Wilhelm Othmer

1882 bis 1934 Geburtsort Uthwerdum (Kreis Aurich) Sterbeort Göttingen Beruf/Funktion Sprachlehrer ; Übersetzer Konfession lutherisch Namensvarianten Othmer, Heinrich Friedrich Wilhelm Othmer, Wilhelm Othmer, Heinrich Friedrich Wilhelm Outeman jiaos From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Othmer (* 16. Dezember 1882 in Georgsheil; † 7. Januar 1934 in Göttingen) war ein deutscher Lehrer und Sinologe, der in Peking, Qingdao und Shanghai tätig war. Bekannt wurde er durch das mit Ferdinand Lessing verfasste Lehrbuch der chinesischen Sprache und der darin verwendeten Umschrift für chinesische Schriftzeichen.

Leben

Kindheit und Jugend

Heinrich Friedrich Wilhelm Othmer wurde 1882 als ältestes von vier Kindern geboren. Sein Vater war als Wegebauaufseher in Georgsheil tätig, seine Mutter stammte aus Hameln.

Zwischen 1892 und 1900 besuchte Othmer das Ulrichsgymnasium in der Stadt Norden (Ostfriesland)[1], wo er durch sein Sprachtalent auffiel[2]. Ab 1900 studierte er nach bestandenem Abitur Geographie, Alte Geschichte und Griechisch in Greifswald, bevor er nach Berlin wechselte. Dort besuchte er auch Vorlesungen von Ferdinand von Richthofen.

Am 10. Januar 1904 wurde Othmer zum Dr. phil promoviert, mit seiner Dissertation „Die Völkerstämme von Hispania Tarraconensis der Römerzeit“[3].

Aufenthalt in China

Im Jahr 1907 bewarb er sich beim Auswärtigen Amt auf eine Stelle als Lehrer für die deutsche Schule in Peking[4], um dort Chinesen zu unterrichten. Dort kam er im September 1907 an und nahm am 1. Oktober seine Tätigkeit auf. Um die Finanzierung der Schule zu sichern, schrieb Othmer an den deutschen Gesandten in Peking, Arthur von Rex[5], da das Schulgeld nicht ausreichte, um die Kosten zu decken. Wegen mangelnder finanzieller Unterstützung musste die Schule 1909 aufgelöst werden, und Othmer wechselte zur Deutsch-Chinesischen Mittelschule in Tianjin.

Kurz darauf folgte Othmer einem Ruf an die Deutsch-Chinesische Hochschule in Qingdao[6], wo er als Lehrer für Deutsche Sprache, Geschichte und Geographie tätig war. Dort machte er auch die Bekanntschaft von Ferdinand Lessing, der dort als Assistent an der Übersetzungsanstalt der Hochschule arbeitete.

Für Kurse in der chinesischen Schriftsprache entwickelten Lessing und Othmer eine neue, der deutschen Sprache angepasste Umschreibung[7] der chinesischen Zeichen (Lessing-Othmer-System), welche auch in einem Lehrbuch verwendet wurde, das auf den Lektionen der Hochschule basierte.

In Qingdao traf Othmer auch seine Ehefrau Elisabetha Buri[8], die er 1911 heiratete. Im Jahr 1912 wurde der Sohn Gerhard geboren, und 1914 folgte Wilhelm.

Gefangenschaft in Japan

Ende 1914 kam Othmer zusammen mit anderen Deutschen in japanische Kriegsgefangenschaft. Im Kriegsgefangenenlager in Osaka arbeitete er weiter an seinem chinesischen Lehrbuch[9] und lernte Japanisch. Für seine Mitgefangenen richtete er Sprachkurse im Chinesischen ein[10].

Im Jahr 1917 wurden die Gefangenen auf die Insel Ninoshima verlegt, wo der Schulbetrieb zuerst untersagt wurde[11]. Mit Unterstützung des schwedischen Pfarrers Neander gelang es, die Genehmigung für die erneute Einrichtung einer Schule zu erhalten. Eine Schulbaracke mit vier Räumen wurde errichtet, und 23 mitgefangene Lehrkräfte stellten sich für den Unterricht zur Verfügung.

Elisabetha Othmer blieb während dieser Zeit mit den beiden Söhnen in Qingdao. Anfang 1920 wurde Wilhelm Othmer aus der Kriegsgefangenschaft entlassen[12] und kehrte zu seiner Familie zurück. Zu dieser Zeit war Elisabetha bereits unheilbar krank; sie starb im August 1920.

Shanghai

Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft wurde Othmer an die Tongji-Universität in Shanghai berufen, wo er zum Professor ernannt wurde.

Im Jahr 1922 besuchte er seine Familie in Deutschland und heiratete dort Maria Buri[13], die Schwester seiner verstorbenen Frau. Mit seiner zweiten Frau hatte er zwei Kinder: Carsten (* 1923) und Gudrun (* 1926).

In Shanghai übersetzte Othmer zahlreiche chinesische Texte ins Deutsche. Außerdem war er ab 1924 Herausgeber einer zweisprachen Monatsschrift namens "De wen yue kan"[14], die chinesische Studenten beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen sollte. Bis zur Einstellung der Zeitschrift 1926 bekleidete er den Posten des Chefredakteurs.

Othmer war außerdem der Gründer der Ortsgruppe Shanghai der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, in der er sehr aktiv war.[15]

Tod

Im Jahr 1933 wurde er wegen Magenproblemen in Shanghai operiert. Auf ärztlichen Rat kehrte er zur Nachsorge nach Deutschland zurück, wo er am 7. Januar 1934 in Göttingen starb[16]. Dort wurde er auf dem Städtischen Friedhof beigesetzt.

Werke

  • Lehrgang der nordchinesischen Umgangssprache, Qingdao1912 (gemeinsam mit Dr. Ferdinand Lessing)
  • Manual of the Mandarin language, Shanghai 1914 (gemeinsam mit Dr. Ferdinand Lessing)
  • 德文月刊 (Déwén yuèkān), Shanghai 1924–1926 (Herausgeber)
  • Grammatik der Nikbun-Sprache, Übersetzung aus dem Japanischen, Osaka 1927

Literatur

Einzelnachweise

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