Wilhelm Petrascheck
österreichischer Geologe
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Leben
Petrascheck war der Sohn österreichischer Eltern (sein Vater war Braumeister), wuchs in Leitmeritz auf und ging in Dresden auf das Realgymnasium. Er studierte in Dresden an der Königlich Sächsischen Technischen Hochschule, der Universität Halle und der Universität Leipzig, wo er 1899 bei Hermann Credner promoviert wurde (Studien über die Faciesbildung der sächsischen Kreideformation). Während seines Studiums wurde er Mitglied von zwei katholischen Studentenverbindungen, 1898 der AV Silesia Halle und auch der KDStV Burgundia Leipzig (deren Mitgliedschaft ihm später wegen "Teilnahmslosigkeit" gestrichen wurde).[1] Nach einjährigem Wehrdienst war er Assistent bei Ernst Kalkowsky am Mineralogisch-Geologischen Institut in Dresden. 1901 wurde er Adjunkt in der k.k. geologischen Reichsanstalt in Wien, wo zu dieser Zeit auch sein zukünftiger Schwiegervater Emil Tietze Vizedirektor war. Petrascheck heiratete 1903 Hildegard Tietze.
An der Reichsanstalt befasste er sich zunächst vor allem mit Kreideablagerungen im Sudetenraum und geologischen Kartierungen, aber auch zunehmend mit der Geologie der Kohle. 1908 veröffentlichte er eine Übersicht über die Kohlelagerstätten in Österreich. Er befasste sich aber auch mit Erzlagerstätten, zum Beispiel mit Uranvorkommen (1915). Petrascheck war von 1918 bis 1950 ordentlicher Professor für Geologie, Paläontologie und Lagerstättenlehre an der Montanuniversität Leoben. Die Ernennung erfolgte am 9. November 1918 durch Kaiser Karl I.[2] 1922 bis 1923 und 1935 bis 1936 war er dort Rektor. Nach Erreichen der Altersgrenze wurde seine Lehrtätigkeit wegen des Personalmangels nach 1945 zunächst durch ein „Ehrenjahr“ und später durch eine Honorarprofessur bis 1950 verlängert.[3]
Er befasste sich vor allem mit Lagerstättenlehre, insbesondere auch zur Geologie der Kohle, worüber er ein Buch mit seinem Sohn Walther E. Petrascheck schrieb, der ihm 1950 als Professor in Leoben nachfolgte.[4]
Historische Einordnung
Petrascheck war Mitglied deutschnational-antisemitischer Vereine, wie dem „Verein für das Deutschtum im Ausland“ und dem Verein „Südmark“. Der Verein „Südmark“ definierte das „Deutschtum“ nach rassischen Kriterien, um Juden auszuschließen.[5]
Bereits vor dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich stellte sich Petrascheck in den Dienst des deutschen Vierjahresplanes:
- Am 28. Juli 1937 berichtete er in Berlin über zahlreiche österreichische Lagerstätten (darunter Goldlagerstätte Pusterwald, Tauerngold, Bleiberg, Quecksilbervorkommen bei Dellach, Manganerzlagerstätte in der Veitsch, Eisenerzvorkommen bei Jenbach) an Wilfried von Seidlitz, der im „Arbeitsbereich Keppler: Erforschung des deutschen Bodens“ tätig war.
- Bei der Beschreibung des Eisenerzvorkommens in Jenbach äußerte er sich klar antisemitisch mit der Bemerkung: „Die Hütte steht, gehört aber einem Juden“.
- Sein Assistent, Frank Schwarz, wurde 1937 zu Robert Müller an das Institut für Hüttenchemie überstellt, um dort Vorarbeiten für die illegale Lagerstättenforschungsstelle Armin Dadieus und Robert Müllers zu leisten.[6]
Während der NS-Zeit wurde Petrascheck im Jahr 1938 Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV).Gegenüber NS-Behörden führte er als „politische Betätigung“ vor 1938 die „Pflege fachlicher Beziehungen zum Reich“ an. Er wirkte in dieser Zeit an kriegswichtigen Forschungsaufträgen mit, etwa an einer Gemeinschaftsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft über die Braunkohlen des Sudetengaues und der Ostmark (1939 bis 1944).[7]
Auszeichnungen und Ehrungen
1916 wurde Petrascheck Mitglied der Leopoldina.[8] 1937 wurde er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Ehrendoktor der Technischen Hochschule Breslau. 1947 erhielt er die Goldene Ehrenmedaille des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1950 die Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt in Wien. Ebenfalls 1950 wurde er mit der Kärntner-Landeswappen-Medaille ausgezeichnet. 1951 erhielt er die Leopold-von-Buch-Plakette der Deutschen Geologischen Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er war, und 1956 die Eduard-Sueß-Gedenkmünze der Österreichischen Geologischen Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er ebenfalls war. 1959 erhielt er die erste Miller-von-Hauenfels-Medaille des Bergmännischen Verbandes.
Werke
- Geologische Spezialkarte der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, Zone 4 Kol. XIV Josefstadt und Nachod. k. k. geologische Reichsanstalt, k. u. k. Militärtopographisches Institut, Wien 1912
- Erläuterungen zur Geologischen Karte der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder der Österr.-Ungar. Monarchie: NW-Gruppe Nr. 17 Josefstadt und Nachod. Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien 1913
- mit A. Liebus, L. Waldmann: Abschnitt Sudetenländer. In: Gustav Steinmann, Otto Wilckens: Handbuch der Regionalen Geographie. Band 30, 1944
- mit Walther E. Petrascheck: Lagerstättenlehre. Springer Verlag 1948, 4. Auflage 1992 bei Schweizerbart bearbeitet von Walter L. Pohl
- Die Metamorphose der Kohle. In: Berg- und Hüttenmännische Monatshefte, Band 101, 1956, Heft 2
Literatur
- Eberhard Dietrich Clar: Wilhelm Petrascheck. In: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft Wien. Band 60, 1967, S. 129–140 (zobodat.at [PDF]).
- Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 160, Wien 2020. S. 359–408. (Online).