Willi Petzold (Künstler)

deutscher Plakatgestalter, Grafiker und ausgebildeter Glasmaler From Wikipedia, the free encyclopedia

Willi Petzold (* 6. September 1885 in Mainz; † 16. März 1978 in Dresden; auch Willy Petzold, vollständiger Name: Wilhelm August Petzold) war ein deutscher Gebrauchsgrafiker, Glas- und Kunstmaler. Seit den 1920er Jahren bis in die späten 1940er Jahre gehörte er zu den führenden Werbegrafikern Deutschlands. Als Künstlersignatur verwendete er ein ligiertesWPetzold“.

Ausbildung und frühe Jahre

Willi Petzold (1975), im Hintergrund sein Plakat zur Jahresschau Deutscher Arbeit 1924, Textilausstellung in Dresden
Dresden, TU-Gebäude am Weberplatz, Treppenhausfenster 1952/53

Petzold absolvierte von 1900 bis 1903 eine Lehre als Glasmaler bei Albert Lüthi in Frankfurt am Main. Ab 1904 lebte er in Dresden, wo er bis 1913 in der Glasmalanstalt Liebert angestellt war. Außerdem betrieb er seit 1910 ein Atelier für Porträtfotografie. Im Jahre 1910 nahm er erstmals an einem Plakatwettbewerb teil, der in Vorbereitung der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden ausgelobt war. Obwohl sein Entwurf mit dem Augenmotiv nicht offiziell als 1. Preis prämiert wurde, griff die Jury diese Idee auf.[1] Daraufhin beauftragte Karl August Lingner den Künstler Franz von Stuck, das Augenmotiv in eine Plakatgestaltung umzusetzen.[2]

Von 1913 bis 1916 arbeitete Petzold nur noch auftragsabhängig für die Glasmalanstalt Liebert, um sein Kunststudium zu finanzieren. Bei Richard Müller an der Kunstakademie studierte er Aktzeichnen, bei Oskar Zwintscher Malerei und bei Paul Rößler an der Kunstgewerbeschule Dresden Graphik und Lithographie.[3] Zu dieser Zeit führte er Glasmalarbeiten nach Entwürfen von Otto Gussmann und Paul Rößler aus. Dazu gehörten die Bleiglasfenster für das Krematorium Tolkewitz (Entwurf Gussmann, verschollen) und die Fenstermalereien für die Handelskammer Dresden (Gebäude 1945 zerstört).[3]

Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung war er von 1919 bis 1922 Meisterschüler bei Paul Rößler an der Kunstgewerbeschule Dresden, die ab 1920 zur Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe aufgewertet wurde. Zum Abschluss wurde er mit der Sächsischen Staatsmedaille ausgezeichnet.[1]

1920er Jahre und Nationalsozialismus

Erste Auftragsarbeiten für Plakate stammen von 1920. Nach dem Studium machte Petzold sich 1922 mit einem eigenen Atelier für Gebrauchsgrafik selbstständig. Zu seinen frühen Auftraggebern zählte die Dresdner Zigarettenindustrie mit der Yenidze (für die Marken Salem, Adagio und Abu Bekr), außerdem Eckstein/Halpaus, Greiling sowie die Berliner Zigarettenfabrik Manoli, für die er in den 1920er und frühen 1930er Jahren eine Reihe von Werbeplakaten gestaltete. Ein anderer wirtschaftlich potenter Auftraggeber war der Süßwarenhersteller Hartwig & Vogel. Seine wichtigsten Referenzen wurden die offiziellen Plakate 1924, 1927, 1928 und 1930 für die in Dresden stattfindenden Jahresschauen Deutscher Arbeit.[1] Die Textilspinne, die 1924 als Dresdener Jahresschau für die Textil-Ausstellung warb, machte ihn auf einen Schlag berühmt. Beim Weltreklamekongress 1929 stammten drei der insgesamt 48 deutschen Plakate von Petzold.[1]

Anlässlich der II. Internationalen Hygieneausstellung 1930 im Deutschen Hygiene-Museum fand 1928 erneut ein Ideenwettbewerb statt. Das bereits 1910 von ihm erstellte Augenmotiv[2] konnte er nun – inzwischen als etablierter Gebrauchsgrafiker – in die Formensprache des technischen Zeitalters der späten 1920er Jahre übersetzen.[1] In mehrfach leicht abgewandelter Form blieb das Augenmotiv als Logo des Deutschen Hygiene-Museums bis in die Gegenwart bestehen.[4] Zudem gestaltete er Wahlplakate konservativer Parteien, wie der DVP und der Wirtschaftspartei.

Petzold war Mitglied im „Bund der Deutschen Gebrauchsgraphiker“, ab 1934 Mitglied im Bund Deutscher Maler und Graphiker an der Reichskammer der bildenden Künste. Während der Zeit des Nationalsozialismus plakatierte er im Auftrag der NSDAP Propaganda- und Durchhalteparolen, blieb jedoch überwiegend Werbegrafiker für Produkte und kulturelle Veranstaltungen. Im Jahre 1933 entwarf er ein Plakat für eine Kundgebung des Deutschen Reklameverbandes (D.R.V.) mit dem Slogan „Deutsche Werbung für deutsche Arbeit“.[5] 1934 fertigte er Plakate für die 1. Reichstheaterfestwoche in Dresden sowie die Heidelberger Schlossfestspiele an, die ab diesem Jahr als „Reichsfestspiele“ wieder aufgenommen wurden. Während der NS-Zeit nahm er nur an zwei Ausstellungen teil: „Die Kunst dem Volke“ 1933 in Dresden und die Olympische Kunstausstellung 1936 in Berlin. Für den Plakatwettbewerb 1934 in Vorbereitung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin fertigte er ein Plakat an, das einen Sportlerkopf mit einem Mäander-Stirnband im Hakenkreuz-Stil zeigte. Den Kopf gestaltete er nach eigener Aussage in Anlehnung an die Athena Lemnia.[1] Petzold spannte damit ästhetisch den Bogen zur antiken griechischen Entstehung der Olympiade. Dieses Plakat gewann zwar nach Entscheid der Jury den ersten Preis, das Reichspropagandaministerium untersagte jedoch anschließend dessen Verwendung als Aushängeschild der Olympischen Spiele.[1] Laut offiziellem Bericht, der 1937 nach den Spielen herausgegeben wurde, fehlte dem prämierten Plakat nach Meinung des Organisationskomitees der klar ersichtliche Bezug zu Berlin.[6][7] Es wurde daher erneut ein Wettbewerb ausgelobt. Der Entwurf Petzolds wurde stattdessen – ohne Olympische Ringe und Schriftzug, aber mit demselben Bildmotiv – für das Ausstellungsplakat und Frontcover des Katalogs der begleitenden Olympischen Kunstausstellung 1936 gewählt.[8] Die begleitenden Kunstwettbewerbe waren zu dieser Zeit integraler Bestandteil der Olympischen Spiele, daher wurde das Werbeplakat in einer Auflage von 7.000 Stück gedruckt und war vor und während der Olympiade omnipräsent im öffentlichen Raum Berlins.[6] Der zugehörige Katalog wurde in zwei Auflagen zu 5000 und 2000 Stück gedruckt.[6] Am Olympischen Kunstwettbewerb nahm Petzold mit zwei Plakaten in der Kategorie „Gebrauchsgraphik“ teil (Motive: „N.S. Flugtag Dresden 1933“ und „Olympische Spiele Berlin 1936“).[8]

Bei den Luftangriffen auf Dresden wurde Petzolds Atelier in der Huttenstraße 5 vollständig zerstört.[1]

Sowjetische Besatzungszone und DDR

Nach dem Ende des NS-Staats lebte Petzold als selbständiger Graphiker bis zu seinem Tode weiter in Dresden, nahm jedoch nur noch wenige öffentliche Aufträge an.[9] 1945 gestaltete er die Logos und Plakate der neu gegründeten Christlich-Demokratischen Union Deutschlands (CDUD) sowie der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) in der Sowjetischen Besatzungszone. Er fertigte 1946 im städtischen Auftrag mehrere Plakate an, die zu Spenden für den Wiederaufbau Dresdens aufriefen. 1947 war er in Leipzig auf der Ausstellung Buch – Schrift – Werbekunst. Schau des graphischen Schaffens seit 1945 vertreten. Für ein Fenster der Technischen Universität Dresden fertigte er 1952/53 eine Glasmalerei im Stil des sozialistischen Realismus an, wobei der Auftraggeber, die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF), das Motiv vorgab und ihm nur die künstlerische Gestaltung überließ. Nach der Anfertigung des Glasfensters vermied er politisch gefärbte Aufträge.

Im Jahre 1954 nahm er letztmalig an einem Plakatwettbewerb teil: Für den evangelischen Kirchentag in Fulda zeichnete er eine Schwurhand vor violettem Hintergrund.[1] Dieser Entwurf von 1954 wurde anlässlich des 1000-jährigen Bestehens des Meißner Doms zum Landeskirchentag 1968 für das offizielle Plakat aufgegriffen. Mehrere Plakate zur Leipziger Messe (Jahresplakate zwischen 1949 und 1958) variierten jeweils einen bereits in den 1920er Jahren erstellten Entwurf mit zwei ineinander gestellten großen „M“.

Werke in Museen

Der Nachlass an handgefertigten Plakatvorlagen, Plakaten, Zeichnungen und Entwürfen befindet sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.[1] Die Werke sind in digitalen Archiven zum Teil unter dem Namen „Willy Petzold“ inventarisiert.[10]

  • Nachlass: Schenkung an das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg[1]
  • Plakate, darunter Das Papier / Jahresschau Deutscher Arbeit, 1927 und Die neue Halpaus, 1935: Museum Folkwang[11]

Literatur

  • Jürgen Döring: Der Dresdner Plakatkünstler Willy Petzold [1885-1978]. In: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Hrsg.): Jahrbuch des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Band 9/10. Hamburg 1991, S. 167–182.
  • Hermann Karl Frenzel: Willi Petzold. In: Gebrauchsgraphik, Jg. 10 (1933), Heft 8, S. 2–9 (Digitalisat).
  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 703
Commons: Willi Petzold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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