Wilhelm Bazille
deutscher Jurist und Politiker (DNVP), MdR
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Wilhelm Bazille (Aussprache []) (* 25. Februar 1874 in Esslingen am Neckar; † 1. Februar 1934 in Stuttgart) war ein deutscher Jurist und Politiker (Württembergische Bürgerpartei bzw. DNVP). Er war von 1924 bis 1928 württembergischer Staatspräsident (Regierungschef), zugleich auch Kult- und Wirtschaftsminister, anschließend bis 1933 weiterhin Kultminister. Von 1919 bis 1932 gehörte er dem württembergischen Landtag, von 1920 bis 1930 auch dem Reichstag an.
Leben

Wilhelm Bazille war der Sohn des aus Savoyen stammenden Metallfacharbeiters Peter Franz Bazille (1839–1917) und der Württembergerin Anna Amalia Rieb (1843–1921). Er wuchs in Geislingen an der Steige auf, wo sein Vater Werkmeister bei der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) war. Nach der 1892 bestandenen Reifeprüfung am Realgymnasium in Ulm studierte Bazille Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen und München. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Studentenverbindung A.V. Virtembergia zu Tübingen.[1] Aus gesundheitlichen Gründen wurde Bazille vom Militärdienst befreit. Nach Bestehen der 1. und 2. juristischen Staatsprüfung trat er 1899 als Amtmann in Mergentheim in den Staatsdienst ein und wechselte 1900 nach Stuttgart, wo er ab 1910 bei der Zentralstelle für Gewerbe und Handel tätig war (ab 1913 als Oberamtmann).[2]
Bazille trat zunächst den Jungliberalen (der Jugendorganisation der Nationalliberalen Partei) und der Deutsche Partei (der württembergischen Landespartei der Nationalliberalen) bei, deren Ortsausschuss Groß-Stuttgart er ab 1913 vorstand. Seine Kandidaturen bei den Landtagswahlen 1906 bis 1912 scheiterten. Er polemisierte scharf gegen den linksliberalen Stuttgarter Oberbürgermeister (Stadtschultheißen) Heinrich von Gauß und bewarb sich nach dessen Rücktritt 1911 selbst für das Amt, zog sich dann aber zugunsten von Karl Lautenschlager zurück. Während des Ersten Weltkriegs war er von 1914 bis 1918 Präsident der deutschen Zivilverwaltung in der besetzten belgischen Provinz Limburg. Zurück in Stuttgart stieg er 1919 zum Regierungsrat beim Landesgewerbeamt auf.[2]
Er gehörte 1919 zu den Gründern der Württembergischen Bürgerpartei, in der sich Konservative, ehemalige Mitglieder der Deutschen Vaterlandspartei und Vertreter des rechten Flügels der Nationalliberalen wie Bazille selbst versammelten und die seit 1920 eine Landesgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) war. Bazille war ab 1919 Mitglied des württembergischen Landtags, wo er als Oppositionsführer gegen die republikanischen Regierungen aus Sozialdemokraten, Linksliberalen und katholischer Zentrumspartei auftrat. Von 1920 bis 1930 war er außerdem Mitglied des Reichstags (MdR) in der DNVP-Fraktion. Er agitierte scharf gegen Vertreter der Weimarer Koalition, die er als „Erfüllungspolitiker“ bezichtigte, beschwor immer wieder die Dolchstoßlegende und rühmte Bismarck als genialen Staatsmann. Er hielt Kontakte zu rechtsextremen Gruppen einschließlich der NSDAP und Erich Ludendorff. Im Krisenjahr 1923 wurde er als möglicher Chef der württembergischen Landesregierung im Fall eines rechtsextremen Umsturzes kolportiert.[3]
Bei der württembergischen Landtagswahl 1924 steigerte sich die Bürgerpartei in Listenverbindung mit der antisemitischen „Vereinigten Vaterländischen Rechten“ von Alfred Roth auf 10,4 Prozent der Stimmen und 8 von 80 Sitzen, womit sie jedoch allein nur sechststärkste Kraft blieb. Sie bildete aber eine Fraktionsgemeinschaft mit den 17 Abgeordneten des Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbundes, was sie gemeinsam zur stärksten Kraft machte. Am 3. Juni 1924 wählte der Landtag Bazille als Nachfolger von Edmund Rau zum Staatspräsidenten des Volksstaats Württemberg. Er bildete eine Mitte-rechts-Koalition aus Bürgerpartei, Bauernbund und Zentrum, das sich unter Eugen Bolz nach rechts gewandt hatte. Seinerzeit war Bazille der einstige deutschnationale Regierungschef eines deutschen Landes. Zusätzlich zum Amt des Staatspräsidenten war er zugleich Kult- und Wirtschaftsminister. Anders als zuvor als Oppositionsführer gab er sich in dieser Zeit betont staatsmännisch, bekannte sich zur demokratischen Verfassung und nahm Rücksicht auf seinen republiktreuen Koalitionspartner.[3] Er bezog 1925 die Villa Reitzenstein, die der württembergische Staat unter seinem Vorgänger Hieber gekauft hatte und wo Bazille seinen Dienst- und Wohnsitz nahm.
Wegen der hohen Wahlniederlage der Bürgerpartei bei der Landtagswahl am 20. Mai 1928 (seine Partei fiel auf nur noch 5,7 % und 4 Sitze) gab Bazille das Amt des Staatspräsidenten am 8. Juni 1928 an seinen Koalitionspartner Eugen Bolz vom Zentrum ab, der eine weitere Kooperation mit den Konservativen befürwortete. Bazille blieb noch bis zum Ende der Regierung Bolz am 11. März 1933 württembergischer Kultminister.[4]
Aufgrund innerparteilicher Gegensätze zu Alfred Hugenberg trat er 1930 aus der Bürgerpartei und der DNVP aus und war anschließend fraktionslos. Mit der Volkskonservativen Vereinigung um Kuno von Westarp stimmte er für die Regierung Brüning. Zur Reichstagswahl 1930 trat er erfolglos mit der Nationalen Volksgemeinschaft an, die sich scharf von Hugenbergs DNVP abgrenzte und die Politik des Reichskanzlers Brüning unterstützte.[3] Sie erhielt im Wahlkreis Württemberg 0,9 Prozent der Stimmen.[5] Zur württembergischen Landtagswahl 1932 bildete die Volkskonservative Vereinigung eine gemeinsame Wahlliste mit DVP und Wirtschaftspartei, welche jedoch mit 1,55 Prozent der Stimmen keinen einzigen Sitz erhielt.
Nach seinem Rückzug aus der Politik arbeitete Bazille über Verfassung und Staatsrecht in Württemberg sowie über das Staatsangehörigkeitsrecht. Im Jahre 1932 verfasste er ein politisches Testament, in dem er sich auch zum Nationalsozialismus äußert, allerdings recht zwiespältig, teils sogar wohlwollend. Bazille beging am 1. Februar 1934 Suizid. Sein Grab befindet sich auf dem Stuttgarter Pragfriedhof.
Bazille heiratete 1912 Lilly Ensinger (1884–1976), mit der er drei Kinder bekam. Sein Sohn Helmut Bazille gehörte von 1949 bis 1969 für die SPD dem Deutschen Bundestag an.
