Wirtschaft Indonesiens
Überblick über die Wirtschaft in Indonesien
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Die Wirtschaft Indonesiens zählt zu den größten in Asien. Als aufstrebendes Schwellenland ist Indonesien die größte Volkswirtschaft Südostasiens und rangierte 2023 weltweit etwa an 16. Stelle nach nominalem Bruttoinlandsprodukt. Seit der Asienkrise Ende der 1990er-Jahre verzeichnet das Land ein stabiles Wirtschaftswachstum. Zwischen 2000 und 2020 hat sich die Wirtschaftsleistung berechnet in US-Dollar etwa versechsfacht.[4] Indonesien ist Mitglied der G20 sowie anderer internationaler Foren und seit 2023 wieder als Wirtschaft mit einem oberen mittleren Einkommen eingestuft.[5] Die indonesische Wirtschaft ist diversifiziert, weist aber strukturelle Schwächen auf. Hauptsächliche Stützen sind der Rohstoffexport (u. a. Kohle, Erdgas und Erdöl, Palmöl, Metalle) und Dienstleistungen, während hochproduktive Sektoren und eine tiefere Integration in globale Lieferketten noch unterentwickelt sind. Mit über 280 Millionen Einwohnern verfügt Indonesien über einen großen Binnenmarkt, doch das Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte und Produktivität können mit den Anforderungen einer schnell wachsenden Volkswirtschaft teils noch nicht Schritt halten. Dennoch gilt der langfristige Ausblick der Wirtschaft als positiv und nach Prognosen von Goldman Sachs könnte Indonesien bis Mitte des Jahrhunderts zu den fünf größten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen.[6]
produkt (BIP)1,4 Billionen USD (nom.) (2024)[1]
4,7 Billionen USD (PPP) (2024)[1]
| Indonesien | |
|---|---|
| Weltwirtschaftsrang | 16. (nominal) (2024)[1] |
| Währung | Indonesische Rupiah |
| Handels- organisationen | WTO, ASEAN, BRICS |
| Kennzahlen | |
| Bruttoinlands- produkt (BIP) | 1,4 Billionen USD (nom.) (2024)[1] 4,7 Billionen USD (PPP) (2024)[1] |
| BIP pro Kopf | 4.958 USD (nominal) (2024) 16.582 USD (PPP) (2024)[1] |
| BIP nach Wirtschaftssektor | Landwirtschaft: 13,2 % (2024) Industrie: 41,1 % (2024) Dienstleistung: 45,7 % (2024)[2] |
| Wachstum | 5,0 % (2024)[3] |
| Inflationsrate | 3,7 % (2024)[3] |
| Gini-Index | 34,9 (2024)[3] |
| Erwerbstätige | 143,1 Mio. (2024)[3] |
| Arbeitslosenquote | 3,3 % (2024)[3] |
| Außenhandel | |
| Export | 300,9 Mrd. $ (2024)[3] |
| Exportgüter | Kohle, Palmöl, Eisen und Stahl, Bekleidung |
| Exportpartner | Volksrepublik China: 24 % (2023) Vereinigte Staaten: 9 % (2023) Indien: 8 % (2023) Japan: 8 % (2023) Singapur: 5 % (2023)[3] |
| Import | 279,4 Mrd. $ (2024)[2] |
| Importgüter | Benzin, Erdöl, Plastik, Kfz- und Teile, Halbleiter |
| Importpartner | China: 29 % (2023) Singapur: 8 % (2023) Japan: 7 % (2023) Vereinigte Staaten: 5 % (2023) Malaysia: 5 % (2023)[3] |
| Außenhandelsbilanz | 21,5 Mrd. € (2024) |
| Öffentliche Finanzen | |
| Öffentliche Schulden | 37,6 % des BIP (2024)[1] |
| Staatseinnahmen | 14,5 % des BIP (2024)[1] |
| Staatsausgaben | 16,8 % des BIP (2024)[1] |
| Haushaltssaldo | −2,3 % des BIP (2024)[1] |
Geschichte
Frühzeit und Kolonialära
Indonesiens Wirtschaftsraum war bereits vor der Kolonialzeit in regionale und globale Handelsnetzwerke eingebunden (Gewürzhandel, Export von landwirtschaftlichen Produkten), so z. B. unter dem merkantilen Srivijaya-Reich, welches mit China, Arabien und Indien handelte. Die niederländische Kolonialherrschaft prägte die Wirtschaftsstrukturen über rund 350 Jahre maßgeblich. Im 19. Jahrhundert führte die Kolonialregierung auf Java das sogenannte Kultivierungssystem (Cultuurstelsel) ein (1830–1870), das die einheimische Bevölkerung zwang, einen Teil ihrer Fläche für Cash Crops wie Zucker und Kaffee zu bewirtschaften. Diese staatlich gelenkte Plantagenwirtschaft erzielte enorme Profite für die niederländische Staatskasse, ging aber mit Ausbeutung und Hungersnöten in der lokalen Bevölkerung einher. Ab 1870 folgte eine liberalere Phase: Private europäische Unternehmen investierten in Plantagen und Bergbau. Insbesondere ab der Jahrhundertwende 1900 expandierten die Ausfuhren deutlich. Zu den wichtigsten Exportgütern der Kolonie Niederländisch-Indien wurden nun Erdöl (erschlossen durch Koninklijke/Shell), Kautschuk, Palmöl, Tropenhölzer und Zinn. Parallel dazu verbesserte die Kolonialmacht die Infrastruktur: Straßen, Eisenbahnlinien (vor allem auf Java und Sumatra) und Hafenanlagen wurden ausgebaut, um Rohstoffe schneller aus dem Inselarchipel exportieren zu können.[7]
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre traf die rohstoffexportierende Kolonialökonomie schwer. Absatzmärkte brachen ein, der Zuckerpreis kollabierte und zahlreiche Plantagen mussten schließen. Darauf reagierten die Kolonialbehörden mit Schutzzöllen und Bemühungen, die Wirtschaft etwas mehr auf Selbstversorgung umzustellen (z. B. Förderung des heimischen Reisanbaus). Der Zweite Weltkrieg und die japanische Besatzung (1942–1945) brachten die wirtschaftliche Ordnung endgültig zum Erliegen. Produktionsanlagen wurden zerstört oder demontiert, und am Ende der Kolonialzeit stand ein verwüstetes Land. Nach der Proklamation der indonesischen Unabhängigkeit 1945 und dem Unabhängigkeitskrieg (bis 1949) lag die Produktion am Boden. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit lag das BIP pro Kopf bei lediglich ca. 800 US-Dollar und damit unter dem Wert von 1913.[7] Die Startbedingen waren denkbar ungünstig. Es gab wenig einheimisches Know-how, da die wirtschaftliche Macht in der Kolonialzeit auf die niederländische Minderheit konzentriert war, die das Land verlassen hatte. Außerdem war die Infrastruktur in dem territorial zersplittertem Land mangelhaft und das Bevölkerungswachstum sehr hoch.
Sukarno-Ära (1949–1965)
Die ersten Jahre nach der Unabhängigkeit waren politisch wie ökonomisch instabil. Präsident Sukarno verfolgte einen nationalistisch geprägten wirtschaftspolitischen Kurs, der als „Geführte Wirtschaft“ (Guided Economy) bezeichnet wurde. Zunächst bestanden in den 1950er-Jahren noch moderate Wachstumsraten, doch regionale Aufstände und eine überschuldete Staatskasse führten bald zu Schwierigkeiten. Im Jahr 1957/58 wurden praktisch alle niederländischen Unternehmen und viele andere ausländische Betriebe nationalisiert, was westliches Kapital vertrieben. Sukarno orientierte sich außenpolitisch zunehmend an der Sowjetunion und China und nahm keine westliche Entwicklungshilfe mehr an. Gleichzeitig wurden ehrgeizige und kostspielige Prestigeprojekte verfolgt (etwa das Bauvorhaben eines gigantischen Nationaldenkmals in Jakarta), die mangels Einnahmen durch exzessives Gelddrucken finanziert wurde. Die Folgen waren verheerend: Die Inflation stieg ab 1962 auf über 100 % jährlich und erreichte 1965 einen Höchstwert von rund 600 %. Exporterlöse und das Pro-Kopf-Einkommen gingen zurück, etwa sanken die Einnahmen aus dem traditionellen Plantagensektor zwischen 1958 und 1966 um ein Viertel.[8][7]
Eine weitere Belastung stellte die sogenannte Konfrontasi-Politik gegen das neu gebildete Nachbarland Malaysia dar. Es wurden beträchtliche Mittel in militärische Abenteuer gelenkt. Bis Mitte der 1960er-Jahre befand sich Indonesien wirtschaftlich im freien Fall: Lebensmittel wurden knapp, die Infrastruktur verfiel, und ausländische Devisenreserven waren nahezu erschöpft.[8][9] Nach einem Militärputsch und politischem Chaos 1965/66 verlor Sukarno die Macht. Die Wirtschaft war zu diesem Zeitpunkt durch Planungsversagen und Missmanagement gekennzeichnet, mit hoher Inflation, brachliegender Produktion und isolierter Außenwirtschaft.
„Neue Ordnung“ unter Suharto (1966–1998)
Mit dem Regimewechsel 1966 begann die Periode der Neuen Ordnung (Orde Baru) unter Präsident Suharto, die über drei Jahrzehnte stabile autoritäre Herrschaft und wirtschaftlichen Aufschwung brachte.[8] Suharto setzte ein Team westlich ausgebildeter Ökonomen ein (scherzhaft „Berkeley-Mafia“ genannt), um die ruinierte Volkswirtschaft zu sanieren.[10] Zunächst hatte die makroökonomische Stabilisierung oberste Priorität: Die Geldmenge wurde straff begrenzt, Preiskontrollen für Grundnahrungsmittel eingeführt und die völlig entwertete Indonesische Rupiah 1966 im Verhältnis 1000:1 neu denominiert. Die Inflation konnte so von dreistelligen Raten auf unter 10 % gedrückt werden.[11] Zugleich öffnete sich Indonesien wieder für ausländische Hilfe und Investitionen: Bereits 1967 verabschiedete das Parlament ein Investitionsgesetz, das ausländischem Kapital großzügige Anreize bot. Internationale Geber (darunter Weltbank, Niederlande, USA und Japan) spannten einen Hilfsfonds auf, der den Import lebenswichtiger Güter finanzierte und den Grundstein für die Erholung legte.
Ab den 1970er-Jahren profitierte Indonesien enorm vom Ölboom. Durch steigende Erdöl- und Erdgaspreise flossen dem Staat sprudelnde Exporterlöse zu.[7] Suhartos Regierung verwendete einen Teil dieser Einnahmen für den Aufbau von Basisindustrien (z. B. Stahl, Zement, Düngemittel) und den Ausbau der Infrastruktur. Die Wirtschaft wuchs unter Suharto Jahren durchschnittlich um etwa 7 % pro Jahr, begleitet von deutlicher Armutsreduktion.[12] Die Weltbank zählte Indonesien in ihrem Bericht East Asian Miracle (1993) zu den ostasiatischen Erfolgsgeschichten und lobte insbesondere die solide Finanzpolitik und Investitionen in Bildung und Gesundheit.[7] Tatsächlich entstanden in der Orde Baru-Ära neben dem Rohstoffsektor auch arbeitsintensive Industrien (Textil, Schuhe, Nahrungsmittel) und erste diversifizierte Industriecluster auf Java.
Allerdings waren diese Erfolge mit Schattenseiten verbunden. Das Suharto-Regime stützte sich auf ein System aus Korruption, Klientelismus und Nepotismus, das weite Teile von Politik und Verwaltung durchzog.[7] Staatliche Monopole und Günstlingswirtschaft begünstigten eine kleine Elite, während vielen Unternehmen ohne gute Verbindungen der Zugang zu Krediten und Märkten erschwert war. Die wirtschaftlich dominante chinesische Minderheit wurde von dem nationalistischen Suharto-Regime entrechtet. Ab den späten 1980er-Jahren bemühte sich die Regierung zwar um Deregulierung (unter anderem wurden der Bankensektor und der Flugverkehr liberalisiert) und förderte exportorientierte Industrien, doch die wirtschaftlichen Strukturschwächen blieben bestehen. So waren das Finanzsystem und die Aufsichtsbehörden unzureichend entwickelt, viele Banken vergaben risikoreiche Kredite an regimenahe Geschäftsleute. Gleichzeitig führten rapide Kapitalzuflüsse in den 1990ern zu einer Überhitzung im Immobiliensektor.
Die Verwundbarkeit der indonesischen Wirtschaft zeigte sich drastisch während der Asienkrise 1997/98. Ausgelöst durch den Währungskollaps in Thailand, kam es auch in Indonesien zu massivem Vertrauensverlust internationaler Investoren. Die Rupiah, die bis Mitte 1997 relativ stabil gewesen war, verlor innerhalb weniger Monate über zwei Drittel ihres Wertes. Viele lokale Unternehmen hatten sich in US-Dollar verschuldet; durch die Rupiah-Abwertung explodierte ihre Schuldenlast. Das Bankensystem geriet in Panik – zahlreiche Banken kollabierten oder konnten nur durch Notkredite der Zentralbank überleben. Bis 1998 schrumpfte die indonesische Wirtschaft in historisch beispiellosem Ausmaß: Das Bruttoinlandsprodukt brach 1998 um 13,6 % ein, was katastrophale soziale Folgen hatte. Die wirtschaftliche Krise weitete sich zu einer gesellschaftlichen und politischen Krise aus; landesweite Proteste und Unruhen führten schließlich im Mai 1998 zum Rücktritt Suhartos, der 32 Jahre geherrscht hatte.[13]
Entwicklung seit der Asienkrise (1998 bis heute)
Nach dem Kollaps von 1998 begann Indonesien mit umfassenden Reformen, die als Reformasi-Phase bezeichnet werden. Politisch vollzog sich der Übergang zur Demokratie, wirtschaftlich stand die Erholung und der Umbau des Finanz- und Staatssektors im Vordergrund. Die Regierung unter Präsident Habibie schloss mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mehrere Abkommen, die Bankenrestrukturierung, Privatisierungen und die Einführung eines modernen Insolvenzrechts vorsahen.[13] Durch Schuldenerlasse und Hilfskredite stabilisierte sich die Lage. Bereits 1999 kehrte die Wirtschaft auf einen Wachstumskurs zurück und in den 2000er-Jahren pendelte sich das jährliche BIP-Wachstum bei soliden 4–6 % ein. Zwischen 1998 und der COVID-19-Pandemie 2020 erlebte Indonesien zwei Jahrzehnte nahezu ununterbrochenen Aufschwung, begleitet von erheblichen Wohlstandsgewinnen. Das Pro-Kopf-Einkommen stieg stark an, und die Armutsquote wurde von über 20 % (1999) auf unter 10 % im Jahr 2019 gesenkt.[14]
Die Inflation wurde durch eine unabhängige Zentralbank und vorsichtige Geldpolitik meist im einstelligen Bereich gehalten, die Staatsverschuldung blieb dank wachsender Wirtschaft auf moderatem Niveau. Zugleich profitierte das Land vom Rohstoffboom der 2000er-Jahre: Hohe Weltmarktpreise für Kohle, Palmöl, Erdgas, Kupfer und Nickel bescherten kräftige Exportüberschüsse. Anders als 1997 erwies sich Indonesien in der globalen Finanzkrise 2008/09 als relativ widerstandsfähig – das Wachstum blieb mit +4,6 % (2009) positiv[13], gestützt vor allem durch eine starke Binnennachfrage.
Seit 2010 festigt sich eine breitere Mittelschicht, der Konsum (z. B. an Motorrädern, Elektronik, Dienstleistungen) zum wichtigsten Wachstumsmotor macht. Allerdings bleiben strukturelle Probleme bestehen. Präsident Joko Widodo (Jokowi), im Amt zwischen 2014 und 2024, setzte einen Schwerpunkt auf den Infrastruktur-Ausbau (Straßen, Häfen, Kraftwerke), einschließlich dem Bau einer neuen Hauptstadt auf Borneo (Nusantara). Er versucht auch, durch Deregulierungspakete das Investitionsklima zu verbessern und die Industrialisierung anzukurbeln. Unter Jokowi wurde 2015 auch ein großer Teil der kostspieligen Benzin- und Stromsubventionen abgebaut, um Mittel für Entwicklungsprojekte frei zu bekommen.[15]
2020 traf die COVID-19-Pandemie auch Indonesien schwer: Erstmals seit über 20 Jahren geriet die Wirtschaft in eine Rezession (2020: −2,1 %). Der Staat lockerte vorübergehend seine strikte Haushaltsdisziplin, um Konjunkturpakete und Sozialhilfen zu finanzieren. Ab 2021 setzte jedoch eine deutliche Erholung ein, und 2022 wurde mit rund +5 % Wachstum wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht. Die langfristigen Entwicklungsziele bleiben ambitioniert: Bis 2045 – zum 100-jährigen Unabhängigkeitsjubiläum – strebt Indonesien den Status eines Industrielandes an.[4] Wirtschaftspolitisch kooperiert das Land dabei mit westlichen Partnerländern, treibt jedoch auch die regionale Integration (z. B. im Rahmen der ASEAN) und die Süd-Süd-Kooperation voran. Diese Orientierung wurde durch den Beitritt zu den BRICS im Januar 2025 unterstrichen, wodurch sich Indonesien eine Reduzierung der Abhängigkeit von bisherigen Gebern wie Weltbank oder IWF für Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte erhofft.[16]
Struktur
Die indonesische Volkswirtschaft weist eine vielfältige Struktur mit Beiträgen aus Landwirtschaft, Bergbau, Industrie und Dienstleistungen auf. Allerdings hat sich das Gewicht der Sektoren im Laufe der Entwicklungsjahre deutlich verschoben. Im Jahr 2024 betrug der Anteil der Landwirtschaft an der Bruttowertschöpfung noch rund 13 %, der Industrie (inklusive Rohstoffförderung und Baugewerbe) etwa 41 % und der Dienstleistungen rund 46 %.[2] Trotz Industrialisierungsbestrebungen ist Indonesien bis heute in gewissem Maße eine Rohstoffökonomie geblieben: Die Förderung und der Export von Bodenschätzen – insbesondere von Kohle, Erdgas, Mineralerzen (wie Nickel, Kupfer, Zinn) – sowie von Palmöl tragen erheblich zu Exporterlösen und Staatseinnahmen bei. So ist Indonesien z. B. der weltweit größte Nickelproduzent (2024 stammten knapp die Hälfte des globalen Nickelangebots aus Indonesien[17]) und führend bei Palmöl und Zinn. Gleichzeitig muss das Land für seine industrielle Entwicklung viele Technologien und Maschinen importieren, da eine heimische Fertigung fortgeschrittener Kapitalgüter nur begrenzt vorhanden ist.
| Sektor | Anteil |
|---|---|
| Verarbeitende Industrie | 19,7 % |
| Handel/Gaststätten/Hotels | 15,8 % |
| Landwirtschaft | 12,7 % |
| Bau | 10,7 % |
| Transport/Logistik/Kommunikation | 9,6 % |
| Bergbau | 7,2 % |
| Banken/Versicherungen | 4,2 % |
| sonstige Sektoren | 20,0 % |
Landwirtschaft

Die Landwirtschaft beschäftigt weiterhin einen großen Teil der Bevölkerung. 2024 waren ca. 28 % der Arbeitskräfte in diesem Sektor tätig (rund 40,8 Millionen Personen), doch ihr Produktivitätsbeitrag ist deutlich niedriger (ca. 12–13 % des BIP).[18] Angebaut werden zum einen Grundnahrungsmittel wie Reis (als Hauptnahrungsmittel; Indonesien ist der drittgrößte Reisproduzenten der Welt[19]), Mais, Maniok, Soja und Zuckerrohr. Zum anderen dominieren Cash Crops die Agrarökonomie: Allen voran Palmöl, ferner Kakao, Kaffee, Kautschuk, Tee und Kokosprodukte. Indonesien ist z. B. inzwischen mit Abstand größter Palmölproduzent der Welt. Die Ausweitung der Plantagen (oft durch Regenwaldrodung) ist allerdings mit ökologischen und sozialen Konflikten verbunden. Strukturprobleme der Landwirtschaft sind die zumeist kleinen Betriebsgrößen, niedrige Mechanisierung und begrenzter Zugang zu Finanzierung – Faktoren, die das Produktivitätswachstum bremsen. Die Regierung fördert daher Modernisierung etwa durch landwirtschaftliche Maschinen, Bewässerungsprojekte und Programme zur Unterstützung sogenannter „Millennial-Farmer“, um junge, technikaffine Landwirte zu gewinnen. Ein Ziel ist die komplette Selbstversorgung mit Reis.[18]
Industrie

Der Industriesektor Indonesiens ist zweigeteilt. Einerseits existiert ein verarbeitendes Gewerbe, das vielfältige Konsum- und Investitionsgüter herstellt, andererseits spielt die Rohstoffverarbeitung (etwa Erdölraffination, Palmölverarbeitung, Stahlerzeugung) eine große Rolle. Die industrielle Fertigung konzentriert sich auf einige Ballungsräume – vor allem Groß-Jakarta, Bandung, Surabaya auf Java sowie Medan auf Sumatra beherbergen wichtige Fertigungscluster.[20] Bedeutende Industriebranchen sind die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Schuh- und Möbelproduktion, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie die Montage von Kraftfahrzeugen und Elektronik. Diese Branchen sind oft arbeitsintensiv und basieren auf vergleichsweise niedrigem Lohnniveau. Hochtechnologische und forschungsintensive Industriezweige sind in Indonesien bislang nur schwach entwickelt.[21] Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Gesamtwirtschaft ist in den letzten Jahren sogar rückläufig und auf unter 20 % gefallen. Gründe sind u. a. die Konkurrenz durch billigere Produktionsstandorte in Asien sowie Investitionshemmnisse im Inland.
Indonesien ist ein rohstoffreiches Land und 2021 trugen Einnahmen aus dem Rohstoffsektor ca. 5 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.[22] Wichtige Rohstoffexporte bilden Kohle, Nickel, Bauxit, Gold, Zinn, Kupfer, Erdgas und Erdöl sowie Agrarrohstoffe.[23] Der einst dominante Ölsektor hat inzwischen seine überragende volkswirtschaftliche Bedeutung weitgehend verloren. Dieser erbrachte 1989 noch knapp 90 Prozent der Exporterlöse[23], 2004 wurde Indonesien jedoch zu einem Nettopetroleumimporteur. Dies liegt u. a. an langen Genehmigungsverfahrung für neue Projekte und mangelnder einheimischer Raffineriekapazität.[4] Im Jahr 2018 wurden die in Indonesien tätigen Ölgesellschaften in einer Maßnahme zur Reduzierung der Importe angewiesen, ihr Rohöl an das staatliche Unternehmen Pertamina zu verkaufen.[24] Ein weiteres Beispiel für „Ressourcennationalismus“ war 2014 verabschiedetes Exportverbot für unveredeltes Nickel, um selbst die Weiterverarbeitung zu dominieren.[25]
Mit der Initiative „Making Indonesia 4.0“ verfolgt die Regierung die Strategie, die industrielle Wertschöpfung durch Digitalisierung, Automatisierung und Auslandsinvestitionen zu erhöhen.[4] Zu den Zielen gehört dabei auch der Aufbau einer Green Economy, wodurch die Standortvorteile als Förderer kritischer Rohstoffe genutzt werden soll. So z. B. als regionales Fertigungszentrum für Elektroautos und andere grüne Technologien.[26][27]
Dienstleistungen

Der Dienstleistungssektor trägt inzwischen knapp die Hälfte zur Wirtschaftsleistung bei und profitiert vom Wachstum der Mittelschicht. Zu den größten Teilbereichen zählen der Handel (Groß- und Einzelhandel), Transport und Logistik, Kommunikation, Finanzdienstleistungen sowie Tourismus. Der inländische Konsum, z. B. im Einzelhandel, ist ein wichtiger Wachstumstreiber. Der Bankensektor Indonesiens ist gut kapitalisiert und gehört zu den rentabelsten der Welt, leidet aber unter niedriger Kreditpenetration – nur etwa 36 % des BIP waren 2016 als Bankkredite ausgereicht.[28] Große staatliche Banken (Bank Mandiri, Bank Rakyat Indonesia) dominieren den Markt neben einigen privaten Kreditinstituten. Die Telekommunikations- und Internetbranche expandiert rasant mit der Verbreitung von Smartphones und digitaler Wirtschaft (E‑Commerce, FinTech). 2025 nutzten rund 75 % der Indonesier das Internet[29] und es gibt mehrere erfolgreiche Start-ups (z. B. Tokopedia oder Gojek), welche internationale Finanzierung gewinnen konnten, begünstigt durch eine junge und technikaffine Bevölkerung und einen großen Markt.[30] 2024 gehörten 17 % der Bevölkerung zur Mittelschicht (Ausgaben zwischen 200 und 860 US-Dollar pro Monat).[31]
Im Tourismussektor zählte Indonesien vor der Pandemie etwa 16 Millionen ausländische Besucher pro Jahr (2019) und erzielte rund 19 Mrd. US$ Deviseneinnahmen.[32] Bali ist das wichtigste Reiseziel, aber auch Java (mit Kulturerbestätten wie Borobudur und Prambanan) sowie Tauchregionen in Sulawesi, Sumatra und anderen Inseln ziehen viele Touristen an. Neben dem Auslandstourismus ist auch der Inlandstourismus von großer Bedeutung. Insgesamt hat der Sektor einen Anteil von ca. 5 Prozent an der Wirtschaftsleistung (2024).[33]
Außenwirtschaft
Handel
Indonesien ist ein bedeutender Exporteur von Rohstoffen und Agrarprodukten. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Kohle (das Land ist einer der größten Kohleexporteure der Welt), Palmöl, Erdöl und Erdgas, Metallerze (insbesondere Nickel und Kupfer), Gummi, Agrargüter, sowie traditionelle Industrieerzeugnisse wie Textilien und Bekleidung. Verarbeitete Produkte (z. B. Elektronikbauteile, chemische Erzeugnisse, Kfz-Teile) gewinnen zwar an Anteil, doch die Exportstruktur wird weiterhin von Roh- und Halbstoffen dominiert. Hauptabnehmer indonesischer Exporte sind die VR China (größter Einzelkunde mit knapp 20 % der Ausfuhren 2021), die USA, Japan, sowie regionale Partner wie Indien, Malaysia und Singapur. Auf der Importseite bezieht Indonesien vor allem Investitions- und Konsumgüter: Maschinen und technische Ausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Kraftstoffe, Rohmaterialien für die Industrie (z. B. Metallhalbwaren) und Lebensmittel. Wichtigste Lieferländer der Importe sind China (ca. 28 % der Einfuhren), Singapur, Japan, Malaysia und Südkorea. Deutschland spielt im Handel mit Indonesien eine mittelgroße Rolle und ist innerhalb der EU ein bedeutender Partner – es liefert vor allem Maschinen, Chemikalien, Kraftfahrzeuge und nimmt indonesische Rohstoffe und Textilien ab.[20]
Auffällig ist, dass Indonesiens Handelsvolumen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung verhältnismäßig gering ist. Die Exportquote liegt deutlich unter der vergleichbarer ASEAN-Länder wie Malaysia oder Thailand; Indonesien weist mit Abstand die niedrigste Außenhandelsquote unter den großen ASEAN-Staaten auf.[4] Die indonesische Wirtschaft stützt sich also stark auf den riesigen Binnenmarkt. Daraus ergibt sich über Jahre oft ein Leistungsbilanzdefizit, da ein hoher Importbedarf (für Investitionsgüter und Vorprodukte) nicht immer von den Exporterlösen gedeckt wird. Allerdings profitiert Indonesien in den letzten Jahren von günstigen Terms of Trade: Durch hohe Rohstoffpreise (etwa für Kohle und Nickel) schlug die Handelsbilanz zeitweise in einen Überschuss um. 2022/23 verzeichnete das Land teils hohe Exportüberschüsse; für 2024 wurde die Leistungsbilanz leicht negativ geschätzt (−0,2 % des BIP).[2]
Handelspolitisch hat Indonesien lange einen eher protektionistischen Kurs verfolgt (hohe Importzölle auf bestimmte Produkte, lokale Inhaltsvorgaben etc.). Doch in den letzten Jahren öffnet sich das Land schrittweise durch regionale und bilaterale Abkommen. Indonesien ist Mitglied der WTO und Gründungsmitglied der ASEAN-Wirtschaftsgemeinschaft. 2020 trat es dem umfassenden Freihandelsabkommen RCEP bei, das 15 asiatisch-pazifische Staaten umfasst. Mit der EU befindet sich Indonesien seit 2016 in Verhandlungen über ein weitreichendes Freihandels- und Partnerschaftsabkommen (IEU-CEPA); Ende 2023 wurde politisch eine Grundsatzeinigung erzielt, die offizielle Unterzeichnung erfolgte Ende 2025.[34]
Investitionen
Auslandsinvestitionen (FDI) spielen eine wichtige Rolle für Indonesiens Entwicklung, etwa bei der Erschließung von Bergbauprojekten oder im verarbeitenden Gewerbe. In den letzten zwei Jahrzehnten war Indonesien ein attraktives Ziel für Investoren aus Asien (Singapur, Japan, Südkorea, China) und darüber hinaus. Allerdings bleibt das Investitionsvolumen hinter dem Potenzial zurück. Im Vergleich zu Nachbarn wie Vietnam oder Malaysia konnte Indonesien bislang weniger FDI anziehen. Als Ursachen gelten ein bislang komplexes Regulierungssystem, bürokratische Hürden und das nach wie vor relativ niedrige Bildungs- und Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte. Die Regierung hat diese Probleme erkannt und mit Reformen gegengesteuert. 2020 wurde das umfassende Omnibus-Gesetz zur Jobschaffung verabschiedet, das zahlreiche investitionshemmende Vorschriften lockerte (u. a. im Arbeitsrecht, bei Genehmigungen und Auslandsbeteiligungen). Zudem wird verstärkt in die berufliche Aus- und Weiterbildung investiert, um den Bedarf der Industrie an Fachpersonal zu decken.[4] Die Effekte zeigen sich allmählich: 2024 erreichten die Nettozuflüsse an Direktinvestitionen ein Rekordniveau von 55 Milliarden US-Dollar[35], und Indonesien positioniert sich als diversifizierter Investitionsstandort (neben Rohstoffen z. B. in Automobilbau, Elektronikfertigung, Digitalwirtschaft).
Arbeitsmarkt
Indonesiens Arbeitsmarkt ist durch ein großes Arbeitsangebot, einen hohen informellen Sektor und regionale Disparitäten gekennzeichnet. Im Jahr 2023 umfasste die Erwerbsbevölkerung rund 141 Millionen Menschen.[2] Die Arbeitskräfte sind jung (Medianalter ca. 30 Jahre) und wachsen jährlich um mehrere Hunderttausend Personen, was kontinuierlich zur Schaffung von Jobs zwingt. Aktuell kann die indonesische Wirtschaft nicht genügend formelle Arbeitsplätze im modernen Sektor bereitstellen, um dieses Wachstum vollständig aufzunehmen. Etwa 60 % (2025) der Erwerbstätigen arbeiten als Selbständige oder in informellen Beschäftigungsverhältnissen.[36] Viele davon sind Kleinstunternehmer oder mithelfende Familienangehörige in der Landwirtschaft, im Kleingewerbe oder im städtischen informellen Sektor. Der informelle Sektor fungiert als Puffer und nimmt Arbeitskräfte auf, die andernfalls arbeitslos wären, geht jedoch mit niedriger Produktivität und fehlender sozialer Absicherung einher.
Die Beschäftigungsstruktur spiegelt die sektorale Entwicklung wider: Rund 28 % der Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft tätig, ca. 22 % in der Industrie (inkl. Bau) und etwa 50 % im Dienstleistungssektor.[2] Vielen Landbewohnern fehlen alternative Verdienstmöglichkeiten, sodass sie in wenig ertragreichen Subsistenz- oder Kleinbetrieben verharren. In den Städten wächst indes der Dienstleistungssektor als Arbeitgeber: Handel, Gastronomie, Transport, aber auch neue Bereiche wie E-Commerce und Tourismus absorbieren Arbeitskräfte, häufig jedoch unter prekären Bedingungen. Die meisten formellen Jobs mit bessere Entlohnung finden sich in den großen Städten (meist auf Java). Abgelegene Provinzen, insbesondere in Ostindonesien (wie Westneuguinea, Maluku oder Nusa Tenggara), kämpfen hingegen mit Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb der Subsistenzwirtschaft.
Die Arbeitslosigkeit ist offiziell moderat, doch die Statistik erfasst die Realität nur begrenzt. Im Jahr 2024 lag die Arbeitslosenquote bei 4,9 %, jedoch ist Unterbeschäftigung verbreitet und die Jugendarbeitslosigkeit (15–24 Jahre) lag 2024 bei knapp 13 %.[2] Ein weiterer Aspekt ist die Frauenbeschäftigung. Die Erwerbsquote von Frauen liegt mit knapp über 50 % (2023) deutlich unter der der Männer (~81 %), was auf kulturelle Faktoren zurückzuführen ist.[37] Die Durchschnittslohn lag im August 2025 bei knapp 3,3 Millionen Rupiah (ca. 170) Euro pro Monat und unterscheidet sich je nach Sektor.[38] Der Grund für die niedrigen Löhne ist hauptsächlich in der bescheidenen Produktivität zu finden. Der Output pro Arbeitsstunde lag 2025 bei ca. 16 US-Dollar bereinigt nach Kaufkraftparität, nur etwas ein Viertel bis ein Drittel des Wertes in den entwickelten Ländern und unter dem Weltdurchschnitt.[39]
Währung und Geldpolitik

Die Landeswährung Indonesiens ist die Indonesische Rupiah (IDR). Aufgrund historischer Phasen hoher Inflation (insbesondere Mitte der 1960er-Jahre) wurde die Rupiah 1965 und erneut redenominiert; seither entspricht 1 „neue“ Rupiah 1000 „alten“ Rupiah. Seit dem Ende der Asienkrise 1997/98, in der die Rupiah massiv an Wert verlor und freigegeben wurde[13], ist die Währung grundsätzlich frei konvertibel und flexibel. Die Wechselkurspolitik orientiert sich an einem geregelten Float: die Bank Indonesia greift bei exzessiven Schwankungen durch Devisenmarkt-Interventionen ein, lässt aber langfristige Trendanpassungen zu. Der Kurs pendelte zwischen 2005 und 2025 meist zwischen 12.000 und 17.000 IDR für 1 US-Dollar.[40] Eine einzelne Rupiah ist zwar nur einen Bruchteil eines Euro-Cents wert, doch die Währung blieb – abgesehen von temporären Krisen – seit den 2000ern relativ stabil.
Die Zentralbank, die Bank Indonesia (BI), genießt seit einer Reform 1999 formale Unabhängigkeit. Ihr vorrangiges Mandat war lange die Wahrung der Geldwertstabilität, konkret definiert als Stabilisierung des Rupiah-Wertes (d. h. Inflationskontrolle), seit 2023 ist auch die Förderung des Wirtschaftswachstums als offizielles Ziel festgeschrieben. Diese Mandatserweiterung – ähnlich dem „Dual Mandate“ der US-Notenbank – wird von Beobachtern einerseits begrüßt, andererseits gibt es Diskussionen über die Wahrung der Notenbankunabhängigkeit. So erhielt das Parlament zugleich mehr Einfluss, indem es Empfehlungen zur Abberufung von BI-Gouverneuren aussprechen darf.[41] Bei der Geldpolitik verfolgt die BI ein Inflation-Targeting-System und legt einen jährlichen Inflationszielkorridor fest (z. B. 3 ± 1 %). Durch eine umsichtige Geldpolitik sank die Inflationsrate seit den 2000er-Jahren deutlich: Lag sie 1998 noch bei über 50 %, pendelte sie sich von 2000 bis 2013 meist zwischen 5 % und 11 % ein und konnte bis Mitte der 2010er auf rund 3–5 % gesenkt werden. In den letzten Jahren entwickelte sich Indonesiens Inflation relativ moderat – selbst im globalen Inflationsschub 2022 stieg sie nur auf etwa 5–6 % und war damit niedriger als in vielen anderen Ländern.[42]
Ein wesentliches Anliegen der indonesischen Geld- und Währungspolitik ist die Finanzstabilität. Bank Indonesia reguliert den Bankensektor und überwacht die Kreditvergabe. Nach der Asienkrise wurden die Banken entschuldet und striktere Aufsichtsregeln eingeführt. Seither ist die Kapitalausstattung der Banken hoch, und es gelten z. B. Obergrenzen für kurzfristige Auslandskredite („gedrosselter Kapitalimport“), um spekulative Blasen wie in den 1990ern zu vermeiden.[13] Die Devisenreserven lagen 2025 bei ca. 150 Mrd. US$[43], was etwa 7–8 Monate Importdeckung entspricht. Dank dieser soliden Politik konnten nach 1998 weitere Finanz- und Währungskrisen verhindert werden.[13]
Infrastruktur
Die Infrastruktur gilt als Achillesferse der indonesischen Wirtschaft. Jahrzehntelang hinkte der Ausbau von Verkehrs- und Versorgungsnetzen dem Bedarf hinterher, was bis heute hohe Kosten verursacht. Schätzungen zufolge machten Transport- und Logistikkosten in Indonesien etwa 24–27 % des BIP aus (späte 2010er Jahre), ein außergewöhnlich hoher Wert. Die unzureichende Infrastruktur führt z. B. dazu, dass der Preis eines Sackes Zement in entlegenen Provinzen ein Vielfaches des Preises in Jakarta betragen kann.[44] Ein Grund dafür ist die zersplitterte Geografie des Archipelstaats, der aus mehr als 17.000 Inseln besteht. Ungleiche Entwicklung verstärkt das Problem: Auf den bevölkerungsreichen Inseln Java und Bali ist die Versorgung besser, während abgelegene Regionen noch immer mit sehr hohen Transportkosten und Preisdifferenzen kämpfen. In den 2010er Jahren wurden allerdings verstärkte Bemühungen zur Verbesserung der Infrastruktur begonnen, mit Investitionen in Höhe von Dutzenden Milliarden US-Dollar. Im vergleichenden Logistics Performance Index der Weltbank nahm Indonesien 2023 Rang 61 von 138 an.[45]
Straßenverkehr

Das Straßennetz Indonesiens umfasste 2011 insgesamt ca. 497.000 km, von denen etwa 283.000 km asphaltiert waren. 2025 gab es ein Straßen- und Wegenetz mit einer Länge von ca. 2,2 Millionen Kilometern.[46] Trotz massiver staatlicher Investitionen bleibt ein erheblicher Teil der Straßen (vor allem in ländlichen Gebieten und auf Außeninseln) in schlechtem Zustand. Schlaglöcher, unbefestigte Strecken und fehlende Brücken erschweren den Landtransport. In den letzten Jahren wurden jedoch wichtige Projekte umgesetzt: So entstand auf Java ein zusammenhängendes Netz von Autobahnen (Trans-Java Toll Road, erste Strecken wurden 2018 fertiggestellt), das die Metropolen Jakarta, Bandung, Semarang und Surabaya verbindet. Auch auf Sumatra befindet sich eine transversale Autobahnachse im Bau. Insgesamt ist der Motorisierungsgrad weiterhin sehr gering. Motorräder sind das Hauptverkehrsmittel der Massen, was zu einer hohen Zahl an Verkehrstoten führt. Neben dem Straßenausbau investiert Indonesien deshalb in öffentlichen Nahverkehr: In Jakarta nahm 2019 die erste U-Bahn (MRT Jakarta) ihren Betrieb auf, und weitere Städte planen Schnellbus- oder Bahntrassen, um den Stau in den Megastädten zu lindern.[47]
Schienenverkehr

Das Schienennetz Indonesiens ist vergleichsweise klein und historisch bedingt fragmentiert. Die Gesamtstreckenlänge beträgt etwa 8000 km, wobei es bislang nur auf Java und Sumatra nennenswerten Bahnverkehr gibt. Auf Java verbindet die Eisenbahn die wichtigsten Städte (Jakarta–Surabaya als Hauptachse), während in Sumatra einzelne Insellinien existieren. Die übrigen großen Inseln – Kalimantan, Sulawesi, Papua – besaßen bis vor kurzem keine Bahnen. Ein Durchbruch war die Eröffnung der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke in Südostasien: 2023 wurde der erste Abschnitt der Schnellbahn zwischen Jakarta und Bandung (Westjava) fertiggestellt. Diese chinesisch finanzierte Bahn (Typ China Railway) soll über 140 km die Fahrzeit zwischen beiden Städten deutlich verkürzen.[48] Langfristig ist eine Verlängerung bis Surabaya angedacht, ebenfalls mit chinesischer Hilfe.[49] Daneben modernisiert die staatliche Bahngesellschaft KAI das bestehende Netz; Elektrifizierungen und neue Züge (z. B. zwischen Flughäfen und Innenstädten) werden umgesetzt, um den Schienenpersonenverkehr attraktiver zu machen.
Luftverkehr

Als ausgedehnter Inselstaat ist Indonesien in vielen Gebieten auf Flugverbindungen angewiesen. Der Archipel mit seinen tausenden Inseln – oft durch Meerengen getrennt – lässt sich in Teilen nur per Flugzeug effizient erschließen. Seit der Marktliberalisierung 1999 hat der inländische Flugverkehr einen Boom erlebt: Neue private Fluggesellschaften (wie Lion Air, Sriwijaya Air, Citilink u. a.) drängten auf den Markt, und Flugtickets wurden erschwinglicher. Die Passagierzahlen stiegen rasant, was jedoch zunächst zulasten der Sicherheit ging, nach mehreren schweren Unfällen in den 2000ern verhängte die EU 2007 ein Landeverbot für alle indonesischen Airlines. Inzwischen haben die meisten großen Fluggesellschaften (darunter Garuda Indonesia, Lion Air, AirAsia Indonesia) die Sicherheitsstandards verbessert und 2018 wurde das Verbot aufgehoben.[50] Indonesien verfügt heute über hunderte Flughäfen, davon 22 internationale Flughäfen (2025).[51] Der größte internationale Airport ist Soekarno-Hatta in Jakarta (über 60 Mio. Passagiere jährlich), gefolgt von Ngurah Rai in Bali und Juanda in Surabaya. In den letzten Jahren wurden mehrere moderne Flughäfen neu eröffnet oder erweitert, z. B. der Kertajati-Flughafen in Westjava (2018) und der neue Flughafen Yogyakarta (2019).
Seeverkehr
Als maritime Nation mit der zweitlängsten Küstenlinie der Welt ist der Schiffsverkehr für Indonesien unverzichtbar. Der Großteil des interinsularen Warentransports erfolgt über Seewege. Staatliche Fähren der Gesellschaft PELNI verbinden die größeren Inseln im Linienverkehr und transportieren sowohl Passagiere als auch Fracht. Diese Dienste sind oft Lebensadern für entlegene Inseln, obwohl die Reisezeiten lang und die Schiffe teils veraltet sind. Im Gütertransport setzt die Regierung seit 2015 auf das Programm der „maritimen Achse“ (Tol Laut), mit dem Häfen ausgebaut und regelmäßige Containerliniendienste zu entlegenen Provinzen eingerichtet wurden. Ziel ist es, die Transportkosten (besonders für Baustoffe und Grundgüter) in Ostindonesien zu senken. Mehrere Hafenprojekte wurden realisiert: In Jakarta entstand der neue Tiefwasserhafen Kalibaru (Erweiterung von Tanjung Priok)[52], auf Zentralsulawesi der Bitung International Hub Port[53], und in West-Java wird mit japanischer Hilfe der Hafen Patimban gebaut.[54] Zwischen 2015 und 2019 wurden knapp 18 Milliarden US-Dollar in 24 strategische Hafenprojekte investiert und über 1500 regionale Häfen verbessert.[44]
Regionale Unterschiede

Indonesien ist ein Land der Gegensätze, in dem es erhebliche wirtschaftliche Gefälle zwischen den Regionen gibt. Das Entwicklungszentrum des Landes liegt seit jeher auf der Insel Java, die mit über 57 % den Löwenanteil zur nationalen Wirtschaftsleistung beiträgt.[55] Historisch wurde diese Ungleichheit durch die zentrale Entwicklungsplanung der Suharto-Zeit verstärkt, die stark Java-zentriert war. Investitionen flossen vor allem in die Kernregionen, während periphere Gebiete vernachlässigt wurden. Zwar gab es in den 1970er-Jahren auch auf den Außeninseln Entwicklungsprojekte (etwa Erdölförderung in Sumatra und Kalimantan, Bergbau in Papua, Holz- und Palmölwirtschaft in Kalimantan), doch die Wertschöpfung dieser extraktiven Industrien kam meist nicht der lokalen Bevölkerung zugute. Vielmehr wurden die Rohstoffe exportiert oder zur weiteren Verarbeitung nach Java gebracht.
So entstand das Paradox, dass rohstoffreiche Provinzen wie Papua oder Aceh lange zu den ärmsten gehörten, während Java von deren Ressourcen profitierte. Nach 2001 leitete Indonesien eine Dezentralisierung ein, bei der Provinzen und Bezirke mehr Budgethoheit erhielten – insbesondere bekommen rohstofffördernde Regionen nun einen Anteil der Einnahmen. Dies hat in einigen Gebieten (z. B. Kalimantan mit der Kohleindustrie) zu einem Aufschwung geführt. Dennoch sind die regionalen Einkommensunterschiede beträchtlich: Das Pro-Kopf-BIP der wohlhabendsten Provinz (Jakarta) ist rund vier- bis fünffach höher als das der ärmsten Provinz (meist in Westpapua, den Molukken oder Ost-Nusa Tenggara gelegen). Auch bestehen erhebliche Stadt-Unterschiede. So werden innerhalb der der Region Jabodetabek, einem städtischen Supercluster rund um die Stadt Jakarta mit über 30 Millionen Einwohnern, bis zu ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung erbracht. Im städtischen Jakarta existieren moderne Viertel mit Wolkenkratzern, daneben jedoch auch ausgedehnte Slums mit armen Zuwanderern vom Land.
Die indonesische Regierung versucht, diese Ungleichgewichte zu mindern, da sie auch politisches Konfliktpotenzial bergen. Maßnahmen umfassen z. B. den „Dana Desa“ (Dorfentwicklungsfonds), der jährlich Mittel direkt an alle Dörfer verteilt[56], oder spezielle Programme für Papua. Große Infrastrukturprojekte – etwa die Verlegung der Hauptstadt nach Kalimantan – werden ausdrücklich mit dem Ziel begründet, Wachstum räumlich breiter zu streuen. Dennoch bleibt die Herausforderung enorm, ein Land, das sich über Tausende Kilometer erstreckt, gleichzeitig zu entwickeln. Kurzfristig dürfte Java seine dominierende Stellung behalten, doch in Bereichen wie Bergbau (Kalimantan, Sulawesi) oder Tourismus (Bali, Teile Sumatras) holen manche Regionen auf. Das Wohlstandsgefälle zwischen dem urban-industriellen Kern auf Java und der ländlichen Peripherie wird jedoch voraussichtlich noch längere Zeit ein Merkmal der indonesischen Wirtschaft bleiben.
Wirtschafts- und Fiskalpolitik
Die indonesische Regierung verfolgt eine grundsätzlich solide Fiskalpolitik mit moderaten Defiziten und Verschuldung. Laut Verfassung soll das Haushaltsdefizit 3 % des BIP nicht überschreiten – eine Regel, die seit 2003 eingehalten wurde, bis sie 2020–2022 pandemiebedingt vorübergehend ausgesetzt war. 2023 betrug das Defizit lediglich 1,65 % des BIP und fiel damit deutlich geringer aus als geplant. Indonesien erzielte 2023 sogar einen kleinen Primärüberschuss (d. h. vor Zinszahlungen).[57] Die Staatsverschuldung liegt mit rund 39 % des BIP (2024) im internationalen Vergleich niedrig und weit unter den Werten vieler Industrieländer.[58] Auf der Einnahmenseite kämpft Indonesien jedoch mit einer relativ schwachen Steuerbasis. Die Steuerquote (Steuereinnahmen im Verhältnis zum BIP) bewegt sich seit Jahren nur um 10–12 % und gehört damit zu den niedrigsten in Südostasien.[59] Ursachen sind die große informelle Wirtschaft, Steuerhinterziehung sowie zahlreiche Ausnahmen und Anreize im Steuersystem. Entsprechend ist das Sozialsystem des Landes noch wenig entwickelt und auch die staatlichen Ausgaben für Bildung liegen im internationalen Vergleich sehr niedrig. Stattdessen wird ein großer Teil der Staatseinnahmen durch teure Subventionen für Benzin und Energie sowie Infrastrukturprojekte aufgefressen.
Zur Steuerung der Wirtschaft nutzt Indonesien eine Mischung aus marktwirtschaftlichen Prinzipien und staatlicher Lenkung. Einerseits hat das Land seit den 1980er-Jahren viele Branchen dereguliert und ausländische Investitionen zugelassen, andererseits spielen Staatsunternehmen nach wie vor eine wichtige Rolle in Schlüsselsektoren (Öl und Gas: Pertamina; Bergbau: PT Inalum; Strom: PLN; Telekommunikation: Telkom Indonesia; Banken usw.). Diese BUMN (Badan Usaha Milik Negara) operieren teils ineffizient, werden aber auch für sozialpolitische Zwecke eingesetzt (z. B. Lebensmittelpreisstützungen durch die Logistikagentur Bulog). Reformversuche zielen darauf ab, Staatsbetriebe profitabler und transparenter zu machen, etwa durch Börsengänge von Tochterfirmen. In der Industriepolitik verfolgt Indonesien das Ziel, mehr Wertschöpfung im Land zu behalten. So wurden z. B. Exportverbote für unverarbeitete Rohstoffe erlassen (2014 für unraffinierte Erze wie Nickel), um die lokale Metallverarbeitung anzukurbeln und Wertschöpfung im Land zu behalten.[60]
Ein zentrales wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument sind die Fünfjahrespläne (RPJMN), die aus der früheren Planwirtschaftstradition übernommen wurden. Innerhalb dieses Rahmens hat die Jokowi-Regierung verschiedene Reformpakete geschnürt. Besonders hervorzuheben ist das Omnibus-Gesetz zur Schaffung von Arbeitsplätzen (indonesisch UU Cipta Kerja), das 2020 verabschiedet wurde. Es bündelte über 70 Gesetze und änderte Regeln in Bereichen wie Arbeitsrecht (Lockerung des Kündigungsschutzes, Flexibilisierung von Leiharbeit), Investitionsrecht (mehr Sektoren für Auslandsinvestoren geöffnet), Gewerberecht (vereinfachte Genehmigungen) und Umweltrecht. Ziel war es, Indonesien im internationalen Vergleich wettbewerbsfähiger und „geschäftsfreundlicher“ zu machen und gilt als eine der wichtigsten jüngeren Wirtschaftsreformen.[4]
Probleme
Trotz aller Fortschritte steht Indonesien vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Die Produktivität der Arbeitskräfte ist im regionalen Vergleich relativ gering – die Mehrheit der Beschäftigten hat nur niedrige Qualifikationen, und es dominieren arbeitsintensive Branchen mit geringer Wertschöpfung, sowie eine Abhängigkeit vom Export von Rohstoffen. Die Verbesserung der Produktivität erfordert Investitionen in Bildung und berufliche Fähigkeiten, Technologietransfer und betriebliche Modernisierung. Derzeit hemmen Defizite im Bildungswesen (z. B. mangelhafte Schulen in ländlichen Gebieten und Unterfinanzierung) den Aufholprozess. Im Human Capital Index der Weltbank von 2021 belegte Indonesien lediglich Rang 96 von 173 Ländern.[61] Bei der PISA-Studie von 2022 belegten indonesische Schüler einen der hinteren Ränge und lagen mit ihren Leistungen weit unter dem OECD-Durchschnitt.[62]
Ein weiteres großes Problem ist die Hohe Informalität der Wirtschaft. Über die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet informell ohne reguläre Verträge, Sozialversicherung oder Rechte, was die Mobilsierung von Steuereinnahmen und den Aufbau eines Sozialwesens erschwert. Ein weiteres hartnäckiges Hindernis ist die Korruption. Obwohl Indonesien seit dem Ende des Suharto-Regimes Fortschritte im Kampf gegen Korruption gemacht hat (die Anti-Korruptionsbehörde KPK genießt hohes Ansehen), ist Bestechlichkeit im öffentlichen Sektor weiterhin verbreitet.[21] Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt Indonesien 2024 auf Rang 99 von 180 Ländern – eine Verbesserung gegenüber Platz 143 im Jahr 2007, aber immer noch ein mittlerer bis schlechter Wert.[63] Auch im Bereich der Governance und Bürokratie gibt es Reformbedarf. Unternehmen klagen über komplexe Verfahren und ausschweifende Bürokratie.[21] Daneben ist Indonesien als Inselstaat auch sehr anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels und die Wirtschaftshauptstadt Jakarta ist durch Grundwasserentnahme die zum langsamen Absinken der Küstenstadt führt existenziell bedroht.[64]
Kennzahlen

Verschiedene makroökonomische Indikatoren der indonesischen Wirtschaft von 1980 bis 2024. Alle BIP-Werte sind in US-Dollar angegeben, welche Wechselkursschwankungen unterliegen.[65] Inflationsraten unter 5 Prozent sind mit einem grünen Pfeil versehen.
| Jahr | BIP (in Mrd. US-Dollar) |
BIP pro Kopf (in US-Dollar) |
BIP Wachstum (real) |
Inflationsrate (in Prozent) |
Arbeitslosenquote (in Prozent) |
Staatsverschuldung (in % des BIP) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1980 | 99,3 | 673 | 9,9 % | 18,0 % | ||
| 1981 | 110,8 | 737 | 7,6 % | 12,2 % | ||
| 1982 | 113,8 | 742 | 2,2 % | 9,5 % | ||
| 1983 | 103,1 | 659 | 4,2 % | 11,8 % | ||
| 1984 | 107,2 | 672 | 7,6 % | 10,5 % | 1,6 % | |
| 1985 | 107,1 | 658 | 3,9 % | 4,7 % | 2,2 % | |
| 1986 | 101,2 | 610 | 7,2 % | 5,8 % | 2,8 % | |
| 1987 | 95,2 | 593 | 6,6 % | 9,3 % | 2,6 % | |
| 1988 | 107,3 | 622 | 7,0 % | 8,1 % | 2,9 % | |
| 1989 | 122,6 | 697 | 9,1 % | 6,4 % | 2,9 % | |
| 1990 | 138,3 | 771 | 9,0 % | 7,8 % | 2,6 % | |
| 1991 | 154,6 | 846 | 8,9 % | 9,4 % | 2,7 % | |
| 1992 | 168,3 | 908 | 6,5 % | 7,5 % | 2,8 % | |
| 1993 | 190,9 | 1.013 | 8,0 % | 9,7 % | 2,8 % | |
| 1994 | 213,7 | 1.116 | 7,5 % | 8,5 % | 4,5 % | |
| 1995 | 244,2 | 1.254 | 8,2 % | 9,4 % | 7,4 % | |
| 1996 | 274,7 | 1.394 | 7,8 % | 8,0 % | 5,0 % | |
| 1997 | 260,7 | 1.308 | 4,7 % | 6,2 % | 4,8 % | |
| 1998 | 115,3 | 572 | –13,1 % | 58,4 % | 5,5 % | |
| 1999 | 169,1 | 830 | 0,8 % | 20,5 % | 6,3 % | |
| 2000 | 179,5 | 870 | 5,0 % | 5,0 % | 6,0 % | 87,4 % |
| 2001 | 174,5 | 834 | 3,6 % | 11,5 % | 8,1 % | 73,7 % |
| 2002 | 212,8 | 1.003 | 4,5 % | 11,9 % | 9,0 % | 62,3 % |
| 2003 | 255,3 | 1.186 | 4,9 % | 6,8 % | 9,7 % | 55,6 % |
| 2004 | 279,3 | 1.280 | 5,0 % | 6,1 % | 9,9 % | 51,3 % |
| 2005 | 310,9 | 1.404 | 5,7 % | 10,5 % | 11,2 % | 42,6 % |
| 2006 | 396,5 | 1.766 | 5,5 % | 13,1 % | 10,2 % | 35,8 % |
| 2007 | 470,1 | 2.064 | 6,3 % | 6,3 % | 9,1 % | 38,1 % |
| 2008 | 558,3 | 2.416 | 7,4 % | 9,9 % | 8,4 % | 30,3 % |
| 2009 | 578,6 | 2.469 | 4,7 % | 4,8 % | 7,9 % | 26,5 % |
| 2010 | 755,1 | 3.177 | 6,4 % | 5,1 % | 7,1 % | 26,4 % |
| 2011 | 893,0 | 3.690 | 6,2 % | 5,3 % | 6,6 % | 23,1 % |
| 2012 | 917,9 | 3.740 | 6,0 % | 4,0 % | 6,1 % | 23,0 % |
| 2013 | 912,5 | 3.667 | 5,6 % | 6,4 % | 6,3 % | 24,9 % |
| 2014 | 890,8 | 3.533 | 5,0 % | 6,4 % | 5,9 % | 24,6 % |
| 2015 | 860,8 | 3.373 | 4,9 % | 6,4 % | 6,2 % | 27,0 % |
| 2016 | 931,9 | 3.605 | 5,0 % | 3,5 % | 5,6 % | 28,0 % |
| 2017 | 1.015,6 | 3.886 | 5,0 % | 3,8 % | 5,5 % | 29,4 % |
| 2018 | 1.042,3 | 3.945 | 5,2 % | 3,3 % | 5,3 % | 30,4 % |
| 2019 | 1.119,1 | 4.193 | 5,0 % | 2,8 % | 5,3 % | 30,6 % |
| 2020 | 1.059,1 | 3.919 | –2,1 % | 2,0 % | 7,0 % | 39,7 % |
| 2021 | 1.186,5 | 4.351 | 3,3 % | 1,6 % | 6,5 % | 41,1 % |
| 2022 | 1.319,1 | 4.784 | 5,3 % | 4,1 % | 5,9 % | 40,1 % |
| 2023 | 1.371,2 | 4.920 | 5,0 % | 3,7 % | 5,3 % | 39,6 % |
| 2024 | 1.396,3 | 4.958 | 5,0 % | 2,3 % | 4,9 % | 40,2 % |