Windschiefe
Geraden, die weder parallel zueinander sind noch sich schneiden
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In der Geometrie heißen zwei Geraden (zueinander) windschief[1] (seltener kreuzend[2]), wenn sie sich weder schneiden noch parallel zueinander sind. Dies ist im zweidimensionalen Raum nicht möglich, da hier alle denkbaren Geraden in der gleichen Ebene liegen und sich entweder schneiden oder parallel sind. Windschiefe Geraden gibt es daher nur in mindestens dreidimensionalen Räumen.


Das Wort „windschief“ stammt von der Vorstellung, dass zwei ursprünglich parallele Geraden um ihre Verbindungsachse (Transversale) „gewunden“, also verdreht wurden.[3]
Untersuchung zweier Geraden auf Windschiefe
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Windschiefe von zwei Geraden und nachzuweisen:
- Die Windschiefe lässt sich direkt anhand der Definition nachweisen. Es muss also gezeigt werden, dass die Geraden nicht parallel zueinander sind und sich außerdem nicht schneiden.
- Alternativ genügt es zu zeigen, dass ein Richtungsvektor von , ein Richtungsvektor von und ein Verschiebungsvektor von einem Punkt auf zu einem Punkt auf linear unabhängig sind.[4]
- Äquivalent kann man zeigen, dass es keine Ebene gibt, die beide Geraden enthält.[5]
Berechnung des Abstands windschiefer Geraden

Das Gemeinlot zweier Geraden und ist die eindeutig bestimmte Strecke, die im rechten Winkel zu den beiden Geraden steht. Es handelt sich um die kürzeste Verbindungsstrecke zwischen den beiden Graden, weshalb seine Länge den Abstand der beiden Geraden definiert.[6]
Gegeben seien die windschiefen Geraden und mit den Stützpunkten und bzw. den Stützvektoren und den Richtungsvektoren und . Dann sind die Parameterformen der Geradengleichungen
- ,
wobei ist und die drei Vektoren linear unabhängig sind.
Der Abstand zwischen den beiden windschiefen Geraden lässt sich berechnen mithilfe des Verbindungsvektor der beiden Stützpunkte und eines Einheitsvektors , der senkrecht auf und steht (und damit in Richtung des Gemeinlots zeigt):[7]
Einen solchen Vektor erhält man z. B. durch Bildung des Kreuzprodukts , das per Konstruktion senkrecht auf den beiden (nicht parallelen) Richtungsvektoren und steht, und anschließende Normierung. Einsetzen dieses Normaleneinheitsvektor in die obige Gleichung liefert eine Abstandsformel, die von den gegebenen Vektoren und abhängt:[8]
Der Ausdruck ist das Spatprodukt der Vektoren , welches sich auch schreiben lässt als Determinante der aus diesen Vektoren zusammengesetzten Matrix Damit erhält man als weitere Abstandsformel[9]
Beispiel
Gesucht ist der Abstand der beiden windschiefen Geraden
- und
Durch Kreuzproduktbildung erhält man den Normalenvektor
mit Länge . Also ist ein Einheitsvektor, der sowohl senkrecht auf als auch auf steht. Bildet man nun das Skalarprodukt mit , so erhält man den Abstand von und als .
Literatur
- Tilo Arens, Rolf Busam, Frank Hettlich, Christian Karpfinger, Hellmuth Stachel, Klaus Lichtenegger: Grundwissen Mathematikstudium. 2. Auflage. Berlin / Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-63312-0, S. 249–250.