Zanetto
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Zanetto ist eine Oper in einem Akt mit elf Bildern von Pietro Mascagni, basierend auf einem Libretto von Giovanni Targioni-Tozetti und Guido Menasci.

| Werkdaten | |
|---|---|
| Originaltitel: | Zanetto |
| Form: | Oper |
| Originalsprache: | Italienisch |
| Musik: | Pietro Mascagni |
| Libretto: | Giovanni Targioni-Tozetti und Guido Menasci. |
| Uraufführung: | 2. März 1896 |
| Ort der Uraufführung: | Pesaro (Italien) |
| Spieldauer: | ca. 43 Minuten |
| Ort und Zeit der Handlung: | Ein Landhotel nahe Florenz, in der Renaissance |
| Personen | |
|
Zanetto, ein wandernder Musikant (Mezzosopran), Silvia, die Besitzerin eines Hotels (Sopran) | |
Die Uraufführung fand am 2. März 1896 im Conservatorio Statale di Musica „Gioachino Rossini“ in Pesaro (Italien) statt. Stilistisch wird die Oper dem Verismus zugeordnet, wobei die Oper kompositorisch eine Nummernoper ist und als erste Oper des historischen Verismus im Geiste der Romantik bezeichnet wird. Die literarische Vorlage der Oper ist die von Emilio Praga gefertigte italienische Übersetzung des Bühnenstücks Le passant von Francois Coppee.
Entstehung
Gemäß seinem in 1894 mit dem Musikverleger Edoardo Sonzogno geschlossenen Vertrag war Mascagni verpflichtet, bis zum Jahr 1897 und 1898 zwei Opern zu produzieren. Da Mascagni eine weitere Verpflichtung zur Produktion von zwei Opern für die Jahre 1896 und 1897 mit dem Verlagshaus Casa Ricordi eingegangen war, geriet dieser in den Jahr 1897 unter immensen Zeitdruck.[1] Trotzdem hatte der Komponist es bis zum Spätsommer 1895 vollbracht, die einaktige Oper nahezu fertig zu stellen. Im Dezember 1895 trat Mascagni die Stelle des Direktors des Conservatorio Statale di Musica „Gioachino Rossini“ in Pesaro an. Im folgenden Jahr kam die Oper Zanetto im Rahmen der alljährlich am Konservatorium stattfindenden Musikaufführungen anlässlich Rossinis Geburtstagsjubiläum am 2. März 1896 in Pesaro zur Aufführung. Die Darstellung der Protagonisten Zanetto und Sylvia übernahmen dabei zwei Studenten des Konservatroriums.[1][1.1] Die Rolle des Zanetto wird von einer weiblichen Person im Männerkostüm als Hosenrolle darge-bracht. Während die Urauführung in Pesaro enthusiastisch gefeiert wurde, waren die Reaktionen des Publikums anlässlich der folgenden Aufführung am 18. März 1896 in Teatro alla Scala (Mailand, Italien) mit gleichen Darstellern zurückhaltend.[2] Gleichwohl wurde die Oper, in der Regel zusammen mit der ebenfalls kurzen Oper Cavalleria Rusticana, in den folgenden Jahren in und außerhalb Italiens häufig aufgeführt.[3][4]
Handlung
Die Oper spielt zur Zeit der Renaissance, in einem Landhotel nahe Florenz in der Toskana, Italien. Silvia ist die reiche und schöne Besitzerin eines Landhotels, die ihre zahlreichen Liebhaber stets zurückweist, weil diese ihr Herz nicht erwecken konnten. Obwohl sie überzeugt ist, dass es ihr Schicksal ist, allein zu bleiben, erinnert sie sich träumersich auf die Stadt blickend an einen jungen Mann aus Florenz, den sie dort einmal gesehen hat. Während sie schaut, hört sie die Stimme eines herannahenden Minnesängers Zanetto. Sie versteckt sich. Er kommt näher, betritt aber nicht das Hotel, sondern legt sich auf einer Bank schlafen. Als er eingeschlafen ist, nähert Silvia sich ihm und sieht ihn an. Sie erblickt in Zanetto ihr Ideal und verliebt sich sofort in ihn. Sie weckt ihn, und er sieht in ihr die Madonna seiner Träume. Er erzählt von seiner freien Lebensweise, seinem Zuhause und seiner Schwester. Silvia misbilligt seinen Freigeist, verbirgt ihre Identität und sagt, sie sei als Witwe sehr arm und nicht imstande, einen wandernden Sänger beherbergen. Nach mehreren Zurückweisungen erzählt er ihr, dass er von Silvia gehört hat, die schön, reich und großzügig sein soll. Er bittet sein noch unbekannte Geliebte, ihm zu helfen, Silvia zu finden. Sie rät ihm, nicht zu gehen, und sagt, sie würde alles tun, um ihn vor seinem Schicksal zu bewahren. Obwohl sich die beiden lieben, will Silvia sich Zanetto nicht zu erkennen geben. Er glaubt an ihre Aufrichtigkeit und bietet ihr an, in jede Richtung zu gehen, die sie ihm weist. Sie zeigt in Richtung der Morgendämmerung, er rennt darauf zu, sie sieht ihm nach, bis er außer Sichtweite ist, dann vergräbt sie ihr Gesicht in den Händen und ruft aus: „Gesegnet seist du, oh Liebe! Jetzt kann ich wieder weinen!“[5]
Stücke
Die Oper besteht aus 11 Stücken mit einer Gesamtspieldauer von ca. 43 Minuten.[6.1]
- Introduzione (Coro interno)
- «Maledetto l’amor!» (Silvia)
- «Cuore, come un fiore...» (Zanetto)
- «Dolce e la melodia» (Silvia, Zanetto)
- «Silvia, sii buona!» (Silvia, Zanetto)
- «Firenze e la tua meta?» (Silvia, Zanetto)
- «lo qui potrei forse restare.» (Silvia, Zanetto)
- «Poi che vani fugono i preghi miei» (Zanetto, Silvia)
- «Senti bambino» (Silvia, Zanetto)
- «lo partiro, portando meco un balsamo» (Silvia, Zanetto)
- «O madonna, di grazia...» (Zanetto, Silvia)
Heutige Einordnung und zeitgenössische Kritik
Heutige Einordnung
Die Oper Zanetto war die sechste Oper von Mascagni. Sie wird in heutiger Zeit als Mascagnis erster Versuch, eine Oper im Sinne eines historischen Verismo im Geist der Romantik zu schreiben, angesehen. Zu Beginn der Oper singt Zanetto einen Madrigal, was als Rückgriff in die Musik der Renaissance zu sehen ist. Die Melodien der Overtüre, zunächst von einem reinen Chorgesang getragen, ziehen sich durch den Verlauf der Oper. Dennoch hat die Musik der Oper kein Leitmotiv.[6] Zanetto wird als ein Werk angesehen, das den Willen und die Fähigkeit Mascagnis belegt, eine umfassende dramatische und musikalische Perspektive zu bewahren.[7]
Zeitgenössische Kritiken
Die Kritiken fielen gemischt aus. Besondere Aufmerksamkeit fand allgemein der Chorgesang zu Beginn der Oper, der als Ersatz für das fehlende Intermezzo angesehen wurde. Ebenfalls gelobt wurde die Zanettos Abschiedsgesang gegen Ende der Oper.[7]
„...Der Erfolg dieser Oper war enorm, umfassend und vor allem aufrichtig und spontan. Mehrere Stücke wurden wiederholt, obwohl die melodische Kontinuität eigentlich keine Wiederholungen zuließ. Mascagni wagte sich hier mit innovativer Kühnheit an ein im Opernbereich bis dahin unbekanntes Genre heran – und das mit vollem Erfolg....“ (Gazetta Musicale di Milano)[8]
„...Die Aufführung (im Jahr 1896) von Pietro Mascagnis neuester Oper ...die in den Chesterfield Gardens in London stattfand, war ein voller Erfolg. Die englischen Kritiker, fast alle dem futuristischen Denken zugetan, beurteilten Zanetto als überlegen gegenüber den anderen Werken des Maestros; die exzellente Darbietung der Schwestern Giulia und Sofia Ravogli wurde hoch gelobt....“ (La Cronaca Musicale)[9]
„.... Die Ankündigung ihres Erfolgs in Pesaro weckte bei der Premiere (von Zanetto in der Mailänder Scala) so viel Interesse, dass sie eine großartige Resonanz hervorrief..., doch der große Triumph in Pesaro war teilweise übertrieben, ebenso wie die Strenge des Mailänder Publikums, denn ‚Zanetto‘ besitzt unbestreitbare Qualitäten. Wir stimmen mit anderen, kunsttechnisch überlegenen Kritikern überein, dass die Weitläufigkeit des Saals es bei so anmutiger, eleganter und origineller Musik wie den Scalen nicht erlaubt, alle feinen Nuancen, mit denen sie geschmückt ist, vollständig zu erfassen – im Vergleich zu einem Saal wie dem des Konservatoriums am Rossini-Lyzeum in Pesaro. ....“ (Il Gallo Caricaturista)[10]
"....Schade um das Talent Mascagnis, das sich völlig in industrielles Schnellschreiben aufgelöst hat und aus dem Nautralismus einer musikalischen Unkultur nicht den Weg zur...wahren Kunst findet..." (Neue musikalische Presse)[11]
„...ein anmutiges und schönes kleines Werk, das auf seine Weise fast als perfekt gelten könnte...“ (Boston Tribune)[12].
Literatur
- Cesare Orselli: Pietro Mascagni (= Autori & interpreti 1850–1950. Band 11). L’Epos, Palermo 2011, ISBN 978-88-8302-400-9.
- Alan Mallach: Pietro Mascagni and his operas. Northwestern University Press, Boston 2002, ISBN 1-55553-524-0.
- David Stivender: Pietro Mascagni. An autobiography compiled, edited and translated from original sources. 1. Auflage. PRO/AM Music Resources Inc., Kahn & Averill, White Plains, N. Y., London 1988, ISBN 0-912483-06-7.
- Nedo Benvenuti: Pietro Mascagni. La vita e le opere. Debatte Editore, Livorno 2004, ISBN 88-86705-39-5.