Werner W. Neumann
deutscher Architekt und Maler
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Werner Wilhelm Neumann (* 15. Juni 1916 in Erfurt; † 3. Februar 2003 in Frankfurt am Main)[1] war ein deutscher Architekt und Maler, der in Frankfurt am Main wirkte. Für den hessischen Raum entwarf er vor allem verschiedene moderne evangelische Kirchenbauten.
Leben und Werk
Werner W. Neumann wuchs in Naumburg (Saale) auf und besuchte das dortige Gymnasium. Nach dem Abitur 1935 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule Dresden. Dort erlangte er 1939 den Abschluss Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) und promovierte 1943/1944 zum Doktor-Ingenieur (Dr.-Ing.) mit einer Dissertation über das Naumburger Bürgerhaus in der Renaissance. Während seines Studiums war er im Atelier von Hans Freese tätig. Er war ein Schüler von Fritz Beckert und Meisterschüler von Oswin Hempel. Als junger Architekt wirkte er u. a. an der Restaurierung des gotischen Naumburger Doms mit. Er wurde zwar zum Wehrdienst eingezogen, aber 1940 aus gesundheitlichen Gründen wieder entlassen und zur Arbeit als Betriebsführer in einem Betonwerk verpflichtet.[1]
Nach dem Krieg wohnte Neumann zunächst in Bremen, bevor er 1947 in die hessische Kleinstadt Bebra zog. Der Wiederaufbau der dortigen Auferstehungskirche (damals Stadtkirche) brachte ihm den Durchbruch als Architekt. Peter Grund vermittelte ihm danach eine Dozentur an der TH Darmstadt und einen Auftrag der Deutschen Bundespost zum Wiederaufbau von Siedlungsbauten in Darmstadt.[1]
In den 1950er Jahren zog Neumann nach Frankfurt am Main. Erste Erfahrungen sammelte er hier mit seiner Vorplanung für den Wiederaufbau der Rödelheimer Cyriakuskirche (1951/1953) und dem Neubau des Hotels Hessischer Hof (1952). An prominenter Stelle errichtete Neumann die moderne Frankfurter Weißfrauenkirche (1956). Als weitere Kirchenbauten in Hessen wären zu nennen: die Michaelskirche (1960) in Darmstadt,[2] die Wartburgkirche (1962) in Frankfurt-Nordend,[3] die Stephanuskirche (1962) in Bad Karlshafen,[4] die Philippuskirche (1962, 1997 Abriss des Campanile) in Frankfurt-Riederwald, die Bergkirche (1966) in Frankfurt-Sachsenhausen, die Dreifaltigkeitskirche (1966) in Frankfurt-Bockenheim und die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche (1969) in Frankfurt-Niederursel.
Für seine Kirchenbauten wählte Neumann eine feierliche Gestaltung. Im Vordergrund stand die Liturgie und die sich hierfür versammelnde Gemeinde. Mit diesem Gedanken soll er der Michaelsbruderschaft nahegestanden haben. Eng arbeitete Neumann mit bildenden Künstlern wie Helmut Lander, Christian Oehler oder Jürgen Weber zusammen. Ab den 1970er Jahren entwarf er vorrangig Profanarchitektur, von Wohnhäusern bis hin zu Verwaltungsbauten. Insbesondere die Deutsche Bundespost war regelmäßig sein Kunde.
Zuletzt wandte sich Neumann wieder verstärkt der Malerei in expressionistischem Stil zu. Während sein Frühwerk vor allem Porträts umfasst, schuf er nun meistens Gebäudeszenen in südländisch wirkenden Landschaften und Stillleben.[1]
- Frankfurt am Main, Hotel Hessischer Hof, 1952
- Frankfurt am Main, Cyriakuskirche, Wiederauf-/Neubau 1951/53
- Frankfurt am Main, Weißfrauenkirche, 1956
- Karlshafen, Stephanuskirche, 1962
- Frankfurt am Main, Wartburgkirche, 1962
- Frankfurt am Main, Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, 1969
- Frankfurt am Main, Dreifaltigkeitskirche, 1966
Schriften
- Das Naumburger Bürgerhaus in der Renaissance. Dissertation, Technische Hochschule Dresden, 1943/1944. (als Buch publiziert erst 1998, herausgegeben von seinem Sohn, dem hessischen Denkmalpfleger Michael Neumann)
Literatur
- Karin Berkemann: Nachkriegskirchen in Frankfurt am Main (1945–76). (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Band 51.) Theiss, Stuttgart 2013. (zugleich Dissertation, Neuendettelsau, 2012.)
- Carla Diehl: Die Liturgie als Bauherrin. In: Evangelisches Frankfurt, 25. Jahrgang 2001, Nr. 5 (August 2001). (online, zuletzt abgerufen am 24. Mai 2013)
- Maximilian Weingartner: Kleine Gemeinden. Trutzburgen des Glaubens. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Januar 2010. (online, zuletzt abgerufen am 24. Mai 2013)