Wirtschaft Spaniens

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Die Wirtschaft Spaniens zählt, gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt, zu den 15 größten Volkswirtschaften der Welt. Wichtigste Wirtschaftszweige sind der Tourismus, die Kommunikations- und Informationstechnik, die metallverarbeitende Industrie, der Maschinenbau, die Landwirtschaft und die Petrochemie. Die wichtigsten Export- und Importpartner sind Frankreich und Deutschland.

Weltwirtschaftsrang15. (nominal) (2024)[1]
Handels-
organisationen
EU, WTO, OECD
Bruttoinlands-
produkt (BIP)
1,7 Billionen USD (nom.) (2024)[1]
2,7 Billionen USD (PPP) (2024)[1]
Schnelle Fakten Spanien, Weltwirtschaftsrang ...
Spanien
SpanienSpanien
Weltwirtschaftsrang 15. (nominal) (2024)[1]
Währung Euro (EUR)
Handels-
organisationen
EU, WTO, OECD
Kennzahlen
Bruttoinlands-
produkt (BIP)
1,7 Billionen USD (nom.) (2024)[1]
2,7 Billionen USD (PPP) (2024)[1]
BIP pro Kopf 35.092 USD (nominal) (2024)
54.451 USD (PPP) (2024)[1]
BIP nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 2,6 %
Industrie: 23,2 %
Dienstleistungen: 74,2 %
(2017, geschätzt)[2]
Wachstum   +3,2 % (2024)[1][3]
Inflationsrate 2,9 % (2024)[1]
Erwerbstätige 24,386 Mio. (2024, Schätzung)[4]
Erwerbstätige nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 4,2 %
Industrie: 24 %
Dienstleistungen: 71,7 %
(2009, geschätzt)[2]
Arbeitslosenquote 11,4 % (2024)[4]
Außenhandel
Export 642,4 Mrd. € (2024)[4]
Exportpartner Frankreich 15 %
Deutschland 10 %
Portugal 9 %
Italien 8 % (2023)[4]
Import 568,5 Mrd. € (2024)[4]
Importpartner Deutschland 11 %
China 10 %
Frankreich 10 %
Italien 7 % (2023)[4]
Außenhandelsbilanz −56,9 Mrd. € (2024)[4]
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 101,8 % des BIP (2024)[1]
Staatseinnahmen 42,3 % des BIP (2024)[1]
Staatsausgaben 45,4 % des BIP (2024)[1]
Haushaltssaldo −3,2 % des BIP (2024)[1]
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Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Spanien 2019 Platz 23 von 141 Ländern.[5] Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt Spanien 2017 Platz 69 von 180 Ländern.[6]

Die spanische Wirtschaft schloss 2025 mit einem Wachstum des BIP von 2,8 % ab, weniger als die 3,5 % die es noch 2024 gegeben hatte. Die Importe wuchsen um 1,4 % gegenüber 0,8 % beim Wachstum der Exporte.[7]

90 % der Unternehmen im produktiven Sektor sind kleine und mittlere Betriebe. Von großen spanischen Unternehmen haben viele eine staatliche Beteiligung, ein Teil ihres Kapitals entstammt Investmentfonds oder wird von Großbanken gehalten.

Beispielsweise kontrolliert die CaixaBank über ihre Holding und Beteiligungsgesellschaft Criteria den Energieversorger Naturgy.

Große Unternehmen wie die Versorger Iberdrola und Naturgy oder Repsol, das Textilunternehmen Inditex, die Rüstungsindustrie mit Indra und Navantia,[8] sowie Iberia mit der Chartergesellschaft Vueling, das mittlerweile dem IAG Konzern angehört, sind international tätig.

3,43 Millionen Berufstätige sind selbständig, das sind 15,68 % der erwerbstätigen Bevölkerung. Zu konjunkturschwachen Zeiten nimmt die Anzahl der Selbständigen zu.[9]

Wirtschaftsstruktur

Staatliche Beteiligungen

Es gibt zwei Instrumente, mit denen die Regierung staatlichen Einfluss auf die Wirtschaft nimmt: Über eine Entwicklungsbank, die ähnlich einem Staatsfonds fungiert. Die Cofides gehört auch dem IFSWF an. Auf der anderen Seite gibt es noch die Sociedad Estatal de Participaciones Industriales (Sepi), einer Beteiligungsgesellschaft die dem Wirtschaftsministerium untersteht. Über die Sepi gibt es eine staatliche Beteiligung an einer Reihe großer Unternehmen: 4,1 % Beteiligung an Airbus das in Spanien 14.000 Mitarbeiter beschäftigt[10], bei Indra hält der Staat 28 %, bei Aena liegt der staatliche Anteil über Enaire bei 51 %. Airef, Enagas (hier ist die SEPI der Hauptinvestor), Redeia und Telefonica haben ebenfalls staatliche Beteiligungen. Bei Ebro Foods hat der Staat eine Minoritaetsbeteiligung ebenso wie bei der CaixaBank.[11] Siehe auch die spanische Post, Correos.

Auslandsinvestitionen

Als Telefonica 1990 in Chile investierte, war dies die erste größere Investition von spanischen Konzernen im Ausland. Ihr folgten weitere, die Energieversorger Repsol, Naturgy, Endesa und Iberdrola. Die Tendenz ist jedoch rückläufig. Eine Ausnahme machen Investitionen in Brasilien.[12]

Im vergangenen Jahrzehnt (2010–2020) haben spanische Unternehmen am meisten in Großbritannien (49.381 Millionen Euro) und in den Vereinigten Staaten (39.390 Millionen Euro) investiert, Deutschland liegt mit 12.690 Millionen Euro an dritter Stelle. Seit Beginn dieses Jahres (2022) nehmen Investitionen in Deutschland zu, das nunmehr vor Großbritannien liegt. Laut Institut de Commerc exterior ICEX gibt es 194 spanische Unternehmen, die in Deutschland tätig sind. Darunter sind die multinationalen Unternehmen Telefonica, Banco Santander, BBVA und Acciona. Aber auch im Hotel- und Gaststättenbereich (Abba, Barcelo, Hotusa, Melia, NH), in der Textil- und Modeinstustrie (Inditex, Mango), bei Getränken (Schaumwein: Freixenet Codorniu), in der Lebensmittelindustrie (Argal, Campofrio), der pharmazeutischen Industrie (Grifols), der Rüstungsindustrie (Indra), bei Versicherungen (Mapfre) und Sicherheitsunternehmen (Prosegur), in der Bauindustrie (ACS ist Eigner von Hochtief), gibt es Unternehmen, die sich auf Infrastrukturprojekte spezialisiert haben (Sener, Cobra). Daneben gibt es noch eine Zusammenarbeit zwischen Talgo, dem Hersteller der Talgo-Gliederzüge und der Deutschen Bahn sowie Investitionen in der Stahlindustrie (Acerinox ist seit zwei Jahren Eigner von VDM) und Konsumgüterindustrie (Fagor, seit 2017 in Hipoldtstein).[13]

Arbeitsmarkt

Entwicklung des monatlichen Durchschnittslohns[14] Siehe auch Wikipedia Artikel Einkommensverteilung in Spanien

Weitere Informationen Jahr, Bruttodurchschnittslohn/Euro ...
JahrBruttodurchschnittslohn/Euro
20191982,3
20202038,6
20212087,7
20222118,8
20232273
20242335,6
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Seit dem Jahr 2018 erhöhrte sich der Mindestlohn um 61 % und lag 2025 nach einer Erhöhung um 700 Euro bei jährlich 16.576 Euro. Darauf fallen keine Steuern an. Den Mindestlohn erhalten 2,4 Millionen Arbeitnehmer, 66 % davon sind Frauen, 27 % junge Menschen zwsichen 16 und 24 Jahren. 31 % der Mindestlohnempfänger sind Landarbeiter.[15]

2009 arbeiteten 4,2 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 24 % in der Industrie und 71,7 % im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wurde für 2017 auf 22,75 Millionen geschätzt, davon sind 46,4 % Frauen.[16]

Die Arbeitslosigkeit in Spanien liegt im Januar 2026 bei 9,9 % der erwerbstaetigen Bevoelkerung, im Jahr 2008 gab es zuletzt so wenig Arbeitslose. Es wurde ein neuer Beschäftigungsrekord mit 22,4 Millionen Beschäftigten erreicht.[17] 2.477.100 Mio. Personen sind als erwerbslos gemeldet.[18] Um eine Arbeitslosenquote unter 10 % zu finden, muss man bis ins Jahr 2008 zurückgehen.

Die Arbeitslosigkeit ist regional unterschiedlich, im Süden mehr, im Norden bei 9 % weniger. Auf der einen Seite die balearischen Inseln (Mallorca etc.) mit 5,77 %, Katalonien 8,18 %, andererseits Andalusien mit 15,27 % und Extremadura mit 14 % Arbeitslosigkeit.[19] Der internationale Währungsfonds IWF beobachtet eine fortschreitende Ungleichheit zwischen den Generationen. Während die ältere Generation noch in den Genuss unbefristeter und hoch dotierter Arbeitsverträge gekommen ist, gelingt es der jüngeren Generation kaum noch, eine unbefristete und gut bezahlte Beschäftigung zu erlangen.

Arbeitslosigkeit nach Alter (2005–2012)
Arbeitslosenquote Spanien[20]
Jahr200720082009201020112012201320142024
Wert in %8,211,317,919,921,424,826,124,511,3

Die Zahlenwerte für die Jugendarbeitslosigkeit (Jugendliche unter 25 Jahren) erreichten in der Krise über 50 % (englisch: unemployment rate). Bei dieser Berechnung werden die Jugendlichen in einer Ausbildung aus der Statistik herausgenommen. Nimmt man dagegen alle Jugendlichen als Grundlage der Berechnung (englisch: unemployment ratio), dann beträgt die Jugendarbeitslosigkeit stattdessen 19 %.[21][22] In Spanien ist die Erwerbslosigkeit von Menschen ohne Universitätsabschluss um 9 % höher als bei Menschen mit einem vergleichbaren Abschluss, lautet einer Studie von OECD zur Risikoverteilung von Erwerbslosigkeit. Im OECD-Durchschnitt liegt dieser Unterschied bei 2,5 %. Ein Hochschultitel hat in Spanien einen größeren Einfluss auf die Erwerbssituation und eine andere Bedeutung für den Arbeitsmarkt.

Im August 2009 führte das Kabinett Zapatero II für Arbeitslose ein Sozialgeld von 420 Euro ein, welches sie nach dem Auslaufen der Arbeitslosenhilfe für sechs Monate bekommen sollen. Das Kabinett Rajoy verlängerte diese Maßnahme im August 2012.

Immigration

2008 legte die Regierung ein Programm zur Förderung der freiwilligen Heimkehr arbeitsloser lateinamerikanischer Immigranten auf. Mehrere zehntausend Lateinamerikaner, die in den Boomjahren nach Spanien einwanderten, verließen das Land. Die größte Gruppe der Lateinamerikaner bilden die etwa 480.000 Ecuadorianer. Die anderen großen Einwanderergruppen sind die etwa 810.000 Rumänen und die etwa 735.000 Marokkaner.[23] Für das Jahr 2011 gab das Statistikamt INE bekannt, dass erstmals seit zehn Jahren mehr Menschen (50.090) ausgewandert als eingewandert sind, wobei 62.611 Spanier und 445.130 Ausländer das Land hauptsächlich nach Marokko, Ecuador, Bolivien, Brasilien und Frankreich verließen.[24]

Transportwesen

Die Arbeitsmarktsituation spanischer Berufskraftfahrer ist durch eine hohe Erwerbslosigkeit gekennzeichnet. Berufseinsteigern und Personen von über 45 Jahren ist es kaum möglich, aus einer Erwerbslosigkeit eine Beschäftigung im spanischen Transportwesen zu erhalten. Auch Berufskraftfahrer, die sich in festen Beschäftigungsverhältnissen befinden, sind durch die Deregulierung des spanischen Arbeitsmarktes seit 2007 durch Erwerbslosigkeit gefährdet. Die Barrieren für die Kündigung eines langjährig Beschäftigten wurden weitestgehend aufgehoben.

Von der Erwerbslosigkeit stark betroffen sind Berufskraftfahrer, die für den Bausektor gearbeitet haben. Die Beschäftigung in der Baubranche ist nach der Immobilienkrise 2007 zu großen Teilen weggebrochen. Neben der Gruppe der Lkw-Fahrer werden weitere Gruppen an Berufskraftfahrern von der spanischen Arbeitsagentur erfasst. Auf dem spanischen Arbeitsmarkt im Transportwesen befinden sich folgende Untergruppen:

  • fest angestellte Lkw-Fahrer
  • Fahrer von Kleinkrafträdern und Motorrädern
  • Eigentümer eines Lkw
  • fest angestellte Taxifahrer und Fahrer von Pkws
  • Busfahrer und Zugführer

Spanien zeichnet sich durch eine heterogene Verteilung der Erwerbslosigkeit im Transportwesen aus. In Andalusien befinden sich 18,07 % aller erwerbslosen Berufskraftfahrer, gefolgt von Valencia (14,23 %), Katalonien (12,83 %) und Madrid (12,06 %). In allen übrigen „Comunidades Autónomas“ liegt die Erwerbslosenquote bei unter 7 %. Die Konzentration der Erwerbslosigkeit im Transportwesen korreliert mit der Erwerbslosigkeit in anderen Beschäftigungssektoren. Am 31. Dezember 2011 waren bei der spanischen Arbeitsagentur Sepe 119.883 Personen mit der Qualifikation Berufskraftfahrer als erwerbslos gemeldet. Dies bedeutet eine Steigerung von 7,58 % zum Vormonat. Im selben Jahr wurden im Transportwesen 358.336 Beschäftigungsverhältnisse gemeldet, was einen leichten Rückgang von 0,46 % zum Vorjahr bedeutet.

Weitere Informationen Profil der Erwerbslosen 2013, % ...
Profil der Erwerbslosen 2013%
Männer96,53 %
Frauen3,47 %
Unter 30 Jahre alt10,89 %
Über 45 Jahre alt45,90 %
Langzeitarbeitslose32,12 %
Menschen mit Einschränkungen1,82 %
Nicht-Spanier12,11 %
Erster Arbeitsplatz2,37 %
Empfänger von Unterstützungen78,92 %
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Tourismus

Spanien wurde 2025 von insgesamt 96,8 Millionen Turisten bersucht, die meisten kamen aus Großbritannien (19 Millionen), gefolgt von Frankreich (12,7 Millionen) und Deutschland (12 Millionen). Hauptreiseziel war Katalonien (20 Millionen Touristen) gefolgt von den Baleareischen und den Kanarischen Inseln mit jeweils 15,7 Millionen Besuchern´.[25]

Bauindustrie

Weltweit tätig sind die Baukonzerne Grupo ACS, Ferrovial, Acciona und Sacyr.[26] ACS ist Mehrheitseigner von Hochtief. Der Konzern baut Meerwasserentsalzungsanlagen in Australien und hält einen Teil des Kapitals von Abertis, das die Maut der Autobahnen einzieht. Sacyr hat das gleiche Tätigkeitsgebiet. Acciona ist in Marokko und den USA in Infrastrukturprojekten aktiv. Acciona ist im Bereich Wasserversorgung in Brasil tätig. Es ist eines der größten Bauunternehmen für Meerwasserentsalzungsanlagen in der Welt. Das Kapital der Firma wird von der Familie Entrecanales gehalten.

Groß- und Einzelhandel

Mercadona ist nach Mitarbeiterzahl (110.000 Mitarbeiter) das größte privatwirtschaftliche Unternehmen in Spanien.[27] Weitere Handelsunternehmen sind Eroski mit Caprabo (300 Supermärkte), Bonpreu und BonArea. Lidl hat mehr als 700 Läden mit 20.000 Mitarbeitern.[28] Aldi ist mit 498 Geschäften und sieben Warenlagern vertreten.[29] Mediamarkt hat 111 Geschäfte in Spanien mit einem Umsatz von 2700 Millionen Euro. Im Mediamerkt Konzern liegt damit Spanien an zweiter Stelle.[30] Auch französische Unternehmen sind mit Alcampo und Carrefour präsent.

Pharmazeutische Industrie

Die pharmazeutische Industrie hat mehr als 56.000 Beschaeftigte, dazu kommen noch 270.000 Arbeitsplaetze bei den Zulieferern.[31] Es gibt 181 Produktionsstaetten davon sind 111 im Bereich Humanmedizin. 80 % der Produktion wird exportiert. Wichtige Unternehmen sind Almirall (dermatologische Arzneimittel) und Grifols. Bayer, Pfizer, Merck, Astra Zeneca, Novartis, Kenuve (vormals Johnson&Johnson) GSK und Lilly sind in Spanien vertreten.[32]

Automobilindustrie

1950 wurde der Automobilhersteller Seat gegründet. Wichtigster Kapitalgeber mit 51 % war die staatliche INI, zu 42 % spanische Banken und zu 7 % der italienische Automobilkonzern Fiat. Bis 1979 baute Seat ausschließlich in Lizenz Fahrzeuge von Fiat und so war ein Bestseller dieser Jahre der Kleinwagen Seat 600 (1957–1973). Ab den 80er Jahren wurden die Beziehungen zum Volkswagen-Konzern enger und 1986 übernahm VW die Anteile an Seat von der INI. 1952 entstand mit Moto Vespa S.A. eine spanische Produktion – mit Unterstützung der INI – des italienischen Motorrollers Vespa. Renault España begann 1953 mit einer lokalen Produktion (Fabricación de Automóviles) des Renault 4CV und Citroën España S.A. 1958 mit dem Bau des Citroën 2CV.

Wichtige Produktionsstaetten sind Martorell (SEAT), Zaragoza (Stellantis), Valladolid und Palencia (Renault) sowie Vitoria (Mercedes). Keine Automarke, auch nicht Toyota, der Marktfuehrer mit 8,3 %, hat einen Marktanteil von mehr als 10 %.[33]

Die Autoverkäufe (1,14 Millionen) wuchsen 2025 um 13 %, bleiben aber unter dem Niveau von 2019.[34]

Es ist ein Rückgang der in Spanien hergestellten Fahrzeuge zu verzeichnen, im Jahr 2025 wurden 4,3 % weniger Fahrzeuge hergestellt, seit dem Jahr 2019 insgesamt 20 % weniger.[35]

Landwirtschaft

Heute noch ist es einer der größten landwirtschaftlichen Produzenten in Westeuropa. Elf Prozent der Arbeitskräfte sind in der Landwirtschaft tätig. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sind Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln, Roggen, Hafer, Reis, Trauben, Tomaten und Zwiebeln. Spanien verfügt über ausgedehnte Weinanbaugebiete sowie über Zitrus- und Olivenhaine. Spanien hat die größte Rebanbaufläche der Welt, wobei etwa gleich viel Rot- und Weißwein produziert wird.

Finanzwirtschaft

Börse

Das Land führt mehrere Wertpapierbörsen und Handelsplätze, die seit 2002 in einer Holdinggesellschaft – der Bolsas y Mercados Españoles – gebündelt werden. Im Einzelnen sind das:

Der Leitindex der Volkswirtschaft ist folglich der IBEX 35. Das Gewicht der Banken hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und ist von 24,2 % auf über 40 % gestiegen. Inditex ist börsenmässig das kapitalstärkste Unternehmen.[36]

Großbanken

Weitere Informationen Gewinn Millionen Euro ...
Gewinn Millionen Euro
Millionen Euro
Santander
 
10.337
BBVA
 
7.978
CaixaBank
 
4.397
Sabadell
 
1.390
Bankinter
 
811
Unicaja
 
503
Daten vom 30. September 2025[37]
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Weitere Informationen Börsenwert in Millionen Euro ...
Börsenwert in Millionen Euro
Millionen Euro
Santander
 
156.057
BBVA
 
121.086
CaixaBank
 
76.028
Bankinter
 
12.750
Unicaja
 
7.225
[38]
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Die Banco Santander ist das zweitgrößte Finanzinstitut Europas. Daneben ist international noch die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria mit ihren ausländischen Beteiligungen in Mexiko und der Türkei taetig. Am Börsenwert gemessen liegt die BBVA in Europa an vierter und CaixaBank an 9er Stelle.[39]

Die CaixaBank vergibt am meisten Unternehmenskredite, gefolgt von der Bank Santander und BBVA.[40]

Krise der spanischen Sparkassen

Der spanische staatliche Bankenrettungsfonds Fondo de Reestructuración Ordenada Bancaria (FROB) gab bis Anfang 2011 wiederholt Geld, wenn kriselnde Sparkassen fusionierten. Da viele spanische Banken ab 2011 Probleme bekamen sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren, begann 2011 die Regierung die Sparkassen zu ermuntern, ihre Eigenmittel anzuheben. Zur Eindämmung der Krise tätigte die EZB im Dezember 2011 und im Februar 2012 Refinanzierungsgeschäfte in Höhe von mehreren hundert Milliarden mit einem Zinssatz von 1 % für drei Jahre zu Gunsten vieler europäischer Banken.[41] Die EZB wurde während der Krise zur wichtigsten Geldquelle vieler spanischer Sparkassen, die Kredite der spanischen Banken betrugen beispielsweise im Juli 2012 netto 375,5 Mrd.[42] Hinzu kam, dass die Kreditausfallquote beispielsweise im Juni 2012 bei fast 10 % lag[43] und Einlagen von Unternehmen und Haushalten bei spanischen Banken reduziert wurden. So sanken die Einlagen von Juli 2011 bis zum Juli 2012 um 12 %.[44] Andererseits besitzen die spanischen Banken, im Besonderen die Sparkassen, viele Aktien wichtiger spanischer Unternehmen.[45]

Einige Banken wurden verstaatlicht:[46] Bankia, Caja Castilla-La Mancha, CajaSur,[47] Caja Mediterráneo[48] (zeitweise) und Banco de Valencia.

Die Euro-Finanzminister beschlossen im Juni/Juli 2012, dass die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) durch Ausgabe von Anleihen bis zu 100 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufnehmen wird und diese unter Auflagen Spanien in mehreren Tranchen zur Rekapitalisierung des spanischen Bankensektors geben wird. Für die Rückzahlung haftet der spanische Staat.[49][50] Die Eurogruppe hatte im Juli die ersten 30 Mrd. Euro für den spanischen staatliche Bankenrettungsfonds FROB genehmigt. Wenn einmal eine europäische Bankenaufsicht unter Aufsicht der EZB eingerichtet sein wird, soll der Kredit auf den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) übertragen werden, wobei aber noch vieles unklar ist.

Ab Ende November oder Anfang Dezember 2012 werden spanische Banken Kredite an die staatliche Bad Bank SAREB (spanisch: Sociedad de Gestión de Activos procedentes de la Reestructuración Bancaria) abgeben können, wobei der FROB die Kontrolle haben wird. Der Staat wird Kredite im Umfang von 45 Milliarden Euro aus bisherigen Rettungsmaßnahmen an den Fonds übertragen. Die geplanten Abschläge sollen bsw. für Immobilien in der Zwangsvollstreckung im Durchschnitt bei 63,1 % und bei neuen Häusern im Durchschnitt bei 54,2 % liegen. Die spanische Regierung plant etwa die Hälfte des benötigten Kapitals über private Investoren finanzieren zu können.[51]

Immobilienmarkt

Nach Zahlen der Banco de España gab es Ende 2005 in Spanien rund 23,7 Millionen Wohnungen (spanisch Piso) und 15,39 Millionen Haushalte. Damit kommen auf einen spanischen Haushalt 1,54 Wohnungen, die höchste Rate der Welt. 85 % der spanischen Wohnungen werden von ihren Eigentümern bewohnt, 15 % vermietet.

Der spanische Durchschnittspreis für eine neue Wohnung beträgt 2354 Euro/m². Bei neuen Wohnungen liegt der Preis bei 2500 Euro/m², bei Altbau sind es 2317 Euro/m², 21,2 % des Wohnungserwerbs betrifft Neubauten. Am teuersten ist Madrid gefolgt von den balearischen Inseln, Baskenland und Katalonien, die teuerste Stadt ist San Sebastian, gefolgt von Madrid und Barcelona. 14 % der Käufer sind Ausländer, auf den balearischen Inseln sogar 31,5 %, in Alicante sind es 42,9 % der Wohnungskäufe, die meisten kommen aus Großbritannien (7,9 %), gefolgt von Holländern, Deutschen und Marokkanern.[52]

Mittlerweile liegen die Preise für Immobilien sogar deutlich höher als zu Zeiten der Immobilienblase auf ihrem Höhepunkt im Jahre 2008. Die sogenannte Immobilienblase erstreckt sich ueber die Jahre 2004 bis 2010.[53] Ursächlich war die Spekulation mit Grundstücken die als Bauflächen ausgewiesen wurden. So gut wie jedes wertloses Agrarland wurde in Bauland umgewandelt, wobei die Gemeinden dabei vier bis fünf % des Grundstückswertes als Gebühr bekamen. Bauträger ließen dann dort, von den Sparkassen finanziert, beispielsweise Ferienanlagen errichten, die sie anschließend verkauften. Dies führte dazu, dass 2004 etwa 2 Millionen[54] Menschen im Bausektor beschäftigt waren. Die spanischen Käufer finanzierten die Immobilien mittels variabel verzinsten Krediten (Zinssatz gleich Euribor plus Aufschlag).[55]

Hunderttausende von Immobilienbesitzern leiden unter Zwangsversteigerungen, da ihnen das Geld zur Bezahlung der Kredite fehlte. Der Wert der Immobilien ist von 2008 bis 2012 um etwa ein Drittel[54] im Wert gefallen. Im Sommer 2012 zwang die Regierung die Banken zu Wertberichtigungen von 35 % bei fertigen Wohnimmobilien und von 80 % bei Grundstücken.[56] Der Widerstand gegen Zwangsräumungen nimmt zu und auch Hausbesetzungen werden häufiger. Die Proteste in Spanien 2011/2012 finden zum Teil hier ihre Ursachen.

2011 sammelten verschiedene Organisationen Unterschriften für eine Volksbegehren zum Räumungsproblem. Gefordert wurden dabei unter anderem das Aussetzen der Räumung bis zur Findung einer Ersatzwohnung und – ähnlich wie in den USA – bei Rückgabe der Eigentumswohnung sind alle damit verbundenen Schulden mit abgegolten. Das Minimum von 500.000 Unterschriften wurde mit 1,4 Millionen Unterschriften deutlich übertroffen.[57] Im November 2012 vereinbarte die Regierung mit der oppositionellen PSOE im parlamentarischen Eilverfahren Zwangsräumung für bestimmte Personengruppen für zwei Jahre aufzuschieben.[58] Am 12. Februar entschied das Parlament den Gesetzesvorschlag der Volksinitiative in den parlamentarischen Prozess aufzunehmen.[59] Zusätzlich sollte die Miete auf 30 Prozent des Familieneinkommens begrenzt werden.[60] Mitte März 2013 stellte der europäische Gerichtshof fest, dass spanische Rechtsnormen, die eine Aussetzung der Räumung verhindern, gegen EU-Recht verstoßen.[61]

Im Februar 2013 musste Reyal Urbis, eines der größten Immobilienunternehmen des Landes, Insolvenz anmelden.

Die Steuerschuld des spanischen Bau- und Immobiliensektors gegenüber dem spanischen Fiskus beträgt inzwischen über 6 Milliarden Euro (2016).[62]

Wirtschaftskennzahlen

Verschiedene makroökonomische Indikatoren der spanischen Wirtschaft von 1980 bis 2021. Alle BIP-Werte sind in Euro angegeben.[63]

Weitere Informationen Jahr, BIP (in Mrd. Euro) ...
Jahr BIP
(in Mrd. Euro)
BIP pro Kopf
(in Euro)
BIP Wachstum
(real)
Inflationsrate
(in Prozent)
Arbeitslosenquote
(in Prozent)
Staatsverschuldung
(in % des BIP)
1980  99,2  2.634  1,2 %  15,6 % 11,0 % 16,6 %
1981  113,1  2.974  −0,4 %  14,5 %  13,8 %  20,0 %
1982  129,9  3.399  1,2 %  14,4 %  15,8 %  25,1 %
1983  148,3  3.861  1,7 %  12,2 %  17,2 %  30,4 %
1984  166,1  4.310  1,7 %  11,3 %  19,9 %  37,1 %
1985  185,2  4.787  2,4 %  8,8 %  21,3 %  42,1 %
1986  211,2  5.443  3,4 %  8,8 %  20,9 %  43,3 %
1987  235,7  6.061  5,7 %  5,2 %  20,2 %  43,1 %
1988  261,5  6.709  5,3 %  4,8 %  19,2 %  39,6 %
1989  293,2  7.510  5,0 %  6,8 %  17,2 %  41,0 %
1990  326,9  8.358  3,8 %  6,7 %  16,2 %  42,5 %
1991  358,8  9.149  2,5 %  5,9 %  16,3 %  43,1 %
1992  386,4  9.819  0,9 %  7,1 %  18,4 %  45,4 %
1993  402,7  10.202  −1,3 %  4,6 %  22,6 %  56,2 %
1994  426,9  10.787  2,3 %  4,7 %  24,1 %  58,7 %
1995  459,7  11.587  4,1 %  4,7 %  22,9 %  63,4 %
1996  487,1  12.249  2,4 %  3,6 %  22,1 %  67,5 %
1997  518,0  12.992  3,9 %  1,9 %  20,6 %  66,2 %
1998  554,5  13.861  4,5 %  1,8 %  18,6 %  64,2 %
1999  596,1  14.823  4,7 %  2,2 %  15,6 %  62,5 %
2000  647,9  15.975  5,1 %  3,5 %  13,9 %  57,8 %
2001  701,0  17.196  3,9 %  3,6 %  10,5 %  54,1 %
2002  749,6  18.095  2,7 %  3,1 %  11,5 %  51,3 %
2003  802,3  19.013  3,0 %  3,0 %  11,5 %  47,7 %
2004  859,4  20.053  3,1 %  3,0 %  11,0 %  45,4 %
2005  927,4  21.239  3,7 %  3,4 %  9,2 %  42,4 %
2006  1.003,8  22.629  4,1 %  3,5 %  8,5 %  39,1 %
2007  1.075,5  23.776  3,6 %  2,8 %  8,2 %  35,8 %
2008  1.109,5  24.129  0,9 %  4,1 %  11,2 %  39,7 %
2009  1.069,3  23.062  −3,8 %  −0,3 %  17,9 %  53,3 %
2010  1.072,7  23.038  0,2 %  1,8 %  19,9 %  60,5 %
2011  1.063,8  22.761  −0,8 %  3,2 %  21,4 %  69,9 %
2012  1.031,1  22.048  −3,0 %  2,4 %  24,8 %  90,0 %
2013  1.020,3  21.899  −1,4 %  1,4 %  26,1 %  100,5 %
2014  1.032,2  22.218  1,4 %  −0,2 %  24,4 %  105,1 %
2015  1.077,6  23.219  3,8 %  −0,5 %  22,1 %  103,3 %
2016  1.113,8  23.979  3,0 %  −0,2 %  19,6 %  102,8 %
2017  1.161,9  24.969  3,0 %  2,0 %  17,2 %  101,9 %
2018  1.203,3  25.750  2,3 %  1,7 %  15,3 %  100,5 %
2019  1.244,4  26.417  2,1 %  0,7 %  14,1 %  98,3 %
2020  1.121,9  23.692  −10,8 %  −0,3 %  15,5 %  120,0 %
2021  1.205,1  25.424  5,1 %  3,1 %  14,8 %  118,6 %
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Wirtschaftsgeschichte

Bruttosozialprodukt pro Kopf, 1900 bis 2003

Zweite Spanische Republik und Bürgerkrieg

Von 1931 bis 1939 war etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt. Nur in Katalonien (Textilindustrie und Metallverarbeitende Industrie), im Baskenland (Montanindustrie und Schiffbau) und in den Bergbaugemeinden (z. B. Minas de Riotinto (Kupfer), Almadén (Quecksilber)) hatte sich Industrie entwickelt. So war das 1902 aus einer Fusion von drei Unternehmen entstandene Unternehmen der Eisen- und Stahlindustrie Altos Hornos de Vizcaya (AHV) zum Zeitpunkt seiner Gründung das größte Unternehmen Spaniens. Es befand sich in unmittelbarer Nähe der dortigen Eisenerz-Vorkommen und des Hafens von Bilbao. In Barcelona, damals bereits eine Millionenstadt, fand 1929/30 die Weltausstellung statt, die Exposició Internacional de Barcelona.

Die spanische Wirtschaft war von der Weltwirtschaftskrise von 1929 nicht unmittelbar betroffen, doch war die Lage durch Arbeitslosigkeit (etwa 10 %) und viele Streiks gekennzeichnet. Im ländlichen Südspanien war die Lage für die Landarbeiter gar hoffnungslos. 1934 brachen in vielen spanischen Regionen Streiks aus, z. B. der Asturische Bergarbeiterstreik. Die Streiks waren auch eine Reaktion auf den Wahlsieg rechter Parteien, nachdem 1931 noch eine Koalition aus linken und republikanischen Parteien gewann. Bei der Niederschlagung durch Truppen aus Spanisch-Marokko verloren bis zu zweitausend Streikende ihr Leben. Im Frühjahr 1936 gewann das von linken und liberalen Politikern getragenes Wahlbündnis Frente Popular, doch im Sommer 1936 brach der Bürgerkrieg aus.

Während des Bürgerkrieges hatte die anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT faktisch die Kontrolle in Katalonien, mit dem industriellen Zentrum Barcelona, und in großen Teilen von Aragonien. Dazu gehörten die von Arbeitern selbst verwalteten Betriebe der Rüstungsproduktion, fast die gesamte katalanische Agrarproduktion, das öffentliche Verkehrssystem und weite Teile des Dienstleistungssektors.

Franquismus

In der Zeit der Diktatur von Francisco Franco (1939–1975) (s. a.: Franquismus) war die spanische Wirtschaftspolitik bis in die frühen 1950er Jahre bestrebt, sich unabhängig von Importen und Exporten zu machen. Die Gründe für diese Politik waren das Bestreben, Francos Spanien aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten, und in der Nachkriegszeit waren es die schlechten politischen Beziehungen zu den Siegermächten. Es gab gleichfalls innerspanische Gründe, wie die politische Stabilisierung der Diktatur. In den 1950er Jahren, spätestens 1959, setzte sich eine neue Wirtschaftspolitik durch. Angelehnt an das französische Vorbild, offener gegenüber ausländischen Investitionen und dem Handel mit wichtigen Wirtschaftspartnern, begann eine wirtschaftlich erfolgreiche Zeit für Spanien in der das Land seinen wirtschaftlichen Rückstand gegenüber dem Rest Europas aufzuholen begann.

Autarkiebestrebungen

Ein wichtiges industriepolitisches Instrument war das 1941 gegründete Instituto Nacional de Industria (INI). Mit dieser staatlichen Holding forcierte die Regierung die Industrialisierung Spaniens, indem sie Tochterunternehmen im Bergbau, in der Energie- und Gasversorgung, in der Erdölwirtschaft, in der Metallerzeugung, im Fahr- und Flugzeugbau, im Schiffbau, im Düngemittelsektor und in weiteren Branchen gründete. Weitere Instrumente waren hohe Schutzzölle und verordnete Höchstpreise. Mit dem 1939 gegründeten Instituto Nacional de Colonización entstand eine Institution, die Land aufkaufte, um dort neue landwirtschaftliche Siedlungen anzulegen. Auch wurde die republikanische Bodenreform rückabgewickelt. Bei dieser sollten die großen südspanischen Latifundien enteignet, einige der ehemaligen Besitzer entschädigt und das Land durch das 1932 gegründete Instituto de Reforma Agraria verwaltet und an die bäuerliche Bevölkerung verteilt werden.

In der Finanzbranche begann am 17. Mai 1940 eine Wirtschaftspolitik des status quo. Gemeint war damit, dass die Finanzbranche stark reguliert wurde, beispielsweise wurde die Gründung neuer Banken erschwert und der Zugang ausländischer Banken verhindert.

Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges standen die Privatbahnen vor einer finanziellen Misere. Die Franco-Regierung nationalisierte deshalb zum 24. Januar 1941 die meisten Bahnstrecken und fasste sie im Eisenbahnunternehmen Red Nacional de los Ferrocarriles Españoles (RENFE) zusammen.

1940 wurden Arbeiter in einer Art Einheitsgewerkschaft, der Organización Sindical Española (OSE), zusammengefasst, deren Vorsitzender Ministerrang hatte. Diese Organisation war wiederum nach Produktionszweigen unterteilt, den Sindicatos verticales.

Es gab Strafbataillone mit Arbeitssoldaten (Batallones Disciplinarios de Soldados Trabajadores), die fast 100.000 Personen umfassten und beispielsweise Staudämme und Schnellstraßen bauen mussten. Herausragende Bauten waren der Guadalquivir-Bewässerungskanal (Canal de Riego del Bajo Guadalquivir) und das größte Gefängnis Europas, das Carabanchel-Gefängnis.[64] (S. a.: Francos Konzentrationslager).

Der Wechselkurs der Peseta zum US-Dollar wurde durch das Instituto Español de Moneda Extranjera (IEME) (1939–1973) offiziell mit 10,95 Pesetas pro US-Dollar zwischen 1939 und 1947 festgelegt. 1948 wurden multiple Wechselkurse eingeführt. Es gab für Importprodukte neun Wechselkurse und für Exportprodukte fünfzehn Wechselkurse.[65] Das IEME stand unter Kontrolle des Handelsministeriums, während das Finanzministerium, durch die Bank von Spanien (Notenbank Spaniens), die Geldpolitik in Spanien steuerte.

Öffnung des Landes

Spanien gelang es erstmals im September 1953 mit einem US-amerikanisch-spanischen Verteidigungsabkommen, dem Pakt von Madrid, die bis dahin bestehende internationale Isolation zu durchbrechen. Die wichtigste damals entstandene Militärbasis ist die Marinebasis Rota. Die Aufnahme in die UN erfolgte im Dezember 1955. Die damit verbundene US-amerikanische Wirtschaftshilfe hatte einen Wert von 170 Millionen US-Dollar (Stand Ende Oktober 1955),[66] doch die erhoffte Zunahme der privaten Investitionen aus dem Ausland in die spanische Wirtschaft erfüllte sich nicht.[67]

1953 bestanden die spanischen Exportprodukte zu über der Hälfte aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, zwischen einem Fünftel und einem Viertel aus Rohstoffen wie Pyrit, Eisenerz, Wolfram und Quecksilber und aus Fertigwaren, bestehend hauptsächlich aus Baumwolle. Das wichtigste Importprodukt war in diesen Jahren Rohbaumwolle und bei schlechter Ernte Weizen.[68] 1956 erreichten die Importe aus den USA einen Wert von 250 Millionen US-Dollar, 65 % des Wertes über dem von 1955, wobei 175 Millionen US-Dollar landwirtschaftliche Produkte waren.[69] Die spanische Industrieproduktion bestand zu dieser Zeit im Verhältnis zur internationalen Konkurrenz aus wenig wettbewerbsfähigen, kleinen Unternehmen.

1951 erfolgte eine Abwertung und ab 1951 durften Exporteure einen Teil der verdienten Devisen an der Börse in Madrid zu höheren Kursen frei verkaufen. Zwischen 1953 und 1958 betrug die Wachstumsrate der spanischen Wirtschaft um die 5 %. Erkauft wurde das durch eine massive Abwertung der Pesete, hohe Inflation und einen rapide wachsenden Schwarzmarkt. 1957 erfolgte eine Vereinheitlichung der verschiedenen Wechselkurse auf 42 Pesetas pro US-Dollar. 1959 wurde der Wechselkurs auf den internationalen Wechselkurs von 60 Pesetas pro US-Dollar festgesetzt,[65] wodurch Spanien ein Teil des Bretton-Woods-Systems wurde.

Spanien trat im Juli 1959 dem Europäischen Währungsabkommen und der OECD (damals noch OEEC) bei. Gemeinsam mit der OECD, der Weltbank und dem IWF wurde der 1959 beschlossene sogenannte Plan de Estabilización („Stabilisierungsplan“) (eigentlich „Plan de Estabilización y Liberalización“) ausgearbeitet, der eine wirtschaftliche Öffnung des Landes und staatliche Entwicklungspläne nach französischem Vorbild vorsah. In Frankreich setzte das Commissariat général du Plan, dessen ersten Leiter Jean Monnet (1946–52) war, wirtschaftliche Anreize, um so bestimmte volkswirtschaftliche Ziele zu erreichen und eine gemeinsame Investitions- und Produktionsplanung von Staat und Privatwirtschaft zu erhalten. Es wurden in Spanien insgesamt drei Entwicklungspläne aufgestellt: Der erste Plan 1964–1967, der zweite Plan 1968–1971 und der dritte Plan 1972–1975. Im ersten Plan wurden beispielsweise sieben zu fördernde Städte benannt, im zweiten Plan kamen weitere Städte hinzu. Ins Zentrum der Wirtschaftspolitik rückte nun das Industrieministerium und das neu geschaffene „Kommissariat für Entwicklungspläne“ (spanisch Comisaría del Plan de Desarrollo; siehe auch: Dependenztheorie und Strukturalismus), während das INI zum Auffangbecken kriselnder Unternehmen wurde. Kommissar für den Entwicklungsplan, Laureano López Rodó, und seine neu geschaffene Behörde, das „Büro für Wirtschaftskoordination und -programmierung“ (OCYPE). Das Industrieministerium stand unter der Leitung des in Nachfolge von Joaquín Planell ernannten Minister Gregorio López Bravo.

Mit der Durchführung der Wirtschaftsreformen waren Kreditzusagen in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar verbunden (75 Mio. US-Dollar der IWF, 100 Mio. US-Dollar die OEEC, 130 Mio. US-Dollar die USA, 45 Mio. US-Dollar verschiedene europäische Länder und 68 Mio. US-Dollar privater US-Banken).[70]

Die wirtschaftlichen Folgen der Reformen waren ein Wirtschaftseinbruch 1959/60 und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit um über 10 %. Doch ab 1961 wuchs die Wirtschaft bis zum Ende des Jahrzehnts um etwa 10 % pro Jahr.

FASA-Renault 4CV (1957)

Spanien begann in den 1950er Jahren vom steigenden Fremdenverkehr zu profitieren, so wurde 1955 etwa 150 Millionen US-Dollar erlöst.[66] Der französische Club Méditerranée eröffnete das erste Clubdorf in den 1950er Jahren auf der Insel Mallorca. Überhaupt kamen die meisten Touristen in Spanien aus Frankreich. In den 1960er bis in die frühen 1970er Jahre wuchsen Importe und Exporte, doch insgesamt entstand ein immer stärkeres Handelsdefizit. Diese Zeit wurde „el milagro español“ („Spanisches Wunder“) bezeichnet. Die wichtigsten Wachstumskräfte waren staatliche Investitionen in die Infrastruktur und der Massentourismus. Dies führte wiederum zu einem Wandel der Wirtschaftsstruktur – die Landbevölkerung wanderte in die großen Städte. Zwischen 1951 und 1981 wanderten 5 Millionen Spanier aus den ärmeren, ländlichen Gegenden Spaniens weg. Sie gingen in die Wirtschaftszentren Spaniens und nach Frankreich und Deutschland. Die bevorzugten spanischen Ziele waren Madrid, Katalonien und Valencia (s. a.: Liste der Städte in Spanien).

Freie Gewerkschaften waren illegal aktiv. Beispielsweise gab es ab den späten 1950er Jahren die damals kommunistische Comisiones Obreras (CCOO). Ältere Gewerkschaften waren größtenteils ins Ausland abgedrängt, wie beispielsweise die bereits 1888 entstandene sozialistische Unión General de Trabajadores, die 1910 gegründete anarchosyndikalistische Confederación Nacional del Trabajo und die 1911 entstandene baskische ELA-STV. Mit dem Ley de Convenios Colectivos von 1958 wurden erstmals Tarifverträge zwischen Unternehmen und Beschäftigten möglich. 1962 gab es erstmals Tarifverträge für mehr als 2 Millionen Menschen. Die meisten Streiks in den Jahren 1963 bis 74 waren in der Stahl- und Metallverarbeitenden Industrie (44,5 %), Bergbau (1,1 %) und Bau (9,6 %).[71]

1967 entstand die staatliche Bergbauholding HUNOSA (Hulleras del Norte S. A.), deren größter Aktionär (76,92 %) die staatliche INI war. Einige Jahre später übernahm die INI zu 100 % die defizitäre Holding. Die Kohleminen lagen im Nordwesten Spaniens, in Asturien. Während HUNOSA im Januar 1981 noch etwa 22.000 Mitarbeiter hatte, waren es Ende 2004 nur noch etwa 4000 Mitarbeiter.

Transition

Die größte wirtschaftliche Herausforderung war die durch die Ölkrisen der siebziger Jahre (1973 und 1979) ausgelöste Wirtschaftskrise. Das hohe Wirtschaftswachstum Spaniens von durchschnittlich 7 % pro Jahr von 1960 bis 1974 endete. Noch im Sommer 1973 wuchs das Bruttosozialprodukt mit 8 % und die Arbeitslosigkeit lag bei 2 %. Die mit etwa 10 % besonders stark expandierende Industrieproduktion litt besonders, im Besonderen die energie- und kapitalintensiven Branchen der Stahl-, der Automobil- und vor allem der Schiffbauindustrie. Neben dem Anstieg der Energiepreise und dem Aufkommen der asiatischen Konkurrenten gab es innerspanische Gründe für die Krise, wie beispielsweise zu hohe Lohnkosten und fehlende politische Reformen.

Nach Francos Tod 1975 gründete sich 1976 die Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) und die Alianza Popular, die 1989 in die Volkspartei (Partido Popular, kurz PP) umbenannt wurde. 1977 folgten dann die Union des Demokratischen Zentrums (UCD) und die Kommunistische Partei Spaniens (PCE).

Der Minister für Gewerkschaftsbeziehungen Enrique de la Mata Gorostizaga erließ im April 1977 das Gesetz zur Vereinigungsfreiheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aufgrund dessen die Gewerkschaften sich legal gründen konnten.

Die Spanische Parlamentswahl vom 15. Juni 1977 führte dazu, dass der im Juli 1976 von König Juan Carlos I. mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragte Adolfo Suárez (1976–1981) zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Ihm folgte Leopoldo Calvo-Sotelo (1981–1982) im Amt. Beide führten Spanien in der Übergangszeit von der Diktatur zur Demokratie.

Im Juli und August 1977 stieg die Inflation auf 42 %, der Lohnanstieg in der Industrie betrug 30 % und die Arbeitslosigkeit stieg auf 6 %. Am 11. Juli 1977 erfolgte eine Abwertung der Peseta um 20 %. Finanzminister war Francisco Fernández Ordóñez (4. Juli 1977 bis 6. April 1979). Es gelang ihm, die niedrigen Steuereinnahmen signifikant zu erhöhen.

Mit dem Pakt von Moncloa schloss die Regierung von Adolfo Suárez im Oktober 1977 mit der politischen Opposition eine Vereinbarung um den wirtschaftlichen Folgen der ersten Ölkrise von 1973 entgegenzuwirken. Die Vertragsparteien vereinbarten darin auch die wirtschaftspolitischen Grundlagen auf den der neue demokratische Staat aufgebaut sein soll und die dann in der spanischen Verfassung vom Dezember 1978 realisiert wurden.

Zwar fiel 1978 die Inflation auf 16,5 %, aber der zweite Ölpreisschock zerstörte die weitergehende Gesundung der Wirtschaft und so stieg die Arbeitslosigkeit weiter bis Anfang der 1980er Jahre auf über 22 %.

Von 1975 bis 1983 erlebte Spanien eine Bankenkrise. In den letzten Jahren waren viele Banken neu gegründet worden. Diese neuen, meist kleinen Banken gerieten alle in wirtschaftliche Schwierigkeiten und keine dieser Banken überlebte als selbstständige Bank. Die Holding Rumasa, Eigentümer mehrerer kleiner Banken, wurde 1983 verstaatlicht.[72] 1977 wurde der „Fondo de Garantía de Depósitos“ gegründet, mit dem Spareinlagen bis zu einem Betrag von 15.000 Euro garantiert wurden.

Ministerpräsident Adolfo Suárez führte 1980 neue Arbeitsgesetze (Estatuto de los Trabajadores) ein, die zwischen der Regierung und den Gewerkschaften Unión General de Trabajadores und CCOO vereinbart wurden. Danach können in Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten Betriebskomitees (spanisch: comité de empresa) gegründet werden, bei kleineren Unternehmen werden Personaldelegierte (spanisch: delegados de personal) gewählt. Die Zusammensetzung der Betriebskomitees wird durch Wahlen bestimmt.

Aufbruch in die Demokratie

Die Regierung González (1982 bis 1997, PSOE) restrukturierte die staatlichen Unternehmen im Besitz des Instituto Nacional de Industria. Die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen erhielt eine höhere Priorität und die meist mittelgroßen Unternehmen wurden zu sogenannten „nationalen Champions“ zusammengeführt, die auch international wettbewerbsfähig waren, und teilweise privatisiert. Dazu gehörte das Energieunternehmen Endesa, der Stahlkonzern Aceralia, der Aluminiumkonzern Inespal (1984), der Erdölkonzern Repsol (1986), der Automobilhersteller Seat (1986 teilprivatisiert und 1990 ganz), der Nutzfahrzeughersteller Pegaso (1990 privatisiert), das Kreditinstitut Argentaria (1991), der Elektronikkonzern Indra Sistemas (1993) und der Gaskonzern Enagás (1994 teilprivatisiert). Das INI wurde 1995 in die Sociedad Estatal de Participaciones Industriales (SEPI) überführt.

Elektrizität (Spanien) nach Quelle

Ab Mitte der 1980er Jahre begann man in Spanien nach Ersatz für das teure Erdöl zu suchen. Es gab viele Pläne Erdgas-Pipelines nach Algerien zu bauen, aber sie zerschlugen sich. Tatsächlich ging die erste Pipeline erst 1996 in Betrieb. Enagás, bereits 1975 gegründet, baute stattdessen Flüssigerdgas-Terminals zum Import kleiner Mengen Erdgas und einige kleine eigene Gasfelder konnten erschlossen werden. Die staatlichen spanischen Erdöl- und Erdgasaktivitäten wurden 1981 zusammen geführt. Daraus entstand 1986 das Tochterunternehmen Repsol YPF und 1991 Gas Natural. In den 1980er Jahren gingen in Spanien mehrere Atomkraftwerke ans Netz (Liste der kerntechnischen Anlagen in Spanien), die Ende der 1980er Jahre fast 40 % der spanischen Stromproduktion lieferten.

Mit dem Gesetz von 1985 zur Gewerkschaftsfreiheit (Ley Orgánica de Libertad Sindical) wurde es möglich, dass jede Gewerkschaft eine betriebliche Gewerkschaftssektion (spanisch: sección sindical deempresa) innerhalb eines Unternehmens bilden kann.

Spanien trat der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft am 1. Januar 1986 bei, aber dem Wechselkursmechanismus, dem Europäischen Währungssystem, erst Mitte 1989 mit einer auf + 6 % erweiterten Schwankungsbreite. 1999 bzw. 2002 übernahm Spanien den Euro als neue Währung. Spanien ist ein vorrangig gefördertes Land der Regionalpolitik der Europäischen Union.

1986 war auch das Jahr, in dem das Wirtschaftswachstum von den in den Jahren zuvor erreichten 1 % bis 2 %, auf 3,3 % stieg. 1987 erreichte das Wachstum sogar 5,5 %.

Ministerpräsident José María Aznar (1996 bis 2004) führte das System der Zeitverträge ein. In der Folge stieg die Anzahl der Beschäftigten mit verschiedenen Arten von Zeitverträgen von 1985 bis 1989 von 2,5 Mio. auf 5,1 Mio. an. 1993 waren etwa 95 % aller neuen Arbeitsverträge Zeitverträge und insgesamt machten diese Zeitverträge etwa 30 % aller existierenden Arbeitsverträge aus. Die nächste Reform erfolgte 1994, als die Arbeitslosenquote 24,2 % erreichte. Das Ergebnis war, dass 1997 die Zahl der Zeitverträge sich gegenüber 1994 verdoppelte und insgesamt nun etwa 37 % aller Arbeitsverträge ausmachte.[73]

Aznar verfolgte auch die Wirtschaftspolitik der Privatisierung weiter, wobei er die Unternehmen vollständig privatisierte, beispielsweise Repsol, Endesa, Telefónica und der Tabakkonzerns Tabacalera.

Zeitgleich mit Einführung des Euro begann in Spanien der Anstieg der Hauspreise. 2002 übertraf der jährliche Anstieg der Hauspreise die 10-Prozent-Marke, um zwischen 2003 und 2005 den Gipfel mit einem jährlichen Preisanstieg von fast 20 % zu erreichen. 2003 erfolgte auch eine Liberalisierung der gesetzlichen Bestimmungen über bebaubares Land. Die Finanzierung dieser Investitionen wurde erleichtert, weil die Kreditzinsen auf Tiefstständen lagen. In der gleichen Zeitperiode stieg der Bevölkerungszuwachs Spaniens von anfangs 0,5 % pro Jahr auf über 1,5 % pro Jahr. Die Zahl der Haushalte vergrößerte sich noch stärker, nämlich um 2 % pro Jahr bis 3,5 % pro Jahr.[74] Von 1998 bis 2008 stieg die arbeitsfähige Bevölkerung um insgesamt 17 % durch Zuwanderer und war für 37 % aller Neubauten verantwortlich.[75]

Ende des Wirtschaftsbooms, Krise und Reformen

Mit der 2007 einsetzenden internationalen Finanzkrise endete das etwa 15 Jahre anhaltende überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum und Spanien trat im zweiten Quartal 2008 in die Rezession ein. Das Kabinett Zapatero I (2004–2008) und Zapatero II (2008–2011) schien die Krise 2010/11 überwunden zu haben, doch zeigte sich, dass die internationale Finanzkrise die aufgestauten landesinternen Fehlentwicklungen, wie etwa im Bau- und Bankensektor, so verschärft hatten, dass diese das Land in die nächste Wirtschaftskrise (Eurokrise) stürzten. Die Arbeitslosigkeit, die 2007 nur etwa 8 % betrug, stieg auf über 20 % im Jahr 2011 an. Auch die zuvor moderate Staatsverschuldung von etwa 40 % (2008) erhöhte sich stark und die jährlichen Neuverschuldungen des Staates wurden zum Problem. 2011 wurde Mariano Rajoy zum Ministerpräsidenten gewählt. Das Kabinett Rajoy vereinbarte im Juni/Juli 2012 zur Stützung einiger spanischer Banken bis zu 100 Mrd. Euro Kredit beim EFSF aufzunehmen,[76] wovon 41,5 Milliarden in Anspruch genommen wurden.

Die international tätigen spanischen Unternehmen glichen ihren in Spanien zurückgehenden Umsatz durch Expansion im Ausland aus. Sie reduzieren ihre Schulden und erschlossen sich neue internationale Finanzquellen. Dagegen ist die wirtschaftliche Situation für die große Anzahl der nur national agierenden Unternehmen katastrophal, da ihnen Umsatz und Finanzierung wegbrechen. Auch der Tourismussektor blieb davon nicht gänzlich unberührt: die Touristenzahlen sind in den Krisenjahren 2008/2009 von 59 Millionen (2007) auf 52 Millionen gefallen, einhergehend mit einem Einnahmeverlust von knapp drei Milliarden Euro pro Jahr.[77][78]

Im dritten Quartal 2013 setzte in Spanien das Wirtschaftswachstum wieder ein und am 23. Januar 2014[79] verließ das Land den Rettungsschirm. Die vom spanischen Staat zu zahlenden Zinsen sanken stark, obwohl die Arbeitslosigkeit weiterhin bei etwa 25 % liegt.

Politisch steht Spanien 2015 vor einem Umbruch, da sich neue Parteien etablieren. Aus der Protestbewegung ist die linke Partei Podemos entstanden und die linksliberale, katalanische Ciudadanos entwickelt sich zu einer in ganz Spanien zur Wahl antretenden Partei.

Die internationale Finanzkrise in Spanien

Die internationale Finanzkrise (s. a.: Chronologischer Verlauf) führte im April 2007 zu einem Börsencrash der Immobilienunternehmen.[80] Der spanische Aktienindex IBEX 35 erreichte seinen Höhepunkt im November 2007 und fiel seitdem um über 50 % auf seinen Tiefstand im Frühjahr 2009.

Die bei den Parlamentswahlen vom 9. März 2008 wiedergewählte Regierung Zapatero beschloss 2008 mehrere Konjunkturmaßnahmen. Der Plan Español para estímulo de la economia y el empleo (kurz: Plan E) förderte Baumaßnahmen, unterstützte Arbeitslose und gab Geld für Einzelmaßnahmen, wie beispielsweise eine Abwrackprämie für Autos und zusätzliche Umweltschutzmaßnahmen und Forschungsgelder. Zusätzlich bekamen lokale Behörden die Erlaubnis höhere Defizite zu machen.[81] Nach Angaben der EU stellte die Gesamtheit der Projekte das größte Konjunkturprogramm innerhalb der EU dar. Mit diesen Maßnahmen gelang es nach dem Wirtschaftseinbruch von 2009 mit −3,7 % die spanische Wirtschaft 2010 mit −0,3 % und 2011 mit +0,4 % zu stabilisieren.

Zusammen mit den Kosten der steigenden Arbeitslosigkeit führten diese Konjunkturmaßnahmen dazu, dass die spanische Regierung neue Schulden aufnahm. 2008 wies der Staatshaushalt ein Defizit von −4,1 % auf. 2009 explodierte die Neuverschuldung dann auf −11,2 %. Im Juni 2009 kündigte die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado Kürzungen für die Staatsausgaben 2010 an.[82] Ab Januar 2010 – die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands drohte – folgte ein Sparpaket nach dem anderen, aber es gelang auch in den folgenden Jahren nicht die Staatsausgaben zu konsolidieren. Die Staatsverschuldung Spaniens war von 62,3 % 1999 auf 36,2 % 2007 reduziert worden, aber nach 2007 stieg sie extrem an: 2008 40,2 %, 2009 53,9 %, 2010 61,2 % und 2011 68,5 %.[83]

Literatur

  • Javier Tusell (Hrsg.): Spain From Dictatorship to Democracy, 1939 to the Present. Blackwell Publishing, 2007, ISBN 978-1-4443-3974-1.

Einzelnachweise

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