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Winfried Hermann

deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), MdL, MdB From Wikipedia, the free encyclopedia

Winfried „Winne“ Hermann (* 19. Juli 1952 in Rottenburg am Neckar)[1] ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen). Er war von 2011 bis 2026 baden-württembergischer Verkehrsminister. Zudem war er von 1984 bis 1988 sowie von 2016 bis 2026 Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg und von 1998 bis 2011 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Winfried Hermann (2013)

Leben und Beruf

Hermann wurde im Güterbahnhof Rottenburg am Neckar geboren. Sein Großvater war Bahnspediteur.[1]

Er engagierte sich am Eugen-Bolz-Gymnasium Rottenburg in der Schülermitverantwortung und war zeitweilig Schülersprecher. Nach dem Abitur 1971 leistete Hermann seinen Zivildienst im Kinderheim Diasporahaus Bietenhausen bei Haigerloch ab und begann 1973 ein Lehramtsstudium der Fächer Deutsch, Politik und Sport an der Eberhard Karls Universität Tübingen, welches er 1979 mit dem ersten Staatsexamen beendete. Sein Referendariat absolvierte er am Wilhelms-Gymnasium Stuttgart[2], wo er auch den späteren Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) unterrichtete.[3] Er bestand das zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien 1981. Anschließend war er bis 1984 am Wirtemberg-Gymnasium Stuttgart-Untertürkheim als Lehrer tätig. Von 1989 bis 1998 leitete er den Fachbereich Gesundheit und Umwelt an der Volkshochschule Stuttgart.

Winfried Hermann ist verheiratet und hat eine Tochter.

Partei

Hermann wurde in seiner Kindheit von Konrad Adenauer (CDU) inspiriert, er trat später in die SPD ein und war dort bis zur Gründung der Grünen Mitglied.[4] Den Grünen trat er schließlich 1982 bei. Von 1992 bis 1997 war er Landesvorsitzender der Grünen in Baden-Württemberg.

Abgeordneter

Hermann gehörte von 1984 bis 1988 dem Landtag von Baden-Württemberg an und gehört ihm von 2016 bis 2026 erneut an. Bei der Landtagswahl 1984 erzielte er im Wahlkreis Stuttgart II ein Zweitmandat, bei der Landtagswahl 2016 und der Landtagswahl 2021 im selben Wahlkreis das Erstmandat. Bei der Landtagswahl 2026 trat er nicht mehr an.

Von 1998 bis 2011 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1998 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Ab 2002 war er Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen für Sportpolitik. Daneben war er von 2002 bis 2005 umweltpolitischer Sprecher, ab 2005 zusätzlich Sprecher für Verkehrspolitik. In der 17. Legislaturperiode war er von 2009 bis 2011 Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages. Winfried Hermann zog stets über die Landesliste von Baden-Württemberg in den Bundestag ein.

Minister

Beim Spatenstich für die Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm am 7. Mai 2012

Vom 12. Mai 2011 bis 13. Mai 2026 war Hermann Verkehrsminister von Baden-Württemberg. Er gehörte den Landesregierungen Kabinett Kretschmann I, II und III an.

Hermann bei einer Wahlkampfveranstaltung in Brackenheim (2021)

Da das Land Vertragspartner des Bahnprojekts Stuttgart 21 ist, fiel das Projekt in die Ressortzuständigkeit Hermanns. Hermann stand dem Projekt ablehnend gegenüber und bezeichnete es 2018 als „die größte Fehlentscheidung der Eisenbahngeschichte.“[5] 2011 sagte Hermann in einem Interview mit der Taz, er wolle seine „Zuständigkeit für das Projekt an ein anderes Ministerium abgeben“, falls die Volksabstimmung über Stuttgart 21 zugunsten der Weiterführung ausgehe.[6] Er begleitete in seiner Rolle als Vertreter eines Projektpartners das Projekt kritisch. Bis 2023 sprach er sich für eine Ergänzungsstation aus, um die Kapazitäten des achtgleisigen Hauptbahnhofs zu erweitern. Im März 2023 legte sein Ministerium eine Studie[7] vor, die statt einer Ergänzungsstation eine Vielzahl von Maßnahmen im Umfeld empfahl.

Ziel von Hermanns Ministerium war es, das Schienenverkehrsangebot in Baden-Württemberg von 2013 aus um 15 bis 20 Prozent auszuweiten u. a. durch verstärkten Wettbewerb.[8] Zudem wollte er Baden-Württemberg zu einem Pionierland für Elektromobilität und Radinfrastruktur machen.[9] Im Bereich Straßenbau erwirkte sein Ministerium eine Verschiebung der Prioritäten weg vom Neubau hin zu Sanierung und Ertüchtigung.[10] Außerdem sollten bis 2025 zehn Radschnellwege in Baden-Württemberg entstehen.[11]

Hermann sprach sich gegen die von der CSU ausgestalteten „Ausländer-Maut“ in Form einer Vignette aus.[12] 2020 zeigte er sich generell offen für eine Pkw-Maut, um den Klimaschaden zu bepreisen.[13] Er setzte sich dafür ein, dass Profifußballvereine für von ihren Fans begangene schwere Sachbeschädigungen in Zügen anteilsmäßig aufkommen.[14]

Im April 2025 äußerte Hermann, dass es ihn „nicht schmerze“, dass Mercedes-Benz seine Produktion von Deutschland nach Ungarn verlagere. Entscheidend sei, „dass Forschung und Entwicklung und Zentralen in Baden-Württemberg [blieben].“ Er wolle Arbeitsplätze, „die nicht zu halten sind, auch nicht halten“. Das sorgte für Kritik der Opposition und des Koalitionspartners CDU.[15][16][17]

Pazifismus

Hermann gehört dem pazifistischen Flügel der Grünen an.[18] Als 2001 Bundeskanzler Gerhard Schröder die Vertrauensfrage mit der Zustimmung zum Afghanistan-Krieg verband, stimmte Hermann gegen Schröder.[19]

Hermann war zusammen mit dem ehemaligen Reutlinger VHS-Leiter Ulrich Bausch (SPD) und dem Tübinger Politikwissenschaftler Thomas Nielebock ein Gründer der Initiative Aufbruch zum Frieden, die sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine während des Russisch-Ukrainischen Kriegs und gegen höhere Verteidigungsausgaben wendet.[20]

Weitere Ämter und Engagements

Buch

  • Und alles bleibt anders: Meine kleine Geschichte der Mobilität. Molino Verlag, Schwäbisch Hall 2020, ISBN 978-3-948696-06-1.

Einzelnachweise

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