Werner Neuer
deutscher evangelischer Theologe
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Werner Neuer (* 6. Mai 1951 in Heidelberg; † 21. Dezember 2025 in Lörrach[1]) war ein deutscher evangelischer Theologe und Pfarrer. Er war von 2000 bis 2016 Dozent für systematische Theologie am Theologischen Seminar St. Chrischona. Er galt als Fachmann für den Schweizer Theologen Adolf Schlatter.[2]
Leben
Werner Neuer studierte von 1970 bis 1973 Geschichte, Politik und Geographie an der Universität Heidelberg sowie von 1973 bis 1977 evangelische Theologie an den Universitäten Heidelberg und Tübingen. 1985 promovierte er an der Universität Marburg bei C.H. Ratschow im Fachbereich Systematische Theologie. 1989 folgte das Vikariat und Ordination in der württembergischen Landeskirche. Von 1990 bis 1997 war er wissenschaftlicher Assistent von Peter Beyerhaus am Institut für Missionswissenschaft und Ökumenische Theologie der Universität Tübingen, danach Theologischer Referent der Württembergischen Landeskirche und organisierte in Bad Urach eine Pfarrerfortbildung.
Von 2000 bis zu seinem Ruhestand 2016 dozierte er als Helmut Burkhardts Nachfolger Dogmatik, Ethik, Ökumenische Theologie, Religionskunde und Theologie der Religionen am Theologischen Seminar St. Chrischona (TSC).[3] Des Weiteren war er Gastdozent an der Gustav-Siewerth-Akademie in Bierbronnen und an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) Basel.[4] Neuer war von 2010 bis zu seinem Tod 2025 Vorsitzender der Theologischen Kommission der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG)[5] und der einzige Protestant, der ab 2004 ständiger Gast im Schülerkreis Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) war.[6] Zudem war er seit 1990 Mitglied des IDEA-Trägerkreises.
Neuer war seit 1978 mit seiner Frau Rut verheiratet, Vater von sieben Kindern und lebte in Schallbach bei Lörrach.[7]
Werke
Seine umfangreichen theologischen Publikationen umfassen über 250 Beiträge zu Theologiegeschichte, Dogmatik, Ethik, ökumenische Theologie und Religionstheologie. Besonders bekannt wurde seine große Biographie über Adolf Schlatter (Adolf Schlatter. Ein Leben für Theologie und Kirche, 1996), die international und über die Konfessionsgrenzen hinweg mit ca. 60 Rezensionen eine ungewöhnlich große und fast ausnahmslos positive Resonanz fand.[8] Eine kleine, später ins Englische (1995) und Koreanische (2002) übersetzte Schlatter-Biographie war schon 8 Jahre vorher erschienen.[9] Insgesamt widmet sich Neuer etwa in einem Viertel seiner 250 veröffentlichten Arbeiten diesem Schweizer Theologen.
In dem preisgekrönten Werk Heil in allen Weltreligionen? Das Verständnis von Offenbarung und Heil in der pluralistischen Religionstheologie John Hicks (2009) zeigt Neuer die teilweise erheblichen Widersprüche in Hicks Theorie auf.[10]
In seinem auch ins Englische übersetzten Buch Mann und Frau in christlicher Sicht (1993) betont er die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, aber auch – gegen den Feminismus – die Wesensverschiedenheit von Mann und Frau sowie die Führungsaufgabe des Mannes und die Ablehnung der Frauenordination.[11]
Positionen
Neuer war der Auffassung, dass christliche Ehe nicht nur die gegenseitige Ergänzung und Beglückung der Partner, sondern auch die Zeugung von Kindern beinhaltet.[12] Papst Benedikt XVI. begrüßte er 2005 als „ein Geschenk auch an die evangelische Christenheit“.[13] In katholischen Kreisen war Neuer als Gegner der künstlichen Empfängnisverhütung und Verteidiger der Enzyklika Humanae vitae aus dem Jahr 1968 von Papst Paul VI. bekannt.[14] Als Mitglied im badischen „Initiativkreis Evangelisches Kirchenprofil“ und dem Netzwerk Bibel und Bekenntnis lehnte er die Zulassung von praktizierenden Homosexuellen zum evangelischen Pfarramt ab.[15] Die maßgeblich von ihm verfasste „Salzburger Erklärung“ der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG) wurde 2015 von vielen Persönlichkeiten aus der katholischen Kirche (darunter dem emeritierten Papst Benedikt XVI.), den orthodoxen und protestantischen Kirchen unterstützt.[16]
Veröffentlichungen (Auswahl)
als Autor (Auswahl)
- Der Zusammenhang von Dogmatik und Ethik bei Adolf Schlatter. Eine Untersuchung zur Grundlegung christlicher Ethik. Dissertation. Brunnen-Verlag, Gießen / Basel 1988, ISBN 978-3-7655-9320-8.
- Chemischer Krieg gegen Kinder? Eine Analyse … zu Fragen der Schwangerschaftsverhütung. idea-Dokumentation, Wetzlar 1990.
- Mann und Frau in christlicher Sicht. 5. Auflage. Gießen / Basel 1993, ISBN 3-7655-9503-9.
- Adolf Schlatter – Ein Leben für Theologie und Kirche. Stuttgart 1996, ISBN 3-7668-3390-1.
- Die Enzyklika „Humanae Vitae“ im Licht von Bibel und Tradition. In: R. Süßmuth (Hrsg.): Empfängnisverhütung. Fakten, Hintergründe, Zusammenhänge. Holzgerlingen 2000, S. 1031–1071.
- Heil in allen Weltreligionen? Das Verständnis von Offenbarung und Heil in der pluralistischen Religionstheologie John Hicks. Brunnen-Verlag, Gießen / Freimund-Verlag, Neuendettelsau 2009, ISBN 978-3-7655-1755-6 (Brunnen) und ISBN 978-3-86540-074-1 (Freimund).
als Herausgeber oder Mitverfasser (Auswahl)
- Adolf Schlatter: Der Dienst des Christen. Beiträge zu einer Theologie der Liebe. 2. Auflage. Gießen 2002.
- Adolf Schlatter: Die Bibel verstehen. Aufsätze zur biblischen Hermeneutik. Gießen 2002.
- Alexander Garth/Werner Neuer: Die EKD-Missionsynode. Bilanz des Jahres 2000. Die 24 deutschen Landeskirchen nach der Leipziger EKD-Synode vom November 1999. Idea-Dokumentation, Wetzlar 2001.
- Heinzpeter Hempelmann, Werner Neuer, Johannes Lüpke (Hrsg.): Realistische Theologie. Eine Hinführung zu Adolf Schlatter. Brunnen-Verlag, Gießen / Basel 2006, ISBN 978-3-7655-1384-8.
Auszeichnungen
- 1987: Johann-Tobias-Beck-Preis für seine Doktorarbeit über Adolf Schlatter[17]
- 2005: Adolf-Schlatter-Preis[18]
Literatur
2016 erschien eine Festschrift zur Emeritierung von Neuer, worin 26 Autoren aus verschiedenen Konfessionen und Disziplinen mitgewirkt haben. Stefan Felber ist Herausgeber dieser Schrift, deren Titel lautet:[19] Erkennen und Lieben in der Gegenwart Gottes. Festschrift für Werner Neuer zum 65. Geburtstag. Das Grußwort wurde vom damaligen Wiener Kardinal Christoph Schönborn verfasst. Reihe: Studien zu Theologie und Bibel, Band 18. Lit-Verlag 2016, ISBN 978-3-643-80227-9
Weblinks
- Literatur von und über Werner Neuer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie. ( vom 25. April 2009 im Internet Archive) Internetpräsenz Christliche Theologie Lebensnah.