Walter Bohm
deutscher Jurist, Richter, SS-Funktionär und Landwirt (1892-nach 1977), 1933 Staatskommissar der Kirche in Mecklenburg-Schwerin
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Walter Ludwig Karl Bertold Bohm (* 6. Februar 1892 in Stralsund; † nach 1977) war ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und SS-Funktionär.
Leben
Walter Bohm wurde als Sohn des Hamburger Eisenbahninspektors Hermann Bohm und seiner Frau Karoline, geb. Lüpke, in Stralsund geboren. Nach der Enteignung seines Besitzes in Estland zog er nach Hamburg, wo er sich in Groß Flottbek als Kaufmann niederließ. Er war Rittmeister der baltischen Landeswehr gewesen und hatte den Abschluss als Diplom-Landwirt erlangt. Bereits zum 1. Dezember 1928 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 105.173).[1] In Hamburg promovierte er im Jahre 1933 über ein kirchenrechtliches Thema zum Dr. jur. 1933 wurde er Hauptschulungsleiter der dortigen Bauernschule. Kurzzeitig war er im April 1933 Staatskommissar der Kirche in Mecklenburg-Schwerin.
1933 trat Bohm der SA und dann der SS bei (SS-Nummer 74.397) und wurde Anfang der 1930er Jahre Hauptlektor für bäuerliches und landwirtschaftliches Schrifttum der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums. 1934 wurde er Hauptabteilungsleiter im Stabsamt des Reichsbauernführers Walther Darré im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (RuSHA). Als solcher war Bohm Urheber von Vorschlägen für gesetzgeberische Maßnahmen zur „Reinhaltung des arischen Blutes“, in denen er etwa die Straffreiheit bei Kindesmord forderte, sofern der Mord „aus Verzweiflung darüber [erfolgte], bastardiertes Blut ins Leben gesetzt zu haben.“[2] Bohm war unter anderem Redner auf dem Ersten Landesbauerntag Sachsens vom 13. bis 15. Februar 1934 in Dresden.[3]
1935 wurde er zum SS-Obersturmführer befördert, 1938 verließ er auf eigenen Wunsch die SS.
Als Ende 1935 die Bauernhochschule in Goslar eingerichtet wurde, erhielt Walter Bohm die Ernennung zum Dozenten für Agrarrecht und Agrargeschichte. Als später geplant war, für Walter Bohm an der Universität Hamburg eine außerordentliche Professur für Agrarrecht einzurichten, lehnte dies die Universität ab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er bis 1957 Hamburger Obersenatsrat und Richter am Hamburgischen Landesverwaltungsgericht.[4]
Familie
Er war in erster Ehe mit Emmy von Kirschten verheiratet. In Reval wurden drei Söhne geboren. Zwei dieser Söhne fielen im Zweiten Weltkrieg. Der mittlere Sohn Walther (1922–1959) diente als Kriegsfreiwilliger im Füsilier-Regiment Großdeutschland und im Volkssturm. Er wurde zwei Mal schwer verwundet, schließlich als Kriegsinvalide entlassen und arbeitete zeitweilig als Landwirt. Er starb 37-jährig an den Folgen seiner Kriegsverletzungen. In zweiter Ehe war Walter Bohm mit der Studienrätin Hildegard Bohm, geb. Precht verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor und zwei Söhne, der Schauspieler und Regisseur Hark Bohm (1939–2025) und der Schauspieler Marquard Bohm (1941–2006).[4]
Schriften
- Acatholicus. Eine Untersuchung über die Stellung der Ungetauften und der Apostaten, Häretiker und Schismatiker sowie der sonstigen exkommunizierten Christen im geltenden kanonischen Recht. Hamburg 1933 (Dissertation)
- Biologischer Hochverrat. Tatbestände in der Vergangenheit, Abwehrmaßnahmen in der Zukunft. Herausgegeben von Ricardo Sloman. 1943[5]
Literatur
- Herrmann A. L. Degener: Degeners Wer ist’s?. X. Ausgabe, Berlin 1935, S. 158.
- Erich Stockhorst: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. blick + bild Verlag S. Kappe KG, Velbert/Kettwig 1967.
- Hans-Christian Harten: Himmlers Lehrer: Die Weltanschauliche Schulung in der SS 1933–1945, 2014, S. 53.