Weiltingen

Marktgemeinde im Landkreis Ansbach in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Weiltingen (fränkisch: Wailting) ist ein Markt im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern) und zählt zur Metropolregion Nürnberg. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wilburgstetten.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Weiltingen
Deutschlandkarte, Position des Marktes Weiltingen hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 49° 2′ N, 10° 27′ O
Bundesland:Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Ansbach
Verwaltungs­gemeinschaft: Wilburgstetten
Höhe: 440 m ü. NHN
Fläche: 24,02 km²
Einwohner: 1404 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91744
Vorwahl: 09853
Kfz-Kennzeichen: AN, DKB, FEU, ROT
Gemeindeschlüssel: 09 5 71 218
Marktgliederung: 9 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Schlossweg 11
91744 Weiltingen
Website: www.weiltingen.de
Erster Bürgermeister: Christoph Schmidt (Freie Wählergemeinschaft)
Lage des Marktes Weiltingen im Landkreis Ansbach
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Geographie

Geographische Lage

Weiltingen liegt an der Wörnitz in der Nähe von Dinkelsbühl unweit des Hesselbergs.[2] Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Wittelshofen, Gerolfingen, Wassertrüdingen, Fremdingen und Wilburgstetten.

Gemeindegliederung

Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3][4]

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Frankenhofen, Veitsweiler, Weiltingen und Wörnitzhofen. Die Gemarkung Weiltingen hat eine Fläche von 8,498 km². Sie ist in 1178 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7213,53 m² haben.[5][6]

Geschichte

Bis zur Gemeindegründung

Weiltingen von Norden
Bereich des ehemaligen Schlosses
Blick vom Hesselberg auf Weiltingen
Blick auf Weiltingen vom Römerpark aus

Der Ort wurde in einer Urkunde, die im Zeitraum von 1096 bis 1133 entstand, als „Wilitingen“ erstmals erwähnt. Dem Ortsnamen liegt ein Personenname zugrunde, möglicherweise der weibliche Personenname Wīhilt, der durch das Zugehörigkeitssuffix -ingen abgeleitet wurde. Der Ortsname würde also Bei den Leuten der Wīhilt bedeuten.[7]

In der Nähe der Stadt Dinkelsbühl liegt der Markt Weiltingen, einstmals Sitz einer Nebenlinie des Hauses Württemberg. Neben Weiltingen selbst gehörten zur Herrschaft die Weiler Veitsweiler und Wolfsbühl sowie ein Teil der Dörfer Frankenhofen und Greiselbach. Aus einer Reichsministerialenfamilie stammte ein Lupold, erwähnt ab 1285 und gestorben nach dem 4. August 1323 in Heilsbronn bei Ansbach, der sich von Weiltingen nannte. Sein Vater trug den gleichen Vornamen und übte das Amt eines Reichsküchenmeisters aus.[8] Im 17. Jahrhundert war die Herrschaft an die Herren von Knöringen als Lehen ausgegeben. Als diese Familie 1616 im Mannesstamm erlosch, fiel das Lehen an Herzog Johann Friedrich von Württemberg heim. Mit seinen Brüdern schloss der regierende Herzog 1617 den „Fürstbrüderlichen Vergleich“, in dem die Unteilbarkeit des Herzogtums Württemberg festgeschrieben wurde. Gleichzeitig erhielt der jüngere Bruder Julius Friedrich (1588–1635) die Herrschaft Weiltingen und den Marktflecken Brenz als Apanage.[9] In Weiltingen begründete er eine Linie des Hauses Württemberg, in der jedoch zahlreiche Söhne unverheiratet blieben.[10] Der Sohn Julius Friedrichs, Herzog Silvius Nimrod von Württemberg-Weiltingen (1622–1664), begründete seinerseits die Linie Württemberg-Oels.[11][12]

Gruftplatte der württembergischen Seitenlinie Württemberg-Weiltingen an der Pfarrkirche St. Peter in Weiltingen

Drei Generationen lang regierten die Herzöge von Württemberg in Weiltingen. Besondere Erwähnung verdient die von 1662 bis 1679 dauernde Regentschaft von Herzogin Juliana, die als fürsorgliche und wohltätige Landesmutter ihrer kleinen Herrschaften in Weiltingen und Brenz in Erinnerung blieb. Julianas Sohn Herzog Friedrich Ferdinand (1654–1705) starb jedoch ohne einen überlebenden Sohn, worauf die Linie Württemberg-Weiltingen im Mannesstamm erlosch. Daraufhin fiel die Herrschaft Weiltingen wieder an die Hauptlinie zurück[13] und wurde von der Kammerschreiberei in Stuttgart als Verwaltungsbehörde des herzoglichen Privatvermögens verwaltet. Die Linie Württemberg-Oels, die aus der Linie Württemberg-Weiltingen hervorgegangen war, erhob in der Folge ebenfalls Anspruch auf die Herrschaft Weiltingen und die mit ihr verbundenen Ländereien. Die Hauptlinie konnte sich jedoch durchsetzten. Der zu dieser Zeit regierende Herzog Eberhard Ludwig gab Weiltingen an seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz. Sie erhielt auch die zu Weiltingen gehörenden Besitzungen Oggenhausen und Brenz an der Brenz. 1729 wurde Weiltingen an die Landschaft verpfändet, die sich im Gegenzug verpflichtete, Herzog Eberhard Ludwig 72000 Gulden zu bezahlen sowie 330000 Gulden seiner Schulden zu übernehmen. Der jüngere Bruder Herzog Carl Eugens, Ludwig Eugen, der Carl Eugen als Herzog nachfolgte, lebte von 1778 bis 1792 im Weiltinger Schloss.[14]

Folgende Mitglieder des Hauses Württemberg fanden in der Gruft der Peterskirche in Weiltingen ihre letzte Ruhe:

  • Roderich von Württemberg-Weiltingen[15]
  • Faustina Marianna von Württemberg-Weiltingen[16]
  • Juliane von Württemberg-Weiltingen[17]
  • Friedrich Ferdinand von Württemberg-Weiltingen[18]
  • August von Württemberg-Weiltingen[19]
  • Manfred II. von Württemberg-Weiltingen[20]

Im September 2012 wurde die Gruft geschändet, sterbliche Überreste wurden nicht entwendet.[21]

Die Fraisch über Weiltingen war umstritten. Sie wurde sowohl vom ansbachischen Oberamt Wassertrüdingen als auch vom oettingen-spielbergischen Oberamt Aufkirchen als auch vom württembergischen Oberamt Weiltingen beansprucht. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Oberamt Weiltingen. Insgesamt gab es 153 Anwesen: 1 Säg- und Lohmühle, 5 Wirtschaften, 1 Schafhof, 4 halbe Hofgüter, 8 Köblergüter, 1 halbes Köblergut, 2 Sölden mit Schmiedstätten, 91 Söldengüter, 38 halbe Söldengüter, 1 Zweidrittelsöldengut und 1 Drittelsöldengut. Außerdem gab es noch herrschaftliche Gebäude, eine Kirche, ein Pfarrhaus, eine Schule und ein Gemeindehirtenhaus.[22][23]

Nach der Umgestaltung der Kammerschreiberei zur Hof- und Domänenkammer richtete König Friedrich von Württemberg 1807 in Weiltingen eine „Hof- und Domänenkammerverwaltung“ ein und besetzte sie mit dem Beamten Friedrich August Christlieb. Im Pariser Vertrag vom 18. Mai 1810 und dem Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg trat der König jedoch die Herrschaft an das Königreich Bayern ab und erhielt dafür die ehemalige Deutschordensherrschaft Altshausen. Damit hörte die Hof- und Domänenkammerverwaltung Weiltingen auf zu bestehen. Das Schloss wurde bis 1814 vollständig abgetragen.[24]

Mit dem Gemeindeedikt entstanden 1811 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Weiltingen.[25][26] Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Nördlingen (ab 1831 Landgericht Dinkelsbühl) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Oettingen (ab 1832 Rentamt Dinkelsbühl, 1919 in Finanzamt Dinkelsbühl umbenannt, seit 1973 Zweigstelle des Finanzamtes Ansbach). Die Verwaltung übernahm 1862 das neu geschaffene Bezirksamt Dinkelsbühl (1939 in Landkreis Dinkelsbühl umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Dinkelsbühl (1879 in das Amtsgericht Dinkelsbühl umgewandelt, seit 1973 eine Zweigstelle des Amtsgerichtes Ansbach). Mit der Auflösung des Landkreises Dinkelsbühl im Jahr 1972 kam Weiltingen an den Landkreis Ansbach.[27] Die Gemeinde Weiltingen hatte 1964 eine Gebietsfläche von 7,362 km².[28]

Eingemeindungen

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 die Gemeinde Wörnitzhofen eingegliedert.[29] Am 1. Mai 1978 kamen die Gemeinden Frankenhofen und Veitsweiler sowie der Ort Bosacker der Gemeinde Schopflohe (Landkreis Donau-Ries) hinzu.[30]

Einwohnerentwicklung

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1266 auf 1392 um 126 Einwohner oder 10 %.

Gemeinde Weiltingen

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 1979198719911995200020052010201120122013201420152016201720182019
Einwohner 1283128912851317140613771385138313591371135813431381136913921383
Wohngebäude 356417418420423426428430433437
Quelle [31] [32] [32] [32] [32] [32] [32] [32] [33] [33] [33]
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Ort Weiltingen (Gemeinde Weiltingen bis zur Gebietsreform)

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 181818401852185518611867187118751880188518901895190019051910191919251933193919461950195219611970198720062016
Einwohner 7267978097707847687677808058057557727687667417207157097041044980917739752717 *868 *905
Häuser[34] 145156148157162164162160173218
Quelle [35] [36] [37] [37] [38] [39] [40] [41] [42] [43] [44] [37] [45] [37] [46] [37] [47] [37] [37] [37] [48] [37] [28] [49] [31] [50] [50]
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* 
inklusive Nebenwohnsitze

Politik

Marktgemeinderat

Der Marktgemeinderat hat 13 Mitglieder einschließlich des Ersten Bürgermeisters. Bei den Kommunalwahlen am 2014 und 2020 enthielt der Wahlvorschlag lediglich je eine Liste der Freien Wählergemeinschaft Markt Weiltingen.[51] Bei den Kommunalwahlen 2026 gibt es erstmals wieder 3 Wahlvorschläge.[52]

Wahljahr Bündnis Zukunft GemeindeblockFWG Markt WeiltingenFWG Frankenhofen Gesamt
2002 66113 Sitze
200858013 Sitze
2014[53] 13 13 Sitze
2020[54] 13 13 Sitze
2026 13 Sitze

Bürgermeister

Christoph Schmidt wurde am 29. Mai 2016 mit 91,65 % der Stimmen zum Ersten Bürgermeister gewählt[55] und 2020 wieder gewählt.

Wappen und Flagge

Wappen
Wappen des Marktes Wörnitz
Wappen des Marktes Wörnitz
Blasonierung:Geteilt von Grün und Rot; oben ein schwebender goldener Stechhelm in Vorderansicht, unten auf blauem Felsenberg eine fünftürmige silberne Burg mit blauen Dächern.“[56]
Wappenbegründung: Der Stechhelm repräsentiert die vielen Rittergeschlechter, die im Besitz von Weiltingen waren. Er ist in einem Gerichtssiegel aus dem Jahr 1561 zu sehen. Im Jahr 1566 kam der Ort in den Besitz der Herren von Knöringen. Sie bauten die Burg zu einem Schloss aus, das 1814 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Die Burg im Wappen erinnert an diesen imposanten Bau. König Ludwig I. bestätigte das Wappen 1847.
Flagge

Die Gemeindeflagge ist rot-weiß-grün.[57]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Staatsstraße 2385 verläuft nach Wilburgstetten zur Bundesstraße 25 (4,8 km südwestlich) bzw. über Ruffenhofen zur Staatsstraße 2218 bei Wittelshofen (2,7 km nordöstlich). Die Kreisstraße AN 47 verläuft nach Frankenhofen (1,7 km südöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen nach Illenschwang zur St 2218 (3,5 km nordwestlich) und nach Veitsweiler (1,5 km südlich).[2]

Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg abgedeckt.

Radfernwege

Durch das Gemeindegebiet führt der Deutsche Limes-Radweg. Er folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Fernwanderwege

Weiltingen liegt am Limesweg des Fränkischen Albvereins, einem Teilabschnitt des Deutschen Limes-Wanderwegs.

Öffentliche Einrichtungen

Pfarrhaus in Weiltingen
  • Staatliche Forstdienststelle

Bildung

  • Kindertagesstätte (Kindergarten)
  • Grundschule Weiltingen (1.–4. Klasse)
  • Bücherei[58]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Baudenkmäler

St. Nikolaus, Ruffenhofen

Bodendenkmäler

Söhne und Töchter der Gemeinde

Weitere Persönlichkeiten, die mit dem Ort verbunden waren

Literatur

Commons: Weiltingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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