Eimi Yamada
japanische Schriftstellerin und Mangaka
From Wikipedia, the free encyclopedia
Eimi Yamada (japanisch 山田 詠美, Yamada Eimi, auch: Yamada Amy, wirklicher Name: 山田 双葉, Yamada Futaba; * 8. Februar 1959) ist eine japanische Schriftstellerin und Mangaka. Sie ist in Japan eine sehr kontrovers diskutierte Gegenwartsschriftstellerin. Interkultureller Sex und interkulturelle Ehen sind die provokanten Themen ihrer Werke.
Leben
Yamada wuchs in Tokio auf, musste jedoch ab der Mittelschulzeit aufgrund der Arbeitsplatzwechsel ihres Vaters häufig über Japan hinweg umziehen. Die damit einhergehenden Erlebnisse von Trennung, Mobbing und die Sehnsucht nach Sicherheit sind ebenfalls Themata ihrer Werke. 1977 begann sie ein Studium der Literatur an der Meiji-Universität, das sie vorzeitig abbricht. Für eine kurze Zeit arbeitete sie als Mangaka und publizierte 1981 den Manga „Sugar Bar“.[1] In der Folgezeit wendete sie sich dem Schreiben zu. 1985 legte sie mit Beddotaimu Aizu (dt. „Nächte mit Spoon“) ihr Debütwerk vor, dass mit dem Bungei-Preis ausgezeichnet wurde. Geschildert werden Liebe und Sex zwischen der Nachtclubsängerin Kim und dem schwarzen amerikanischen GI Spoon.[1][2] Die Folge war ein Skandal, der Yamadas Privatleben als Domina und Aktmodell im bei Ausländern angesagten Tokioter Stadtbezirk Roppongi in den Mittelpunkt des Medieninteresses zerrte.
Ein Jahr später, 1986, erschienen ihre Manga Miss Doll (ミス・ドール, Misu Dōru), Yokosuka Freaky (ヨコスカフリーキー, Yokosuka Furīkī) und ihr Roman Jesse no Sebone, der wiederum Sex mit einem Afroamerikaner in New York, die gescheiterte Beziehung der Protagonistin mit einem Alkoholiker und das fehlende Verantwortungsbewusstsein gegenüber einem elfjährigen Kind aus dieser Beziehung schildert.[1] Dem Themenkreis Sexualität sind ebenfalls zuzuordnen die Kurzgeschichte Hizamazuite ashi o o-name (ひざまずいて足をお舐め, Kneel down and lick my feet, 1988) und der ebenfalls ausgezeichnete Roman Animal Logic. Der Roman weitet den Blick auf das Thema insofern, als es hier eine Afroamerikanerin ist, die sich in unverbindlichem Sex durch den „menschlichen Zoo“ New York schläft. Wenngleich Japaner in diesem Roman keine Rolle spielen, so wendet Yamada sich mit der moralfreien und expliziten Darstellung der Sexualität doch gegen die konventionelle Rolle der japanischen Frau und Mutter.[1] Yamadas Werke dieses Themenkreises werden häufig mit Ryū Murakami in Verbindung gebracht. In Kagirinaku Tōmei ni Chikai Blue (dt. „Blaue Linien auf transparenter Haut“) etwa schilderte Murakami das ausschweifende Leben einer gemischtrassigen Gruppe junger Leute mit wilden Partys und Drogen in der Nähe einer amerikanischen Militärbasis.
1990 heiratete Yamada den Afroamerikaner Graig Douglas, den sie 1987 kennengelernt hatte und der auf der Yokota Air Base nahe Tokio arbeitete.
Ein anderes Thema, die Probleme Heranwachsender, die sich durch Mobbing in die Rolle des Außenseiters gedrängt fühlen, ist Gegenstand ihre Werke Hōkago no Keynote („Noten nach der Schule“), Boku wa Benkyō ga Dekinai („Ich bin fürs Lernen nicht begabt“) und Fūsō no Kyōshitsu („Klassenzimmer der Luftbestattung“). Pay Day! wiederum erzählt vom Alltagsleben im Schatten der Terroranschläge am 11. September 2001.
Auszeichnungen
- 1985: Bungei-Preis für Bedtime Eyes (ベッドタイムアイズ, Beddotaimu Aizu, dt. Nächte mit Spoon)
- 1987: Naoki-Preis für Soul Music Lovers Only (ソウル・ミュージック・ラバーズ・オンリー, Sōru Myūjikku Rabāzu Onrī)
- 1989: Hirabayashi-Taiko-Literaturpreis für Fūsō no Kyōshitsu (風葬の教室)
- 1991: Frauenliteraturpreis für Trash (トラッシュ, Torasshu)
- 1996: Izumi-Kyōka-Literaturpreis für Animal Logic (アニマル・ロジック, Animaru Rojikku)
- 2000: Yomiuri-Literaturpreis für A2Z
- 2005: Tanizaki-Jun’ichirō-Preis für Fūmizekka (風味絶佳), Kurzgeschichtensammlung, 2006 unter dem Titel „Sugar and Spice“ verfilmt.
- 2012: Noma-Literaturpreis für Gentleman (ジェントルマン, Jentoruman)[3]
Werke (Auswahl)
- 1985: Bedtime Eyes (ベッドタイムアイズ, Beddotaimu aizu)
- „Nächte mit Spoon“, aus dem Japanischen von Ina Hein, Ammann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-60116-6
- 1986: Jesse no sebone (ジェシーの背骨, Jeshī no sebone, „Jesses Rückgrat“)
- 1987: Soul Music Lovers Only (ソウル・ミュージック・ラバーズ・オンリー, Sōru myūjikku rabāzu onrī), 1988 verfilmt
- 1988: Watashi wa hen'on dōbutsu (私は変温動物, „Ich bin ein Wechselwarmblüter“)
- 1988: Fūsō no kyōshitsu (風葬の教室)
- 1989: Hōkago no Keynote (放課後の
音符 , Hōkago no kiinōto) - 1991: Bannen no kodomo (晩年の子供)
- „Lebensabend eines Kindes“, aus dem Japanischen von Heike Schöche, in: Hannelore Eisenhofer-Halim, Peter Pörtner (Hrsg.), Verführerischer Adlerfarn. Anthologie japanischer Erzählungen, Konkursbuchverlag, Tübingen 1999, ISBN 3-88769-077-X, S. 47–56
- 1991: Trash (トラッシュ, Torasshu)
- 1993: Boku wa benkyō ga dekinai (僕は勉強ができない), 1996 verfilmt
- 1994: 120% COOOL
- 1996: Animal Logic (アニマル・ロジック, Animaru rojikku)
- 1997: 4U
- 1999: MAGNET
- 2001: Himegimi (姫君, „Prinzessin“)
- 2003: A2Z
- 2003: PAY DAY!
- 2007: Musen yūga (無銭優雅, „Eleganz der Armut“)
- 2009: Gakumon (学問)
- 2010: Tiny Stories (タイニー・ストーリーズ, Tainī Sutōrīzu)
- 2011: Gentleman (ジェントルマン, Jentoruman)
- 2013: Ashita shinu kamo shirenai jibun, soshite anatatachi (明日死ぬかもしれない自分、そしてあなたたち)
- 2016: Shugyoku no tampen (珠玉の短編)