Wurstkartell

Wirtschaftskartell in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Wurstkartell war ein Wirtschaftskartell von 21 führenden Wurstherstellern in Deutschland. Es wurde auch als Atlantic-Kreis bezeichnet, weil das erste Treffen im Hotel Atlantic in Hamburg stattgefunden hat.[1]

Die Unternehmen hatten sich von 1982 bis mindestens 2011 über Preisspannen für ihre Produkte im Bereich Fleisch- und Wurstwaren aus Geflügel bzw. Schwein abgestimmt und dadurch höhere Preisforderungen gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel durchgesetzt.[2][3]

Im Jahre 2014 verhängte das Bundeskartellamt eine Gesamtstrafe von rund 338,5 Mio. Euro gegen die 21 beteiligten Unternehmen und 33 Führungskräfte.[4] Es handelte sich um eine der höchsten Kartellstrafen in der Geschichte des Bundeskartellamts,[2] die einige Unternehmen allerdings aufgrund eines Wurstlücke genannten Schlupflochs im deutschen Kartellrecht umgehen konnten.[5]

Beteiligte Unternehmen

Ermittlungen des Bundeskartellamts

Den Anlass für Ermittlungen durch das Bundeskartellamt gab eine anonyme Anzeige. In der Folge führte das Bundeskartellamt am 22. Juli 2009 an insgesamt 19 Standorten Durchsuchungen durch. Anfang 2012 wurde die Ermittlung um weitere Unternehmen und deren verantwortlich handelnde Personen erweitert. Insgesamt wurde gegen 26 Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen sowie 51 natürliche Personen Verfahren eingeleitet.[3]

Am 15. Juli 2014 gab das Bundeskartellamt eine Gesamtstrafe von rund 338,5 Mio. Euro gegen die 21 beteiligten Unternehmen und 33 Führungskräfte bekannt. Mit 128 Mio. Euro entfiel der größte Betrag auf die Tönnies-Holding. Des Weiteren entfielen 99,6 Mio. Euro auf Bell Deutschland, 6,9 Mio. Euro auf Sickendiek und 3,2 Mio. Euro auf Marten.[6]

Anschließende Zusammenschlüsse beteiligter Unternehmen

Im Nachgang der Intervention des Bundeskartellamts kam es zu mehreren Zusammenschlüssen beteiligter Unternehmen:

Die Tönnies-Tochtergesellschaft Zur-Mühlen-Gruppe, größter deutscher Wurstproduzent, integrierte zunächst die Tochtergesellschaften Böklunder Fleischwarenfabrik und Könecke Fleischwarenfabrik.[7] In den Folgejahren erfolgten eine Reihe von Übernahmen: 2015 die Fleisch- und Wurstwarenproduktion von Nölke,[8] 2016 DöllingHareico,[9] 2017 Marten[10] und Teile von Lutz Fleischwaren (Zur Mühlen Gruppe: Standorte in Landsberg, Weimar und Chemnitz, Tönnies Holding: Standort in Badbergen),[11] 2018 Teile des stillgelegten Standorts Glonn von Houdek,[12] und 2019 das Wurstwarengeschäft von Bell Deutschland.[13]

2019 gab das Bundeskartellamt die Fusion der Firmen Kemper und Reinert/Sickendiek frei. Der daraus entstandene Konzern The Family Butchers ist der zweitgrößte deutsche Wurstproduzent.[14]

Wurstlücke

Durch ein Schlupfloch im deutschen Kartellrecht konnten einige Konzerne den vom Bundeskartellamt verhängten Bußgeldern entgehen, indem sie die jeweiligen Tochterunternehmen durch Umstrukturierungen auflösten.[5]

Einzelnachweise

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