Zeltgasse

Straße in Wien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Zeltgasse befindet sich in Wien im 8. Gemeindebezirk (Josefstadt) und verläuft in Ost-West-Richtung von der Langen Gasse bis zur Strozzigasse. Stadtauswärts mündet die 260 Meter kurze Zeltgasse in die Pfeilgasse, stadtwärts in die Josefsgasse, wobei sie die Neudeggergasse und die Piaristengasse quert. Architektonisch überwiegen das frühhistoristische Haus Nr. 10, späthistoristische Miethäuser (Nr. 1, 2, 6, 7, 11) und Neubauten.[1]

Schnelle Fakten Basisdaten, Nutzung ...
Zeltgasse
Wappen
Straße in Wien
Blick in die Zeltgasse [Auf der Höhe Zeltgasse 13]
Basisdaten
Ort Wien
Ortsteil Josefstadt
Angelegt um 1776
Hist. Namen „Zwerchgasse“ und „Quergasse“
Querstraßen Lange Gasse, Neudeggergasse, Piaristengasse, Strozzigasse
Nummern­system Orientierungsnummern
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßenlänge zirka 260 Meter
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Geschichte

Plan von Altlerchenfeld um 1830. Die Zwerchgasse ist am linken Rand des färbig hervorgehobenen Plan-Ausschnitts eingezeichnet.

Die Zeltgasse trägt ihren Namen seit 1862/63. Ab den 1830er-Jahren hieß sie „Zwerchgasse“, später sowohl „Zwerchgasse“ als auch „Quergasse“, was auch inhaltlich identisch ist, weil das Wort „zwerch“ „quer“ bedeutet. Damals reichte die Zeltgasse vom nunmehrigen Eckhaus Zeltgasse 1, das heute den Häuserblock zwischen Neudeggergasse und Piaristengasse [damals „Neue Schottengasse“] einnimmt, bis zur Strozzigasse [damals „Strozzigrund Hauptstraße“]. Die Häuser der Zeltgasse haben zu drei unterschiedlichen Vorstädten gehört: die Hausnummern 1 bis 5 und 2 bis 10 zu „Sankt Ulrich“, die Hausnummern 7, 9 und 12 zu „Altlerchenfeld“ sowie die Hausnummern 11, 13 und 14 zum „Strozzigrund“. Allerdings gab es auch in den Wiener Bezirken 3, 5, 6, 7, 8, 9, 13, 14 und 16 jeweils eine „Zwerchgasse“, weshalb die Josefstädter Zwerchgasse 1862/63 in „Zeltgasse“ umbenannt wurde, um Verwechslungen zu vermeiden. Der Gassenname erinnert an den angeblichen Zeltstandort des Großwesirs Kara Mustafa Pascha, des Oberbefehlshabers bei der Zweiten Belagerung Wiens während der „Zweiten Türkenbelagerung“ (1683). Tatsächlich stand sein Zelt allerdings auf der „Schmelz“. Im Jahr 2001 wurde die Zeltgasse durch einen Teil, der zuvor zur Josefsgasse gehörte, verlängert, wodurch die Zeltgasse, die drei Häuserblöcke umfasst, heute bei der „Lange Gasse“ beginnt, die zuvor keinen Zugang zur Zeltgasse bot.

Bemerkenswerte Adressen

(Denkmalgeschützte Objekte sind durch Fettdruck hervorgehoben.)

  • Zeltgasse 1: Das Gebäude wurde 1900 vom Wiener Stadtbaumeister Anton Lang (1860–1940), dem Vater des Filmregisseurs Fritz Lang, errichtet, es wurde aber lange dem Architekten Arnold Hatschek zugeschrieben.[2] Das Haus gehörte von 1900 bis 1916 dem Bauunternehmen von Fritz Langs Mutter Paula Lang (1864–1920) und diente Mitgliedern der Familie Lang von 1900 bis 1928 als Wiener Hauptwohnsitz.[3] Der Bau ist späthistoristisch und hat eine flache Gliederung mit Blattfriesen und Girlanden. Sehr elaboriert ist die Stukkatur des Foyers und das Stiegenhaus mit Puttenkandelabern und farbigen Glasfenstern.[1] Weitere namhafte Bewohner des Hauses waren die Malerin, Karikaturistin und Illustratorin Bertha Czegka,[4] die Schriftstellerin, Kinder- und Frauenrechtsaktivistin Henriette Herzfelder,[4] der Pianist, Klavierpädagoge und Kunstfotograf Paul Pichier (1873–1955),[4] die Burgschauspielerin Antonie Schulz (1876–1972) und ihr Ehemann, der Erfinder und Kunstsammler Leon Lilienfeld (1869–1938).[4]
  • Zeltgasse 2: Das späthistoristische Wohngebäude wurde 1897 von Rudolf Breuer erbaut. Im Stiegenaufgang befindet sich eine eingestellte Säule.[1]
  • Zeltgasse 3: Das bereits mit secessionistischem Dekor versehene Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1911 von Karl Kassner. Das Stiegenhaus weist ein Gitter in den Formen der Wiener Werkstätte, originale Bodenverfliesungen sowie einen Wandbrunnen mit Metallmuschel auf.[1]
  • Zeltgasse 6: Sterbehaus des akademischen Malers Josef Müller (1805–1841).[5]
  • Zeltgasse 7: 1830 starb hier der Schauspieler, Theaterdirektor und Bühnenschriftsteller Karl Mayer (1753–1830), der 1788 das Theater in der Josefstadt gegründet hatte. Seit 1884 dient das Gebäude als Schule und ist zudem Standort des „Musischen Zentrums Wien“.
  • Zeltgasse 9: Hier wohnte die Burgschauspielerin Christine Enghaus, die 1846 den deutschen Dramatiker, Lyriker und Erzähler Friedrich Hebbel (1813–1863) geheiratet hat, der anschließend auch in diesem Haus gewohnt hat. Das Haus trug den Namen „Zur schönen Sklavin“ und beherbergte eine gleichnamige Gastwirtschaft. Fritz Langs Großmutter Johanna Lang (1839–1922) hat zwischen 1857 und 1875 im Haus Zeltgasse 9 gewohnt und gearbeitet. Das Haus war damals auch Wohnsitz von Fritz Langs Vater Anton Lang (1860–1940), was dessen besondere Verbundenheit mit dem Zeltgassen-Viertel erklärt.[6] Das im Eigentum der Stadt Wien stehende denkmalgeschützte Gebäude[7] musste 1984 einem Umspannwerk weichen.
  • Zeltgasse 10: Das sparsam dekorierte frühhistoristische Gebäude stammt aus dem Jahr 1852.[1]
  • Zeltgasse 12: Im Haus Zeltgasse 12 hat Fritz Langs Großmutter Johanna Lang (1839–1922) nach ihrer Heirat mit dem späteren Architekten Adolf Endl in den Jahren 1875/76 gewohnt. Das Haus war damals auch Wohnsitz von Fritz Langs Vater Anton Lang (1860–1940), was dessen Verbundenheit mit dem Zeltgassen-Viertel erklärt.[6]
  • Zeltgasse 14: Eine Gedenktafel erinnert, dass im Haus Zeltgasse 14 der Operetten-Komponisten Edmund Eysler gelebt und gewirkt hat. Es wurde um 1910 erbaut und ist reich mit Balkonen, Erkern und Giebeln gegliedert und weist flachen Rauten- und Girlandendekor auf.[1]
  • Der Gemeindebau Maria-Franc-Hof hat zwar keine Adresse an der Zeltgasse erstreckt sich aber an ihrem Anfang in Form von zwei die Straße überspannenden Blöcken mit Durchfahrten, so dass er für die Straße als eine Art Eingangsportal fungiert. Er wurde 1958 von Johann Stöhr errichtet, das zur Zeltgasse hin angebrachte Wandmosaik „Drei Eulen“ von Josef Seger steht unter Denkmalschutz.[8]

Bildergalerie

Literatur

Commons: Zeltgasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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