Wilhelm Casper
deutscher Militärverwalter
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Wilhelm Rudolf Max Johannes Casper (* 8. März 1902 in Lauenburg in Pommern; † 21. November 1999 in Bonn) war ein deutscher Beamter, ziviler Militärverwalter und Präsident des Bundeswehrverwaltungsamts.
Leben
Wilhelm Casper wurde 1902 als Sohn des Fabrikbesitzers Johannes Casper in Lauenburg i. Pom. geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Jena, Kiel, Freiburg und Berlin. 1921 wurde er Mitglied der Burschenschaft Teutonia Jena und zudem ab 1922 in der Burschenschaft Teutonia zu Kiel aktiv. Sein Referendarexamen bestand er 1924 in Jena, wo er 1925 promovierte (Dr. jur.).[1]
Seinen Vorbereitungsdienst als Referendar leistete er bei verschiedenen Behörden in Lauenburg, Itzehoe, Flensburg, Köln und ab 1927 beim Finanzamt Eckernförde. Anfang November 1928 bestand Casper das Assessorexamen in Berlin. Im Range eines Regierungsassessors wirkte er ab Dezember 1928 in Sangerhausen am Landratsamt als stellvertretender Landrat. Zu dieser Zeit erwarb er eine Privatpilotenlizenz.[1]
Von September 1930 bis Mai 1933 war Casper beim Regierungspräsidium Köslin, anschließend bis Dezember 1934 beim Regierungspräsidium Königsberg beschäftigt. Ende 1934 erfolgte seine Beförderung zum Regierungsrat. Im selben Jahr wechselte Casper nach Gerdauen, wo er von 1936 bis 1939 als Landrat für den Kreis Gerdauen wirkte.[1] In dieser Position war er, wie alle Landräte zwischen 1871 und 1945 in Preußen, die erste landespolizeiliche Instanz und Organ der Staatsregierung für die Geschäfte der allgemeinen Landes- und Kreisverwaltung.[2]
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Casper im September 1939 als Reserveoffizier und Leutnant der Luftwaffe eingezogen. Von Juli 1940 bis Mai 1941 war er Militärverwalter des französischen Département Eure-et-Loir, anschließend bis Herbst 1943 ziviler Leiter der militärischen Verwaltung der britischen Kanalinseln.[1] Obwohl dort „seine Unterschrift auf fast allen antijüdischen Anordnungen steht“,[3] gab er 1942 den Juden auf den besetzten Kanalinseln die Möglichkeit, ohne Behinderung nach England zu segeln, sodass sie nicht in Konzentrationslager deportiert wurden.[1]
Von November 1943 bis Mai 1945 war er in Dänemark Verbindungsmann des Reichsbevollmächtigten beim Wehrmachtbefehlshaber und zugleich Verbindungsoffizier des Wehrmachtsbefehlshabers bei der Vertretung der dänischen Zentralverwaltung in Jütland. Als Verhandlungsleiter der Wehrmacht mit der dänischen Regierung erreichte Casper gegen Kriegsende den friedlichen Abzug der deutschen Soldaten aus Dänemark.[1]
Casper war seit 1934 verheiratet und hatte zwei Töchter. Seine Familie floh Ende 1944 aus Ostpreußen nach Schleswig-Holstein und ließ sich später in Glücksburg nieder. 1948 wurde Casper Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Landkreistages. Ende 1951 zog die Familie nach Frankfurt/M., wo Casper von 1952 bis 1955 am Bundesrechnungshof als Ministerialrat wirkte.[1]

1956 übersiedelte er mit seiner Familie nach Bonn und verfasste als Ministerialdirigent im Bundesverteidigungsministerium Gutachten zur Organisation der Bundeswehr. Parallel war er von 1956 bis 1959 als Personalchef verantwortlich für die Einstellung von 180.000 einzuberufenden neuen Wehrpflichtigen. Casper amtierte von 1962 bis 1967 als Präsident des Bundeswehrverwaltungsamtes in Bonn. Er erhielt im Februar 1967 das Große Bundesverdienstkreuz.[1] Seinen Lebensabend verbrachte er in Las Palmas de Gran Canaria und Bonn.[4]
Schriften
- Die Prüfung der Verfassungsmäßigkeit von Reichsgesetzen. Universität Jena, 1925.
- Britische Stimmen über die deutsche Besatzungszeit auf den britischen Kanalinseln 30.6.1940–8.5.1945. R. v. Decker, 1963.
- Wir Menschen sind eine Familie. Erinnerungen und Gedanken. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 1994.
Literatur
- Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 7: Supplement A–K. Winter, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8253-6050-4, S. 197–198.