Witkowo

Stadt in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Witkowo (deutsch Witkowo, früher Wittkowo, 1940–1945 Wittingen) ist eine Stadt im Powiat Gnieźnieński (Gnesener Kreis) der polnischen Woiwodschaft Großpolen. Die Stadt ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde.

Schnelle Fakten Basisdaten, Wirtschaft und Verkehr ...
Witkowo
Wappen der Gmina Witkowo
Witkowo (Polen)
Witkowo (Polen)
Witkowo
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Gniezno
Gmina: Witkowo
Fläche: 8,3 km²
Geographische Lage: 52° 26′ N, 17° 46′ O
Einwohner: 7529 (2022)
Postleitzahl: 62-230
Telefonvorwahl: (+48) 61
Kfz-Kennzeichen: PGN
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW260 GnieznoSłupca
Nächster int. Flughafen: Posen
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Geographische Lage

Die Stadt liegt in der historischen Region Posen, etwa sechzig Kilometer ostnordöstlich der Stadt Posen und 16 Kilometer südöstlich der Stadt Gnesen.

Teil des Stadtgebiets (2014)

Geschichte

Rathausplatz (2014)
Witkowo, südlich der Stadt Bromberg, ostnordöstlich der Stadt Posen und südöstlich der Stadt Gnesen, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)
Bankgebäude (2014)

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft stammt aus dem Jahr 1363. Zwischen 1676 und 1684 wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen. 1684 kam das Recht, Jahrmärkte abzuhalten, hinzu. Im 18. Jahrhundert siedelten sich hier Schwaben an, die sich eine evangelische Kirche erbauten.[1]

Bei der Zweiten Teilung Polens kam die Stadt 1793 zur Provinz Südpreußen. Mit der Gründung des Herzogtums Warschau 1807 wurde Witkowo demselben angegliedert, kam aber 1815 durch den Wiener Kongress, nach Auflösung des Herzogtums, wieder an Preußen.

1817 wütete ein schwerer Brand in der Stadt deren Aufbau bis 1847 dauerte.

Während der (europaweiten) Hungersnot des Jahres 1847 fanden in Witkowo – ähnlich wie in Gnesen[2] – bürgerkriegsähnliche Unruhen statt, mit denen Plünderungen von Vorratsspeichern und Geschäften einhergingen. Gegen 19 Teilnehmer am Tumult in Witkowo wurden vom Oberlandesgericht in Bromberg am 20. September 1847 herbe Strafen verhängt.[3]

1887 wurde der preußische Kreis Witkowo gegründet. 1896 nahm die Kreisbahn Witkowo ihren Betrieb auf.

Im Jahr 1918 gehörte die Kreisstadt Witkowo zum Regierungsbezirk Bromberg der preußischen Provinz Posen im Deutschen Reich.

Am 12. November 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, wurde die Stadtverwaltung von revoltierenden polnischen Arbeiter- und Soldatenräten in Beschlag genommen. Nach Kriegsende musste Witkowo aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden.

1926 wurde der Powiat Witkowo aufgelöst.

Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 durch die deutsche Wehrmacht wurde Witkowo völkerrechtswidrig in das Reichsgebiet eingegliedert. Während der Besatzungszeit wurden viele Einwohner vertrieben oder in die Zwangsarbeit verschleppt. Am 21. Januar 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt, und bald danach wurde Witkowo von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1921
Jahr Einwohner Anmerkungen
17991221Stadt, mit 172 Wohnhäusern, zwei Mühlen, zwei katholischen Kirchen, einer von schwäbischen Siedlern erbauten evangelischen Kirche und mit einem gesonderten Judenviertel, in dem 426 Juden leben[1]
18031615Stadt[4]
18161446Stadt, davon 267 Evangelische, 626 Katholiken und 653 Juden;[4] nach anderen Angaben mit 177 Feuerstellen (Haushaltungen) und 1739 Einwohnern, darunter 319 Lutheraner, 658 Katholiken und 762 Juden (eine Synagoge besteht, eine der beiden katholischen Kirchen ist weggefallen)[1]
18211827in 182 Privatwohnhäusern[4]
18262100Stadt, mit zwei Kirchen, einer Synagoge und 129 Privathäusern[5]
18371947Stadt[1]
18432145[1]
18521788am Jahresende[6]
18551706am Jahresende[7]
18581575[1]
18611546[1]
18671575Stadtgemeinde, am 3. Dezember[8]
18711726Stadtgemeinde, am 1. Dezember, davon 193 Evangelische, 1024 Katholiken und 509 Juden[8]
18851583Stadt, am 1. Dezember, davon 144 Evangelische, 1127 Katholiken und 312 Juden;[9] nach anderen Angaben 1543 Einwohner, darunter 157 Evangelische und 270 Juden[10]
19051685am 1. Dezember, darunter 263 mit deutscher Muttersprache (211 Evangelische und 52 Katholiken) und 1311 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken); außerdem 111 Juden[11][12]
19101793am 1. Dezember, davon 426 mit deutscher Muttersprache (274 Evangelische, 54 Katholiken und 98 Juden) und 1357 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken)[13][14]
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Wirtschaft

Die Wirtschaft der Gemeinde Witkowo ist geprägt durch Landwirtschaft, Dienstleistung und Tourismus.

Religionen

Katholisches Kirchspiel

Die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus wurde im Mittelalter gegründet; 1840 wurde ein Ziegelbau geweiht.[15]

Evangelisches Kirchspiel

Witkowo hatte bis 1945 eine evangelische Pfarrkirche. Die evangelische Gemeinde Witkowo wurde 1790 gegründet.[15] 1823 wurde ein Neubau der Kirche geplant.[16] Das Bauvorhaben wurde im November 1827 öffentlich ausgeschrieben.[17] Im Jahr 1858 umfasste die Parochie Witkowo 1500 Evangelische, die in 105 Ortschaften unter 12.000 Katholiken zerstreut lebten; der entfernteste Ort war das Dorf und Rittergut Stralkowo (früher Strzalkowo) mit 150 evangelischen Einwohnern,[18] etwa 15 Kilometer südlich von Witkowo gelegen. Stralkowo bekam später ein selbständiges evangelisches Kirchspiel.

Gmina Witkowo

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde Witkowo gehören 26 Ortschaften mit Schulzenämtern.

Gemeindepartnerschaften

Seit 2005 besteht eine Partnerschaft mit der Samtgemeinde Land Hadeln in Niedersachsen.[19]

Persönlichkeiten

Literatur

  • Witkowo, Kreisstadt, Regierungsbezirk Bromberg, Provinz Posen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Witkowo (meyersgaz.org).
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 468 (Google Books).

Einzelnachweise

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