Whitehaven
Kleinstadt im Vereinigten Königreich
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Whitehaven ist eine Hafenstadt in Cumbria im Nordwesten von England, Vereinigtes Königreich. Sie ist Sitz des Borough of Copeland. Whitehaven hat rund 23.000 Einwohner laut dem 2021 Zensus[1]. In der Nähe der Stadt liegt der Nuklearkomplex Sellafield.
| Whitehaven | ||
|---|---|---|
| Staat: | ||
| Koordinaten | 54° 33′ N, 3° 35′ W | |
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| Traditionelle Grafschaft | Cumberland | |
| Einwohner | 25.500 | |
| Verwaltung | ||
| Post town | WHITEHAVEN | |
| Postleitzahlenabschnitt | CA28 | |
| Vorwahl | 01946 | |
| Landesteil | England | |
| Region | North West England | |
| Shire county | Cumbria | |
| District | Copeland | |
| Britisches Parlament | Copeland | |

Geschichte

Whitehaven wurde 1778 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von der amerikanischen Marine unter der Führung von John Paul Jones angegriffen. Der von John Lowther entworfene rechtwinklige Stadtplan von Whitehaven[2] (Georgianische Architektur) diente als Vorbild für den Bau von Manhattan.
Wirtschaft
Durch seine Lage an der irischen See hatte Whitehaven eine gute Lage für den Handel mit Irland, aber, durch eine nördliche Umsegelung Irlands, die holländische und französische Schiffe vermied, für den Überseehandel mit Amerika.[3]
Kohle
Prägend für die Geschichte der Stadt und ihrer Bürger war der Steinkohlenbergbau und im 18. Jahrhundert der Tabak- und Sklavenhandel.[4] Ein Kohlelager verläuft von St. Bees nach Maryport.[5] Im 18., 19. und 20. Jahrhundert bestanden in Whitehaven und Umgebung insgesamt gut 70 Bergwerke. Die meisten von ihnen wurden durch die Lowther-Familie kontrolliert. Seit dem frühen 17. Jahrhundert wurde die Kohle nach Irland exportiert. Zwischen 1688 und der Mitte des 18. Jahrhunderts versechsfachte sich der Kohlenexport. Insgesamt wurden in den frühen 1750er Jahren 17-18.000 Tonnen Waren aus Whitehaven verschifft, vor allem Kohle.[6]
1910 ereignete sich in der Wellington Pit eine Schlagwetterexplosion mit 136 Toten.
Als letzte schloss 1986 die Zeche Haig (Haig Colliery). Für den 7. Juli 2022 stand die Entscheidung des zuständigen Ministers, Michael Gove, über eine Wiederaufnahme des Bergbaus in Whitehaven an.[7] Doch am Vortag wurde er von Premierminister Boris Johnson entlassen.[8]
Tabak
Whitehaven war zeitweise nach London der zweitgrößte Tabakhafen Englands.[9] Der Tabak stammte vor allem aus Maryland und Virginia[10] Da vor 1707 weder Irland noch Schottland direkt Tabak importieren durften[11] wurde Whitehaven zu einer wichtigen Zwischenstation. 1830 ließ Christopher Lowther den Hafen erweitern und einen neuen Anlegeplatz bauen, was 700 Pfund kostete.[12] In den 1740er Jahren war Whitehaven nach London der wichtigste Tabakhafen. Er wurde vor allem in die Niederlande und nach Frankreich exportiert. Bald litt die Stadt jedoch unter der Konkurrenz von Glasgow.[13] Christopher Lowthers Sohn John Lowther ließ den Hafen noch einmal erweitern.[14] 1793 legten hier 57 Tabakschiffe an[15] Bald kam es zu einem Konflikt zwischen den Kohlen- und Tabakhändlern über die knappen Anlegestellen.[16] Seit 1740 musste Tabak in Lagerhäusern gelagert werden, um die Zollkontrolle zu erleichtern, und zahlreiche Lagerhäuser wurden in Whitehaven errichtet. Der Virginia-Tabak wurde meist nach Frankreich weitertransportiert.[17] Nach 1748 ging der Tabakhandel stark zurück.[18]
Sklaven
1707 ließ die Lutwige-Familie, Wein-Händler aus Whitehaven, die sich hier um 1690 niedergelassen hatten, das erste Sklavenschiff erbauen.[19] Zur ihrer Flotte gehörten die Hannah-Maria, Fanteen und die Swift (1711), die bei Jamestown von den Franzosen aufgebracht wurde.[20] wie auch drei andere Sklavenschiffe aus Whitehaven.[21] Sie brachten afrikanischen Sklaven von Westafrika in die Karibik.[22] Auch die Sklavenschiffe Whitehaven Galley, Griffin, Providence, Betty, Unity Wittington, Princess (1718), Happy und Black Prince operierten von Whitehaven aus,[23] ferner die King George.[24] Zu dem wichtigsten Sklavenhändlern in Whitehaven gehörten Thomas Lutwidge Sr. und Thomas Rumball.[25] später Walter Lutwidge. Dies lässt sich unter anderem über die Hafen-Aufzeichnungen (Whitehaven port books) nachweisen, die jedoch 1743 ab nicht mehr überliefert sind.[26] Neben den früheren Kapitänen von Sklavenschiffen investierten auch zahlreiche Firmen.[27] Nach den Naval Office Lists finanzierten Kaufleute aus Whitehaven zwischen 1710 und 1769 69 Sklavenfahrten nach Afrika, 65 von Whitehaven aus, die restlichen vier von London und Liverpool (1759–1765).[28] Das ist im Durchschnitt mehr als eine Sklavenfahrt pro Jahr. Um 1750 lässt sich ein deutlicher Anstieg des riskanten Handels beobachten.[29] Zwischen 1761 und 1767 wurden 20-40.000 Pfund in den transatlantischen Menschenhandel investiert.[30] Die verwendeten Schiffe wurden immer größer, von 65 Tonnen in den 1710er Jahren, 70 Tonnen in den 1750ern und knapp über 110 Tonnen in den 1760ern. Insgesamt waren sie jedoch kleiner als die ihrer Konkorrenten in Bristol und Liverpool.[31] Zeitweise war Whitehaven fünftgrößte englische Hafen für die Ausrüstung von Schiffen für den atlantischen Sklavenhandel (nach Liverpool, Lancaster, Bristol und London).[32]
Um 1760 ließ der Sklavenhandel nach,[33] und endete 1769[34] vermutlich, da Cumberland wenig Handelsgüter produzierte, die für den Eintausch gegen afrikanische Sklaven geeignet waren.[35] Es wurden unter anderem Baumwolle aus Bengalen, schwedische Eisenbarren einer bestimmten Größe, die in Westafrika als Zahlungsmittel dienten, Glasperlen aus Murano, amerikanischer Tabak, aber auch britische Textilien, Kupfer, Feuerwaffen, Schießpulver, Glas, Keramik und Alkohol exportiert.[36] Ein Teil der Waren wurde eventuell als Schmuggelgut auf der Insel Man erworben.[37] Der Proviant stammte oft aus Irland.[38]
Stattdessen verlegten sich die Seeleute der Stadt auf den Walfang[39].
Insgesamt transportierten Schiffe aus Whitehaven 5739 Sklaven aus Westafrika ("Guinea", meist Ghana und Sierra Leone, Nigeria, Windward Coast, also Liberia und Elfenbeinküste)[40] in die Neue Welt, vor allem Barbados und Jamaika, aber auch Saint Kitts, Guadeloupe, Antigua und Havanna, weniger die Nordamerikanischen Kolonien South Carolina und Virginia.[41] Mindestens 906 Menschen starben während der Überfahrt.[42]
Zwischen 1700 und 1815 wurden zahlreiche schwarze Menschen in der Kirche St. Nicholas getauft oder getraut, darunter zahlreiche Sklaven.[43] Bei der Beendigung der Sklaverei im Britischen Reich erhielt allein die Hartley-Familie aus Whitehaven Entschädigung für 794 Sklaven auf fünf Plantagen auf Jamaika.[44]
1757 lief das Sklavenschiff Nicholas aus Liverpool unter Kapitän Robert Jennings bei der Rückkehr aus Afrika vor Whitehaven auf Grund.[45]
Berühmte Bürger
- Jonathan Swift (1667–1745) wurde als Kind von einem Kindermädchen aus Whitehaven in ihre Vaterstadt entführt.
- George Washingtons (1732–1799) Großmutter väterlicherseits, Mildred Gale geb. Warner heiratete 1700 in zweiter Ehe den Whitehavener Tabakkaufmann George Gale, der nach ihrem Tod in den USA die Stadt Whitehaven (Maryland) gründete. Sie wurde 1701 in der St Nicholas' Church in Whitehaven bestattet.
- William Nicholson (1816–1865), australischer Politiker
- Vincent Wright (1937–1999), Politikwissenschaftler und Hochschullehrer
Söhne- und Töchter der Stadt
- Jonny Edgar (* 2004), Autorennfahrer
- Dean Henderson (* 1997), Fußballspieler
Literatur
- D. A. Richards, M. Field: Whitehaven and the eighteenth-century British slave trade. In: Transactions of the Cumberland & Westmorland Antiquarian and Archaeological Society. 92 (Series 2), 1992, S. 183–204. doi:10.5284/1061542.
- J. V. Beckett: Coal and Tobacco: The Lowthers and the Economic Development of West Cumberland 1660–1760. Cambridge University Press, Cambridge 1981, ISBN 978-0-511-89689-7, doi:10.1017/CBO9780511896897.
