Weidensees
Ortsteil der Gemeinde Betzenstein im Landkreis Bayreuth, Bayern
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Weidensees (oberfränkisch: Wainsees[2]) ist ein Gemeindeteil der Stadt Betzenstein im Landkreis Bayreuth (Oberfranken, Bayern).[3] Die Gemarkung Weidensees hat eine Fläche von 9,303 km². Sie ist in 1221 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7618,83 m² haben.[4] In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Hüll.[5]
Weidensees Stadt Betzenstein | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 43′ N, 11° 27′ O |
| Höhe: | 460 (444–467) m ü. NHN |
| Einwohner: | 398 (25. Mai 1987)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1972 |
| Postleitzahl: | 91282 |
| Vorwahl: | 09244 |
Der Betzensteiner Gemeindeteil Weidensees | |

Geografie
Das Dorf liegt auf freier Flur westlich des Veldensteiner Forstes. Die Bundesstraße 2 führt nach Bronn (2,5 km nordöstlich) bzw. nach Leupoldstein (3,9 km südwestlich). Die Kreisstraße BT 30 führt nach Hüll (1,5 km südlich). Die Kreisstraße BT 32 führt zur Anschlussstelle 45 der Bundesautobahn 9 (1,9 km östlich).[6]
Geschichte
Der Ort wurde im Jahr 1153 als „Wittingeseze“ erstmals urkundlich erwähnt im Zusammenhang eines Gütertausches zwischen dem Kloster Langheim und dem Kloster Michelfeld. Das Kloster war seitdem im Ort begütert. Der Ortsname bedeutet ‚Wohnsitz in den Weiden‘.[7]
Gegen Ende des Mittelalters gehörte Weidensees zum kurpfälzischen Amt Betzenstein.[8] Im Zuge des Landshuter Erbfolgekrieges wurde unter anderem auch das Betzensteiner Amtsgebiet von den Truppen der Reichsstadt Nürnberg besetzt und diese Inbesitznahme nach langwierigen Verhandlungen von der Kurpfalz vertraglich anerkannt.[9] Infolge dieses Vertrages hatte das nürnbergische Pflegamt Hiltpoltstein in den folgenden drei Jahrhunderten zwar die Hochgerichtsbarkeit über Weidensees inne, nicht jedoch die Dorf- und Gemeindeherrschaft.[10][11] Denn diese wurde weiterhin von der Kurpfalz ausgeübt, so dass Weidensees als einer der wenigen Orte des Amtes Betzenstein unter kurpfälzischer Landeshoheit verblieb und zusammen mit dem südwestlich gelegenen Nachbarort Hüll eine Exklave der Oberpfalz bildete. Im Wesentlichen änderte sich daran auch nichts, als die Oberpfalz nach der Ächtung des pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. (des sogenannten Winterkönigs) als Lehen an Kurbaiern übergeben wurde.[12] Für Weidensees bedeutete dies lediglich, dass die Dorf- und Gemeindeherrschaft nunmehr von einer anderen wittelsbachischen Linie ausgeübt wurde. In der Folgezeit blieben diese Verhältnisse weitgehend unverändert bestehen, bis Weidensees im Jahr 1803 entsprechend der im Haupt-Landes-Grenz- und Purifikationsvergleich mit dem Königreich Preußen vereinbarten Bedingungen an das preußische Ansbach-Bayreuth übergeben wurde. Es wurde damit zum nordöstlichen Eckpunkt des Eschenauer Straßendistrikts, einem bruchstückhaften Korridor, mit dem die beiden geografisch voneinander getrennten Teile dieses Territoriums über eine Militärstraße miteinander verbunden wurden.[13][14][15]
Gegen End des 18. Jahrhunderts hatte Weidensees 27 Untertansfamilien. Grundherren waren das Kloster Michelfeld (20), die Reichsstadt Nürnberg (6) und das bambergische Amt Pottenstein (1).[16]
Mit dem Gemeindeedikt wurde Weidensees dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Bronn zugewiesen.[17] Wenig später entstand die Ruralgemeinde Weidensees, zu der Hüll gehörte. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schnabelwaid (1842 Landgericht Pegnitz umbenannt) und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Pegnitz. Ab 1862 gehörte Weidensees zum Bezirksamt Pegnitz (1939 in Landkreis Pegnitz umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Pegnitz (1879 in Amtsgericht Pegnitz umgewandelt). Die Gemeinde Weidensees hatte 1964 eine Fläche von 9,230 km².[18] Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde am 1. Januar 1972 in die Stadt Betzenstein eingegliedert.[19][20]
Baudenkmäler
In Weidensees gibt es sechs Baudenkmäler:[21]
- Haus Nr. 1, 20, 38: Wohnhäuser
- Haus Nr. 2: Bauernhaus
- Haus Nr. 9: ehemalige Schmiede
- Brunnenschacht
Bodendenkmäler
In der Gemarkung Weidensees gibt es elf Bodendenkmäler, darunter[21]
- sieben Frabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung
- eine Wüstung des späten Mittelalters
Einwohnerentwicklung
Gemeinde Weidensees
| Jahr | 1818 | 1840 | 1852 | 1855 | 1861 | 1867 | 1871 | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 | 1905 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1952 | 1961 | 1970 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 396 | 461 | 490 | 477 | 437 | 414 | 416 | 400 | 424 | 435 | 436 | 441 | 412 | 413 | 418 | 456 | 469 | 446 | 433 | 681 | 612 | 582 | 493 | 484 |
| Häuser[22] | 76 | 79 | 79 | 81 | 86 | 89 | 101 | |||||||||||||||||
| Quelle | [17] | [23] | [23] | [23] | [24] | [25] | [26] | [27] | [28] | [29] | [30] | [23] | [31] | [23] | [32] | [23] | [33] | [23] | [23] | [23] | [34] | [23] | [18] | [35] |
Ort Weidensees
Religion
Weidensees ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach Betzenstein gepfarrt.[7][18]
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Weidensäß. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 6: V–Z. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1804, DNB 790364328, OCLC 833753116, Sp. 121 (Digitalisat).
- Johann Kaspar Bundschuh: Weydensees. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 6: V–Z. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1804, DNB 790364328, OCLC 833753116, Sp. 208 (Digitalisat).
- Georg Paul Hönn: Weidensäß. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 541 (Digitalisat).
- Josef Pfanner: Landkreis Pegnitz (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Oberfranken. Band 2). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1965, DNB 457000961, S. 59.
- Alfred Schädler: Landkreis Pegnitz (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Oberfranken 2). R. Oldenbourg, München 1961, DNB 457322586, S. 568.
Weblinks
- Weidensees. In: betzenstein.de. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
- Weidensees in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 12. Oktober 2021.
- Weidensees in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 6. Oktober 2025.
- Weidensees im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 6. Oktober 2025.
