Warthe-Stadium

abschließendes Stadial des Saale-Komplexes From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Warthe-Stadium, synonym auch „Warthe-Stadial“, „Warthe-Zeit“ oder „Warthe-Kaltzeit“, ist das abschließende Stadial des Saale-Komplexes. Es wurde um 130.000 Jahre vor heute von dem letzten Interglazial – der Eem-Warmzeit – abgelöst.

Etymologie

Das Warthe-Stadium ist nach dem polnischen Fluss Warthe benannt. Die Warthe, Polnisch Warta, wurde erstmals im Jahr 972 als Vurta schriftlich erwähnt. Der Name könnte germanischen Ursprungs und als Varta ins Slawische übernommen worden sein. Möglicherweise steht er mit den indogermanischen Wortstämmen *ṷerH-d- „kochen, sieden“ oder *ṷer- „laufen“ in Zusammenhang.

Der Fluss ist der Namensgeber für das jüngere Stadium der Saaleeiszeit, während derer vor allem der Südliche Landrücken angelegt wurde.

Das sächliche Substantiv Stadium bzw. Stadial ist abgeleitet vom Altgriechischen στᾰ́σῐς (stắsĭs) mit der Bedeutung „Stand, Lage, Position, Stasis, Stillstand“.

Erstbeschreibung

Paul Woldstedt führte 1927 den Begriff zunächst noch als „Warthe-Vereisung“ für die Fläming-Zone ein.[1] Im Jahr 1928 änderte er den Begriff in „Warthe-Vorstoß“[2] und 1929 schließlich in „Warthe-Stadium“[3].

Typlokalität

Die Warthe bei Koło

Eine Typlokalität des Stadiums wurde seinerzeit nicht benannt. Typusregion ist das Endmoränengebiet im oberen Warthe-Raum bei Łódź.[4]

Weitere Fundstätten

Bekannte Fundstätten für das Warthe-Stadium sind Döbeln (Sachsen), Grimma (Sachsen) Neumark-Nord (Sachsen-Anhalt), und Oerel (Niedersachsen).

Sedimentologie

Lithostratigraphisch sind die zugehörigen Glaziärsedimente durch Geschiebegemeinschaften aus dem östlichen Baltikum gekennzeichnet[5].

Ausdehnung

Die maximale südliche Ausdehnung des Warthe-Stadiums wird nach Paul Woldstedt (1927) morphologisch durch den Verlauf der Endmoränen markiert – vom Warthe-Lobus über die Niederlausitz, den Fläming, den Südrand der Altmark über die Lüneburger Heide ins mittlere Schleswig-Holstein.

Stratigraphie und Entsprechungen

Der Saale-Komplex wird in zwei Abschnitte gegliedert. Der Abschnitt „Untere Saale“ wird auch als „Saale-Frühglazial“ bezeichnet. Der Abschnitt „Obere Saale“, in der Literatur auch als „Mittleres und Oberes Saaleglazial“ oder „Jüngere Saaleeiszeit“ bezeichnet, ist die Saale-Kaltzeit (in älterer Literatur und umgangssprachlich auch „Saale-Eiszeit“ genannt), zu der auch das Warthe-Stadium gehört.

Jürgen Ehlers und Kollegen (2004) gliederten das Obere Saale sodann in ein älteres Drehnte-Sadium und in ein jüngeres Warthe-Sadium. Beide Stadien trennten sie durch eine Eisrückzugsstufe namens Treene voneinander ab.[6]

Generell wird die Saalevereisung (d. h. Oberes Saale, MIS 6) in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen[7] prinzipiell zweigeteilt – in Drenthe- und Warthe-Vorstoß. Eine Ausnahme stellt in Brandenburg das Teltow-Plateau im südlichen Berliner Raum dar, wo über Holstein-Ablagerungen nur ein sicher saalezeitlich eingestufter Geschiebemergelhorizont belegbar ist[8].

Das Warthe-Stadium wird nur in Niedersachsen als solches bezeichnet. In Brandenburg wird es im Allgemeinen mit dem „Jüngeren Saale-Stadium“ korreliert[9][10], das auch als „Fläming-Phase“ bekannt ist[11]. In Mecklenburg-Vorpommern lautet die Bezeichnung „Jüngerer Saale-Vorstoß“ als Abschluss des Saale-Hochglazials[12].

Der ältere Abschnitt des Warthe-Stadiums entspricht nach geschiebeanalytischen Befunden wahrscheinlich der Jüngeren Drenthe in Niedersachsen[13]. In Brandenburg und in Mecklenburg folgt auf das Warthe-Stadium (d. h. Jüngeres Saale-Stadium bzw. Jüngerer Saale-Vorstoß) noch das Saale-Spätglazial.

In Polen wird die Bezeichnung „Wartanian-Stadium“ als Abschluss des „Odranians“ verwendet[14].

Abtrennung vom Drenthe-Stadium durch eine Warmzeit

In Mitteldeutschland, im Übergangsbereich zum Periglazialgebiet, gab es schon vor längerer Zeit Hinweise für eine Warmzeit zwischen der Drenthe- und der Warthe-Vereisung, die zu Zweifeln an der Einmaligkeit der Waldgeschichte der Eem-Warmzeit führten.[15] Sie wurden anfangs als nicht begründet zurückgewiesen.[16]

Inzwischen gibt es zahlreiche neue Befunde, die Zweifel an der Einmaligkeit des Pollenbildes der einzelnen Warmzeiten erhärten und auch die anderen Befunde in Norddeutschland bestätigen.[17] Dabei spielen die gesicherte stratigraphische Position der sogenannten „Oberen Niederterrasse“ bei Grimma und die Ostrakodenfauna der Interglazialbecken von Neumark-Nord (Geiseltal) eine bedeutende Rolle.[18] In Neumark-Nord konnte Roland Fuhrmann im Jahr 2017 erneut die Existenz einer Grabschütz-Warmzeit aufzeigen.[19]

Datierung

Mit numerischen Methoden der Altersbestimmung ermittelte absolute Daten liegen nicht vor. Nach grober Schätzung des Drenthe-Alters wird für das Warthe-Stadium ein Alter zwischen 150.000 bis 130.000/135.000 Jahren vor heute angenommen – bis zum Beginn der Eem-Warmzeit. Die Korrelation sowohl des Drenthe- als auch des Warthe-Stadiums mit dem Marinen Isotopenstadium 6 (MIS 6) ist wahrscheinlich.

Laut Jürgen Ehlers und Kollegen (2004) situiert sich das Maximum des Warthe-Stadiums bei zirka 143.000 Jahre vor heute.[6] Für das Maximum des Drenthe-Stadiums geben sie zum Vergleich zirka 155.000 Jahre vor heute an.

Literatur

  • Jürgen Ehlers, Lothar Eißmann, Lothar Lippstreu, Hans-Jürgen Stephan und Stefan Wansa: Pleistocene glaciations in North Germany. Hrsg.: J. Ehlers und P. L. Gibbard, Quaternary Glaciations – Extent and Chronology – Part I: Europe. Elsevier, Amsterdam 2004, S. 135–146, doi:10.1016/S1571-0866(04)80064-2 (englisch).
  • Thomas Litt, Karl-Ernst Behre, Klaus-Dieter Meyer, Hans-Jürgen Stephan und Stefan Wansa: Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. In: Eiszeitalter und Gegenwart/ Quarternary Science Journal. Band 56, Nr. 1–2. Hannover 2007, S. 7–65 (copernicus.org [PDF; 1,9 MB]).

Einzelnachweise

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