Wut und Liebe
Roman von Martin Suter (2025)
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Wut und Liebe ist ein 2025 erschienener Roman des Schriftstellers Martin Suter. Das Werk ist im Diogenes Verlag erschienen. Kurz nach Erscheinen stand das Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste unmittelbar auf Platz 1.[1]
Handlung
In Wut und Liebe erzählt Martin Suter von Noah Bach, einem jungen, talentierten, aber erfolglosen Künstler in Zürich. Noah lebt von Gelegenheitsjobs und kleinen Aufträgen, während seine Freundin Camilla die Miete bezahlt und versucht, den Alltag zu organisieren. Irgendwann hält sie diese Schieflage nicht mehr aus: Sie trennt sich von ihm, nicht aus Mangel an Gefühl, sondern weil sie sich ein verlässliches, planbares Leben wünscht. Für Noah bricht damit der Boden weg; orientierungslos und verletzt treibt er durch die Stadt und landet schließlich in einer Bar namens „Die blaue Tulpe“. Dort begegnet er Betty Hasler, einer wohlhabenden, älteren Witwe, die immer ein Glas zu viel vor sich stehen hat und deren Eleganz von einem tief sitzenden Groll unterfüttert ist. Ihr Mann ist an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er sich jahrelang in einer Unternehmensberatung aufgerieben hat, während sein Partner Pete Zaugg durch dieselben Geschäfte reich wurde. Betty ist überzeugt, dass Zaugg ihren Mann ausgebeutet und letztlich in den Tod getrieben hat. Aus dieser Mischung aus Trauer, Einsamkeit und Hass heraus entsteht zwischen ihr und Noah eine seltsame Allianz: Er erzählt von seiner verlorenen Liebe und seiner finanziellen Not, sie von ihrem Wunsch nach Rache.
Betty macht Noah ein Angebot, das alles ins Rutschen bringt: eine enorme Geldsumme dafür, dass er ihr hilft, Zaugg „zur Rechenschaft zu ziehen“. Was anfangs wie eine abstrakte Fantasie aussieht, nimmt immer konkretere Formen an und wird schließlich zu einem moralisch höchst fragwürdigen, potenziell tödlichen Plan. Noah weiß, dass er damit eine Grenze überschreitet, aber seine Verzweiflung, seine verletzte Eitelkeit als Künstler und die Hoffnung, Camilla mit Geld und Erfolg zurückzugewinnen, treiben ihn weiter hinein. Parallel dazu wird deutlich, dass Zauggs Firma selbst in zweifelhafte, teils illegale Finanzkonstruktionen verstrickt ist, was die Frage nach Schuld und Unschuld zusätzlich verwischt.
Rezeption
Der Roman wurde von der Kritik unterschiedlich aufgefasst. Noémi Tortell wähnt den Leser in ihrer Rezension für den Spiegel im „Halbschlaf, der sich dank einer überraschungsarmen Langatmigkeit bis dahin eingestellt hat“. Womöglich suchten Leser aber nach genau diesem „Suter-Serum“.[2] Zwar lese sich der Roman „flott weg“, bemerkte Marko Langer für Deutschlandfunk Kultur, er vermisst allerdings Tiefe. Das Ende sei verzichtbar, „so wie das komplette Buch keine zwingende Lektüre ist“.[3] Auch Martin Maria Schwarz vermisste in seiner Rezension für NDR.de Tiefe; das Werk sei zu inkonsistent: „Und so lässt sich für das Fazit oder zur Erklärung der Frage, ob man diesen Roman lesen sollte oder nicht, das letzte Wort, das in diesem Text gesetzt ist, in Anspruch nehmen: ‚Egal.‘“[4] Christiane Oelrich hielt das Buch für die Aachener Zeitung dagegen für einen „Page-Turner“, „ein Buch, das man kaum aus der Hand legen mag, um zu wissen, wie es weitergeht“. Lobend erwähnte sie Suters Faible für elegante Sprache.[5]
Textausgaben
- Martin Suter: Wut und Liebe. Diogenes Verlag, Zürich 2025, ISBN 978-3-257-07234-1.