Wilhelm August Alemann

deutscher Jurist, königlich kurfürstlicher Hofrat und Bürgermeister von Münder am Deister und von Hannover (1728-1784) From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm August Alemann oder August Wilhelm Alemann (* 27. September 1728 in Berlin; † 4. März 1784 in Hannover) war ein deutscher Jurist, Hofrat und Bürgermeister von Münder am Deister und später in Hannover.[1]

Porträt des Wilhelm August Alemann;
Gemälde von Johann Georg Ziesenis dem Jüngeren; Historisches Museum Hannover

Leben

Wilhelm August wurde als Sohn des königlich-preußischen Hofrats Albert Engelhard Alemann und dessen Frau Clara Henrietta Boetticher in Berlin geboren. Der königlich-preußische General Johann Ernst von Alemann war sein Onkel.

Alemanns Stiefvater war der im Kloster Loccum tätige Abt Georg Wilhelm Ebell.[2]

Ab Oktober 1747 studierte Alemann Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, dann an der Universität Göttingen. Ab 1752 wirkte er zunächst als Auditor, ab 1755 als Assessor am hannoverschen Hofgericht. Er heiratete die Hannoveranerin Charlotte Louise Ebell, Tochter des Leibmedikus Ernst Christoph Ebell und dessen Frau Ilse Margarethe Bötticher.

Ab 1754 war er Bürgermeister der Stadt Münder. Zeitgleich war er 1755 Assessor und seit 1759 Mitglied des Konsistoriums. 1761 endete seine Amtszeit in Münder und er wurde einstimmig zum Bürgermeister von Hannover gewählt.

Alemann engagierte sich stark im sozialen Bereich: Als Vorsitzender des Armenkollegiums reformierte er das städtische Armenwesen und gründete 1782 am Steintor das Armen- und Werkshaus. Außerdem ließ er 1780 eine Entbindungsanstalt errichten, der eine Lehrschule für Hebammen angeschlossen war. Zu seinen weiteren Leistungen zählen der Bau eines Kornmagazins (1771) und die Verbesserung der Straßenbeleuchtung (1779). Im Jahr 1768 wurde Alemann zum Hofrat ernannt, am 24. April 1783 sein Adelsstand bestätigt.[3] Doch beruhte letzteres auf einem falschen Stammbaum, der ihn als Mitglied des adeligen Magdeburger Geschlechts Alemann auswies. In Wirklichkeit stammte Wilhelm August Alemann aus einem alten, nicht adeligen Beamten-Geschlecht der Grafschaft Ravensberg.[4]

Lage der translozierten Grabplatte Alemanns

Seine Amtszeit endete mit seinem Tod am 4. März 1784. Sein Grab befindet sich auf dem St. Nikolai-Friedhof, wo noch heute die Grabplatte zu finden ist.[5]

Schriften

  • Wilhelm Chrißtoph August Alemann: Observationes quibus juris romani argumenta de odio debitorum creditorum vindicata et concursu imminenta illustrantur : Levino Adolpho Hake … praesidi provinciae … mancipatus Wilhelm(us) Christoph(us) Aug(ustus) Alemann. GGöttingen 1752; Digitalisat über die Österreichische Nationalbibliothek
  • Alemann et al.: Dem Andenken des weiland Hochedelgebohrnen und Hochgelahrten Herrn, Herrn Melchior Carl Doerrien, treuverdienten Hofmeisters des Collegii Carolini, welcher den 8ten des Heumonats 1746. im 26sten Jahre seines Alters durch einen seligen Tod aus dieser Welt abgefordert wurde, wollten aus dankbarem Herzen und mit betrübter Feder foldende Zeilen wiedmen die unter des Seligen Hofmeisters besonderer Aufsicht gestandene Studiosi Alemann. von Wullen. Neumann. Voigt. von Ribbeck. von Spiegel. von Berfeld. Keitel, Braunschweig 1746; Volltext über Staatsbibliothek Berlin

Alemannstraße

Die „wohl um 1895 beim Bau der Vahrenwalder Volksschule“ entstandene Straße im Stadtteil Vahrenwald wurde 1896 nach dem hannoverschen Bürgermeister benannt.[6]

Alemanns Camp

Die Anpflanzungen Alemanns in der Eilenriede erhielten den Namen Alemanns Camp.[2]

Literatur

  • August Georg Uhle: Von der nützlichen Geschäftigkeit des Christen : eine Predigt am Sonntage Reminiscere über die Epistel I Thessal. 4, v. 1 - 12; Zum Gedächtniß des ... Bürgermeisters der Altstadt Hannover, Herrn Wilhelm August Alemann / von August Georg Uhle, Prediger an der Egidienkirche. Zum Druck befördert von einem dankbaren Verehrer des Wohlseligen zum Besten des Arbeithauses vor Hannover, Hannover, gedruckt bei Georg Christoph Schlüter. 1784; Digitialisat über die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
  • Johann Georg Büsch: Zum Andenken Alemanns, des Menschenfreundes / von J. G. Büsch, Prof., Hamburg, gedruckt bey J. M. Michaelsen, 1784; online über das Münchener Digitalisierungszentrum
  • Christian Philipp Iffland: Einige Nachrichten über das Leben und die Amtsführung des vormaligen Bürgermeisters der Altstadt Hannover, des Hofgerichts-Assessors und Consistorial-Raths, Hofraths August Wilhelm Alemann. Vom Herrn Stadtgerichts-Direktor Dr. Iffland in Hannover. In: Neues vaterländisches Archiv oder Beiträge zur allseitigen Kenntniß des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig, Jahrgang 1830, Band 2, Lüneburg: Herold und Wahlstab 1830, S. 33ff.; Digitalisat über die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • I. Gedichte. 2. Am Morgen, da mein Freund Alemann begraben ward, seine Wittwe, meiner genauen Freundin. / Von einer Hannöverischen Dame, in: Olla potrida. Eine Quartalschrift, Bd. 7/2, Teil 3, Wever, Berlin 1784, S. 4–5, ISBN 3-598-52319-X.
  • Eberhard von Alemann: Die Geschichte des Geschlechts Alemann. o. O. 1909. (42 MB Zip-Datei)
  • Heinrich Wilhelm Rotermund: Alemann (Wilh. Aug.), in ders.: Das gelehrte Hannover oder Lexicon von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, gelehrten Geschäftsmännern und Künstlern die seit der Reformation in und außerhalb den sämtlichen zum jetzigen Königreich Hannover gehörigen Provinzen gelebt haben und noch leben. Aus den glaubwürdigsten Schriftstellern zusammen getragen / von Dr. Heinrich Wilhelm Rotermund, Pastor an der Domkirche zu Bremen. Band 1, Bremen 1923, S. 24f.; Digitalisat
  • o. V.: Ahnenliste für Wilhelm August Alemann, in: Hannoversche Geschichtsblätter. Neue Folge Band 3, S. 48–55; PDF-Download
  • Hans von Müller: Johann Ernst Tiemann in Ravensberg und Minden - nebst Mitteilungen über seinen ravensbergischen Verwandtenkreis und seine Nachkommen. In: LIII. (53.) Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg zu Bielefeld. Bielefeld 1939. S. 16–23.
  • Johanna May: Wilhelm August Alemann - ein Patriot, und ein gerechter, kalter, unbefangener Richter, in dies.: Vom obrigkeitlichen Stadtregiment zur bürgerlichen Kommunalpolitik. Entwicklungslinien der hannoverschen Stadtpolitik von 1699 bis 1824 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Bd. 198), zugleich Dissertation 1998 an der Universität Göttingen, Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 2000, ISBN 978-3-7752-5812-8 und ISBN 3-7752-5812-4, S. 138 ff.
  • Horst Kruse: Stände und Regierung - Antipoden? Die calenbergisch-göttingschen Landesstände 1715 - 1802 (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. 121), zugleich Dissertation 1997 an der Universität Hannover, Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 2000, ISBN 978-3-7752-5836-4 und ISBN 3-7752-5836-1, S. 222 f.[2]
Commons: Wilhelm August Alemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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