Walaphyllium
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Walaphyllium ist eine 2020 zunächst als Untergattung von Phyllium beschriebene Gespenstschrecken-Gattung der Wandelnden Blätter (Phyllioidea) die im Nordosten Australiens und in Papua-Neuguinea beheimatet ist.[1][2]
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Pärchen von Walaphyllium monteithi | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Walaphyllium | ||||||||||||
| Cumming, Thurman, Youngdale & Le Tirant, 2020 |



Merkmale
Die Gattung Walaphyllium vereint kleinere und bis mittelgroße Arten der Wandelnden Blätter. Männchen der beiden größeren Arten erreichen Körperlängen zwischen 61 und 79 mm. Die der kleinsten Art Walaphyllium lelantos, die nur vom männlichen Holotypus bekannt ist, werden nur um 53 mm lang. Für die Weibchen der beiden größeren Arten sind Körperlängen von 75 bis 86 mm dokumentiert.[2][3]
Gattungstypisch für die Männchen von Walaphyllium ist die Ausbildung der Median-Ader ihrer Vorderflügel (Tegmina). Diese besteht aus einer vorderen, also anterioren Medianader (MA) und zwei hinteren, also posterioren Medianadern (MP1 und MP2). Das bei vielen Gespenstschrecken charakteristisch geformte Vomer, ein am zehnten Tergum des Abdomens der Männchen befindliches, bewegliches Sklerit, welche zum Verankern am siebten Sternum des Abdomens des Weibchens dient, hat bei ihnen einen einzelnen apikalen Haken. Bei der Aderung der Tegmina der Weibchen ist die Aufspaltung des Cubitus in einen anterioren (CuA), einen ersten posterioren (CuP1) und einen zweiten posterioren (CuP2) Cubitusast charakteristisch. Hinterflügel (Alae) sind bei ihnen nicht entwickelt. Das viertes Segment (Antennomer IV) ihrer Fühler ist etwa so lang wie das jeweils folgende Segment einzeln und nicht kurz und scheibenförmig. Die Eier besitzen keine Fiederblättchen, sondern eine spröde, schwammartige Oberfläche und einen kegelförmig erhöhten Deckel (Operculum) (Siehe auch Bau des Phasmideneis).
Weitere, nicht gattungstypische Merkmale von Walaphyllium sind die bei den Männchen gut ausgeprägten Einzelaugen (Ocellen). Beide Geschlechter besitzen Lappen (Loben) an den Innenseiten der Schienen (Tibien) der Vorderbeine (protibiale interiore Loben), aber keine protibialen exterioren Loben auf der Außenseiten derselben. Die an den Schenkeln (Femura) der Vorderbeine befindlichen inneren Lappen (profemorale interiore Loben) haben je vier bis fünf kleine, einzeln stehende Zähnchen. An den Pleuren des Mesothorax befinden sich fünf bis sieben gut entwickelte, aber nicht große Tuberkel, die über ihre gesamte Länge nahezu einheitlich groß sind. Die Ränder des Abdomens verlaufen bei den Männchen parallel und bei den Weibchen fast parallel.[2]
Vorkommen und Lebensweise
Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Gattung Walaphyllium umfasst den Nordosten Australiens und Papua-Neuguinea. Walaphyllium monteithi ist neben Nanophyllium australianum die einzige bisher aus Australien beschriebene Art und ist wie diese in Queensland endemisch. Sie gilt dort als relativ häufig. Die beiden anderen Walaphyllium Arten sind in Papua-Neuguinea heimisch. Der Fundort des einzigen bekannten Exemplars von Walaphyllium lelantos liegt in Watut in der Morobe Province. Die Fundorte von Walaphyllium zomproi liegen ebenfalls in der Morobe Province, sowie in der Gulf Province.[2] Als natürliche Nahrungspflanzen von Walaphyllium monteithi gelten Myrtengewächse wie Syzygium smithii.[4]
Systematik
Frank H. Hennemann et al. schlugen 2009 für die Gattung Phyllium und deren damalige Untergattungen die Einteilung in Artengruppen vor. Die 2001 von Detlef Größer als Phyllium (Phyllium) zomproi, sowie die 2003 von Paul D. Brock und Jack Hasenpusch als Phyllium (Phyllium) monteithi beschriebenen Arten stellten sie damals zusammen mit 15 anderen Arten in die Siccifolium-Artengruppe. Von diesen werden weiterhin 12 Arten in der Gattung Phyllium geführt, während die übrigen vier Arten in drei später beschriebene Gattungen überführt worden sind.[1][5] Phyllium zomproi wurde im Juni 2020 von Royce T. Cumming, Jessa H. Thurman, Sam Youngdale und Stéphane Le Tirant als Typusart in Walaphyllium überstellt, die als Untergattung von Phyllium beschrieben wurde. Auch die heutige Walaphyllium monteithi wurde als zweite Art der ehemaligen Gattung Phyllium in diese Untergattung überstellt. Gleichzeitig beschrieben Cumming, Thurman, Youngdale und Le Tirant anhand eines im Natural History Museum hinterlegten, bereits 1992 gesammelten Männchens mit Phyllium (Walaphyllium) lelantos eine dritte Art in dieser Untergattung.
Der Name „Walaphyllium“ bedeutet „tanzendes Blatt“ und setzt sich zusammen aus dem latinisierten Namen Phyllium, der Typusgattung der Familie (vom griechischen φυλλον, -ου (phyllon, -oy) + -um) und dem Präfix „Wala“, welches den Sprachen der indigenen Völker Australiens entlehnt ist. „Walawalay“ bedeutet in der Dyirbal-Sprache „Schütteltanz“ und als „walayi-y“ in der Djagubay-Sprache „vorbeigehen“. Die sich überschneidende Begriffe aus diesen indigenen Sprachen werden u. a. im äußersten Norden von Queensland verwendet, dem Verbreitungsgebiet von Walaphyllium monteithi. Da diese Art die häufigste und bekannteste der damaligen Untergattung ist, gehen die Autoren davon aus, dass die indigenen Völker dieser Region dieses geheimnisvolle Insekt möglicherweise als Erste zu schätzen wussten und nutzen die Möglichkeit diesen Völkern durch die Benennung Respekt zu erweisen. Wie Phyllium ist auch Walaphyllium sächlich.[2]
Sarah Bank et al. erhoben 2021 basierend auf ihren molekulargenetischen Untersuchungen Walaphyllium und zwei weitere Untergattungen von Phyllium in den Rang von Gattungen. In die Untersuchungen wurde je eine Probe von Walaphyllium zomproi und Walaphyllium monteithi einbezogen.[6]
Die Gattung Walaphyllium umfasst derzeit die folgenden Arten:[1]
- Walaphyllium lelantos (Cumming, Youngdale, Thurman & Le Tirant, 2020)
- Walaphyllium monteithi (Brock & Hasenpusch, 2003)
- Walaphyllium zomproi (Grösser, 2001)
Cumming und Le Tirant ordnen die Gattung 2022 nach molekulargenetischen und morphologischen Merkmalen mittels Bayesscher Inferenz phylogenetisch ein und stellen sie in eine Klade mit Comptaphyllium, Acentetaphyllium, Nanophyllium und Trolicaphyllium, wobei sie das Schwestertaxon zu allen anderen Gattungen darstellt (Siehe auch Kladogramm der Phylliidae).[7]
Terraristik
Aus der Gattung Walaphyllium ist Walaphyllium monteithi bereits viele Jahre sowohl in Australien, als auch in Europa in Zucht. Als Futterpflanzen werden Brombeeren, Salal (Gaultheria shallon), Guave, Eucalyptus melanophloia und Johanniskräuter, wie Hypericum grandifolium angenommen.[2][4]