Wakenitz
Nebenfluss der Trave
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Die Wakenitz (von slawisch *Vok(u)nica „Barsch-Fluss“[1], Mittelniederdeutsch: Wakenis[2]) ist ein rechter Nebenfluss der Trave im Südosten Schleswig-Holsteins, der den Ratzeburger See entwässert und etwa 14,9 Kilometer lang ist.
| Wakenitz | ||
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Wakenitz – Amazonas des Nordens | ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | DE: 9624 | |
| Lage | Schleswig-Holstein, Deutschland | |
| Flusssystem | Trave | |
| Abfluss über | Trave → Ostsee | |
| Quelle | Abfluss des Ratzeburger Sees 53° 46′ 47″ N, 10° 45′ 59″ O | |
| Mündung | in Lübeck in die Trave 53° 52′ 24″ N, 10° 41′ 50″ O
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| Länge | 15 km | |
| Einzugsgebiet | 455 km² | |
| Großstädte | Lübeck | |
Seit der Eröffnung des Schaalsee-Kanals im Jahr 1925, eine Verbindung des Schaalsees mit dem Ratzeburger See, umfasst das Wassereinzugsgebiet der Wakenitz etwa 445 km².
Der Chronist Helmold von Bosau erwähnt sie Mitte des 12. Jahrhunderts in seiner Chronica Slavorum unter den Bezeichnungen wochniza oder wochenice.
Wegen seiner Urwüchsigkeit, die auch durch die entlegene Lage an der innerdeutschen Grenze bis 1989 bedingt und unterstützt war, wird der Fluss auch „Amazonas des Nordens“ genannt.
Verlauf

Die Wakenitz ist der natürliche Abfluss des Ratzeburger Sees. Sie verlässt den See am nördlichsten Punkt bei Rothenhusen und verläuft in nordnordwestliche Richtung bis zum Stadtgebiet Lübecks. Bis zum Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (1896–1900) umfloss die Wakenitz den Stadthügel und mündete südlich von Lübeck in die Trave. Nach dem Kanalbau wurde die Wakenitz durch einen Damm abgesperrt (Falkendamm) und u. a. über den Düker in den Krähenteich/Mühlenteich (s. u.) entwässert.
Die Wakenitz bildet über weite Strecken die Grenze zwischen den Bundesländern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Der erste Abschnitt entlang der Grenze zu Mecklenburg wird von Schiffern und Seglern seit alters her Langer Jammer genannt, weil er so schmal ist, dass bei ungünstigem Wind nicht oder nur sehr mühsam aufgekreuzt werden kann. Andererseits waren die Uferverhältnisse mit ihren Auwäldern so dicht bewachsen, dass Lastkähne nicht getreidelt werden konnten.
Die Zuflüsse der Wakenitz:[3]
- Schattiner Mühlenbach,
- Grönau,
- Palinger Mühlenbach,
- Herrenburger Landgraben,
- Niemarker Landgraben.
Mit den in die Wakenitz von beiden Seiten einmündenden Herrenburger Landgraben und Niemarker Landgraben war die Wakenitz auch Bestandteil des mittelalterlichen äußeren Befestigungssystems der Lübecker Stadtbefestigung.
Die Überquerungen der Wakenitz:[4]
- Bogenbrücke bei Rothenhusen (2009),
- Fußgängerbrücke Nädlershorst bei Ziegelhorst,
- A 20 bei Groß Grönau (2004),
- Fußgängerbrücke, Überführung des Drägerwegs (1959),
- Eisenbahnbrücke (1936), Bahnstrecken Lübeck-Bad Kleinen und Lübeck–Lübeck-Schlutup,
- Wallbrechtbrücke (1969), St. Jürgend-Ring, B 75,
- Moltkebrücke (1973),
- Hüxtertoralleebrücke (1899, Querung des Dükerkanals),
- Straßenbrücke der Falkenstraße (Querung des Dükerkanals),
- Hüxtertorbrücke (Wakenitz-Querung bis zum Bau des Elbe-Trave-Kanals, dann Querung des Kanals),
- Mühlenbrücke (1913, zwischen Krähenteich und Mühlenteich),
- Nördliche Mühlendammbrücke (am ehemaligen Mühlengebäude) und
- Südliche Mühlendammbrücke (am ehemaligen Mühlengebäude, heute mit Wasserkraftanlage) vor Einmündung der Wakenitz in die Trave.
- Ehemalige Brücke bei Rothenhusen (August 2008 abgerissen)
- Neue Bogenbrücke bei Rothenhusen (2009)
- Fußgängerbrücke Nädlershorst
- Autobahnbrücke A20 (2004)
- Fußgängerbrücke, Überführung des Drägerwegs (1959)
- Eisenbahnbrücke (1936)
- Wallbrechtbrücke (1969)
- Moltkebrücke (1973)
- Südliche Mühlendammbrücke, im Hintergrund die Alte Mühle.
Hydrologie
Regulierung und Hochwasserschutz

Seit dem Mittelalter bis zum Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (von 1896 bis 1900) war die Wakenitz für den Betrieb von Mühlen am Hüxterdamm auf eine Wasserspiegelhöhe von 4,18 m ü NN und am Mühlendamm auf 2,40 m ü NN aufgestaut.
Von Rothenhusen bis zum Hüxterdamm betrug das Gefälle der Wakenitz auf 10 km nur einige Zentimeter. Dies führte in der Vergangenheit bei lang anhaltenden Niederschlägen zu Überflutungen in Ratzeburg und entlang des Ratzeburger Sees. Mit dem Bau Schaalsee-Kanals im Jahr 1925 und dem zeitgleich erstellten Wasserkraftwerk Farchau, wurde eine Verbindung des Schaalsees mit dem Ratzeburger Sees herstellt. Damit wurde das Wassereinzugsgebiet der Wakenitz auf etwa 445 km² erweitert.
Im Zuge des Ausbaus des Elbe-Lübeck-Kanals (1896–1900) wurde der Kanal im Lübecker Bereich im Flussbett der Wakenitz verlegt, wobei die Wakenitz durch den Bau des Falkendamms vom Krähenteich getrennt wurde. Durch den Bau des Dükerkanals und des Dükers unter der Kanal-Trave (unterhalb der heutigen Rehderbrücke/53° 51′ 49″ N, 10° 41′ 40″ O) erfolgt nunmehr der Abfluss der Wakenitz erst in den Krähenteich und dann unter der Mühlenstraße hindurch in den Mühlenteich, weiter über die Wehranlagen der alten Lübecker Stadtmühlen am Mühlendamm in die Stadt-Trave. Der Niveauunterschied zwischen Wakenitz und Trave beträgt damit 3,50 Meter.
Neben dem Auslass des Dükers im Krähenteich gibt es ein auf quadratischem Grundriss mit Holzaufbau errichtetes Pumpenhäuschen. Es versorgte seit 1908 das Elektrizitätswerk in der Mengstraße mit Kühlwasser sowie die Badeanstalt am Hüxterdamm mit Rohwasser.[5]
Zum Jahreswechsel 1965/66 drohte ein starkes Hochwasser der Wakenitz den Falkendamm zu brechen, in der Folge wäre der Ratzeburger See leergelaufen. Durch den Einsatz von Schläuchen der Feuerwehren konnte ein Brechen verhindert werden.[6] Ein hierzu erstelltes Gutachten zur Ermittlung der erforderlichen Leistungsfähigkeit der Abläufe der Wakenitz in die Trave kommt zu dem Ergebnis, dass die Kapazität des Ablaufes auf mindestens zehn Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden müsste, um das anfallende Oberflächenwasser schadlos ableiten zu können. Parallel zur vorhandenen Hochwasserentlastung unter der Falkenstraße hindurch zum Klughafen aus dem Jahre 1923 sollte eine weitere Hochwasserentlastung gebaut werden.
In den Jahren 2004 und 2005 wurde ein neuer Hochwasserüberlauf mit größerer Leistung am Falkendamm gebaut und die provisorischen Überläufe am Dükereinlauf an der Rehderbrücke später entfernt. Die zusätzliche Stahlbetonrohrleitung am Falkendamm mit einem Durchmesser von zwei Metern und 85 Meter Länge kann bis zu 9,9 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der Wakenitz zur Kanaltrave ableiten. Zusätzlich dient eine kleinere Wehranlage an der Wakenitz zur Regelung des Wasserstandes. Zusammen mit der am Falkendamm bestehenden Rohrleitung (2,7 m³/s) und dem Abfluss durch den Dükerkanal (7,4 m³/s) verdoppelt sich die ursprüngliche Leistungsfähigkeit auf etwa 20 m³/s.[7]
Die Abflussdaten der Wakenitz, die an der Eisenbahnbrücke gemessen werden, schwankten in den Jahren von 2016 bis 2022 zwischen < 1 m³/s und über 9 m³/s, wobei die höchsten Abflussdaten jeweils im Januar auftraten.[8]
Die Sicherung des Abflusses der Wakenitz in die Trave besteht damit aus drei verschiedenen Rohrsystemen:
- Dem Düker unter der Kanaltrave hindurch vom Dükerkanal zum Krähenteich und Mühlenteich und von dort über eine Wehranlage in die Stadttrave,
- der Hochwasserentlastung unter der Falkenstraße hindurch zum Klughafen und
- dem – Jahre später geschaffenen – parallel verlaufenden Überlaufbauwerk am Falkendamm.
- Der Dükerzuleitungskanal entwässert die untere Wakenitz über einen Düker in den Krähenteich
- Auslass des Wakenitz-Dükers an der Nordseite des Krähenteiches (mit Pumpenhäuschen)
- Ende der Wakenitz am Falkendamm in Lübeck – am linken Bildrand ist der Überlauf zum Elbe-Lübeck-Kanal sichtbar
Wasserqualität
Das saubere Wasser der Wakenitz wurde bis 1972 zur Trinkwasserversorgung Lübecks benutzt. Um diesen Zustand zu erhalten, ist u. a. das Befahren des Gewässers mit motorgetriebenen Fahrzeugen genehmigungspflichtig. Hierdurch wird der Einsatz von Verbrennungsmotoren stark eingeschränkt und ist nur für Rettungs-, Sicherungs- und Schleppboote sowie für die Fahrgastschiffe der „Wakenitz Schifffahrt Quandt“ zulässig.
Die Wasserqualität der Wakenitz wird im Allgemeinen sehr gut bewertet und ist ein beliebtes Badegewässer. Die zur Überwachung der Badegewässerqualität erhobenen hygienischen Indikatoren Escherichia und Intestinale Enterokokken lagen 2025 für die Flussbadestelle, Naturbad Falkenwiese deutlich unter den zulässigen Grenzwerten.[9][8]
Sauerstoffgehalte entlang der Wakenitz
Die Messungen des Sauerstoffgehaltes entlang der Wakenitz (in jeweils in ein Kilometer Abständen) im Jahr 2021 ergaben von Januar bis März Werte zwischen 14 mg/L und 10 mg/L, die in den Sommermonaten von Juni bis August bereichsweise auf 6 mg/L zurückgingen.
Die Wasserqualität des Krähenteiches und des Mühlenteiches wird neben jahreszeitlichen Einflüssen wesentlich durch die Verweilzeit des Wassers im Krähenteich und Mühlenteich bestimmt, sie beträgt durchschnittlich 4-5 Tage. Wegen der geringen Fließgeschwindigkeit und der für einen ursprünglichen Fluss relativ großen Tiefe erfolgt auf diesem Weg nur eine geringe Durchmischung und damit geringe Belüftung.
Die Messungen der Sauerstoffkonzentration im Krähenteich im Jahr 2021 zeigten eine saisonale Veränderung, Tagesschwankungen und eine Reaktion auf einzelne Niederschlagsereignisse. Die Werte lagen im Minimum zwischen ca. 2-3 mg/L und erreichten maximale Werte von ca. 12,5 mg/L. Die häufigsten Werte lagen zwischen 6 und 8 mg/L.
Die Messungen der Sauerstoffkonzentration im Mühlenteich zeigten ähnliche saisonale Veränderungen und Tagesschwankungen. Vor allem in der 2. Juli-Hälfte 2021 gab es eine Phase starken Sauerstoffmangels im Mühlenteich, die Sauerstoffwerte lagen deutlich unter 5 mg/L. In den vergangenen Jahren war es im Spätsommer vereinzelt zu Fischsterben gekommen, im Krähenteich, u. a. am 14. August 2018.[10][11]
Qualitätsnormen/Beurteilungswerte: Nach der Oberflächengewässerverordnung (OGewV, 2016) gibt es keinen Grenzwert für die Sauerstoffkonzentration in Fließgewässern. Ein Wertbereich (Orientierungswerte) zwischen 7 und 9 mg/L zeichnet einen sehr guten ökologischen Zustand aus, ein Wertebereich zwischen 4 und 8 mg/L zeigt noch einen guten ökologischen Zustand. Die Sauerstoffkonzentration unter 4 mg/l kann bereits zum Fischsterben führen.[12]
Geschichte
12. bis 19. Jahrhundert
Die Wakenitz – als natürliche Grenze zwischen dem Herzogtum Lauenburg und der Hansestadt Lübeck – war gleichzeitig eine wichtige Handelsroute. Holz, das über den Ratzeburger See und die Wakenitz nach Lübeck transportiert wurde, machte den Fluss zu einer wirtschaftlichen Lebensader der Region.[13]
Mit der Gründung und Erbauung der Stadt Lübeck auf dem Höhenrücken zwischen der Trave und Wakenitz durch Graf Adolf II. (Schauenburg und Holstein) im Jahr 1143 gewann die Wakenitz für Lübeck zur Stadtbefestigung, Trinkwasserversorgung und als Energielieferant zum Mühlenbetrieb außerordentliche Bedeutung.[14]
In den Jahren 1157 bis 1159 kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Graf Adolf II. und Herzog Heinrich dem Löwen um den erfolgreichen Handelsplatz Lübeck. Um den Grafen zu schädigen, gründete der Herzog kurzerhand einen Handelsplatz an der Wakenitz, an einem bis heute nicht genau lokalisierten Platz am Ostufer der Wakenitz, den er Löwenstadt nannte. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die Wakenitz für den Transport von großen Warenmengen nicht geeignet war. Der Herzog und der Graf einigten sich und so war die Neugründung Lübecks 1159 (nach Zerstörung der Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst) möglich geworden.[3]
Bereits im frühen Mittelalter wurde die Wakenitz gestaut, um Wassermühlen und später die Brauerwasserkunst und die Bürgerwasserkunst vor dem Hüxtertor zu betreiben.

Mühlenbau an der Wakenitz
Die seenartige Ausdehnung der Wakenitz von Mühlen- und Krähenteich sowie der „Binnenwakenitz“ entlang der gesamten Ostseite der Stadt, geht auf mehrere seit dem 12. Jahrhundert erfolgte Staumaßnahmen zurück und bestand bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Bereits vor 1181 gab es mindestens eine innerstädtische Kornmühle, die durch Wasserkraft angetrieben wurde. Man nimmt an, dass sie bereits 1159 an einem Damm im Bereich des heutigen Durchlasses zwischen Krähen- und Mühlenteich lag. 1197 kam am gleichen Gerinne eine zweite Mühle hinzu. Die durch die Errichtung dieser ersten „Staustufe“ verursachte Hebung des Wasserspiegels und die damit verbundene Ausdehnung des Mühlenstaus ist nicht bekannt. Durch eine Sturmflut von 1228/29 wurden der Damm beschädigt und die beiden Mühlen zerstört.
Zur Gewinnung eines stärkeren Gefälles wurde spätestens 1230 erstmals ein Damm in Höhe des Hüxtertores in die Wakenitzniederung aufgeschüttet und 1231 mit einer Kornmühle besetzt. Die erzielte hohe Stauhöhe hatte zur Folge, dass ein Teil der oberhalb von Lübeck gelegenen Uferstrecken und auch die Klosterwiesen beim St. Johanniskloster überschwemmt wurden. Zugleich erfolgte der Wiederaufbau der beiden älteren Mühlen an ihrem ursprünglichen Platz bei der heutigen Mühlenbrücke.
Mit dem Kauf des Wakenitz-Wassers durch die Stadt Lübeck im Jahr 1291 von dem Herzog von Sachsen und dem Bischof von Ratzeburg sicherte sich die Stadt die geplanten größeren Aufstauungen der Wakenitz rechtlich ab. So berichtet der Aegidienprediger Heinrich Christian Zietz in seinen 1822 erschienenen Ansichten: „Um diesen Gebrauch, dessen Nutzen man wohl erkannte, sich zu verschaffen, setzte Lübeck sich frühe in den vollen Besitz dieses Stromes, und erkaufte 1291 vom Herzog Albrecht II. von Sachsen das Eigenthum für 2128 Mark Pfennige, unter noch gültigen und beobachteten Bedingungen wegen des Wasserstandes.“ Er merkt 1821 dazu in der Fußnote an: „Diesen verabredeten Stand bezeichnen zwei runde Säulen mit Metallplatten und Inschriften neben der ersten Brücke des Hüxterthores, und ein metallner Frosch auf einem Pfahl am Mühlendamm, über welchen das Wasser nie steigen darf, wenn nicht Ratzeburg der Gefahr einer Überschwemmung ausgesetzt werden soll.“

Um die Kapazität der städtischen Mühlen zu steigern, wurde der 1230 angelegte Hüxterdamm im Jahr 1289 gehöht. Zur gleichen Zeit wurde an der Mündung der Wakenitz in die Trave ein weiteres Dammbauwerk, der heute noch diesen Namen tragende „Mühlendamm“, aufgeschüttet. Durch den neuen Stau am Mühlendamm, auch „unterer Stau“ genannt, stieg der Pegel südlich des Hüxterdamms auf 2,4 m über Normalwasserspiegel der Trave an und ließ die Wasserflächen von Mühlen- und Krähenteich entstehen. Im Bereich nördlich des „oberen Staus“ am Hüxterdamm erreichte das Mittelwasser einen Pegel von 4,18 m ü NN.
Die neu errichteten Mühlen ersetzten die Kornmühlen auf dem „alten Mühlendamm“ unterhalb der Mühlenstraße, die nun abgebrochen wurden. Auf dem neuen Damm wurden drei Kornmühlen gebaut, 1298 kam eine vierte hinzu. An den Fleeten beider Staustufen wurden neben den Kornmühlen auch Malz-, Pulver- und Walkmühlen mit Wasserkraft betrieben.[15]
Von 1511 bis 1690 befanden sich dort insgesamt sechs, kurzzeitig sogar sieben Mühlen an fünf Fleeten. In der Folgezeit wurden die Mühlen nach und nach abgerissen und die dazugehörigen Fleete zugeschüttet. 1848 kam es am Mühlendamm noch einmal zum Neubau von zwei Mühlen, die bis 1955 von der Holstenmühle der Gebrüder Janssen zum Mahlen von Getreide betrieben wurden. 1990 wurde die „südliche Mühle“ zu einer Wasserkraftanlage umgebaut und ist seither die einzige Wasserkraftanlage in der Hansestadt Lübeck. Bei einer Fallhöhe von gut zwei Metern erreicht sie eine Leistung von 75-Kilowatt und versorgt damit 50 bis 60 Haushalte.[16][5]
Im Jahr 1873 wurden die Pegelstände dann auf 2,2 m beziehungsweise 3,56 m (im Sommer 3,27 m) über Travespiegel herabgesetzt.
Mit den Aufschüttungen der Dämme und der damit verbundenen Hebung des Wasserspiegels und Ausdehnung der Wasserflächen musste die Uferzone, die weiter an die Stadtmauer heranrückte, durch das Setzen einer Vielzahl von Pfählen neu angepasst werden, es entstand ein „Pfahlgürtel“ von gut 1 m Breite. Der Verlauf dieser Uferlinie hatte von ihrer Errichtung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an bis weit in das 19. Jahrhundert hinein Bestand.
Brauerwasserkunst


Das mittelalterliche Lübeck verfügte vor dem späten 13. Jahrhundert über keine städtische Wasserversorgung, sie erfolgt lediglich über grundwassergespeiste Brunnen und über das Wasser der Wakenitz, das von Trägern in Eimern in die Häuser gebracht wurde. Der große Wasserbedarf der Brauer zur Bierherstellung, wöchentlich etwa bis zu 5000 Liter Wasser, veranlasste die Lübecker Brauer im Jahr 1294 eine Brauerwasserkunst an Hüxterdamm der Wakenitz zu errichten.
Das Wasserrad der Wasserkunst, versehen mit ledernen oder tönernen Schöpfgefäßen, förderte das Wasser in einen Hochbehälter, welches von dort über die unterirdisch verlegten hölzernen Leitungen zu den Braustellen abfließen konnte. Der Wasserdruck des Hochbehälters reichte aus, um die Bereiche in der östlichen Altstadt zu erreichen. 1302 wurde eine zweite Wasserversorgung errichtet, die den Nordwesten sowie in den nächsten Jahren den östliche Altstadtbereich mit Wasser versorgte. Die Lübecker Wasserkünste erreichten eine Gesamtlänge von 9.100 Metern und versorgten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Drittel der Stadt mit dem Wasser der Wakenitz. Im Jahre 1540 wurde die Brauerwasserkunst umfassend erneuert. Ein dreigeschossiger, 14 Meter hoher Wasserturm wurde errichtet. Sechs Pumpen, von einem Wasserrad angetrieben, beförderten das Wasser in den Wasserturm, von wo aus es in die Leitungen gedrückt wurde.[17]
Bürgerwasserkunst
Da die Brauerwasserkunst technisch nicht in der Lage war, die hochgelegenen Grundstücke der Stadt zu versorgen, wurde im Jahre 1531 der Bau einer neuen Anlage auf dem Hüxterdamm, unmittelbar neben der bestehenden Brauerwasserkunst errichtet. Kernstück der Bürgerwasserkunst war ein etwa 20 Meter hoher Wasserturm, in dessen Inneren sich in 16 Metern Höhe der Hochbehälter befand, der 14,75 Kubikmeter Wasser fassen konnte und hoch genug war, um mit dem resultierenden Wasserdruck auch die höchstgelegenen Grundstücke des Stadthügels zu versorgen.
Die Bürgerwasserkunst und Brauerwasserkunst hatten im Jahr 1867 insgesamt 359 Häuser über das 5940 Meter lange Leitungsnetz mit dem Wasser der Wakenitz versorgt.
Die Filteranlagen der städtischen Wasserkunst zur Reinigung des Wassers wurden schrittweise erweitert. Während im Jahr 1867 3 Filter zu je 425 qm Filterfläche im Einsatz waren, wurde die Filterfläche 1878 mit 5 Filtern auf 2136 qm und 1894 mit drei Filtern – zu je 1458 qm – auf 5626 qm erweitert. Die Filterschicht bestand aus einer Sandschicht von 60 cm sowie einer 15 cm Kies- und 30 cm Steinschicht. Der Filtersand wurde aus Seesand in Travemünde gewonnen.
In den Jahren 1894/95 betrug die Gesamtlänge des Rohrleitungsnetzes der Wasserkunst 71 km.[14]
20. und 21. Jahrhundert
Mit dem Bau des Elbe-Trave-Kanal von 1896 bis 1900 – der 500 Jahre alte Stecknitzkanal genügte nicht mehr den damaligen wirtschaftlichen Anforderungen – wurde im Lübecker Bereich, entlang der östlichen Lübecker Stadtmauer der Kanal bis zum Burgtor ausgehoben, wo er in die Trave einmündet. Damit verlor die Wakenitz ihren natürlichen Abfluss in die Trave. Dieser Abfluss findet jetzt über den neu erstellten Dükerkanal und den Düker unter dem neuen Trave-Kanal sowie über den Krähenteich und Mühlenteich statt. Längs des Trave-Kanals, dem Kanalhafen, wurde die Wakenitz durch den Falkendamm (heute die Falkenstrasse) auf etwa 3 Meter gegenüber dem Trave-Kanal aufgestaut.[18][19]
Die Uferlinie der Wakenitz lag vor den Umbauten bei der Straße An der Mauer beziehungsweise an der Wakenitzmauer, also etwa 150 m weiter landeinwärts gegenüber der heutigen Uferlinie des Elbe-Lübeck-Kanals, der hier im ehemaligen Flussbett der Wakenitz verläuft.
Zwischen Lübeck und der Insel Rothenhusen am Ratzeburger See verkehren in der Saison regelmäßig Ausflugsschiffe, die in Rothenhusen Anschluss in Richtung Ratzeburg haben. Hier befand sich seit 1927 auch eine hölzerne Straßenbrücke nach Mecklenburg, die 2008 abgerissen wurde. Die Eröffnung des Ersatzbaus 2009 verzögerte sich aufgrund gerichtlichen Einspruchs des BUND. Seit April 2009 steht die neue Bogenbrücke zur Verfügung.
Die in den Zwanziger Jahren erbaute und nach dem Krieg von der DDR unterbrochene Holzbrücke bei Nädlershorst wurde 1976 abgerissen. Nach der Wiedervereinigung wurde 18 Jahre lang um die Wiedererrichtung gestritten. Anfang 2008 wurde die Genehmigung erteilt.[20] Die Fußgängerbrücke verbindet seit August 2008 Schattin mit der von Groß Grönau kommenden Straße Nädlershorst. Diese ist allerdings seit dem Bau der A 20 unterbrochen, so dass ein kleiner Umweg notwendig ist.
Große Teile der Wakenitz-Niederungen stehen unter Naturschutz: auf dem Gebiet Schleswig-Holsteins durch das Naturschutzgebiet „Wakenitz“ und auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns durch die Naturschutzgebiete „Kammerbruch“ und „Wakenitzniederung“. Weitere Teile sind als Landschaftsschutzgebiet „Wakenitz und Falkenhusen“ ausgewiesen.

Die A 20 führt bei Groß Grönau und Lüdersdorf über die Wakenitz. Zunächst war beabsichtigt, die Wakenitz aus Naturschutzgründen zu untertunneln. Der Tunnel konnte jedoch nicht finanziert werden. Naturschützer klagten wiederholt gegen das Bauvorhaben einer 300 Meter langen Autobahnbrücke über die Wakenitz. Zwei Mal musste das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob eine Brücke gebaut werden durfte. Nach sieben Jahren Einspruchsverfahren starteten 2002 die Bauarbeiten der Brücke, die am 14. Dezember 2004 – mit der Freigabe der Autobahn 20 für den Verkehr zwischen Lübeck und Schönberg – abgeschlossen wurden.[21]
Wakenitzhorste
Die Wakenitzhorste sind bzw. waren Siedlungsstellen auf beiden Ufern der Wakenitz, die ihren Ursprung zumeist in Wohnstätten von Fischern hatten. Mit dem Barbarossa-Privileg von 1188 erhielt die Stadt Lübeck unter anderem das Vorrecht der Fischerei auf der Wakenitz.

Die Wakenitzfischer, die täglich von Lübeck aus zum Fischfang auf die Wakenitz ausfuhren, legten sich bald einfache Hütten am Ufer der Wakenitz an, um dort für mehrere Tage zu bleiben. Aus den Fischerbuden wurden zunehmend ständige Wohnstätten. Zwischen 1595 und 1844 entstanden zu beiden Seiten der Wakenitz Fischerhorste, deren Zahl anfangs 14, später 16 betrug. Aufgabe der Fischer war es auch, den Fluss für die Schifffahrt gegen den Bewuchs freizuhalten und die nötige Wassertiefe zu erhalten. Die Bewohner mussten auch ihre Fähren selbst betreiben. Im 19. Jahrhundert begann die Bedeutung der Wakenitzfischerei zu schwinden, die von der Stadt vorgegebene Höchstzahl von 11 aktiven Fischerhorsten wurde nicht mehr erreicht.[22]
Im 19. Jahrhundert querten fünf Fähren für Fußgänger die Wakenitz: vom Hüxtertor nach Marli, vom Kaninchenberg zum Ersten Fischerbuden, von der Weberkoppel zum Zweiten Fischerbuden, bei Nädlerhorst und bei Rothenhusen.[23]
Das gesamte Ostufer der Wakenitz im Bereich des Langen Jammers gehörte bis 1937 zur Lübecker Exklave Schattin und wurde erst zu diesem Zeitpunkt durch das Groß-Hamburg-Gesetz mecklenburgisch.
Die auf der Ostseite der Wakenitz befindlichen Horste, Brunshorst, Stoffershorst und Bothenhorst (über dessen Grundstück heute die Bundesautobahn 20 verläuft) wurden 1961 von den Grenztruppen der DDR geschleift.
Von den verbliebenen Horsten dient heute keiner mehr dem Fischfang, seitdem der auf Goldberg ansässige letzte Wakenitzfischer 1975 die Fischerei aufgab. Mehrere Horste sind bis heute bewohnt, Müggenbusch und Absalonshorst werden als Ausflugslokal bzw. Hotel betrieben.
Flora und Fauna
Durch die Aufstauung der Wakenitz entstand vor allem im oberen Teil des Flusses eine seenartige Aufweitung, die eine ausgeprägte Tier- und Pflanzenwelt hervorbrachte. Allein am ersten Tag der Artenvielfalt 1999 wurden hier von 102 Experten 2066 verschiedene Tier- und Pflanzenarten in nur 20 Stunden gefunden. Darunter befanden sich 217 Arten, die mindestens unter „gefährdet“ eingeordnet werden.
Reptilien und Amphibien (Herpetofauna)
Rotbauchunke, Kammmolch, Knoblauchkröte und Moorfrosch werden beobachtet.
Vogelwelt (Avifauna)
Die Vögel Rotmilan, Sumpfohreule, Wachtelkönig, Eisvogel, Schwarzspecht, Heidelerche, Neuntöter, Blaukehlchen und Sperbergrasmücke kommen hier vor. Nach dem Ausbruch einiger Tiere aus einer Farm in Groß Grönau hat sich eine Nandupopulation am Ostufer fest etabliert.
Fischfauna
Die Wakenitz ist vom Lübecker Kreisverband der Sportfischer e. V. gepachtet, der dort das Fischereirecht ausübt und regelmäßig Besatzmaßnahmen durchführt.[24] Häufige Fischarten sind Hecht, Barsch, Aal, Zander, Wels, Karpfen (Wildkarpfen), Schleien und diverse Weißfische wie Rotaugen, Rotfedern und Brassen. Vor allem haben Welse in dem ursprünglichen und weitgehend naturbelassenen Fluss einen stabilen Bestand gebildet[25] und können dort kapitale Gewichte erreichen.[26]
Nutzung
Wassersport

An der Wakenitz haben an der Straße Wakenitzufer im Stadtteil St. Jürgen, in St. Gertrud sowie in Eichholz mehrere Segel- und Wassersportvereine ihre Klubhäuser. Einer der traditionsreichen Seglerclubs an der Wakenitz ist der Lübecker Segler-Verein von 1885, der bis 1920 Verein Lübecker Segler hieß und unter diesem Namen am 11. Oktober 1885 seine erste Regatta auf der Wakenitz ausrichtete. Er baute sein Vereins- und Bootshaus auf der Falkenhalbinsel, das am 4. Oktober 1908 eröffnet wurde und bis heute besteht. Ein weiterer Verein des späten 19. Jahrhunderts ist der Segler-Club Hansa von 1898.
Eine jüngere Geschichte hat die Eisarschregatta, die der Lübecker Yacht-Club seit 1969 jeweils im Dezember auf der Wakenitz veranstaltet.
Ein weiteres regelmäßiges Sportereignis ist der seit 1995 jährlich ausgerichtete „WakenitzMan“. Dabei schwammen 2009 mittlerweile über 100 Teilnehmer teils einzeln, teils in Staffeln die fast 14 Kilometer vom Startpunkt in Rothenhusen bis zum Ziel, dem Freibad an der Falkenwiese. Ausrichtender Verein ist der Tri-Sport-Lübeck e. V.
Naherholung
Die Wakenitz ist auch ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Region, umsäumt von Wanderwegen und unter strengen Auflagen genutzt von Wassersportlern, insbesondere mit Kanus und Ruderbooten. Der Drägerweg führt von Lübeck bis nach Rothenhusen am Ratzeburger See. Mehrere Freibäder, darunter das 1899 eröffnete und unter Denkmalschutz stehende Freibad an der Falkenwiese mit hölzernen Umkleideräumen und Badestegen, bieten in den Sommermonaten wegen geringer Strömung Gelegenheit zum gefahrlosen Schwimmen. Bereits 1799 hatte es an der Wakenitz ein Schwimmbad gegeben, die Kreidemannsche Anstalt. In unmittelbarer Nähe der Wakenitz und dem Freibad an der Falkenwiese liegt der Lübecker Schulgarten.
Am Westufer der Wakenitz haben sich im Verlauf der Jahrhunderte drei markante Ausflugsziele entwickelt, die wie Müggenbusch und Absalonshorst aus ehemaligen Fischerhorsten entstanden und noch heute als gastronomische Betriebe geführt werden. Folgende Siedlungsstellen bestehen am Westufer der Wakenitz:
- Müggenbusch
- Absalonshorst
- Harbershorst
- Nädlershorst, nach dem Krieg auch Russische Botschaft genannt, wurde 2003 abgerissen. Die dort bis 1975 befindliche Brücke wurde hingegen 2008 wieder aufgebaut
- Ziegelhorst
- Rothenhusen
Die bestehenden Gehöfte werden von der Wakenitzschifffahrt bedient und bieten Möglichkeiten zur Wasserung von Paddelbooten oder Kanus.
- Fährhaus Rothenhusen (Seeseite)
- Fährhaus Rothenhusen (Landseite)
- Müggenbusch
- Absalonshorst
- Wakenitz, der Lange Jammer bei Rothenhusen
Schifffahrt
Zwischen Lübeck, Moltkebrücke, und Lübeck-Rothenhusen am Ratzeburger See verkehrt von Mai bis September ein Personenschiff. Angefahren werden die Anleger Müggenbusch und Absalonshorst. Ab Rothenhusen verkehrt von April bis September ein Schiff über den Ratzeburger See nach Ratzeburg.
Literatur
- Gottfried Renatus Häcker: Lübeckische Flora. Friedr. As[s]chenfeldt, Lübeck 1844, S. 376, (Digitalisat)
- Johannes Klöcking: Die Wakenitz. Lübecker Heimathefte, Heft 1/2. Verlag von Charles Coleman, Lübeck 1926.
- Wakenitz – zweite Lebensader Lübecks. Berichte des Vereins „Natur und Heimat“ und des Naturhistorischen Museums zu Lübeck, Heft 17/18. Lübeck 1982, ISSN 0067-5806.
- Helmut Häusler: Wakenitz-Hochwasser. In: Der Wagen. Schmidt-Römhild, Lübeck 1967, S. 72–75.
