Willy Sachs

deutscher Industrieller, schwedischer Konsul, Träger des Bundesverdienstkreuzes From Wikipedia, the free encyclopedia

Willy Sachs (* 23. Juli 1896 in Schweinfurt; † 19. November 1958 in Oberaudorf) war ein deutscher Industrieller, SS-Obersturmbannführer und während des Dritten Reichs Wehrwirtschaftsführer. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenbürger von Schweinfurt, Mainberg und Oberaudorf.

Willy Sachs (1933)

Leben

Schloss Mainberg (2005)

Willy Sachs war der einzige Sohn des Schweinfurter Industriellen Ernst Sachs. Er absolvierte nach wenig erfolgreicher Schulzeit Praktika u. a. bei Bosch in Stuttgart sowie in verschiedenen Betrieben in den USA.[1] Nach mehrjähriger Praktikantenzeit bei verschiedenen Großunternehmen und Banken wurde Sachs 1923 Vorstandsmitglied und war nach dem Tode seines Vaters ab 1932 Alleininhaber der Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt. Von den Talenten des Vaters hatte er wenig geerbt. Er führte den Titel „Generaldirektor“ und arbeitete in der Firma mit ihren 1939 über 7.000 Beschäftigten mit loyalen Direktoren wie Heinz Kaiser, Wilhelm Wittig, Rudolf Baier und Michael Schlegelmilch zusammen. Schon früh nutzte er die Jagd, Frauen und den Alkohol als Fluchtpunkte. Es wurden rauschende Feste auf Schloss Mainberg und auf dem ererbten Gut Rechenau in Oberbayern gefeiert. „Wo eine Gaudi war, war der Konsul dabei“, heißt es später. Den Titel eines königlich schwedischen Konsuls verdankte er den Beziehungen seines Vaters, der 1929 die Wälzlagerfertigung des Unternehmens an die Svenska Kullagerfabriken (SKF) verkauft hatte.

1933 wurde er erst Mitglied der SA, dann von Heinrich Himmler im August 1933 in die SS überführt (SS-Nummer 87.064). Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.547.272).[2][3] Als Leiter eines rüstungswichtigen Betriebs war er Wehrwirtschaftsführer. Heinrich Himmler verlieh ihm Orden und Ehrentitel (1943 SS-Obersturmbannführer) und half nach der Scheidung von Elinor von Opel beim Kampf um das Sorgerecht für die Kinder, im Gegenzug flossen mehrere Millionen Mark an Spenden[4], Hermann Göring und Himmler waren Gäste bei Sachs-Jagden in Mainberg und auf der Rechenau; Reinhard Heydrich erhielt ein Darlehen von Sachs.

Willy-Sachs-Stadion (2017)

Als Mäzen des 1. FC Schweinfurt 05 stiftete Sachs 1936 das nach ihm benannte Willy-Sachs-Stadion, damals eine der modernsten und großzügigsten Anlagen in Süddeutschland. Dieses Geschenk an die Stadt sicherte ihm bleibende Popularität über den Tod hinaus. Am Tag der Stadioneinweihung, dem 40. Geburtstag von Sachs, wurde dem Stifter die Schweinfurter Ehrenbürgerwürde verliehen.

Im Mai 1945 wurde Sachs von US-amerikanischem Militär in Oberaudorf verhaftet und bis Februar 1947 interniert. Im Entnazifizierungsverfahren stuft ihn die Spruchkammer Schweinfurt-Land zweimal als „Mitläufer“ (Kategorie IV) ein. Buchautor Wilfried Rott bezeichnet dieses Verfahren als „Weißwäsche“ und schreibt: „Jüdische Bekannte für sich nachträglich zu instrumentalisieren und die kalte Arisierung des Geschäftspartners Max Goldschmidt einfach zu übergehen, zählt zu den dunkelsten Momenten dieser Entnazifizierung, die sonst so beschönigend und verharmlosend ablief wie die meisten vergleichbaren Fälle.“[5]

Nach der Freilassung aus der Internierung zog er sich mit 51 Jahren auch offiziell aus der aktiven Geschäftsführung zurück, übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat und beschränkte sich innerhalb der Firma auf repräsentative Aufgaben. In Anerkennung seiner sozialen Verantwortung als Unternehmer (u. a. Wiedererrichtung der Ernst-Sachs-Hilfe als betriebliche Altersversorgung) erhielt er 1957 das Bundesverdienstkreuz.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Sachs überwiegend auf dem Gut Rechenau in Kiefersfelden, wo er sich am 19. November 1958 im Alter von 62 Jahren mit einer Schusswaffe das Leben nahm. Depressionen und die Furcht vor einer Erpressung hatten ihm zugesetzt.[6] Bei der Beerdigung gaben 20.000 Schweinfurter dem „Konsul“ das letzte Geleit.

Öffentliche Debatte um Sachs´ Rolle in der NS-Zeit

Die von der Schweinfurter „Initiative gegen das Vergessen“ aufgrund seiner Nazi-Verstrickungen ab dem Jahr 2000 initiierte und von der Presse (u. a. Süddeutsche Zeitung, Gerhard Fischer, Werner Skrentny, Hannes Helferich, Oliver Schikora) unterstützte Kampagne für eine Umbenennung des Stadions stieß in der breiten Öffentlichkeit nur auf geringe Zustimmung. Die im Stadtrat vertretenen Fraktionen wussten angesichts der andauernden Popularität des Stadionstifters um die Brisanz des Themas und hüllten sich viele Jahre in Schweigen. Ausführlich behandelt wurde das Verhalten von Sachs in der NS-Zeit in den Büchern von Wilfried Rott (2005) und Andreas Dornheim (2015)[7]. Erst nach der Kommunalwahl 2020 wurde parteiübergreifend ein Antrag auf Umbenennung des Stadions und Aberkennung der Ehrenbürgerwürde im Stadtrat eingebracht. Es kam zu einer emotional geführten öffentlichen Debatte mit über vierzig Leserbriefen und zahllosen Internetkommentaren, die den Antrag ganz überwiegend ablehnten. Obwohl ein von Oberbürgermeister Sebastian Remelé bei Stadtarchivar Dr. Uwe Müller in Auftrag gegebenes Gutachten ebenfalls die Ablehnung des Antrags empfahl, stimmte der Schweinfurter Stadtrat am 29. Juni 2021 mit knappen Mehrheiten für die Streichung aus der Ehrenbürgerliste (22:20) und die Änderung des Stadionnamens in Sachs-Stadion (25:17).[8]

Familie

Familiengrab der Sachs (2007)

Von 1925 bis 1935 war Willy Sachs mit Elinor von Opel, Tochter von Wilhelm von Opel und Enkelin des Opel-Gründers Adam Opel, verheiratet. Aus der Ehe stammen zwei Söhne:

1937 heiratete er in zweiter Ehe Ursula Meyer, geb. Prey (1947 geschieden).

Seit Ende der vierziger Jahre lebte er mit seiner Lebensgefährtin Katharina Hirnböck zusammen. Aus dieser Verbindung stammt Sohn Peter Sachs (* 27. April 1950), dem Willy Sachs 1957 seinen Familiennamen gab.

Literatur

  • Thomas Horling: Nationalsozialist, aber kein Nazi. Der Schweinfurter Industrielle Willy Sachs. In: Wolfgang Proske (Hg.), Täter - Helfer - Trittbrettfahrer Bd. 19: NS-Belastete aus Unterfranken, Gerstetten 2025, Seite 209–224, ISBN 978-3-945893-27-2.
  • Thomas Horling: Zum Beitrag über Willy Sachs in dem Buch "Täter - Helfer - Trittbrettfahrer Bd. 19: NS-Belastete aus Unterfranken". In: Schweinfurter Mainleite 2025/3, hg. v. Historischen Verein Schweinfurt e. V., S. 21–28.
  • Thomas Horling: Geheimrat und Konsul Sachs. In: Thomas Horling, Uwe Müller (Hrsg.): Fürsten & Industrielle. Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten. (Veröffentlichungen des Historischen Vereins Schweinfurt N. F. Bd. 8 – Mainfränkische Studien Bd. 80), Schweinfurt 2011, Seite 421–446, ISBN 978-3-88778-360-0.
  • Wilfried Rott: Sachs – Unternehmer, Playboys, Millionäre. Blessing, München 2005, ISBN 3-89667-270-3.
  • Volker Ullrich: Goldene Jahre im braunen Reich. In: Die Zeit, Nr. 42/2005
  • Wilfried Rott: Der braune Schatten. In: Cicero

Einzelnachweise

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