Willie Colón
US-amerikanischer Musiker
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William „Willie“ Anthony Colón Román (* 28. April 1950 in New York City; † 21. Februar 2026 ebenda[1]) war ein US-amerikanischer Salsamusiker und Musikproduzent. Als Bandleader und Arrangeur trug er maßgeblich dazu bei, die Posaune als zentrales Instrument im New Yorker Salsa-Sound zu etablieren.[2]
Werdegang
Willie Colón war ein Nuyorican, ein in New York geborener Sohn puerto-ricanischer Eltern. Der in der Bronx geborene Musiker wuchs nicht bei seinen Eltern, sondern mit seiner Großmutter und seiner Tante auf. Er erhielt zu seinem elften Geburtstag von seiner Großmutter Antonia zunächst eine Trompete, bevor er später zur Posaune wechselte.[3] Durch seine Familie war er von früh an mit afrokaribischer Musik vertraut, die seine aus Puerto Rico stammenden Großeltern im Alltag hörten.[3] Er spielte als Jugendlicher zunächst mit einer jungen Boogaloo-Band in Clubs im South Bronx, bevor er sich stärker der sich formierenden Salsa zuwandte.[2]
Colón begann schon mit 15 Jahren erste Stücke aufzunehmen und veröffentlichte 1967 im Alter von 17 Jahren beim Label Fania sein Debütalbum El Malo.[3] Er machte die Posaune zum prägenden Klang seines Orchesters und prägte damit die Entwicklung von Salsa als eigenständigem Stil im Umfeld der Nuyorican-Generation mit.[2] Colón galt als Mitbegründer des Musikstils mit starkem kubanischem und puerto-ricanischem Einfluss, für den sich der Begriff Salsa (Soße) erst in den Anfangsjahren seiner Karriere langsam durchsetzte. Geprägt wurde der Stil Mitte der 1960er-Jahre in den Latinovierteln New Yorks, gemischt mit Elementen des Jazz und des Folk.
Der Fania-Mitgründer Johnny Pacheco schlug Colón vor, den aus Puerto Rico nach New York migrierten Sänger Héctor Lavoe als Leadsänger zu engagieren.[2] Colón arbeitete als Posaunist und unterstützender Sänger mit Musikern wie Lavoe, Celia Cruz, Rubén Blades und dem Perkussionisten Ray Barretto zusammen. Mit Héctor Lavoe, den er in sein eigenes Orchester aufgenommen hatte, verband ihn eine enge Freundschaft. Die beiden inszenierten sich auf Plattencovern mit einem Gangster-Image, das später häufig als Vorläufer einer später in der Popkultur verbreiteten Street-Ästhetik beschrieben wurde.[2] Musikalisch verband Colón dabei R&B- und Jazz-Einflüsse mit Lavoes traditionellen jíbaro- und Bolero-Wurzeln.[2] Da Lavoe kaum auf Englisch sang, gab Colón den damals populären Boogaloo weitgehend auf, wodurch seine Band zu einem wichtigen Teil des Salsa-Booms der 1970er-Jahre wurde.[2] Nach einer zeitweiligen beruflichen Trennung – unter anderem wegen Lavoes Drogensucht – spielten sie wieder zusammen. Nach Lavoes Tod übernahm Colón selbst den Gesang.
In den 1970er-Jahren trat Colón zunehmend auch als Produzent hervor, etwa bei Aufnahmen mit Celia Cruz.[2] In seiner mehr als 50-jährigen Karriere veröffentlichte er rund 40 Alben; die Verkäufe wurden dort auf insgesamt über 30 Millionen Tonträger beziffert.[3] Das US-Fachblatt Billboard zählte ihn zu den „30 einflussreichsten Latinokünstlern aller Zeiten“.[3] Laut Jazz-Diskograf Tom Lord war Colón zwischen 1971 und 1996 an Aufnahmesessions von Jack McDuff, Flip Nuñez, Pete Escovedo, Richie Cole und Buddy Montgomery beteiligt.[4]
Die Zusammenarbeit mit Rubén Blades galt als besonders enge, arbeitsteilige Partnerschaft.[2] Das gemeinsame Album Siembra (1978) gilt bis heute als meistverkaufte Salsa-Platte.[3] Siembra zählt als künstlerischer Höhepunkt der Zusammenarbeit.[2] Das Album wurde als Konzeptalbum angelegt und enthielte Straßengeschichten und sozialkritische Kommentare („conscious salsa“).[2] Zu den bekanntesten Stücken der Zusammenarbeit zählen „Pedro Navaja“ und „Plástico“.[2]
Zu Colóns späteren Erfolgen zählen eigene Hits wie „Idilio“ und „El gran varón“.[3] „El gran varón“ kann als für die Salsa der späten 1980er-Jahre ungewöhnlichen Beitrag hervorgehoben werden, welcher das Schicksal einer transgeschlechtlichen Person erzählerisch aufgreift und gesellschaftliche Ausgrenzung thematisiert.[2] Colón trat international auf und absolvierte auch zahlreiche Konzerte im deutschsprachigen Raum.[3] Im April 2021 wurden Colón und seine Ehefrau bei einem Unfall mit ihrem Wohnmobil schwer verletzt; danach wurden öffentliche Auftritte seltener.[3] Seine Angehörigen teilten seinen Tod am 21. Februar 2026 öffentlich mit.[3] In der Nacht zum folgenden Tag unterbrach der Musiker Bad Bunny bei einem Konzert in São Paulo zur Würdigung Colóns seinen Auftritt; wenige Monate zuvor hatte Colón einen Gastauftritt in einem Musikvideo Bad Bunnys.[3]
Politisches Engagement
Colón setzte sich für die Bürgerrechte der spanischsprachigen Minderheit in New York ein.[3] Er berichtete, als Latino in New York wiederholt Diskriminierung und Gewalt erlebt zu haben, was er als prägend für sein Selbstverständnis beschrieb.[3] Unter Bürgermeister Michael Bloomberg war er Berater für kulturelle Belange der Latinos; zuvor hatte er sich erfolglos um das Amt des Ombudsmannes der Stadt beworben.[3] Politisch unterstützte er 2008 Hillary Clinton im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur.[3] Später sprach er sich jedoch für den Rechtspopulisten Donald Trump und konservative Positionen aus, was Kritik und Kontroversen auslöste.[3]
Diskografie (Auswahl)
- 1967: El Malo (Fania)[3]
- 1968: The Hustler (Fania)
- 1972: Crime Pays (Fania)
- 1978: Siembra von Willie Colón & Rubén Blades (Fania)
- 1993: Hecho un Puerto Rico (US:
×2Doppelplatin (Latin) )[5] - 1995: Tras la tormenta (mit Ruben Blades, US:
Platin (Latin))
Weblinks
- Offizielle Internetpräsenz (englisch)
- Willie Colón bei AllMusic (englisch)
- Willie Colón bei Discogs
Musikbeispiele
- Willie Colón: The Hustler auf YouTube
- Willie Colón & Rubén Blades: Siembra auf YouTube