Willi Neuberger

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Willi Neuberger (* 15. April 1946 in Röllfeld) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Der Allrounder hat von 1966 bis 1983 in der Fußball-Bundesliga bei den Vereinen Borussia Dortmund, Werder Bremen, Wuppertaler SV und Eintracht Frankfurt insgesamt 520 Ligaspiele absolviert und 63 Tore erzielt.[1]

Schnelle Fakten Personalia, Herren ...
Willi Neuberger
Personalia
Geburtstag 15. April 1946
Geburtsort Röllfeld, Deutschland
Größe 176 cm
Position Mittelfeld
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
0000–1966 TuS Röllfeld
1966–1971 Borussia Dortmund 148 (29)
1971–1973 Werder Bremen 63 (11)
1973–1974 Wuppertaler SV 42 0(5)
1974–1983 Eintracht Frankfurt 267 (18)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1966–1970 Deutschland U23 4 0(0)
1968 Deutschland 2 0(0)
1972 Deutschland B 1 0(0)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
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Sportliche Laufbahn

Jugend und Borussia Dortmund, bis 1971

Neuberger spielte zunächst bis zum 20. Lebensjahr bei seinem unterfränkischen Heimatverein TuS Röllfeld im unteren Amateurbereich Fußball. 1966 absolvierte er ein Probetraining bei Kickers Offenbach, wurde jedoch nicht verpflichtet, weil man dort keine „unfertigen“ Spieler haben wollte. Stattdessen gelangte er nach Empfehlung des aus Marktheidenfeld stammenden Sigfried Held unter Vermittlung von Major Ottmar Rhein[2] nach Westfalen zu Borussia Dortmund, wo er, wie auch auf seinen nachfolgenden Spielerstationen, sich schnell zu einem Leistungsträger entwickelte. Am fünften Spieltag, den 17. September 1966, wurde er von Trainer Heinz Murach, beim Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen (0:0) zum Bundesligadebüt gebracht. Der schnelle und laufstarke Ex-Amateur bildete dabei mit Horst Trimhold, Held, Willi Sturm und Lothar Emmerich den Angriff des BVB. Zwei Jahre darauf avancierte Neuberger zum Nationalspieler, wurde jedoch nach zwei A-Länderspielen nicht mehr berufen,[3] obwohl ihm die Kritik insbesondere für sein zweites (und letztes) Länderspiel gegen Brasilien gute Leistungen bescheinigt hatte. Statt seiner wurde der Dortmunder Vereinskollege Sigi Held auf der Linksaußenposition vorgezogen, auf der Neuberger zunächst vor allem eingesetzt wurde. Er kam am 29. März 1972 noch zu einem Einsatz in der B-Nationalmannschaft bei dem 2:0-Sieg in Ungarn.

Neuberger wechselte 1966 zum Europapokalsieger des Jahres 1966, erlebte aber in seinen Jahren bei Schwarz-Gelb einen finanziellen und sportlichen Absturz des BVB, welcher durch unglückliche personelle Entscheidungen im Trainer- und Spielerbereich begünstigt wurde. Die Europacup-Euphorie verleitete zu einer Kette eklatanter Fehleinschätzungen.[4] Multhaup-Nachfolger Heinz Murach galt bei vielen lediglich als „Turnlehrer“ und litt von Anfang an bei der Mannschaft und den Fans unter Autoritätsproblemen. Er war nicht der geeignete Mann, um das Niveau der Mannschaft zu halten, geschweige denn weiterzuentwickeln. Die Borussia begann nun in jeder Beziehung zu rasten und zu rosten. Neben dem Amateurtalent Neuberger wurden 1966 noch Horst Trimhold, Gerd Peehs und Willibald Mikulasch verpflichtet. Über diese Neuverpflichtungen konnte alleine keine Verbesserung der Mannschaft erfolgen. Es wäre eine starke Trainerpersönlichkeit vonnöten gewesen, schon alleine durch die fatale Auffassung vieler Spieler, Trainer Multhaup wäre eigentlich überflüssig gewesen, wozu auch der BVB-Vorstand um Willi Steegmann neigte, wo man der Ansicht war, dass die Mannschaft ein Selbstläufer sei und jeden Trainer starkmachen würde.

Durch das Können der Europapokalsieger des Jahres 1966 verzögerte sich der Absturz um ein Jahr. Aber bereits in der zweiten Runde, 1967/68, ging es krass nach unten, Murach wurde im April 1968 durch Oswald Pfau ersetzt und die Borussen beendeten die enttäuschende Runde auf dem 14. Rang. Neuberger hatte in 33 Ligaeinsätzen mit fünf Toren dagegen sein überdurchschnittliches Bundesligakönnen unter Beweis gestellt und schaffte auch trotz der schlechten Mannschaftsleistung der Borsigelf, das Debüt in der Nationalmannschaft in den zwei Länderspielen im Mai und Juni 1968 gegen Wales und Brasilien. Keiner der Neuzugänge im Sommer 1967 – Werner Köddermann, Klaus Brakelmann, Josef Hofmeister und Horst Koschmieder – konnte Bundesligaformat vorweisen und die Qualität von Borussia Dortmund verschlechterte sich. Dazu kam ein umstrittener Mann auf der Trainerbank, da war der letztendliche Klassenerhalt sogar als Erfolg zu erachten.

Der freie Fall ging aber noch weiter, 1968/69, landete der BVB nach drei Trainerwechseln – Oswald Pfau, Helmut Schneider, Hermann Lindemann – und erneut unglücklichem Agieren im Transferbereich – Helmut Heeren, Walter Szaule, Klaus Beckfeld und Friedrich Lehmann konnten sich nicht durchsetzen – auf dem 16. Rang, einen Punkt vor Absteiger 1. FC Nürnberg und zwei Punkte vor Kickers Offenbach, gegen welche am 34. Rundenspieltag ein rettender 3:0-Heimerfolg glückte. Neuberger hatte zum Klassenerhalt in 25 Ligaspielen acht Tore beigetragen, darunter auch den Treffer zum 3:0 gegen die Kickers.[5]

Nach einem überraschenden Zwischenhoch 1969/70 als der 5. Rang unter Trainer Lindemann und den Neuzugängen Ferdinand Heidkamp, Jürgen Rynio, Jürgen Schütz (BVB-Rückkehrer), Alfred Kohlhäufl und Branko Rasovic trotz des Abganges von Lothar Emmerich nach Belgien geglückt war, zu dem Neuberger in 31 Ligaspielen sieben Tore beigesteuert hatte und vor allem Angreifer Werner Weist mit 20 Toren den entscheidenden Beitrag geleistet hatte, ging es 1970/71 wieder steil nach unten.

Von den Neuzugängen konnte nur Manfred Ritschel seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen, was man dem achtfachen Torschützen Dieter Weinkauff, aus Pirmasens gekommen, nicht zugestand. Damit konnte der neue Trainer Horst Witzler aber nicht die Abgänge von Rudi Assauer, Dietmar Erler und Alfred Kohlhäufl kompensieren und der BVB konnte sich nur noch knapp mit 29:39 Punkten vor dem Abstieg retten. Am Ende der Saison wurden mit Neuberger, Weist (beide zu Werder Bremen), Held und Wosab gleich vier Leistungsträger verkauft und damit der „geplante Abstieg“ vollzogen. Mit 20:48 Punkten stieg Dortmund 1971/72 aus der Bundesliga in die Regionalliga West ab, Neuberger spielte jetzt aber bei Werder Bremen.

Werder Bremen und Wuppertaler SV, 1971 bis 1974

Werder Bremen hatte in der Runde 1971/72 großes vor. Dazu wurde eine „Millionen-Elf“ mit den Neuzugängen Neuberger und Weist aus Dortmund, Peter Dietrich, Herbert Laumen (beide von Borussia Mönchengladbach), Jürgen Weber (Hertha BSC), Carsten Baumann (VfL Osnabrück) und dem Bremerhavener Ersatztorhüter Peter Haak neu verpflichtet. Sportlich ging das Vorhaben aber schief, denn Werders vermeintliche „Meisterelf aus dem Geldsack“ trat überwiegend mittelmäßig bis schlecht im Rundenverlauf auf und beendete die Saison auf dem enttäuschenden 11. Rang. Die neuen Stars waren entweder dauerverletzt, litten unter Integrationsproblemen oder fanden nie zu ihrer Form. Bester der Neulinge war noch Willi Neuberger[6], der nach langem Hickhack mit Borussia Dortmund erst kurz nach Saisonbeginn einsteigen durfte und in 33 Rundenspielen sieben Tore für Werder erzielte.

Auch im zweiten Werder-Jahr von Neuberger, 1972/73, verbesserte sich die sportliche Situation unter Neutrainer Sepp Piontek nicht. Gleiche Punktebilanz und gleicher Tabellenstand wie im Vorjahr: 31:37 Punkte und 11. Platz in der Schlusstabelle. Nach der Runde ging mit Neuberger der erste „Millionario“ zum Wuppertaler SV. Er war der einzige, für den Werder eine nennenswerte Summe bekommen konnte. Laumen und Dietrich waren inzwischen schwer vermittelbar. Für Neuberger aber gab es gute 400.000 DM, die fürs Erste Werders Liquidität sicherten. Das Experiment „Millionenelf“ war nach zwei Jahren endgültig gescheitert.[7]

Das Team vom Stadion am Zoo war 1972/73 als Aufsteiger – nach einer fulminanten Aufstiegsrunde mit 16:0 Punkten – unter Trainer Horst Buhtz überraschend auf dem 4. Platz gelandet, in den UEFA-Cup eingezogen und wollte im zweiten Jahr in der Bundesliga diese Leistung bestätigen. Neuberger war die wesentlichste Neuverpflichtung um diese Zielvorgabe umsetzen zu können. Dies sollte aber nicht genügen; die Mannschaft hatte ihren Leistungszenit überschritten, die Schritte wurden kürzer, der Überraschungseffekt durch das „Buhtz-Konzept“ mit einem hängenden Linksaußen (Lömm), zwei Offensivverteidigern (Reichert und Cremer) und den ständig rotierenden Mittelfeldspielern Hermes, Stöckl und Kohle war verbraucht und auch die Torgefährlichkeit von „Meister Pröpper“ war nicht unbegrenzt abrufbar. Der hemmungslose Angriffsfußball von Buhtz über all die Jahre mit intensivstem Laufaufwand betrieben, hatte bedenklich an den Kräften gezehrt.[8] Mit dem Ausgleichstor in der 81. Spielminute zum 2:2 beim VfB Stuttgart rettete Lömm am letzten Rundenspieltag 1973/74 den Rot-Blauen aus dem Bergischen den Klassenerhalt. Punktgleich gegenüber Fortuna Köln – beide Vereine wiesen 25:43 Punkte auf –, aber mit dem besseren Torverhältnis ausgestattet glückte in letzter Sekunde der Klassenerhalt. Neuberger hatte alle 34 Rundenspiele bestritten und vier Tore erzielt.

Nach acht Spielen in der Anfangsphase der folgenden Saison 1974/75, wechselte Neuberger Mitte November 1974 innerhalb der Liga zu Eintracht Frankfurt. Die zwei Jahre Bremen und der Aufenthalt in Wuppertal hatten sich sportlich für den Ex-Nationalspieler nicht ausbezahlt.

Eintracht Frankfurt, 1974 bis 1983

Die größten Erfolge feierte Willi Neuberger mit Eintracht Frankfurt. Dort wurde er 1975 und 1981 DFB-Pokalsieger und 1980 UEFA-Pokalsieger. Neuberger eröffnete 1974 seine Spielerzeit bei Eintracht Frankfurt unter Trainer Dietrich Weise, erlebte danach noch die Ansprachen, Methoden und Systeme von Hans-Dieter Roos, Gyula Lóránt, Dettmar Cramer, Otto Knefler, Friedel Rausch, Lothar Buchmann, Helmut Senekowitsch und beendete seine Aktivität 1983 unter Branko Zebec. Herausragende Mitspieler seiner Eintracht-Zeit waren unter anderem Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Bernd Nickel, Bruno Pezzey, Karl-Heinz Körbel und Cha Bum-Kun. Aber auch mit Norbert Nachtweih, Ronald Borchers, Ralf Falkenmayer, Jürgen Kalb, Wolfgang Kraus, Werner Lorant, Peter Reichel, Gert Trinklein, Roland Weidle und Rüdiger Wenzel hat der Mann aus Röllfeld gemeinsam für die Eintracht gespielt.[9]

Er war vier Jahre lang Rekordbundesligaspieler, ehe er 1985 von Klaus Fichtel übertroffen wurde. Neuberger kam im April 1982 als erster Aktiver auf 500 Spiele im bundesdeutschen Oberhaus.[10]

Für Frankfurt spielte er 37 Partien im DFB-Pokal, in denen er sieben Tore erzielte. Für den Wuppertaler SV bestritt er drei Pokalspiele, für Werder Bremen 16 Spiele, in denen er fünf Tore schoss und für den BVB 11 Pokalspiele und vier Tore im DFB-Pokal. Er kam auch im Pokalsiegercup zu einem Einsatz für den BVB und 14 Einsätzen für Eintracht Frankfurt mit einem Tor. Im UEFA-Pokal absolvierte Neuberger zwei Einsätze für den Wuppertaler SV und 25 Spiele mit zwei Toren für Eintracht Frankfurt.

Im Lauf seiner langen Bundesligakarriere von 1966 bis 1983, in der er für Borussia Dortmund, Werder Bremen, den Wuppertaler SV und Eintracht Frankfurt spielte,[11] wurde Neuberger auf nahezu allen Feldspielerpositionen eingesetzt. Seine Schnelligkeit und technische Ballfertigkeit befähigten ihn zu solcher Vielseitigkeit. Am effektivsten war er wohl auf der linken Außenbahn, am liebsten spielte er Libero.

Statistiken

  • Bundesliga (520 Spiele / 63 Tore)
  • DFB-Pokal (67 Spiele / 16 Tore)
  • Europapokal (42 Spiele / 3 Tore)

Siehe auch

Literatur

  • Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963 bis 1994. Agon Sportverlag. Kassel 2012. ISBN 978-3-89784-214-4. S. 357.
  • Dietrich Schulze-Marmeling: Der Ruhm, der Traum und die Leidenschaft. Die Geschichte von Borussia Dortmund. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2011. ISBN 978-3-89533-810-6.
  • Arnd Zeigler: Das W auf dem Trikot ... 40 Jahre Werder Bremen in der Bundesliga. Edition Temmen. Bremen 2003. ISBN 3-86108-695-6.
  • Ulrich Matheja: Schlappekicker und Himmelsstürmer. Die Geschichte von Eintracht Frankfurt. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2004. ISBN 3-89533-427-8. S. 365/366.

Einzelnachweise

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