Zauberschale

keramische Artefakte aus dem 5.–7. nachchristlichen Jahrhundert From Wikipedia, the free encyclopedia

Bei spätantiken Zauberschalen handelt es sich um keramische Artefakte aus dem 5.–7. nachchristlichen Jahrhundert, wie sie häufig bei archäologischen Grabungen in über siebzig Fundstellen im Irak und im Iran gefunden wurden. Einzelfunde stammen auch aus der Dschazīra in Syrien.[1]

Zauberschale aus Mesopotamien, datiert zwischen 400 und 800, in der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz.

Diese Zauberschalen finden sich meist mit der Öffnung nach unten unter der Türschwelle eines Hauses, seltener vergraben unter den vier Hausecken oder unter Höfen bzw. Tierbehausungen sowie in Gräbern.[2] Oft wurde für jeden Hausbewohner eine eigene Zauberschale vergraben.[3][4]

Sie enthalten meist konzentrisch angeordnete, mit Tinte geschriebene Beschwörungsformeln in diversen ostaramäischen Dialekten und bildhafte Dämonendarstellungen, die von den Beschwörungsformeln eingerahmt werden und mittels dieser Zaubertexte gebannt werden sollen. Oft handelt es sich um diverse Erscheinungen und Ausprägungen der altorientalischen Dämonin Lilith, u. a. als Wüstenbewohnerin (Jesaja 34,14), die u. a. für die Kindersterblichkeit verantwortlich gemacht wird.[5][6][7] Daneben sind häufiger biblische Zitate in Hebräisch aus dem Alten Testament[8] oder auch aramäische Übersetzungen aus dem Targum Onkelos und Targum Jonathan[9][10] belegt, deren Sprachtyp viele der Zaubertexte in aramäischer Quadratschrift zeigen.[11]

Typologisch handelt es sich bei diesem Brauch möglicherweise um eine Variante der jüdischen Mesusa.[12]

Literatur

  • Henri Pognon: Inscriptions mandaïtes des coupes de Khouabir. Paris 1898.
  • James A. Montgomery: Aramaic Incantation Texts from Nippur. (= Publications of the Babylonian Section.. 3). Philadelphia 1913.
  • W. Stewart McCullough: Jewish and Mandaean Incantation Bowls in the Royal Ontario Museum (= Near and Middle East series. 5). Toronto 1967.
  • Joseph Naveh, Shaul Shaked: Amulets and Magic Bowls. Aramaic Incantations of Late Antiquity. Jerusalem 1985, ISBN 965-223-531-8.
  • Joseph Naveh, Shaul Shaked: Magic Spells and Formulae. Aramaic Incantations of Late Antiquity. Jerusalem 1993, ISBN 965-223-841-6.
  • Jehuda B. Segal: Catalogue of the Aramaic and Mandaic Incantation Bowls in the British Museum. London 2000, ISBN 0-7141-1145-7.
  • Christa Müller-Kessler: Die Zauberschalensammlung des British Museum. In: Archiv für Orientforschung. Band 48/49, 2000/2001, S. 115–145.
  • Christa Müller-Kessler: Aramäische Koine – Ein Beschwörungsformular aus Mesopotamien. In: Baghdader Mitteilungen. Band 29, 1998, S. 331–348.
  • Michael G. Morony: Magic and Society in Late Sassanian Iraq. In: Scott Noegel, Joel Walker, Brannon Wheeler (Hrsg.): Prayer, Magic, and the Stars in the Ancient and Late Antique World. Philadelphia 2003, ISBN 0-271-02258-2, S. 83–107.
  • Christa Müller-Kessler: Die Zauberschalentexte in der Hilprecht-Sammlung, Jena, und weitere Nippur-Texte anderer Sammlungen (= Texte und Materialien der Frau Professor Hilprecht Collection of Babylonian Antiquities im Eigentum der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Band 7). Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05059-4.
  • Christa Müller-Kessler: Mandäisch: Eine Zauberschale. In: Hans Ulrich Steymans, Thomas. Staubli (Hrsg.): Von den Schriften zur (Heiligen) Schrift. Geislingen an der Steige 2012, ISBN 978-3-940743-76-3, S. 132–135.
  • Christa Müller-Kessler: Zauberschalen und ihre Umwelt. Ein Überblick über das Schreibmedium Zauberschale. In: Jens Kamran, Rolf Schäfer, Markus Witte (Hrsg.): Zauber und Magie im antiken Palästina und in seiner Umwelt. (= Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins. 46). Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10781-5, S. 59–94, Tf. 1–8, Karte.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI