Wilhelm Sebastian

deutscher Automobilrennfahrer und Rennmechaniker From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Sebastian (* 17. Januar 1903 in Mannheim; † 30. Oktober 1978 Weinheim) war ein deutscher Automobilrennfahrer und Rennmechaniker.

Wilhelm Sebastian 1933
Wilhelm Sebastian 1933

Karriere

Nach seiner Gesellenprüfung bei Benz kam Wilhelm Sebastian in die Versuchsabteilung unter Willy Walb und wurde als Rennmechaniker beim Großen Preis von Italien 1923 in Monza eingesetzt. Bei diesem Rennen setzte Benz den ersten Mittelmotor-Rennwagen, auch Tropfenwagen genannt, ein. Als Beifahrer von Willy Walb und Adolf Rosenberger feierte er etliche Siege mit diesem Mittelmotor-Benz-Rennwagen.

Er war auch als Beifahrer von Ernes Merck, Ernst-Günther von Wentzel-Mosau, August Momberger, Max von Arco-Zinneberg, Rudolf Caracciola und Albert Broschek tätig und betreute in über 50 Rennen neben dem Benz-Tropfenwagen und 16/50/90-Tourenwagen auch Mercedes 1,5-l und 2-l-Rennwagen sowie die S-, SS-, SSK- und SSKL-Modelle.

In der Rennsaison 1931 begleitete Sebastian als „schnellster Mitfahrer der Welt“ Rudolf Caracciola. Das Duo gewann unter anderem auf einem Mercedes-Benz SSKL als erste nicht-italienische Fahrerpaarung in der Geschichte des Rennens die Mille Miglia in Italien. Am 19. Juli 1931 gewannen Rudolf Caracciola und Wilhelm Sebastian den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, ebenfalls mit einem Mercedes-Benz SSKL. Bei dem Rennen wurde an diesem Fahrzeug auch zum ersten Mal bei Mercedes-Benz der „Schnellwagenheber“ eingesetzt, den Wilhelm Sebastian zusammen mit Willy Walb entwickelt hatte. Der Einsatz dieses Wagenhebers war mit entscheidend für den Sieg, da dadurch bei den Boxenstopps knapp eine Minute beim Reifenwechsel eingespart wurde.[1]

In der Saison 1932 war Sebastian Rennmechaniker von Albert Broschek und wechselte danach zur von Ferdinand Porsche und Adolf Rosenberger frisch gegründeten Hochleistungsfahrzeugbau GmbH (HFB) zur Unterstützung der Konstruktion des „P-Wagens“ sowie eines Zündapp-Kleinwagens.

Mit der Gründung der Auto-Union-Rennabteilung wechselte Sebastian 1933 als technischer Betriebsleiter in das in Zwickau ansässige Werksteam. Auch sein Sein Bruder Ludwig[2] wurde dort eingestellt, zunächst als Motorenmechaniker, später als Mechaniker für Bernd Rosemeyer und Tazio Nuvolari.

Zur Saison 1934 trat Sebastian für die Auto Union unter Teamchef Willy Walb zusammen mit August Momberger in der Grand-Prix-Europameisterschaft als Reservefahrer an. Die Stammpiloten hießen Hans Stuck und Hermann zu Leiningen. Sebastian startete auf Typ A bei der Coppa Acerbo in Pescara, beim Großen Preis von Italien auf der Hochgeschwindigkeitsbahn im Königlichen Park von Monza und beim Großen Preis der Tschechoslowakei auf dem Masaryk-Ring nahe Brünn.

Ende August in Pescara vertrat Wilhelm Sebastian den erkrankten August Momberger und wurde gemeinsam mit Stammfahrer Stuck, der seinen Wagen zwischenzeitlich mit Kolbenschaden abstellen musste und Sebastians Fahrzeug übernahm, Fünfter.[3] Am 9. September wurde er gemeinsam mit Momberger in Monza Siebenter.[4] Drei Wochen später vertrat Sebastian den an einer Arthritis leidenden Momberger in Brünn und wurde ebenfalls Siebenter[5], dies war der letzte Grand Prix seiner Karriere. Am Saisonende trat er vom Rennsport zurück, da er sich nicht für schnell genug für die Europameisterschaft hielt.[6]

Danach fungierte Wilhelm Sebastian im Rennteam der Auto Union als stellvertretender Teamchef, Chefmechaniker und Testfahrer. Beim Großen Preis von Belgien und den Rennen in Südafrika fungiert er als Teamchef.

Kurz vor Rosemeyers tödlichem Unglück am 28. Januar 1938 auf der Reichsautobahn Frankfurt–Darmstadt riet Sebastian diesem noch von den Rekordfahrten ab. Rosemeyer versicherte ihm, dass er das Risiko einschätzen könne.[7][8]

„Lass’ doch den Scheiss, diese blöden Rekordfahrten, wir brauchen dich doch für die Rennsaison. – Du kannst versichert sein, ich merke es alleine, wenn es nicht geht. Ich will nur noch mal rantasten.“

Nach dem Krieg wurde Wilhelm zum Unternehmer und gründete eine VW/Porsche-Niederlassung in Weinheim. 1965 entwickelte er mit Heinz Fuchs WISEB (WIlhelm SEBastian) Formel V Rennwagen. Die Rennlegende Reinhold Joest macht seine kaufmännische Ausbildung bei Auto Sebastian und fährt kurze Zeit auch mit einem WISEB.

Wilhelm Sebastian starb am 30. Oktober 1978 im Alter von 75 Jahren in Weinheim.

Statistik

Vorkriegs-Grand-Prix-Ergebnisse

Weitere Informationen Saison, Team ...
SaisonTeamWagen123456
1934 Auto Union AGAuto Union Typ A
DNS7.  1
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Weitere Informationen Legende, Farbe ...
Legende
Farbe Bedeutung EM-Punkte
Gold Sieg 1
Silber 2. Platz 2
Bronze 3. Platz 3
Grün Klassifiziert, mehr als 75% der Renndistanz zurückgelegt 4
Blau nicht punkteberechtigt, zwischen 50% und 75% der Renndistanz zurückgelegt 5
Violett nicht punkteberechtigt, zwischen 25% und 50% der Renndistanz zurückgelegt 6
Rot nicht punkteberechtigt, weniger als 25% der Renndistanz zurückgelegt 7
FarbeAbkürzungBedeutungEM-Punkte
Schwarz DSQ disqualifiziert (disqualified) 8
Weiß DNS nicht gestartet (did not start)
DNA nicht erschienen (did not arrive)
sonstige P/fett Pole-Position
SR/kursiv Schnellste Rennrunde
DNF Rennen nicht beendet (did not finish)
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1 
Sebastian übernahm während des Rennens den Wagen von August Momberger und steuerte ihn auf Rang sieben.

Ergebnisse als Mechaniker/Beifahrer (Auszug aus über 50 Rennen)

Weitere Informationen Fahrer, Datum ...
Fahrer Datum Resultat Renntyp Rennen Klasse Wagentyp Kommentar
Willy Walb 09.09.1923 DNF Grand Prix Großer Preis von Italien Benz-Tropfenwagen Kolbenbruch
Willy Walb 11.07.1924 3 Bergrennen Baden Baden Turnier Bis 10 PS Benz-Tropfenwagen
Adolf Rosenberger 24.05.1925 1 Bergrennen Herkules-Bergrennen Bis 8 PS Benz-Tropfenwagen Streckenrekord
Adolf Rosenberger 24.07.1925 1 Bergrennen Baden Baden Turnier Bis 6 PS Mercedes 1,5 l Tagesbestzeit
Adolf Rosenberger 11.05.1926 1 Bergrennen Hohe Wurzel Wiesbaden Rennwagen Mercedes 2 l(8 Zyl)
Willy Walb 11.06.1926 1 Bergrennen Baden Baden Turnier (6) 13-16 PS Benz 16/50 PS
Willy Walb 12.09.1926 1 Rennen Rund um die Solitude Sportwagen über 5,0 Liter Hubraum Mercedes 24/100/140 PS
Ernes Merck 13.08.1927 2 Bergrennen Klausenrennen national Tourenw. -8l Mercedes-Benz Typ S
Adolf Rosenberger 11.09.1927 1 Bergrennen Semmering Sportw.- 8l Mercedes-Benz Typ S Streckenrekord
Ernst-Günther von Wentzel-Mosau 16.06.1928 1 Tourenfahrt Ungarische Meisterschaft Mercedes-Benz Typ S
Willy Walb 15.07.1928 3 Rennen Großer Preis von Deutschland Sportw.> 6l Mercedes-Benz Typ SS
August Momberger 14.07.1929 3 Rennen Großer Preis von Deutschland > 3l Mercedes-Benz Typ SSKL
Rudolf Caracciola Saison 1931 div. 14 Rennen Mille Miglia, GP Deutschl. Mercedes-Benz Typ SSKL Bergmeister, 4 GP Siege
Albert Broschek Saison 1932 div. mind. 6 Rennen 5. bei GP Lorraine Nancy Mercedes-Benz Typ SSK u. a. Mille Miglia
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Literatur

  • Dietrich Conrad: FORMEL SEB. Sebastian und die Silberpfeile. Verlag Waldkirch, Mannheim 2023, ISBN 978-3-86476-179-9.
Commons: Wilhelm Sebastian – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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