Waizenkirchen
Marktgemeinde im Bezirk Grieskirchen, Oberösterreich
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Waizenkirchen ist eine österreichische Marktgemeinde im Bundesland Oberösterreich im Bezirk Grieskirchen im Hausruckviertel mit 3909 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025).
| Marktgemeinde Waizenkirchen | ||
|---|---|---|
| Wappen | Österreichkarte | |
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Land: | ||
| Politischer Bezirk: | Grieskirchen | |
| Kfz-Kennzeichen: | GR | |
| Fläche: | 34,25 km² | |
| Koordinaten: | 48° 20′ N, 13° 51′ O | |
| Höhe: | 367 m ü. A. | |
| Einwohner: | 3.909 (1. Jän. 2025) | |
| Bevölkerungsdichte: | 114 Einw. pro km² | |
| Postleitzahl: | 4730 | |
| Vorwahl: | 07277 | |
| Gemeindekennziffer: | 4 08 31 | |
| NUTS-Region | AT311 | |
| Adresse der Gemeinde- verwaltung: |
Marktplatz 3 4730 Waizenkirchen | |
| Website: | ||
| Politik | ||
| Bürgermeister: | Fabian Grüneis (ÖVP) | |
| Gemeinderat: (Wahljahr: 2021) (25 Mitglieder) |
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| Lage von Waizenkirchen im Bezirk Grieskirchen | ||
Blick vom Süden auf Waizenkirchen | ||
| Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria | ||
Geografie
Waizenkirchen liegt auf einer Höhe von 367 m ü. A. im Hausruckviertel. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 8,8 km, von West nach Ost 8,6 km. Die Gesamtfläche beträgt 34,2 km², 9,6 % der Fläche sind bewaldet, 79,6 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung
Das Gemeindegebiet umfasst folgende 56 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2025[1]):
- Anrath (26)
- Aschach (39)
- Auweidenholz (62)
- Auwies (10)
- Bäckenhof (4)
- Breitwies (23)
- Brunnwald (9)
- Dittenbach (17)
- Eitzenberg (13)
- Esthofen (46)
- Gewerbepark Süd (0)
- Gföll (37)
- Grillparz (27)
- Hausleiten (165)
- Holzing (14)
- Hueb bei Lindbruck (28)
- Hueb bei Manzing (9)
- Imperndorf (27)
- Inzing (96)
- Keppling (48)
- Kollerbichl (45)
- Kranabithen (9)
- Kropfleiten (8)
- Lindbruck (22)
- Manzing (47)
- Moospolling (32)
- Niederndorf (29)
- Niederspaching (31)
- Obergschwendt (55)
- Oberviehbach (23)
- Oberwegbach (47)
- Parzham (20)
- Prambacherholz (48)
- Punzing (29)
- Purgstall (41)
- Ritzing (66)
- Röckendorferholz (35)
- Schurrerprambach (53)
- Sittling (21)
- Steinparz (12)
- Stillfüssing (23)
- Stroiß (38)
- Thall (22)
- Thallham (98)
- Untergschwendt (37)
- Unterheuberg (34)
- Unterviehbach (16)
- Unterwegbach (178)
- Waikhartsberg (35)
- Waizenkirchen (1355)
- Waldweidenholz (56)
- Watzenbach (22)
- Weg (37)
- Weidenholz (451)
- Weinzierlbruck (77)
- Willersdorf (57)
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Manzing, Waizenkirchen und Weidenholz.
Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Grieskirchen.
Nachbargemeinden
| Heiligenberg | St. Agatha | Stroheim (Bez. Eferding) |
| Peuerbach | ||
| Michaelnbach | Prambachkirchen (Bez. Eferding) |
Klima
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Waizenkirchen
Quelle: ZAMG Klimamittelwerte 1981–2010 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Geschichte
Anfang 1930 bei Regulierungsarbeiten am Leitenbach in Hub bei Lindbruck im sumpfigen Terrain aufgefundene Pfähle weisen auf eine neolithische Besiedelung hin. In einer Tiefe von 2,5 m wurden ca. 30 Stück senkrecht in den Moorboden getriebene Eichen- und Fichtenpfähle entdeckt.[2] Verstreut über das Gemeindegebiet wurden bisher 10 steinzeitliche Beile aufgefunden.
Im Jahr 2012 aufgefundene Siedlungsspuren im Mündungsbereich des Leitenbachs stammen nach Radiokarbondatierung vermutlich aus den Jahren zwischen 668 und 779.[3]
Eine Originalurkunde von 777[4] über das Gebiet „Askituna“ enthält nachfolgenden Textauszug: Nur ein höriger Mann, Adalof mit 10 Hausgenossen (= vermutlich Sippen, Ansiedelungen) bewohnte diese Gegend. Der vorliegende Fund befindet sich nicht nur in diesem Gebiet, auch der Zeitraum ist zutreffend.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte zwischen 1120 und 1140.[5] Der Name Waizenkirchen – eigentlich „Wachenchirchen“ – erscheint auch um das Jahr 1150 im Salbuch des Stiftes Reichersberg.
Ursprünglich im Ostteil des Herzogtums Bayern liegend, gehörte der Ort seit dem 12. Jahrhundert zum Herzogtum Österreich. Seit 1490 wird er dem Fürstentum Österreich ob der Enns zugerechnet. Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt.
Seit 1918 gehört der Ort zum Bundesland Oberösterreich. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum „Gau Oberdonau“. 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Waizenkirchen war bis 1923 Zentrum des Gerichtsbezirkes Waizenkirchen und wurde nach dessen Auflösung dem Gerichtsbezirk Peuerbach zugeschlagen. Gleichzeitig wurde die Gemeinde aus dem Bezirk Eferding herausgelöst und Teil des Bezirks Grieskirchen.
Einwohnerentwicklung
| Waizenkirchen: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1869 | 3.327 | |||
| 1880 | 3.240 | |||
| 1890 | 3.203 | |||
| 1900 | 3.104 | |||
| 1910 | 3.263 | |||
| 1923 | 3.181 | |||
| 1934 | 3.184 | |||
| 1939 | 3.154 | |||
| 1951 | 3.528 | |||
| 1961 | 3.417 | |||
| 1971 | 3.552 | |||
| 1981 | 3.566 | |||
| 1991 | 3.602 | |||
| 2001 | 3.653 | |||
| 2011 | 3.621 | |||
| 2021 | 3.790 | |||
| 2025 | 3.909 | |||
| Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1. Jänner 2021 | ||||
1991 hatte die Gemeinde laut Volkszählung 3602 Einwohner und erst nach 2011 stieg die Bevölkerung stark an. (Stand 2025)
Kultur und Sehenswürdigkeiten


- Katholische Pfarrkirche Waizenkirchen Hl. Aposteln Petrus und Paulus
- Altenheim-Kapelle: Die Altenheimkapelle ist dem Hl. Nikolaus geweiht. Die Kapelle besitzt Statuen und einen bemerkenswerten Altar.
- Schloss Weidenholz: Das Wasserschloss Weidenholz aus dem 13. Jahrhundert ist von einem Wassergraben umgeben. Der goldene Panther im Gemeindewappen erinnert an den ehemaligen Schlossbesitzer Georg Achaz von Losenstein. Unter ihm wurde das Dorf Waizenkirchen zum Markt erhoben. Heute beherbergt das Schloss die Landesmusikschule.
- Schloss Hochscharten: Seit 1989 war Schloss Hochscharten in Besitz des Rechtsextremisten und Industriellen Robert Wimmer, vor kurzem wurde es an einen Immobilienentwickler aus Peuerbach verkauft. Zum Unmut der Waizenkirchener Bevölkerung wurden davor hier vom Verein von Robert Wimmer Freundeskreis für Kultur und Zeitgeschichte regelmäßig Veranstaltungen der Neonazi-Szene abgehalten. Auch prominente Holocaustleugner, wie David Irving und Gerd Honsik traten dort auf.[6][7]
- Wilhelm Kienzl-Museum: im Geburtshaus des Komponisten Wilhelm Kienzl ist ein Gedenkzimmer eingerichtet, und am Haus selbst (Wilhelm-Kinzl-Straße Nr. 1) ist eine Gedenktafel angebracht
- Aschachtal: Das Aschachtal Natura-2000-Gebiet befindet sich zwischen Waizenkirchen und Aschach. Entlang dem Fluss der Aschach liegt eine Quelle mit kalkarmem Wasser, welche sehr gern von der heimischen Bevölkerung aufgesucht wird. Das Waldgebiet des Aschachtals wird von vielen Tierarten bewohnt.
- Mahnmal Stillfüssing: Dieses antifaschistische Mahnmal ersetzt seit 2021 das bisherige. Im Jahr 1962 erbaut, würdigte es 13 Soldaten der Waffen-SS, die in den letzten Kriegstagen 1945 in Stillfüssing ums Leben kamen. Am alten suchte man vergeblich nach einer historischen Einordnung, es hat sechs Jahrzehnte lang der rechtsextremen Propaganda gedient. Zwei Tafeln am neuen Mahnmal erinnern in deutscher und englischer Sprache an die Verbrechen der Waffen-SS und ihre Millionen Opfer. Vom ursprünglichen „Waffen-SS-Denkmal“ bleibt nur eine Grabtafel mit den Namen der 13 bestatteten Waffen-SS-Männer. In neuer Gestalt soll es nun an die Verfolgung und Ermordung von Millionen von Menschen durch den Nationalsozialismus erinnern.
Wirtschaft und Infrastruktur
Größte Arbeitgeber in der Gemeinde sind die Firmen Weigl (Aufzüge), Bauernfeind (PVC-Rohre), Guschlbauer (Großbäckerei), Isolena (Schafwolldämmstoffe) und die Marktgemeinde. Es gibt auch zahlreiche Vieh- und Getreidebauern sowie eine gut gewachsene Infrastruktur.
Bildung
- Krabbelstube
- Kindergarten
- Volksschule
- Neue Mittelschule
- Landwirtschaftsschule: Fachschule und EDV
- Landesmusikschule
Sport
- Österreichische Turn- und Sportunion Waizenkirchen: die Österreichische Turn- und Sportunion Waizenkirchen hat zahlreiche Sektionen. Aushängeschild ist die Sektion Tischtennis, die in der Herrenbundesliga spielt und eine eigene Halle besitzt. Weitere Sektionen sind Tennis, Schach, Skisport etc.
- SV Waizenkirchen: Der SV Waizenkirchen, 1948 gegründet, hat die Sektionen Fußball und Stockschießen. Nach etlichen Jahren in der Bezirksliga West spielt der SVW zurzeit in der 1. Klasse.
weitere Sportstätten:
- Turnhallen im Schulzentrum Waizenkirchen
- Freibad mit Sprunganlage
- Kletterhalle: betrieben von der örtlichen Alpenvereinsgruppe
- Beach-Volleyballplatz,
- drei Tennisplätze
- Tischtennishalle
- Fußballplatz (und ein Trainingsfeld)
- Asphaltstockschießanlage
- Fun-Court
- Eisstockschießen und Schlittschuhlaufen: auf dem Teich von Schloss Weidenholz und auf der Aschach in kalten Wintern möglich
Politik
Gemeinderat
Der Gemeinderat hat 25 Mitglieder.
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 6 SPÖ, 3 GRÜNE und 2 FPÖ.
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ÖVP, 5 SPÖ, 2 GRÜNE und 2 FPÖ.
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 6 FPÖ, 3 GRÜNE und 2 SPÖ.
- Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ÖVP, 4 GRÜNE, 4 FPÖ und 1 SPÖ.[8]
Bürgermeister
- 1970–1995: Franz Haslehner (ÖVP)
- 1995–2009: Josef Dopler (ÖVP)
- 2009–2018: Wolfgang Degeneve (ÖVP)[9]
- seit 2018: Fabian Grüneis (ÖVP)[9]
Wappen
Blasonierung: „Gespalten; rechts in Blau ein goldener, rot gewaffneter, aus Rachen und Ohren feuersprühender, aufgerichteter Panther; links ebenfalls in Blau auf grünem Boden eine silberne, schwarz geöffnete und rot gedeckte Kirche mit rechts vorgebautem Turm, goldenem Knauf und Kreuz auf Turmspitze und Langhaus.“
Die Gemeindefarben sind Blau-Weiß.
Der goldene Panther in Blau deutet auf Georg Achaz von Losenstein, der als damaliger Inhaber der Herrschaft Weidenholz die Markterhebung und Wappenverleihung im Jahr 1593 durch Kaiser Rudolf II. erwirkte. Die Kirche spricht für den Ortsnamen.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger der Gemeinde
- Franz Haslehner († 2019), Bürgermeister von Waizenkirchen 1970–1995[10]
Söhne und Töchter der Gemeinde

- Benedict Oberhauser (1719–1786), Benediktinerpater, Kirchenrechtler und Hochschullehrer
- Hans Hueber (1813–1889), österreichischer Maler, unterwies Kaiserin Elisabeth in der Malerei
- Hermann von Schmid (1815–1880), österreichischer Schriftsteller
- Engelbert Lanz (1820–1904), Komponist, Organist und Musikpädagoge
- Juliane Wimmer (Schwester Franziska Serafika, 1824–1886), Gründerin der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Vöcklabruck
- Cölestin Baumgartner (1844–1934), österreichischer Benediktiner und 1890–1929 Abt des Stiftes Lambach, Politiker (Landtagsabgeordneter)
- Franz Maria Doppelbauer (1845–1908), 1889–1908 katholischer Bischof der Diözese Linz
- Wilhelm Kienzl (1857–1941), österreichischer Komponist, sein berühmtestes Werk ist die Oper Der Evangelimann
- Johannes Maria Gföllner (1867–1941), 1915–1941 katholischer Bischof der Diözese Linz
- Josef Hager (1873–1924), Bauer und Politiker
- Johann Hofer (* 1940), Versicherungskaufmann und ehemaliger Politiker (ÖVP)
- Wolfgang Mayrhuber (1947–2018), Vorstandsvorsitzender der Lufthansa AG
- Franz Hiesl (* 1952), österreichischer Politiker (ÖVP), Landeshauptmann-Stellvertreter von Oberösterreich
- Walter Entholzer (* 1953), Zahnarzt und Abgeordneter zum Landtag
- Helga Amesberger (* 1960), österreichische Ethnologin, Soziologin und Politikwissenschaftlerin
- Franz Humer (* 1964), Archäologe
Personen mit Bezug zur Gemeinde
- Johann Evangelist Habert (1833–1896), katholischer Kirchenmusiker und Komponist, 1857–1860 Lehrer in Waizenkirchen
- Botho Coreth (1871–1942), Unternehmer und Politiker
- Johann Nepomuk David (1895–1977), österreichischer Komponist, 1920–1924 Volksschullehrer in Waizenkirchen
- Martin Humer (1925–2011), Fotograf und Aktivist, bekannt als der 'Pornojäger'
- Elisabeth Schörgenhumer (1953–2025), österreichische Schriftstellerin
- Josef Mayr (* 1967), Landwirt und Politiker (ÖVP)
Literatur
- Siegfried Fleck, Franz Holzinger: Waizenkirchen. Vergangenheit und Gegenwart. Marktgemeinde Waizenkirchen, 1992.
- Siegfried Fleck, Johann Auinger: Waizenkirchen. Das 20. Jahrhundert. Moserbauer, Ried im Innkreis 2000.
- Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Gemeinde Waizenkirchen. Endbericht. Gutachten Naturschutzabteilung Oberösterreich. 2008, S. 1–33 (zobodat.at [PDF]).
Weblinks
- Webauftritt der Gemeinde
- Weitere Infos über die Gemeinde Waizenkirchen auf dem Geo-Infosystem des Bundeslandes Oberösterreich.
- Bibliografie zur oberösterreichischen Geschichte. Suche nach 'Waizenkirchen'. In: ooegeschichte.at. Virtuelles Museum Oberösterreich

