Zaccariniit
Mineral aus der Gruppe der Arsenide
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Zaccariniit (IMA-Symbol Zcr[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung RhNiAs[1] und damit chemisch gesehen eine legierungsartige Verbindung aus Rhodium, Nickel und Arsen.
| Zaccariniit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2011-086[1] |
| IMA-Symbol |
Zcr[2] |
| Chemische Formel | RhNiAs[3][1] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) |
II/A.05-109[3] |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m |
| Raumgruppe | P4/nmm (Nr. 129)[4] |
| Gitterparameter | a = 3,5498(1) Å; c = 6,1573(2) Å[4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[4] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3,5 bis 4 (VHN5 = 166 bis 286 kg/mm2, synthetisch)[4] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 10,09; berechnet: 10,19[5] |
| Spaltbarkeit | keine[4] |
| Bruch; Tenazität | spröde[4] |
| Farbe | stahlgrau,[3] im Auflicht weiß mit bräunlichen bis rosafarbenen Reflexen[5] |
| Strichfarbe | grau[4] |
| Transparenz | undurchsichtig (opak)[4] |
| Glanz | Metallglanz[4] |
Zaccariniit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, konnte aber bisher nur in Form von unregelmäßigen Körnern mit einem Durchmesser von einem bis 20 Mikrometern gefunden werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den stahlgrauen Kornoberflächen einen metallischen Glanz. Im Auflicht erscheint Zaccariniit weiß mit bräunlichen bis rosafarbenen Reflexen. Seine Strichfarbe ist allerdings immer grau.
Etymologie und Geschichte
Als unbenannte Phase RhNiAs war die Verbindung bereits länger bekannt. Bereits 1983 wurde sie von Nikolay S. Rudaschewskij, A. G. Motschalow, Ju. P. Menschikow und N. I. Schumskaja (russisch Н. С. Рудашевский, А. Г. Мочалов, Ю. П. Меньшиков, Н. И. Шумская) in einem alluvialen Vorkommen des Ophiolithgürtels in der Faltenregion Koryak-Kamtschatka (Föderationskreis Ferner Osten, ehemals UdSSR) beobachtet.[6] Erstmals beschrieben wurde die ebenfalls unbenannte Verbindung 2009 von Federica Zaccarini, J. A. Proenza, Nikolay S. Rudaschewskij, Louis J. Cabri, Giorgio Garuti, Vladimir N. Rudaschewskij, Joan Carles Melgarejo, John F. Lewis, Francisco Geraldo Longo, Ronald Bakker und Chris J. Stanley als unbenannte RhNiAs-Phase in Verwachsungen mit Garutiit und vergesellschaftet mit Hexaferrum, Ru-Os-Ir-Fe-Legierungen und Ru-Os-Ir-Fe-Sauerstoffverbindungen in Chromit aus dem ophiolithischen Chromitit von Loma Peguera.[7]
Die Kristallstruktur von synthetischem Zaccariniit wurde 1984 unter Verwendung des von J. Roy-Montreuil, Patrick Chaudouet, Alain Rouault, Daniel Boursier, J. P. Senateur und Robert Fruchart angegebenen ursprünglichen Strukturmodells für synthetisches RhNiAs verfeinert.[8]
Als neue Mineralart wurde Zaccariniit schließlich erstmals durch ein internationales Forscherteam, bestehend aus Anna Vymazalová, František Laufek, Milan Drábek, Chris J. Stanley, Ronald J. Baker, Raul Bermejo, Giorgio Garuti, Oscar Thalhammer, Joaquin A. Proenza und Francisco Longo, beschrieben. Diese hatten das Rhodium-Nickel-Arsen bei einer Schwermineral-Analyse aus dem Nickelerz-Tagebau Loma Peguera (18° 59′ 24″ N, 70° 19′ 23″ W) etwa 11 km nordöstlich von Bonao in der Dominikanischen Republik entdeckt. Sie benannten das Mineral nach Federica Zaccarini, um ihre Arbeiten in Bezug auf die Mineralogie der Platin-Gruppen-Elemente in Chromititen und ultrabasischen Gesteinen zu ehren.[4]
Das Forscherteam um Anna Vymazalová sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2011 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2011-086[1]), die den Zaccariniit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde ein Jahr später im Fachmagazin The Canadian Journal of Mineralogy and Petrology (ehemals The Canadian Mineralogist) veröffentlicht.[4] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Zaccariniit lautet „Zcr“.[2]
Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum der Montanuniversität Leoben unter der Inventarnummer 8241 (Holotyp) aufbewahrt.[9]
Klassifikation
Da der Zaccariniit erst 2011 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er weder in der veralteten 8. Auflage noch in der zuletzt 2009 aktualisierten[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik verzeichnet. Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana kennt den Zaccariniit noch nicht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/A.05-109. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Legierungen und legierungsartige Verbindungen“, wo Zaccariniit zusammen mit Arsenopalladinit, Atheneit, Genkinit, Isomertieit, Majakit, Menshikovit, Pseudomertieit, Mertieit, Miessiit, Naldrettit, Palladoarsenid, Palladobismutoarsenid, Palladodymit, Polkanovit, Rhodarsenid, Stibiopalladinit, Stillwaterit, Törnroosit, Ungavait und Vincentit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/A.05 bildet.[3]
Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation ordnet den Zaccariniit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung „Legierungen“ (englisch Alloys). Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen und Halbmetallen. Das Mineral ist hier in die Unterabteilung „Legierungen von Halbmetallen mit Kupfer (Cu), Silber (Ag), Gold (Au)“ (englisch Alloys of metalloids with Cu, Ag, Au), wo er als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.AA.50 bildet (vergleiche dazu auch gleichnamige Unterabteilung in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).[11]
Kristallstruktur
Zaccariniit kristallisiert in der tetragonalen Raumgruppe P4/nmm (Raumgruppen-Nr. 129) mit den Gitterparametern a = 3,5498(1) Å und c = 6,1573(2) Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Bildung und Fundorte
Zaccariniit bildet sich sekundär durch Umwandlung von Ophiolith bei niedrigen Temperaturen und kommt daher vorwiegend in Schwermineralkonzentraten aus ophiolithischem Chromitit vor. Als Begleitminerale können unter anderem Garutiit, Hexaferrum und Chromit, aber auch verschiedene Ru-Os-Ir-Fe-Legierungen und Ru-Os-Ir-Fe-Sauerstoffverbindungen auftreten.
Seine Typlokalität, der Nickelerz-Tagebau Loma Peguera bei Bonao, ist das bisher einzige dokumentierte Vorkommen von Zaccariniit in der Dominikanischen Republik. Insgesamt sind für Zaccariniit weltweit bisher weniger als 20 Vorkommen dokumentiert. Namentlich sind dies unter anderem die Chromitit-PGM-Prospektion „Middle Arm Brook“ auf der zur kanadischen Insel Neufundland gehörenden Halbinsel Baie Verte, der Veria-Ophiolithkomplex bei Imathia in der griechischen Region Zentralmakedonien, ein Chromitit-Erzkörper bei Sungabali (Sebuku) auf dem indonesischen Teil Borneos (auch Kalimantan Selatan), mehrere Fluss- und Küstensande in der Unterpräfektur Rumoi sowie Numata in der Präfektur Gunma auf der japanischen Insel Hokkaidō, Ophiolithgürtel in der russischen Republik Burjatien und im Sajangebirge zwischen Russland und der Mongolei, der Ophiolithkomplex „Al ‘Ays“ in der saudi-arabischen Provinz Medina, das ultramafische Massiv Herbeira bei A Coruña (Galicien) in Spanien sowie die Onverwacht Mine bei Steelpoort und die Mooihoek Farm 255 KT in der Gemeinde Fetakgomo Tubatse Local Municipality in Südafrika.[12]
Siehe auch
Literatur
- Anna Vymazalová, František Laufek, Milan Drábek, Chris J. Stanley, Ronald J. Baker, Raul Bermejo, Giorgio Garuti, Oscar Thalhammer, Joaquin A. Proenza, Francisco Longo: Zaccariniite, RhNiAs, a new platinum-group mineral from Loma Peguera, Dominican Republic. In: The Canadian Mineralogist. Band 50, 2012, S. 1321–1329, doi:10.3749/canmin.50.5.1321 (englisch, rruff.info [PDF; 553 kB; abgerufen am 17. November 2025]).
- Peter A. Williams, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills: IMA Commission on new minerals, nomenclature and classification (CNMNC) Newsletter 12. New minerals and nomenclature modifications approved in 2012. In: Mineralogical Magazine. Band 76, Nr. 1, 2012, S. 151–155 (englisch, rruff.info [PDF; 80 kB; abgerufen am 17. November 2025]).
Weblinks
- Zaccariniit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Zaccariniite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
- IMA Database of Mineral Properties – Zaccariniite. In: rruff.info. RRUFF Project (englisch).
- Zaccariniite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Zaccariniite. In: rruff.geo.arizona.edu. (englisch).