Werner Knop

deutsch-britischer Journalist From Wikipedia, the free encyclopedia

Werner Gustav John Knop (* 29. Dezember 1911 in Cuxhaven; † 22. Oktober 1970 in Middleburg, Virginia)[1] war ein deutsch-britischer Journalist und Buchautor. Er publizierte unter dem Namen Werner Knop, seltener auch Werner G. Knop.

Leben und Tätigkeit

Knop studierte an den Universitäten Freiburg, Oxford und der London School of Economics.[1] Eine volkswirtschaftliche Abschlussarbeit erschien 1936 unter dem Titel Der Kostenerstattungsanspruch.[2]

1937 floh er aus politischen Gründen nach Großbritannien. Dort wurde er Auslandsredakteur bei den Zeitungen London Financial News und The Banker of London.

1938 wurde Knop Direktor der als Presseagentur getarnten Geheimorganisation Union Time Ltd, eines von deutschen Emigrantenkreisen in London gebildeten Zusammenschlusses, der das Ziel verfolgte, im Zusammenspiel mit britischen Geschäfts- und Presseleuten die britische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit einer starken Außenpolitik gegen das nationalsozialistische Deutschland zu überzeugen sowie die Verbreitung von NS-Propaganda in England bzw. in Europa im Allgemeinen zu bekämpfen. Die Gruppe ging sogar so weit, die Finanzierung illegaler antinazionalsozialistischer Gruppen durch die britische Regierung zu propagieren. Die Geldflüsse dafür liefen über den Labourabgeordneten George Russell Strauss. 1939 wurde auf Vermittlung von Strauss die Widerstandskämpferin Hilde Meisel (unter Pseudonym Hilda Monte) mit Knop bekannt gemacht. Dieser erklärte sich bereit, über die Union Time Ltd finanzielle Unterstützung bei einem Attentat auf Hitler zu leisten.[3][4] Inwiefern Hilda Monte bei dem Bürgerbräu-Attentat am 8. November 1939 beteiligt war, bleibt in den Unterlagen umstritten. Nach seiner Schilderung führte die Monte-Gruppe im Juli 1939 ein erfolgreiches Probeattentat auf das Schiff Berlin der Reederei Norddeutscher Lloyd durch, das mit Kriegswaffen Richtung Danzig ausgelaufen war und infolge einer Kesselexplosion die Fahrt abbrechen musste. Gemäß Knop erhielt ein anonym auftretender Deutscher aus der Monte-Gruppe daraufhin von ihm mehrere Tausend Pfund, um das Attentat im Münchener Bürgerbräukeller durchzuführen.[5][6] Beweise über die Urheberschaft des Attentats durch diesen Mann gibt es jedoch nicht, sie wird von der neueren Forschung entschieden verneint.[7] Knop hatte bei der Veröffentlichung dieses Sachverhalts im Jahre 1946 aber keine Möglichkeit, die Echtheit des vermeintlichen Bekennerbriefes zu verifizieren.[5]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Knop kurzzeitig interniert, aber aufgrund der Fürsprache von Sir Robert Waley Cohen, Vizepräsident des Board of Deputies of British Jews und Aufsichtsratsvorsitzender von British Shell, wieder auf freien Fuß gesetzt.[8] Im Herbst 1939 erlangte er die britische Staatsbürgerschaft. 1940 stand Knop auf der Sonderfahndungsliste G.B. des Reichssicherheitshauptamts. Im weiteren Verlauf des Krieges gehörte er der britischen Armee an. Die Übersiedlung in die USA fand zwischen 1940 und 1947 statt, der genaue Zeitpunkt ist nicht überliefert. Er blieb jedoch britischer Staatsbürger.

Nach dem Krieg war Knop als Journalist für die Zeitschrift Saturday Evening Post in den Vereinigten Staaten tätig. Die ersten Jahre lebte er in Maryland, seit 1950 auf seiner Farm in Virginia. Er starb 1970 bei einem Autounfall in der Nähe von Middleburg.[1]

Reportage „Prowling Russia’s Forbidden Zone“ (1948)

Bei einem Treffen in New York wurde Knop von Journalistenkollegen ermutigt, eine konspirative Erkundung der Lebensumstände in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) durchzuführen, da dies nur einem akzentfrei deutsch sprechenden Journalisten möglich war. Die sowjetische Administration erlaubte zu dieser Zeit keinem westlichen Journalisten, sich frei und ohne Begleiter in der SBZ zu bewegen. Die Tour führte er nach illegalem Grenzübertritt bei Braunlage im Harz von Juni bis Juli 1948 als erster westlicher Journalist durch, der bei diesem Vorhaben nicht aufflog und verhaftet wurde.

Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er die Eindrücke über das Leben der Ostdeutschen unter dem Besatzungsregime zunächst in mehreren Fortsetzungen in der Wochenzeitschrift Saturday Evening Post. 1949 erschien die gesamte Reportage als Buch mit dem Titel Prowling Russia’s Forbidden Zone (übersetzt: „Streifzug durch Russlands verbotene Zone“). Zeitgeschichtlich von Interesse sind Schilderungen, die sich auf die Situation kurz nach der Währungsreform in Westdeutschland und der parallel dazu durchgeführten Währungsreform in der SBZ im Juni 1948 beziehen. Während seiner konspirativen Reise besuchte er Jena, wo er durch eine Chefsekretärin Einblicke in die Abwicklung der Carl-Zeiss-Werke und die Verschleppung der Belegschaft durch die sowjetische Besatzungsmacht erhielt, außerdem Leipzig, Dresden, Bautzen, Chemnitz und Plauen. In Leipzig hatte er Kontakt zum politischen Untergrund und schildert die Niederschlagung der zunächst politisch pluralistischen Studentenbewegung an der Universität im Jahre 1948. Der Aufenthalt fiel in die Zeit der Berlin-Blockade und einer aktuell drohenden Kriegsgefahr durch eine mögliche Eskalation, was in mehreren Begegnungen thematisiert wird. Weitere Gespräche mit Einheimischen beleuchten die unmenschlichen Arbeitsverhältnisse im Uranbergbau der Wismut-AG, da es Knop während der Reise nicht möglich war, in das Sperrgebiet im Umland von Chemnitz vorzudringen. Nach erneut illegaler Überquerung der Zonengrenze bei Hof schildert er zum Abschluss das Prozedere im Grenzdurchgangslager Moschendorf (Ortsteil von Hof, amerikanische Besatzungszone) und gibt einen Querschnitt der Meinungen und Weltanschauungen aus persönlichen Begegnungen wieder.

Das Buch fand 1949 nach dem Erscheinen in den USA große Beachtung als authentische Darstellung des Lebens hinter dem Eisernen Vorhang.[9][10] Eine deutsche Ausgabe des Buchs gibt es nicht.

Schriften

Einzelnachweise

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