Walter Steding

US-amerikanischer Musiker und Maler From Wikipedia, the free encyclopedia

Walter George Steding (* 7. September 1950 in Pittsburgh, Pennsylvania; † 19. November 2025 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Musiker und Künstler, dessen Schaffensphase von 1972 bis 2025 reichte. Er war Mitglied der No-Wave- und Punk-Szene in New York City. Außerdem arbeitete er als Assistent von Andy Warhol und gehörte zum festen Kreis von „The Factory“, Warhols Studio am 860 Broadway.[1][2]

Leben

Steding wurde 1950 im US-Bundesstaat Pittsburgh geboren und war das zweite von vier Kindern von Gloria Irwin und George Steding, einem Mechaniker; wenige Quellen nennen fälschlicherweise als seinen Geburtstag den 9. Juli 1953. Im Alter von acht Jahren zog er mit seinen Eltern von Pittsburgh in das ländliche Harmony im US-Bundesstaat Pennsylvania. Er besuchte die Ivy School of Professional Art in Pittsburgh, eine kommerzielle und inzwischen geschlossene Kunstschule für Werbe- und Gebrauchsgrafik, an der zeitweise auch Keith Haring studierte; er hatte einen weiteren Abschluss der Seneca Valley School. 1972 verließ er im Alter von 21 Jahren seine Heimatstadt und trampte nach New York City. Dort bezog er zunächst einen ehemaligen Lagerraum nahe dem Union Square, der lediglich mit einem Waschbecken und hohen Fenster ausgestattet war. Mitte der 2000er-Jahre zog er in ein Apartment in Greenpoint, Brooklyn, das er von Chris Stein übernommen hatte, dem Mitbegründer der Band Blondie.[3]

Mit der Künstlerin Elizabeth Tisdale hatte Steding eine gemeinsame Tochter, Georgeanna. Er starb im November 2025 im Alter von 75 Jahren, wenige Tage bevor er bei einer Gedenkveranstaltung für die Fotografin Marcia Resnick auftreten sollte; zur Todesursache wurden keine Angaben gemacht. Er hinterließ seine Tochter sowie die Geschwister Bonnie, James und Raymond.[1][3]

Karriere

Steding war ein autodidaktischen Musiker, der von den „ästhetischen Qualitäten des Klangs“ fasziniert war. Er trat unter anderem mit einer elektrischen Geige, einem maßgefertigten Synthesizer und einem Biofeedback-Gerät auf, das angeblich seine Gehirnströme während der Auftritte in Klänge umsetzte und dabei mittels illuminierter Sonnenbrillen visualisierte. Ab 1978 trat er regelmäßig bei Avantgarde‑Festivals von Charlotte Moorman auf, bei denen er hohe und für das Publikum oft anstrengende Klänge auf seiner Geige produzierte. Er trat auch mit Ether Ship auf, einer Band, deren Mitglieder er an der Kunsthochschule kennengelernt hatte und die sich für „außerirdische Sprachen“ und Raumfahrt interessierten. Steding war ein aktives Mitglied der Künstlerszene in Downtown New York, besuchte Ausstellungseröffnungen und trat in Clubs wie CBGB, The Ritz, dem Mudd Club sowie Max’s Kansas City auf.[3][4][5]

Später lernte er Andy Warhol in der Diskothek Infinity am Lower Broadway. Stedings einzigartige Performancekunst faszinierte Warhol so sehr, dass dieser beschloss, ihn einzustellen und später sein Manager zu werden – Steding war damit der einzige Künstler, den Warhol nach Velvet Underground betreute. In der Factory mischte Steding Farben für Warhol und spannte Leinwände auf, betreute aber auch prominente Gäste der Factory wie Keith Richards und Georgia O’Keeffe, die zum Mittagessen oder zu Fototerminen eingeladen waren. Zu dieser Zeit begann er auch Weggefährten und Gäste der Factory zu porträtieren. 1980 gründete Warhol das kurzlebige Musiklabel Earhole Productions, das nur eine einzige 12‑Inch‑Schallplatte veröffentlichte: The Joke / Chase the Dragon von Stedings Band Walter Steding and the Dragon People, deren Schallplattencover ein von Warhol gezeichnetes Porträt zierte. Steding und Warhol gründeten gemeinsam den Musikverlag Captain Henry Music, über den die Lieder auf Stedings 1982 erschienenem Musikalbum Dancing in Heaven veröffentlicht wurden – nach seinem Debütalbum Walter Steding aus dem Jahr 1980, mit Beiträgen von Robert Fripp, Richard Lloyd und Jan-Marek Pakulski. Warhol produzierte auch das Musikvideo zur Single Secret Spy aus dem Album zusammen mit Vincent Fremont, dem damaligen Leiter von Andy Warhol Enterprises, und unter Regie von Joe Munroe.[3][4]

Er war zudem Opening Act von Bands wie Blondie, Suicide oder von den Ramones. Außerdem war er als „Doc Steding“ Bandleader der anarchistischen Fernseh-Talkshow TV Party, die von Glenn O’Brien moderiert wurde. Weitere künstlerische Kollaborationen hatte Steding unter anderem mit Jim Carroll, David Byrne, Chic und Panther Burns zusammen. Steding war später Mitglied von The Electric Symphony und veröffentlichte Musikalben bei Red Star sowie Animal Records, einem Musiklabel des Blondie-Mitbegründers Chris Stein. Zuletzt war er Mitglied der Rockband Crazy Mary und hatte weiterhin Auftritte in Galerien und auf Kunstveranstaltungen, bis hin zum Museum of Modern Art (MoMA).[3][4]

Steding wirkte auch als Schauspieler vor der Kamera und als Komponist. So steuerte er die Musik und musikalische Untermalung von Nachts in Union City (1980), Underground U.S.A. (1980) und Polyester (1981) bei. Er war zudem in den Filmen Film Blank Generation (1980) und Downtown 81 zu sehen, der im Jahr 2000 veröffentlicht wurde. Der Film mit dem Künstler Jean-Michel Basquiat in der Hauptrolle beleuchtet die New Yorker Kunstszene der frühen 1980er-Jahre anhand von Aufnahmen aus den Jahren 1980 und 1981.[1][2][5]

Neben der Musik betätigte sich Steding als Maler von Stillleben und finanzierte sich regelmäßig über Porträtmalerei. Stedings Malerei verband klassische Maltechniken mit Bildsprache, allegorischen Symbolen und einer metaphysischen Tiefe, „die Identität und verborgene Bedeutungen erforscht“, oft aber auch kitschige Elemente enthielt. Über zahlreiche Porträts dokumentierte er so auch das Künstlerleben von New York City. Im Jahr 2023 fand in der Howl!-Galerie im East Village von Manhattan eine Ausstellung seiner Kunstwerke unter dem Titel This Is My Voice statt. Im Mai 2025 begann er eine einjährige Künstlerresidenz bei Silver Art Projects im 4 World Trade Center, wo er an einem großformatigen Schiffsmodell arbeitete.[3][4]

Musik

  • 1979: Get Ready, Single (Red Star Records)
  • 1980: Walter Steding and the Dragon People: The Joke / Chase the Dragon, 12"-Single (Earhole Productions)
  • 1980: Walter Steding, Album (Red Star Records)
  • 1982: Secret Spy / My Room, Single (Animal Records)
  • 1982: Dancing in Heaven, Album (Animal Records)

Filmografie (Auswahl)

  • 1980: Blank Generation
  • 1980: Nachts in Union City (Musik)
  • 1980: Underground U.S.A. (Komponist)
  • 1981: New York Beat Movie
  • 1981: Polyester
  • 1982: Walter Steding: Dancing in Heaven (Musikvideo)
  • 1982: Walter Steding: Secret Spy (Musikvideo)
  • 2000: Downtown 81
  • 2005: Face Addict

Werkausstellungen

  • 1980: Time Capsules (112 Workshop / White Columns, New York)
  • 2008: King of the Poppies: Paintings and Drawings (Glenn Horowitz, New York)
  • 2023: Walter Steding: This Is My Voice (Howl! Happening, East Village, New York)
  • Gruppenausstellung: Icons, Iconoclasts, and Outsiders (Howl! Happening, East Village, New York)

Einzelnachweise

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