Zanobi da Strada
italienischer Dichter und Humanist
From Wikipedia, the free encyclopedia
Zanobi da Strada (* 1312 nahe Florenz; † 1361 in Avignon)[1] war ein italienischer Dichter und Humanist und gründete mit Giovanni Boccaccio und anderen florentinischen Gelehrten eine literarische Gesellschaft.[2]

Sein Vater war Giovanni di Domenico Mazzuoli da Strada, der erste Lehrer des jungen Giovanni Boccaccio.[3] Ab 1335 war er Professor der lateinischen Grammatik in Florenz. Ferner war er ein politischer Sekretär des Königs von Neapel.[4] Ende 1349 stand er in Neapel im Dienst von Niccolò Acciaiuoli aus der Familie Acciaiuoli. 1350 wurde er Freund von Francesco Petrarca bei dessen Reise nach Florenz.
Im Mai 1355 wurde er von Kaiser Karl IV. in Pisa mit der Dichterkrone zum poeta laureatus gekrönt. Die feierliche Handlung fand beim Verlassen des Doms nach dem Festtagsgottesdienst auf der Domtreppe statt, in Anwesenheit des Kardinals und der Hof- und Festgesellschaft. Außer dem Lorbeerkranz empfing der Dichter vom Kaiser den Friedenskuss und einen Ring. Da alle zum Mittagsmahl strebten, beeilte man sich, und Zanobi durfte nur einen kleinen Teil seiner vorbereiteten Dankrede vortragen. Diese Dichterkrönung war dennoch ein bedeutendes politisches Zeichen, denn sie war die erste, die ein mittelalterlicher Kaiser in Italien vornahm. Selbst Zanobis Freunde Boccaccio und Petrarca übten scharfe Kritik daran. Da sie dem deutschen „Römischen Kaiser“ nicht die entsprechende Autorität und Kompetenz zubilligen mochten, sprachen sie abfällig vom „böhmischen Kaiser“ und vom „barbarischen“ bzw. „Pisaner Lorbeer“, der nicht dem römischen Lorbeer gleichkomme.[5]
1356/57 betrieb er Studien in der Klosterbibliothek von Montecassino und entdeckte Werke von Varro, Tacitus und Apuleius.[6] 1358/59 war er der erste toskanische Humanist,[7] der unter Innozenz VI. dauerhaft am päpstlichen Kanzleigericht in Avignon als Apostolischer Protonotar beschäftigt wurde. In Avignon starb er 1361 an der Pest.
Wie Petrarca mit seinem unvollendeten Epos Africa wollte auch Zanobi den römischen Feldherrn Publius Cornelius Scipio Africanus in einer Dichtung verherrlichen, doch habe er, so heißt es, auf die Fertigstellung und Veröffentlichung verzichtet, als er von Petrarcas Plan erfuhr.[8]
Zu seiner Zeit war Zanobi so berühmt, dass er nach einem Beschluss von 1396 neben Accorso, Dante, Petrarca und Boccaccio ein Prachtgrab im Dom von Florenz bekommen sollte.[9]