Willy Leow

deutscher Handwerker (Tischler) und Politiker (KPD), MdR From Wikipedia, the free encyclopedia

Willy Leow (* 25. Januar 1887 in Brandenburg an der Havel; † 3. Oktober 1937 in der Sowjetunion) war ein deutscher Politiker der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und für diese von 1928 bis 1933 Mitglied des Reichstag in der Weimarer Republik. Leow war nach Ernst Thälmann der Zweite Bundesvorsitzende des paramilitärischen Rotfrontkämpferbundes (RFB) und mit Aufstieg Thälmanns zum Vorsitzenden der KPD war Leow praktisch der Leiter des Wehrverbandes.[1]

Willy Leow als Reichstagsabgeordneter im Reichstagshandbuch der 5. Wahlperiode, 1930

Leben und Wirken

Willy Leow besuchte die Volksschule in Brandenburg. Danach erlernte er das Tischlerhandwerk und wurde an der Arbeiterbildungsschule in Berlin unterrichtet. Im Januar 1904 wurde Leow Mitglied des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Im selben Jahr trat Leow in die SPD ein, der er bis 1916 angehörte. Leow beteiligte sich 1917 an der Gründung des Spartakusbundes und gehörte kurzzeitig der USPD an. Er wurde im Frühjahr 1918 zusammen mit Leo Jogiches, Willi Budich und anderen verhaftet und mit der Novemberrevolution befreit. Leow war mit der Gründung der KPD zum Jahreswechsel 1918/19 deren Gründungsmitglied.

Leow war im Parteibezirk Berlin-Nordwest Sekretär und anschließend Pförtner in der Parteizentrale in der Rosenthaler Straße, dem Vorgängerobjekt des Karl-Liebknecht-Hauses. 1925 stieg Leow zum Zweiten Vorsitzenden des RFB, den 1924 gegründeten Wehr- und Schutzorganisation der KPD, auf. Mit der Reichstagswahl 1928 wurde Leow in den Reichstag gewählt, dem er bis 1933 angehörte.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung floh Leow ins Ausland. Ab 1935 lebte er in der Sowjetunion. Er arbeitete als Redakteur und Leiter des deutschsprachigen Staatsverlages in der Wolgadeutschen Republik. 1936 wurde er im Zuge der Stalinistischen Säuberungen verhaftet und am 3. Oktober 1937 wegen „Organisation einer trotzkistisch-terroristischen Gruppe“ vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR zum Tode verurteilt und erschossen.[2] Leow wurde durch eine Verfügung des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR im Januar 1989 rehabilitiert.

Post mortem

Willy Leow (rechts) neben Ernst Thälmann (1927)

In der von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) beherrschten Geschichtsschreibung der Deutschen Demokratischen Republik fiel Leow einer Damnatio memoriae anheim. Er wurde in Geschichtsbüchern der und in der öffentlichen Erinnerungskultur bewusst verschwiegen. Seine Person wurde gezielt nicht erwähnt und Spuren seiner Existenz systematisch aus Dokumentenveröffentlichungen und Bildreproduktionen beseitigt. So wurde Leow beispielsweise aus einer vielfach abgedruckten Fotografie, die ihn neben Ernst Thälmann während eines RFB-Aufmarsches in den 1920er Jahren zeigte, herausretuschiert. Grund für diese Praxis war, dass die Verhaftung und Hinrichtung eines deutschen Kommunisten und Flüchtlings vor dem Faschismus wie Leow in der Sowjetunion nicht mit dem Geschichtsbild der SED vereinbar war und er daher in keiner Veröffentlichung vorkommen durfte.[3][4]

Rezeption

Beim Rücktritt von Albert Schreiner aus der Bundesführung des RFB im August 1927 erklärte dieser, dass „Thälmann und Leow das Bestreben hatten weitere selbstständige politische Kraft aus der Bundesführung fernzuhalten. [...] Selbstständige Parteiarbeiter kamen nach kurzer Zeit in Konflikt mit Leow und mußten das Feld räumen.“[5] Im Nachgang des Blutmais 1929 berichtete der Reichskommissar für die Überwachung der öffentlichen Ordnung an den Reichsinnenminister, dass innerhalb von KPD und RFB „eine grosse Entrüstung über die Feigheit der Führer, wobei insbesondere Thälmann, Leow, Pfeiffer, Schneller und Pieck genannt werden, [herrscht], denen man vorwirft, dass sie während der ganzen Demonstration nirgends auf der Strasse zu sehen gewesen seien.“[6] Der später von der KPD zur SPD übertretene Herbert Wehner schrieb Jahrzehnte später in seinen Lebenserinnerungen, Leow sei „eine durch und durch korrupte Person“ gewesen.[7]

Literatur

Commons: Willy Leow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Willy Leow in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten

Einzelnachweise

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