William Buckland

englischer Geologe und Paläontologe From Wikipedia, the free encyclopedia

William Buckland (* 12. März 1784 in Axminster; † 24. August 1856 in Islip) war ein englischer Theologe sowie einer der bedeutenden Geologen und Paläontologen in der Frühzeit dieser Wissenschaften. Er war der wissenschaftliche Erstbeschreiber von Megalosaurus, einem der ersten drei bekannten Dinosaurier. 1823 entdeckt er zudem das weltweit erste Fossil eines Individuums der Gattung Homo, die „Red Lady of Paviland“.

William Buckland (1833)
Das Gemälde von 1843 zeigt Buckland im Alter von 59 Jahren. Der seinerzeit allgemein bekannte blaue Beutel enthielt die aufgesammelten Fossilien.
Stich des von Buckland beschriebenen Fragments des rechten Unterkiefers von Megalosaurus von Stonesfield bei Oxford aus der Erstbeschreibung Notice on the Megalosaurus or great Fossil Lizard of Stonesfield von 1824.

Leben und Wirken

Buckland war der älteste Sohn von Charles Buckland (1750–1828/9) und dessen erster Frau Elizabeth Oke (1756–1812). Sein Vater war Rektor (kirchlicher Verwalter) der Bezirke Templeton und Trusham zu deren Bezirk auch die Jurassic Coast gehört, heute ein UNESCO-Welterbe.[1] Buckland wurde durch die hohen, fossilienreichen Klippen inspiriert.[1] Da sein Vater erblindete, übernahm ein Onkel die Führung des Jungen.[1] Er besuchte das St Mary's College in Winchester und gewann 1801 ein Stipendium für ein Studium am Corpus Christi College in Oxford.[1] In dieser Zeit begann Buckland, seine Räumlichkeiten mit Knochen und Fossilien zu füllen.[1] 1804 sschloss er sein Studium der Klassik und Theologie mit einem Bachelor ab.[1] Er besuchte die Vorlesungen von John Kidd, damals Reader für Mineralogie und ab 1819 Reader für Geologie. Hier machte der die inspirierende Bekanntschaft mit dem jüngeren William John Broderip, einem Experten für Conchologie, mit dem Buckland Ausflüge unternahm, Fossilien sammelte und ein Verständnis für die Stratigrafie entwickelte, deren Bedeutung für die Altersbestimmung damals vielfach geleugnet wurde.[1]

Buckland machte die Bekanntschaft eines weiteren Kidd-Schülers, William Daniel Conybeare, einem der erfahrensten Geologen seiner Zeit, der später die Nachfolge Kidds ausschlagen und Buckland den Weg zur Professur frei machen würde.[1] Conybeare würde später die Bezeichnungen Ichthyosaurier und Plesiosaurier prägen.[1] Gemeinsam mit Buckland unternahm Conybeare eine längere Exkursion in den Norden Irlands.[1] Gemeinsam veröffentlichten sie eine Beschreibung des Giant’s Causeway in den Transactions of the Geological Society. 1813 akzeptierte Kidd eine Stelle als Reader für Anatomie und suchte einen Nachfolger.[1] Seine erste Wahl fiel auf Conybeare, den er für den klügsten Kopf im geologischen Kreis betrachtete.[1] Conybeare allerdings beabsichtigte zu heiraten, was einem Oxford „Don“ damals untersagt war.[1] Zudem erlaubte ihm eine Erbschaft finanzielle Unabhängigkeit.[1] So wählte Kidd statt seiner Buckland als Nachfolger.[1]

Ab 1814 lehrte Buckland Geologie in Oxford und war der erste, der einen Geologiekurs an einer englischen Universität lehrte.[1] In Edinburgh, Schottland, wurde das Fach allerdings seit 1781 gelehrt.[1] 1818 übernahm die Royal Society Geologie in Bucklands Darstellung als Fachgebiet und machte ihn zum Fellow.[1] Buckland machte sich einen Namen als humorvoller und unterhaltender Leser.[1] Da Geologie in keinem Studium vorgeschrieben war, mussten die Professoren unterhaltsam sein, um ausreichend Zuhörer anzulocken.[1] So schwang Buckland Knochen, um Argumente zu untermauern, oder hielt Vorlesungen in Steinbrüchen oder auf einem Berg, um Stratigrafie in situ zu zeigen.[1]

1816 besuchten Buckland und Conybeare gemeinsam mit George Greenough, dem ersten Präsidenten der Geological Society of London, Deutschland, um sich mit der deutschen Mineralogie und Geologie vertraut zu machen.[1] Unter anderem trafen sie dort auf Goethe und Werner.[1] Conybeare verarbeitet viele der aus den Vergleichen entstandenen Beobachtungen in seinem gemeinsam mit William Phillips geschriegenen Buch „Outlines of the Geology of England and Wales“.[1] Buckland veröffentlichte noch im Jahr der Reise eine vergleichende Stratigrafie zwischen Britannien und Deutschland.[1] Schon deutlich vor der Great Devonian Controversy (Murchison und de la Bèche) wies Buckland auf die Ähnlichkeit der Grauwacken hin.[1]

1822 erlangte Buckland Berühmtheit, als er in einer Höhle bei Kirkdale, Yorkshire, (Kirkdale Cave) Überreste einer ausgestorbenen Hyänenart entdeckte.[1] Die Höhle war zufällig entdeckt worden.[1] Als Buckland dort eintraf, entdeckte er Knochen von Hyänen, Wölfen und Bären.[1] Da die Hyänenknochen die einzigen unbeschädigten waren, folgerte er, dass die anderen Tiere durch die Hyänen erlegt und in der Höhle verzehrt wurden.[1] Frühere Funde dieser Art waren mit den Folgen der Sintflut erklärt worden.[1] Diese Erklärung erklärte allerdings die angenagten Knochen nicht.[1] Auch die dort entdeckten Koprolithen diskutierte er mit einem für die damalige Zeit überraschenden Mangel an Prüderie in seinen Schriften.[1] Er bezeichnete sie als Album graecum (griechisches Weiß) und identifizierte sie als versteinerten Kot von ausgestorbenen Wirbeltieren.[1]

Darüber hinaus wurden seine wissenschaftlichen Arbeiten bekannt. In seinem Buch Reliquiae Diluvianae (1823) verarbeitet er die Funde in Kirkdale und ergänzte sie mit einem Vergleich der Theorien.[1] Buckland war, bis er unter dem Einfluss von Louis Agassiz die Bedeutung der Gletscher für die Landschaftsformung der Erde erkannte, ein Verfechter der Sintfluttheorie. In seiner mit der Unterstützung von Conybeare[1] geschriebenen Antrittsvorlesung in Oxford unter dem Titel „Eine Erklärung der Verbindung von Geologie und Religion“, nannte er es als Ziel der Geologie: „die Zeugnisse der Naturreligion zu bestätigen; und aufzuzeigen, dass die durch sie entwickelten Fakten mit den Berichten über die Schöpfung und die Sintflut in den Mosaischen Schriften übereinstimmen“. Nach der Begegnung mit Louis Agassiz entwickelte er sich zu einem frühen Vertreter von Agassiz’ Gletschertheorie und arbeitete anschließend intensiv daran, in Großbritannien Belege für eine einstige Vergletscherung zu finden.

Conybeare war auch der Urheber einer Karikatur über Buckland, in der dieser mit einer Kerze in der Hand seinen Kopf in eine Höhle steckt, in der fressende Hyänen zu dem Störenfried aufblicken.[1] Die Zeichnung ist eine der frühesten Repräsentationen, in der ausgestorbene Tiere so dargestellt werden, wie sie einstmals aussahen.[1] Bucklands Vorlesungen alleredings ließen keinen Zweifel an der Wissenschaftlichkeit seiner Entdeckungen aufkommen.[1] Als geweihter Priester und Theologe war sich Buckland natürlich bewusst, dass seine Erklärungen mit den Versuchen der Datierung der Sintflut in Konflikt standen.[1] 1823 schrieb er Reliquiae Diluvianae, in der er seine Vorstellung einer Flut darstellte.[1] Noch vor der Vollendung des Buchs fand er allerdings eine Höhle, die noch besser für seine Zwecke geeignet schien: Paviland Cave (auch Goat's Cave). Buckland entdeckte in der Höhle das männliche Skelett, von Buckland fälschlich als Red Lady of Paviland bezeichnet.[1] Seine Beschreibung des Skeletts ist – bei allen falschen Schlüssen – die erste Beschreibung eines Hominiden in Europa.[1] Basierend auf diesem Fund wurde Reliqiuae Diluvianae Bucklands bekannteste Arbeit, in der er eine globale große Flut beschrieb.[1]

Während Bucklands erster Präsidentschaft der Geological Society erlangte diese eine Royal Charter, was der Gesellschaft legale Privilegien brachte.[1] Möglicherweise war es Bucklands Vernunft, die die Gesellschaft davon abhielt, dem Namen der Gesellschaft das Prädikat „Royal“ hinzuzufügen.[1] Aber Buckland ließ ein Festessen veranstalten, während dessen Conybeare seine Erstbeschreibung des Plesiosauriers präsentierte.[1] Buckland selbst beschrieb den Megalosaurus, die, ohne es zu wissen, erste wissenschaftliche Beschreibung eines Dinosauriers.[1] Die Bezeichnung „Dinoaurier“ (Dinosauria) wurde erst 1841 durch Richard Owen geprägt.

1825 verschafften einflussreiche Freunde Buckland eine Pfarrerstelle an der Kathedrale von Oxford.[1] Das Einkommen von £ 1000 erlaubte es ihm, das College zu verlassen und zu heiraten. Am 31. Dezember 1825 heiratete er Mary Morland, eine erfahrene Geologin und talentiert im Zeichnen von Fossilien.[1] Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor.[1] Ihr erstes Kind war Francis Trevelyan Buckland.

Nach seiner Hochzeit arbeitet Buckland an Geology and Mineralogy, Considered with Reference to Natural Theology, einem Werk, in dem er versuchte, die Sintflut zu datieren.[1] Das Buch wurde ein Kassenschlager seiner Zeit konnte aber auch seinen früheren Schüler Charles Lyell nicht überzeugen.[1] Lyell widersprach der Sintfluthteorie und argumentierte auch für moderate Christen überzeugend gegen Bucklands Theorie.[1]

In seiner Zeit war Buckland nicht unumstritten.[1] Charles Darwin drückte in seiner Autobiografie sein Missfallen über Buckland aus, der mehr nach Bekanntheit zu streben schien als durch die Liebe zur Wissenschaft getrieben.[1] Andererseits vertiefte Buckland die Akzeptanz der Gesellschaft für die unglaublichen Zeiträume der Geologie.[1] Von einem Verfechter der mosaischen Sintflut wandelte sich Buckland unter dem Einfluss von Funden zu einem Verfechter deutlich längerer Zeiträume.[1] Er leistete Erstbeschreibungen und arbeitete mit an dem modernen Gebäude der Geologie.

Ehrungen

1813 wurde Buckland Mitglied der Geological Society of London, deren Präsident er von 1824 bis 1826 und erneut von 1839 bis 1841 war. Am 26. Februar wurde er als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt, die ihn 1822 für den Vortrag über die Kirkland Cave mit der Copley-Medaille auszeichnete.[2] Im Jahr 1822 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt,[3] 1825 in die American Academy of Arts and Sciences. 1838 wurde Buckland von James Roberton († 1840) als Mitglied Nummer 141 der Société Cuvierienne vorgestellt.[4] Seit 1839 war er korrespondierendes Mitglied der Académie des sciences.[5] 1847 wurde er in den Aufsichtsrat des British Museum berufen und 1848 erhielt er die Wollaston-Medaille der Geological Society of London.

Robert Brown benannte wahrscheinlich nach Buckland die Gattung Bucklandia R.Br. ex Griff. aus der Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae), die später in Exbucklandia R.W.Br. umbenannt wurde.[6]

Nach ihm ist der Dorsum Buckland auf dem Erdmond benannt.

Schriften (Auswahl)

Bücher

  • Vindiciae Geologicae; or the Connection of Geology with Religion explained in an Augural Lecture delivered before the University of Oxford, May 15, 1819, on the Endowment of a Readership in Geology by His Royal Highness the Prince Regent. At the University Press for the Author, Oxford 1820 (Digitalisat).
  • Reliquiae Diluvianae; or, observations on the organic remains contained in caves, fissures and diluvial gravel, and on other geological phenomena, attesting the action of an universal deluge. John Murray, London 1823 (Digitalisat).
  • Geology and mineralogy considered with reference to natural theology. 2 Bände, William Pickering, London 1836 (Band 1, Band 2) – Bridgewater Treatise Nr. 6.
    • 2. Auflage, 2 Bände, William Pickering, London 1837 (Band 1, Band 2).
    • 3. Auflage, 2 Bände, George Routledge & Co, London 1858 (Band 1, Band 2) – herausgegeben von Frank Buckland.
    • 4. Auflage, 2 Bände, Bell & Daldy, London 1869–1870 (Band 1, Band 2) – herausgegeben von Frank Buckland.
    • Die Urwelt und ihre Wunder (= Die Natur, ihre Wunder und Geheimnisse, oder die Bridgewater-Bücher Band 5). Paul Neff, Stuttgart 1837 (Digitalisat) – übersetzt von Friedrich Werner.
    • Geologie und Mineralogie in Beziehung zur natürlichen Theologie. Aus dem Englischen, nach der zweiten Ausgabe des Originals, übersetzt und mit Anmerkungen und Zusaetzen versehen, von Dr L. Agassiz. 2 Bände. Auf Kosten des Übersetzers u. a., Neuchatel 1838–1839 (Band 1, Band 2).
    • Die Urwelt und ihre Wunder, oder allgemeine Darstellung der Geschichte des Erdkörpers. Nach der zweiten Auflage des englischen Originals und mit einem Anhange von Wilhelm Philipp Schimper. Paul Neff, Stuttgart 1838 (Digitalisat).

Zeitschriftenbeiträge

Der von der Royal Society herausgegebene Catalogue of scientific papers vermittelt einen Eindruck über seine Zeitschriftenbeiträge.[7]

  • Description of an insulated group of rocks of Slate and Greenstone in Cumberland and Westmoreland, on the east side of Appleby, between Melmerby and Murton. In: Transactions of the Geological Society of London. Band 4, 1817, S. 105–116 (Digitalisat, doi:10.1144/transgsla.4.105).
  • Description of a series of Specimens from the Plastic Clay near Reading, Berks: with Observations on the Formation to which those Beds belong. In: Transactions of the Geological Society of London. Band 4, 1817, S. 277–304 (Digitalisat, doi:10.1144/transgsla.4.277).
  • On the Structure of the Alps and adjoining Parts of the Continent, and their Relation to the Secondary and Transition Rocks of England. In: Annals of Philosophy. Neue Folge, Band 1, Nr. 6, 1821, S. 450–468 (Digitalisat).
  • Account of an assemblage of Fossil Teeth and Bones of Elephant, Rhinoceros, Hippopotamus, Bear, Tiger, Hyæna, and sixteen other animals; discovered in a Cave at Kirkdale, Yorkshire, in the year 1821 : with a comparative view of five similar caverns in various parts of England, and others on the Continent. In: Philosophical Transactions of the Royal Society of London. Band 112, 1822, S. 171–236, (JSTOR:107680).
  • Notice on the Megalosaurus or Great Fossil Lizard of Stonesfield. In: Transactions of the Geological Society of London. Serie 2, Band 1, 1824, S. 390–396 (Digitalisat).
  • On the Fossil Remains of the Megatherium recently imported into England from South America. In: Report of the First ans Second Meetings of the British Association for the Advancement of Science, at York 1831, and at Oxford 1832. London 1833, S. 104–107 (Digitalisat).

Literatur

  • Deborah Cadbury: Dinosaurierjäger. Der Wettlauf um die Erforschung der prähistorischen Welt. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2001, ISBN 3-498-00924-9.
  • Walter F. Cannon: Buckland, William. In: Complete Dictionary of Scientific Biography. Band 2, Charles Scribner’s Sons, 2008, S. 566–572.
  • Elizabeth Oke Gordon: The life and correspondence of William Buckland, D.D., F.R.S., sometime dean of Westminster, twice president of the Geological society, and first president of the British association. John Murray, London 1894 (Digitalisat).
  • Neville Haile: Buckland, William (1784–1856). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/3859 (Lizenz erforderlich), Stand: 25. September 2014.
  • Martin J. S. Rudwick: Worlds Before Adam. The Reconstruction of Geohistory in the Age of Reform. The University of Chicago Press, Chicago IL u. a. 2008, ISBN 978-0-226-73128-5.
  • Nicolaas Rupke: The Great Chain of History. William Buckland and the English School of Geology (1814–1849). Clarendon Press, Oxford 1983, ISBN 0-19-822907-0.
Commons: William Buckland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: William Buckland – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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