Yalvaç

Distrikt von Isparta From Wikipedia, the free encyclopedia

Yalvaç (türkisch Yalvaç) ist eine Stadt und zugleich der Hauptort des gleichnamigen Landkreises (Ilçe) in der türkischen Provinz Isparta. Der Ort liegt am Südrand der Sultan Dağları in rund 1.100 m Höhe und gilt als regionales Zentrum der Seenlandschaft (türkisch Göller Bölgesi).[1][2]

Schnelle Fakten Basisdaten, Struktur und Verwaltung ...
Yalvaç

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Yalvaç (Türkei)
Yalvaç (Türkei)

Yalvaç-Museum
Basisdaten
Staat: Turkei Türkei
Provinz (il): Isparta
Landkreis (ilçe): Yalvaç
Koordinaten: 38° 17′ N, 31° 10′ O
Höhe: 1103 m
Einwohner: 22.264 (2024)
Telefonvorwahl: (+90) 246
Postleitzahl: 32400
Kfz-Kennzeichen: 32
Struktur und Verwaltung
Gliederung: 27 Mahalle
Belediye Başkan: Mustafa Kodal
Website:
Landkreis Yalvaç
Einwohner: 44.777 (2024)
Fläche: 1.415 km²
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner je km²
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Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis
Lage von Yalvaç in der Provinz Isparta

Nach älteren Angaben liegt Yalvaç etwa 80 km nordöstlich der Provinzhauptstadt Isparta und befindet sich an der Fernstraße D 320. Der Ort trägt seit 1864 den Status einer Gemeinde (Belediye).[1]

Unmittelbar nördlich des heutigen Stadtgebiets befindet sich die antike Stadt Antiochia in Pisidien (Pisidia Antiokheia), die in römischer Zeit ein bedeutendes regionales Zentrum war und heute als archäologische Stätte erschlossen ist.[2]

Geographie

Yalvaç liegt im Nordosten der Provinz Isparta. Die Landschaft ist durch die Ausläufer der Sultan-Dağları-Kette sowie durch Seen und landwirtschaftlich genutzte Ebenen geprägt. Der Ort liegt in der sogenannten Seenregion (türkisch Göller Yöresi) im Übergangsraum zwischen mediterranen und kontinentalen Klimaeinflüssen.[2]

Nach Angaben aus Provinz-/Tourismusdarstellungen liegt Yalvaç rund 105 km von Isparta entfernt; der Landkreis umfasst etwa 1415 km².[3]

Gewässer

Als prägendes Gewässer gilt der Hoyran-See (türkisch Hoyran Gölü), der nördliche Teil des Eğirdir-Sees. Er gehört zu den wichtigsten Gewässern der Umgebung.[4][3]

Klima

Das Klima gilt als Übergang zwischen Mittelmeer- und kontinental geprägten Verhältnissen (warme, trockene Sommer; kältere Winter im Hochland).[2]

Stadtgliederung

Die Stadt ist (nach dem Stand des bisherigen Artikels) in 27 Mahalle (Stadtviertel) gegliedert.

Bevölkerung

Der Landkreis hatte 2024 insgesamt 44.777 Einwohner (davon 22.264 im Stadtzentrum und 22.513 in Dörfern/Kleinstorten).[5]

Nach dem türkischen Melderegister-System (ADNKS) hatte der Landkreis Yalvaç zum 31. Dezember 2024 insgesamt 44.777 Einwohner.[6] Die statistische Aufteilung nach Kreisstadtzentrum (ilçe merkezi) und Belde/Dörfern weist für 2024 für das Stadtzentrum 22.264 Einwohner aus.[7]

Nach älteren Angaben (Stand Ende 2020) beherbergte die Stadt 50,7 % der Kreisbevölkerung.[8]

Bevölkerungsentwicklung (Auswahl)

Weitere Informationen Jahr, Stadtzentrum ...
JahrStadtzentrumLandkreisQuelle
202023.47846.304[8]
202422.26444.777[6]
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Geschichte

Pisidia Antiochia: Ruinenbereich

Früh- und Antike

In der Region sind prähistorische Funde belegt (u. a. Fossilienfunde aus der Umgebung von Tokmacık).[4]

Unmittelbar nördlich des heutigen Stadtzentrums liegt die antike Stadt Pisidia Antiochia (türkisch Antiokheia / Antiocheia in Pisidia), eine bedeutende Gründung der hellenistischen Zeit, die in der römischen Epoche als Kolonie ausgebaut wurde und regional eine zentrale Rolle spielte.[9][4]

Nach ministeriellen Darstellungen entstand Antiochia als seleukidische Gründung und entwickelte sich in römischer Zeit zu einem regionalen Zentrum; hervorgehoben werden u. a. eine planmäßige Stadtanlage sowie öffentliche Bauten (Plätze, Theater, Thermen, Stadion) und Wasserbauten (Aquädukte).[2][4]

Frühchristentum / Paulus-Tradition

Der Apostel Paulus besuchte Antiocheia in der Frühzeit des Christentums mehrfach; dadurch wurde die Region später auch zu einem Ziel des religiösen Tourismus (türkisch inanç turizmi).[9][4]

Nach der Apostelgeschichte hat Paulus Antiochia bei Pisidien besucht und dort eine christliche Gemeinde gegründet.[10] Der erste Besuch war möglicherweise dadurch motiviert, dass der kurz zuvor von ihm bekehrte Sergius Paullus aus Antiochia bei Pisidien stammte. Ob Paulus auch später noch Antiochia besuchte, als er durch „Galatien“ reiste, ist in der theologischen Forschung umstritten.[11]

Mittelalter und Neuzeit

Im Zuge der byzantinisch-seldschukischen Konflikte und späterer Umbrüche verlor die antike Stadt an Bedeutung; die heutige Siedlung entwickelte sich als türkisch geprägter Ort weiter. Yalvaç gehörte zunächst zur Hamitoğlu-Dynastie und kam im 14./15. Jahrhundert unter osmanische Herrschaft.[1][2]

In lokalen Darstellungen wird die Ortsgeschichte bis zur osmanischen Zeit zusammengefasst; eine kommunale Organisation wird für das Jahr 1864 angegeben.[1]

Verwaltung und Politik

Blick auf Yalvaç

Der Landkreis Yalvaç umfasst neben dem Stadtzentrum zahlreiche Dörfer (türkisch köy) und Kleinstorte. Bürgermeister der Stadt ist seit 2024 Mustafa Kodal.[12]

Eine längere, lokal überlieferte Liste der Bürgermeister seit dem 19. Jahrhundert ist auf kommunalen Seiten dokumentiert.[13]

Landkreis

Der Kreis (bzw. Kaza als Vorgänger) bestand schon bei Gründung der Türkischen Republik 1923. Bei der ersten Volkszählung (1927) hatte er eine Einwohnerschaft von 28.896, davon 7401 im Verwaltungssitz Yalvatch (damalige, an das französisch angelehnte Schreibweise) in 37 Ortschaften (auf 1180 km² Fläche).

Der flächenmäßig größte und nach dem zentralen Landkreis (Merkez) Isparta der zweitbevölkerungsreichste der Provinz liegt im Norden der Provinz und grenzt an den Kreis Gelendost im Süden und an den Kreis Şarkikaraağaç im Südosten. Im Westen bilden der See Eğirdir Gölü und der Kreis Senirkent die Grenze, im Norden die Provinz Afyonkarahisar sowie im Nordosten die Provinz Konya.

Der Kreis besteht neben der Kreisstadt aus der Gemeinde Hüyüklü und zahlreichen Dörfern (Köy). Acht der Dörfer haben mehr als 1000 Einwohner:

  • Sücüllü (1554)
  • Kozluçay (1497)
  • Çetince (1493)
  • Kumdanlı (1259)
  • Körküler (1200)
  • Yukarıkaşıkara (1185)
  • Bağkonak (1103)
  • Dedeçam (1045)

Nach älteren Angaben bestand der Kreis aus der Gemeinde Hüyüklü (1671 Einw.) und 37 Dörfern mit durchschnittlich 617 Bewohnern.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Die Region ist landwirtschaftlich geprägt (u. a. Getreide-, Obst- und Viehwirtschaft).[3] Darüber hinaus werden traditionelle Handwerke erwähnt, darunter Sattlerei, Filzhandwerk, Lederhandwerk, Hufschmiede/Schmiede, Teppich-/Webtraditionen sowie die Herstellung von Miniatur-Pferdewagen.[3][14]

Verkehr

Yalvaç ist über regionale Straßen an die Seenregion angebunden; in älteren Darstellungen wird die Lage an der Fernstraße D 320 genannt. Die Entfernung zur Provinzhauptstadt Isparta wird in offiziellen Darstellungen mit rund 105 km angegeben.[3][1]

Nach einer kommunalen Übersicht werden u. a. folgende Entfernungen genannt: Gelendost 22 km, Şarkikaraağaç 33 km, Akşehir 50 km, Senirkent 61 km, Eğirdir 66 km.[1] Für das Kreisgebiet werden 215 km Asphaltstraßen genannt.[1]

Bildung

In Yalvaç befindet sich die Yalvaç Meslek Yüksekokulu (Berufshochschule) der Süleyman Demirel Üniversitesi.[1]

Eine kommunale Zusammenstellung nennt Schulen im Stadtzentrum sowie in Belde und Dörfern; für das Schuljahr 2000/2001 werden u. a. 10 weiterführende Schulen und 8 Grund-/Mittelschulen im Zentrum sowie weitere Schulen in Ortschaften des Landkreises aufgeführt; zudem wird Schülertransport („taşımalı sistem“) erwähnt.[1]

Als Hochschule wird die Berufshochschule Yalvaç (Yalvaç Meslek Yüksekokulu) genannt, die nach kommunaler Darstellung im Studienjahr 1992/93 den Betrieb aufnahm.[1] Zusätzlich wird der Landkreis in Hochschul-Darstellungen der Isparta University of Applied Sciences beschrieben.[15]

Kulturinstitutionen und Medien

Als zentrale Einrichtung wird die Hacı-Ali-Rıza-Efendi-Volksbibliothek (Hacı Ali Rıza Efendi Halk Kütüphanesi) genannt. In kommunalen Darstellungen wird eine Nutzung eines eigenen Gebäudes seit 1970 und ein Bestand von über 30.000 Werken angegeben; außerdem werden weitere Bibliotheken im Landkreis erwähnt.[1] In derselben Quelle werden zwei Druckereien und zwei wöchentlich erscheinende Zeitungen genannt.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Archäologische Stätten

  • Pisidia Antiochia (Antiocheia in Pisidia): Die Ruinenstadt ist die wichtigste antike Sehenswürdigkeit der Region (u. a. Westtor, Augustus-Tempel, Theater, Straßenanlagen, Aquädukte, Basilika/St.-Paul-Kirche).[4][9]
  • Men-Heiligtum: Als weitere bedeutende Stätte wird das Men-Heiligtum (Mondgott Men) genannt. es stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.[4]

Natur- und Kulturdenkmale

  • Hoyran-See, Limenia-Insel und Felsgräber: Der Hoyran-Abschnitt des Eğirdir-Sees wird als Natur- und Erholungsraum beschrieben; sehenswert sind die Limenia-Insel und die nahen Felsgräber.[4][3]
  • Höhlen: Im Landkreis liegen u. a. die Akar-Donar-Höhle, die Ayı-İni-Höhle und die Değirmen-Önü-Höhle.[4]

Bauwerke und Orte im Stadtgebiet

  • Anlatan Meydanı: Im Stadtzentrum wurde ein Platzkonzept umgesetzt, das die Geschichte der Region über Informationstafeln in chronologischer Form vermittelt („Open-Air-Museum“-Charakter).[16]
  • Ulu Çınar (Çınaraltı): Ein markantes Wahrzeichen ist die „Ulu Çınar“ (Platanenbaum) im Bereich „Çınaraltı“. Der Baum gilt als mehrere Jahrhunderte alt und ist ein zentraler sozialer Treffpunkt im Stadtleben.[14]
  • Devlethan Camii: Die Devlethan-Moschee (Devlethan Camii) befindet sich im Zentrum (Bereich „Çınaraltı“). Sie wird in kommunalen Darstellungen als wichtiger Bau des lokalen historischen Stadtkerns beschrieben und in älteren Übersichten als eines der ältesten Bauwerke genannt; sie wird in die Beylik-Zeit eingeordnet.[17][1]
  • Merkez Yeni Camii: Die Merkez Yeni Camii (Neue Moschee) wird in Provinzdarstellungen architektonisch beschrieben (u. a. Portalelemente, Minarettlage, Holz-/Kuppelkonstruktion, Dekorelemente).[3]
  • Yalvaç-Museum: Das Museum zeigt archäologische und ethnografische Funde aus der Umgebung (u. a. aus Grabungen in Antiocheia sowie aus prähistorischen Fundkontexten). In kommunalen Darstellungen wird die Eröffnung im heutigen Gebäude 1966 genannt; außerdem werden Fossilfunde als Teil der Ausstellung erwähnt.[4]

Veranstaltungen

In Provinzdarstellungen wird ein Kultur-, Tourismus- und Kunstfestival im Zusammenhang mit Pisidia Antiokheia erwähnt, das üblicherweise im Juli stattfindet.[3]

Sport

In einer kommunalen Übersicht wird u. a. die Fußballmannschaft „Yalvaç Belediye Spor“ erwähnt (u. a. Meisterschaft 1999 in der 2. Amateurliga und Aufstieg). Genannt werden außerdem Sportinfrastruktur wie eine Sporthalle (ca. 500 Plätze) und Sportplätze/Mehrzweckfelder.[1]

Küche

Als lokale Spezialitäten werden in Provinzdarstellungen u. a. Yalvaç-Brot und -Börek, keşkek sowie Süßspeisen wie güllaç und „kesmikli“ Baklava genannt.[3]

Persönlichkeiten

  • Naci Kum (1898–1952), Lehrer, Autor, Historiker und Museumsdirektor; veröffentlichte Arbeiten zu Yalvaç und Antiocheia.[18]
  • Ahmet Galip Keskin (1899–1940), Lehrer, Dichter und Kalligraph; in lokalen Darstellungen als prägende Kulturpersönlichkeit erwähnt.[18]
  • Hacı Ali Rıza Efendi (1830–1902), Gelehrter und Bibliotheksstifter (lokale Überlieferung/kommunale Darstellung).[18]

Siehe auch

Commons: Yalvaç – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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