Will Kelter

deutscher Künstler und Kulturfunktionär From Wikipedia, the free encyclopedia

Will Kelter (eigentlich Wilhelm Rudolf Kelter; auch Willi Kelter; * 22. August 1899 in Gelsenkirchen; † 7. März 1978) war ein deutscher Künstler und Kulturfunktionär in der Zeit des Nationalsozialismus.

Leben

Vor 1933

Will Kelter wurde am 22. August 1899 als Wilhelm Rudolf Kelter im preußischen Gelsenkirchen geboren. Er wuchs mit dem jüngeren Bruder Ernst Kelter in Duisburg-Homberg auf, der später ein bekannter Wirtschaftsgeograph und Oberbürgermeister von Duisburg werden sollte. Er absolvierte eine Lehre zum Dekorationsmaler, ehe er zwischen 1916 und 1917 an die Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf wechselte. Kelter diente 1917 und 1918 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach Kriegsende arbeitete Kelter in wechselnden Berufen, darunter als Bergmann und Hüttenarbeiter. Zusammen mit seinem Freund Peter Stermann besuchte er zwischen 1920 und 1922 das Lehrerseminar in Moers, brach die Ausbildung zum Lehrer aber ab.

Beide, Kelter und Stermann, studierten zwischen 1922 und 1928 an der Kunstakademie Düsseldorf. Kelter lernte beim Grafikdesigner Ernst Aufseeser, beim Maler Werner Heuser und dem Porträtmaler Ludwig Heupel-Siegen. Kelter besuchte 1925 im Rahmen seines Studiums Italien. Zusammen mit Peter Stermann war Will Kelter ab 1920 Mitglied der Bismarckjugend, der Jugendorganisation der DNVP. Zum 15. Dezember 1925 trat Kelter der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 25.498).[1] Zusammen mit Stermann, Hans Weidemann und Albert Mankopf arbeitete er in einem Düsseldorfer Atelier und versuchte seine Kollegen von der Ideologie der NSDAP zu überzeugen.[2]

Schnell stieg Kelter innerhalb der NSDAP auf. Zwischen 1925 und 1927 war er SA-Führer und Ortsgruppenleiter, ab 1927 wurde er Kreisleiter der NSDAP in Duisburg. Bereits 1929 wurde Will Kelter als Abgeordneter der Partei in den Rheinischen-Provinzial-Landtag gewählt. In Duisburg avancierte er zum Stadtverordneten und Fraktionsführer. Eng mit seiner künstlerischen Vorbildung verbunden ist die Stelle als Gaukulturwart in der Gaukulturabteilung der NSDAP, mit der auch die Leitung des Kampfbundes für deutsche Kultur in Duisburg verbunden war.

Bereits in der Weimarer Republik war Will Kelter auch selbst als Künstler aktiv. So gilt er zusammen mit Hermann Bänder, Hans Grohmann, Marianne Nieten-Overbeck, Werner Kreuzhage, Volkram Anton Scharf, Julius Schmitz-Bous, Heinrich Seepolt, Peter Stermann und Artur Zahn als einer der Gründer des Duisburger Künstlerbundes. Seine Bilder spiegeln die politischen und kulturellen Auseinandersetzungen der Zeit wider. So stellte er 1925 auf der Dezember-Ausstellung des Bundes das Monumentalbild „Nächtlicher Straßenkampf“ aus.

Ab 1933

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahm Kelters Karriere als Kulturfunktionär an Fahrt auf. 1933 stellte er als Landesleiter Nord-West des Kampfbundes für deutsche Kultur, der späteren Reichskammer der bildenden Künste, in Essen ein Programm vor, in dem vor allem die niederdeutsche Kultur im Fokus stand. Umgesetzt wurde das Programm vor allem durch die Westfront-Ausstellungen, die 1933 und 1936 in Essen gezeigt wurden. Die Ausstellungen richtete sich gezielt gegen den Kunstmarkt der Weimarer Republik, der von französischen Künstlern dominiert war. Die gleichgeschaltete Presse lobte den militärischen Jargon, mit dem er die in der Ausstellung gezeigten Werke bewarb.[3]

Im Jahr 1935 wurde Will Kelter aus dem Kreis der Reichskammer der bildenden Künste zusammen mit einigen anderen Personen von Joseph Goebbels in den Reichskultursenat berufen. So gehörte auch Hans Weidemann dem Senat als Repräsentant der Reichsfilmkammer an. Über die politische Arbeit gab Kelter das Malen weitgehend auf. Mitte 1937 wurde er vom Leiter der Folkwangschule, Albert Mankopf, zum Meister der Fachklasse „Raummalerei und Wandbild“ berufen. 1938 wurde Kelter von Hermann Grah als zu expressionismusfreundlich bezeichnet. Dennoch blieb er bis 1945 Lehrer an der Folkwangschule.

Will Kelter konnte nach Kriegsende an seine künstlerische Tätigkeit aus der Weimarer Republik anschließen. 1938 wurde er zu einer Ausstellung der in Duisburg konstituierten Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler e. V. eingeladen und war mit dem Ölbild „Beecker Kirmes“ vertreten. Ab den 1950er Jahren begann Kelter, Kinder- und Jugendbücher zu illustrieren.[4] Will Kelter starb am 7. März 1978.

Werke (Auswahl)

Die künstlerischen Arbeiten von Will Kelter konzentrierten sich vor allem auf Gemälde und Illustrationen. Nachgewiesen werden können Tuschezeichnungen und Ölbilder. Die Kritik der 1920er Jahre betont das Gegenständlich-Naive der Malerei Kelters, die bereits früh auch nationalsozialistische Bildsprache beinhaltete. Nach dem Krieg war Kelter auf Ausstellungen auch mit Ölkreidezeichnungen vertreten. Der Fokus der Arbeiten wurde nun aber eindeutig auf die Illustrationen von Kinder- und Jugendbüchern gelegt.[5]

Illustrationen

  • um 1950: Walter Scott: Ivanhoe. Deutscher Bücherbund, Stuttgart, Lizenzausgabe Hoch Verlag, Düsseldorf um 1950.
  • 1952, Hans Lehr: Wolkenwärts im Segelflug. Hoch Verlag, Düsseldorf 1952.
  • 1955, Julius Moshage: Lockende Tiefe. Hoch Verlag, Düsseldorf 1955.
  • 1955, Johanna Spyri: Wo Gritlis Kinder hingekommen sind. Hoch Verlag, Düsseldorf 1955.
  • um 1955, Heinz Waterboer: Der letzte der Umanen. Hoch Verlag, Düsseldorf um 1955.
  • 1973, Carl Mandelartz: Carl Mandelartz in 17 Porträts. Dortmund 1973.[6]

Literatur

  • Burkhard Biella, Sabine Haustein: Spuren der Anfänge. Die Gründungsmitglieder des Bundes Duisburger Künstler (= Museum St. Laurentius. Schriftenreihe Bd. 10). Albula-Verlag, Duisburg 2023, ISBN 978-3-948281-05-2.
  • Georg Holländer: Kunstpolitik und „Modernisierung“ in Duisburg, 1927–1934. In: Dieter Breuer, Gertrude Cepl-Kaufmann (Hrsg.): Moderne und Nationalsozialismus im Rheinland. Vorträge des Interdisziplinären Arbeitskreises zur Erforschung der Moderne im Rheinland. Schöningh, Paderborn 1997, S. 361–376. urn:nbn:de:bvb:12-bsb00044014-1
  • Katharina Lepper: Wege zum und im Nationalsozialismus: Bildende Kunst in der Öffentlichkeit in Duisburg. Anmerkungen zu einer Denkmälermeile vom Rathausvorplatz bis auf den Kaiserberg. In: Duisburger Forschungen 62 (2018).

Einzelnachweise

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