Werner Raphon

Vikar, Bibliotheksstifter, Notar und Sekretär From Wikipedia, the free encyclopedia

Werner Raphon (geboren vor dem 14. Mai 1409 in Gandersheim; gestorben um 1481 vermutlich ebenda) war ein Vikar und Bibliotheksstifter im Benediktinerkloster St. Marien bei Gandersheim sowie Notar und Sekretär des Kollegiatstifts St. Alexandri in Einbeck.

Leben

Raphon war ein Sohn des Gandersheimer Bürgers Bertold Raphon und dessen Frau Ilsebe. Die erste Erwähnung seines Namens stammt vom 14. Mai 1409. Er schrieb sich zu Michaelis 1423 an der Universität in Erfurt für ein Studium ein. Am 29. August 1441[1] und im Jahr 1442 war er kaiserlicher Notar und Kleriker der Diözese Hildesheim. Er war zugleich Schreiber für Johann van dem Rode (oder Johannes von Rode, Dekan 1441–1462) für den er am 14. April 1452 eine Urkunde beglaubigte[2] und Johann Ghiler (seit 1441 Propsteioffizial). Raphon war vermögend und erwarb als Inhaber des Altars Unserer Lieben Frauen auf dem Jungfrauenchor 1457 mehrere Renten, die dem Altar zugutekommen sollten.

Am 5. Januar 1477[3] stiftete er eine kleine Bibliothek mit 45 Büchern für den Konvent von St. Marien, der kein eigenes Skriptorium besaß. Sie wurde im Westbau der Klosterkirche in einem ebenerdigen Gewölbe untergebracht und mit Bänken und Pulten ausgestattet. Die Bücher waren mit Ketten an Stangen befestigt.[4] Die Bibliothek stand den Kanonikern, Klerikern und Schulmeistern zur Verfügung. Zudem stiftete er für liturgische Zwecke ein schön eingebundenes Missale, für den Herrenchor ein Bücherpult mit einem Psalter, einem Brevier zwei Missalien und für den Jungfrauenchor einen kleineren Pergamentpsalter. Raphon verfügte in seinem Testament aus dem Jahr 1481, dass die Bücher im Falle eines Krieges von hier an einen sicheren Ort überführt werden sollten. Die Sorge für die Bibliothek übertrug er den Kalandsherren des Klosters.[5] Er war von 1450 bis 1481 Vikar des Klosters. Zu den Handschriften der Bibliothek gehörte der Cod. Guelf. 323 Helmst. (Gregorius I papa, Moralia in Iob)[6]

Der Familienname Raphon leitet sich von Rebhuhn ab, das auch auf seinem Siegel vor einem stilisierten Lindenbaum abgebildet war. Da auch Bertold Raphon († nach dem 22. März 1536), Kanonikus des Alexanderstiftes in Einbeck und ein Bruder des Malers Hans Raphon (1460–1512), ein Rebhuhn als Siegelbild verwendete,[7] könnten sie verwandt gewesen sein.

Literatur

Einzelnachweise

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