Walther Josephson

preußisch-deutscher Dirigent From Wikipedia, the free encyclopedia

Walther Ludwig Otto Josephson (* 16. April 1868 in Barmen; † 22. Oktober 1937) war ein preußisch-deutscher Dirigent und Musiklehrer. Er stand zwischen 1899 und 1920 dem Städtischen Orchester, Vorgänger der heutigen Duisburger Philharmoniker, als Generalmusikdirektor (zeitgenössisch: Leiter des städtischen Musikwesens) vor.[1]

Leben

Ausbildung und Anfänge

Walther Josephson kam am 16. April 1868 unter dem Namen Walther Ludwig Otto Josephson als 18. und letztgeborener Sohn des lutherischen Pfarrers Carl Ludwig Josephson (1811–1888) im heute zu Wuppertal gehörenden Barmen zur Welt. Seine Mutter war die vierte Ehefrau des Carl Josephson, Anna Gräfin von der Schulenburg (1827–1900).[2] Der ältere Bruder Hermann Josephson wurde ein bekannter Pfarrer. Im Jahr 1874 begann Josephson seine Ausbildung am Barmer Gymnasium, diese schloss er 1888 in Bielefeld mit der Erlangung der Reifeprüfung ab. Auf diese Zeit datieren die ersten Gehversuche als Dirigent: Josephson lernte im „Gymnasialgesangverein“ beim Lehrer Arnold Mendelssohn, wo er auch als Dirigent dem Orchester vorstand.

Im Jahr 1888 ging Walther Josephson nach Berlin, um hier Musikwissenschaften zu studieren. An der dortigen Universität wurde er unter anderem von Philipp Spitta in Musikwissenschaften und Erich Schmidt in Kunst- und Literaturgeschichte ausgebildet. Daneben nahm er privaten Musikunterricht, beim Pianisten Johann Schulze, beim Komponisten Reinhold Succo und beim Dirigenten Joseph Joachim. In Berlin absolvierte Josephson auch seinen Militärdienst ab. 1893 erhielt er eine erste Anstellung als Musikdirektor im ostpreußischen Insterburg. Hier gelang es ihm den aus Berufsmusikern und Amateuren zusammengesetzten „Oratorienverein“ personell aufzustocken und das Publikum mit regelmäßigen Konzertveranstaltungen, unter anderem mit den Gästen Eugen d’Albert, Joseph Joachim, Anna und Eugen Hildach, zu unterhalten.

1893 heiratete er in Gera die wenige Jahre jüngere Sophie Hoßfeld (1873–1951). Mit ihr sollte er die Kinder Anneliese und Hans haben. Josephson gehörte auch zu den Organisatoren des „Littauischen Musikfestes“, das 1894 in Tilsit erstmals stattfand. Im Jahr 1899 wurde Walther Josephson, als erster unter 65 Bewerbern, zum Leiter des Städtischen Musikwesens im rheinpreußischen Duisburg ernannt. Damit trat er beim „Duisburger Gesangsverein“ in die Fußstapfen Hugo Grüters und folgte bei der „Städtischen Kapelle“ Julius Steininger nach. Darüber hinaus stieg er zum Musik- und Gesangslehrer an der „Höheren Töchterschule“, dem späteren „Städtischen Oberlyzeum“ bzw. dem „Duisburger Konservatorium“ auf.[3]

Wirken in Duisburg

Unter Walther Josephson erhöhte sich die Anzahl der Musiker im Orchester von 18 auf 56, das 1908 schließlich in städtische Verwaltung überging. Daneben stellte er einen Konzertmeister und einen Solocellisten an. Mit Gastauftritten von bekannten Namen, die das Orchester als Solisten verstärkten, erhöhte Josephson die Bekanntheit der Musikgruppe.[4] Darunter waren Maria Ivogün, Johannes Messchaert, Eugène Ysaÿe, Joan Manén y Planas, Adolf Busch, Ferruccio Busoni, Raoul Pugno, Ernst von Dohnányi, Elly Ney, Wilhelm Backhaus, Wanda Landowska und Friedrich Wilhelm Franke. Der städtische Gesangsverein erhöhte seine Mitgliederzahl unter der Leitung Josephsons ebenfalls stark.

Allerdings scheiterten die Versuche Josephsons, die Breitenwirkung der Duisburger Musikszene in der Stadt zu erhöhen. Das Format der sogenannten Volkskonzerte wurde nach zwei Jahren wieder eingestellt. Immer wieder lud der Leiter auswärtige Kammermusikgruppen in die Stadt ein. Im Jahr 1902 wurde Walther Josephson zum Königlichen Musikdirektor ernannt, 1917 folgte die Ernennung zum Professor. Dazwischen lag die Einzziehung zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, in dem er hohe militärische Auszeichnungen erwerben konnte. Die Nachkriegszeit war von einem Zerwürfnis mit städtischen Behörden und dem Orchester geprägt. Zum 1. Oktober 1921 wurde Walther Josephson auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt, sein Nachfolger im Amt wurde Paul Scheinpflug.

Nach dem Ende seiner aktiven Arbeit als Dirigent übernahm er, zuerst zusammen mit Thomas Möller, später mit Paul Tödten, die Direktion des privat geführten Duisburger Konservatoriums. Er erreichte hier die Einrichtung eines „Rheinischen Musiklehrerseminars“, das 1925 zu einer staatlichen Einrichtung umgewandelt wurde. Daneben trat er selbst auch als Musiklehrer in Erscheinung. Mit dem „Rheinischen Madrigalchor“ führten ihn Konzertreisen durch ganz Deutschland. Walther Josephson starb am 22. Oktober 1937. Am 26. Oktober diesen Jahres wurde er auf dem Duisburger Waldfriedhof beerdigt.[5]

Werke (Auswahl)

Der Biograf Josephsons, Peter Naumann, urteilte 1972 über die schriftlichen Arbeiten des Künstlers: „Der Komponist Walther Josephson ist heute vergessen.“ Dabei sind eigenständige Arbeiten vor allem auf die Studienzeit in Berlin zurückzuführen. Nachgewiesen werden können später lediglich einzelne Messoffertorien, Lieder und A-Cappella Arbeiten. Daneben sind Stückbearbeitungen fassbar zu machen. Als Dirigent setzte sich Josephson für die Neudeutsche Schule ein, deren Exponenten er in Duisburg ein Forum bot. Daneben etablierte Josephson mit der Erstaufführung Bruckners 9. Sinfonie im Jahr 1903 eine Tradition der Bruckner-Rezeption in Duisburg. Unter Josephson erlebte Duisburg die ersten Opernaufführungen, noch vor der Eröffnung des Stadttheaters im Jahr 1912.

Kompositionen

  • Zwei Lieder für Singstimme und Klavier („Die Rosen blühen, mein Herz ist jung“, „Dürft’ ich dir es sagen“). Plothow, Berlin 1892.
  • Zwei Lieder für Herrenchor („Vergangen ist des Tages Pracht“, „Wie sie klagen und schlagen im Hain“). Hug & Co, Leipzig 1896.
  • An die Nachtigall für vierstimmigen Frauenchor a cappella („Komm Trost der Nacht, o Nachtigall“). Sulzbach, Berlin 1910.
  • Ode für vierstimmigen gemischten Chor („Abend mild senkt sich“). Sulzbach, Berlin 1911.

Bearbeitungen

  • Franz von Holstein: „Klein Anna Kathrein“ für Männerchor. Aufführungen in Elbing 1897, in Duisburg 1899 und 1911.
  • Wilhelm Friedemann Bach: Kantate: „Erzittert und fallet, ihr brausenden Scharen“ für Sopran-, Tenor- und Bass-Solo, Chor, 2 Flöten, Oboe d’Amore, 2 Trompeten, Pauken, Streichorchester und Basso continuo. Aufführung in Duisburg 1910.[6]

Literatur

  • Peter Naumann: Walther Josephson (1868–1937). Kgl. Musikdirektor und Direktor des Konservatoriums in Duisburg. Leben und Werk. In: Duisburger Forschungen Bd. 17 (1972). S. 190–196.

Einzelnachweise

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