaten der PP (Isabel Díaz Ayuso und Fernando López Miras) gemeinsam mit Ciudadanos zu den neuen Regionalpräsidenten.[34][35]

Bei den Wahlen zum Regionalparlament in Katalonien am 14. Februar 2021 erzielte die Partei 7,69 Prozent der Stimmen und 11 Mandate.

Bei den vorgezogenen Wahlen der Region Madrid am 4. Mai 2021 erzielte Vox 9,13 % der Stimmen und 13 Mandate.[36]

Bei der Parlamentswahl in Spanien 2023 erreichte die Partei 12,38 Prozent der Stimmen und 33 Mandate im Repräsentantenhaus.

Finanzierung

Der Wahlkampf der Partei Vox bei den Europawahlen im Jahr 2014 wurde zu 80 Prozent vom Nationalen Widerstandsrat des Iran in Höhe von 800.000 Euro finanziert.[37] Die finanziellen Mittel in den Gründungsjahren 2013 und 2014 bestanden zu über 80 % aus Spenden, die der Nationale Widerstandsrat des Irans bei seinen Mitgliedern für die Partei sammelte. Alejo Vidal-Quadras Roca, Mitbegründer von Vox, war in seiner Zeit als Europa-Abgeordneter maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass die Volksmudschahedin, eine Schwesterorganisation des Nationalen Widerstandsrats, von der Europäischen Liste der terroristischen Vereinigungen gestrichen wurde.[38][37]

In der Bilanz des Jahres 2019 hat die Partei ihr bisher bestes Ergebnis ausgewiesen. Die Einnahmen haben sich um das Siebenfache multipliziert (10,7 Millionen Euro im Gegensatz zu 1,5 Millionen Euro in 2018) und das Nettovermögen beläuft sich auf 5,9 Millionen Euro im Gegensatz der 1,1 Millionen Euro im Jahr 2018.[39] Laut der Bilanz des Jahres 2020 belief sich das Nettovermögen der Partei am 31. Dezember 2020 auf 11,5 Millionen Euro.[40] Die Einnahmen des Jahres 2020 beliefen sich auf fast 15 Millionen Euro.[41]

Mitglieder

Weitere Informationen Jahr, Zugänge ...
Jahr Zugänge Abgänge Mitglieder am 31. Dezember
2016 03.496 [42]
2017 2.045 569 04.792 [42]
2018 20.153 1.102 23.843 [43]
2019 29.927 1.363 52.407 [43]
2020 17.253 7.286 62.374 [40]
2021 63.468 [44]
2022 66.059 [45]
2023 66.649 [46]
2024 65.615 [47]
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Wahlergebnisse

Weitere Informationen Jahr, Region ...
Ergebnisse bei den Regionalwahlen
Jahr Region Stimmen Anteil Mandate Platz
2022 Andalusien 496.618 13,5 %
14/109
3.
2026 Aragonien 119.281 17,8 %
14/67
3.
2023 Asturien 54.273 10,1 %
4/45
3.
2023 Balearen 62.637 13,9 %
8/59
3.
2024 Baskenland 21.696 2,0 %
1/75
6.
2023 Ceuta 7.050 20,6 %
5/25
3.
2025 Extremadura 89.768 16,9 %
11/65
3.
2024 Galicien 34.045 2,3 %
0/75
4.
2023 Kanaren 71.740 7,9 %
4/70
5.
2023 Kantabrien 35.982 11,1 %
4/35
4.
2023 Kastilien-La Mancha 139.607 12,8 %
4/33
3.
2026 Kastilien-León 233.757 18,9 %
14/82
3.
2024 Katalonien 251.096 8,0 %
11/135
5.
2023 La Rioja 12.773 7,6 %
2/33
3.
2023 Madrid 248.379 7,3 %
11/135
4.
2023 Melilla 2.937 9,9 %
2/25
4.
2023 Murcia 121.321 17,7 %
9/45
3.
2023 Navarra 14.197 4,3 %
2/50
7.
2023 Valencia 310.184 12,6 %
13/99
4.
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Wahlergebnisse der Vox-Partei
15%
10%
5%
0%
Weitere Informationen Jahr, Stimmen ...
Ergebnisse bei den Parlamentswahlen
Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz
2015 58.114 0,2 %
0/350
15.
2016 47.182 0,2 %
0/350
13.
2019 (Apr.) 2.688.092 10,26 %
24/350
5.
2019 (Nov.) 3.656.979 15,08 %
52/350
3.
2023 3.057.000 12,38 %
33/350
3.
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Weitere Informationen Jahr, Stimmen ...
Ergebnisse bei den Europawahlen
Jahr Stimmen Anteil Mandate Platz
2014 246.833 1,6 %
0/54
11.
2019 1.393.684 6,2 %
4/59
5.
2024 1.688.255 9,6 %
6/61
3.
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Commons: Vox – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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