Zentrum-Ost
Orsteil 01 von Leipzig
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Zentrum-Ost ist einer der 63 Ortsteile, in die Leipzig 1992 administrativ und statistisch gegliedert wurde. Er gehört zum Stadtbezirk Mitte und hat die Ordnungsnummer 01. Das Gebiet des Ortsteils deckt sich nur teilweise mit der Ostvorstadt oder dem Graphischen Viertel.
Ortsteil von Leipzig | |
|---|---|
| Koordinaten | 51° 20′ 24″ N, 12° 22′ 48″ O |
| Fläche | 1,62 km² |
| Einwohner | 6309 ( 2025) |
| Bevölkerungsdichte | 3894 Einwohner/km² |
| Postleitzahlen | 04103, 04317 |
| Vorwahl | 0341 |
| Stadtbezirk | Mitte |
| Verkehrsanbindung | |
| Bundesstraße | |
| Eisenbahn | Leipzig Hauptbahnhof |
| S-Bahn Mitteldeutschland | |
| Straßenbahn | Linien 1, 3, 4, 7, 8, 10, 11, 16 |
| Stadtbusse | Linien 72 und 73 |
| Quelle: Zentrum-Ost auf der Seite der Stadt Leipzig | |
Lage und Gebietsabgrenzung
Folgende Ortsteile grenzen an Zentrum-Ost:
| Nordvorstadt | Eutritzsch | Schönefeld-Abtnaundorf |
| Neustadt-Neuschönefeld | ||
| Zentrum | Zentrum-Südost | Reudnitz-Thonberg |

Zum Ortsteil gehören der Hauptbahnhof Leipzig und umliegende Flächen sowie das dicht bebaute Stadtgebiet östlich des Innenstadtrings zwischen Hauptbahnhof und Augustusplatz.
Beginnend im Nordwesten des Hauptbahnhofs und von hier im Uhrzeigersinn weitergehend, verläuft die Grenze des Ortsteils wie folgt: Kurt-Schuhmacher-Straße bis zur Parthe, an der Parthe entlang bis zur Berliner Straße und von hier über die Brandenburger Brücke nach Osten. Die Bahnstrecke nach Dresden gehört bis zur Hermann-Liebmann-Brücke ebenfalls zum Ortsteil Zentrum-Ost. Südlich der Hermann-Liebmann-Brücke läuft die Ortsteilgrenze an der Rosa-Luxemburg-Straße wieder zurück nach Westen bis zum Friedrich-List-Platz und dann auf der Ludwig-Erhard-Straße nach Süden bis zur Dresdner Straße. Letztere bildet zusammen mit dem Grimmaischen Steinweg die Südgrenze des Ortsteils bis zum Innenstadtring am Augustusplatz. Der Innenstadtring ist die westliche Grenze des Ortsteils vom Augustusplatz bis zur Kurt-Schuhmacher-Straße.
Die nicht amtlichen Stadtteile Ostvorstadt und Graphisches Viertel umfassen große Teile der Ortsteile Zentrum-Ost und Zentrum-Südost, aber nicht den Hauptbahnhof und erst recht nicht den westlich davon gelegenen Bereich. Laut Sebastian Ringel[1] gab es seit den 1880er Jahren eine Gebietsgliederung mit dem Namen Nordostvorstadt, die mit Ausnahme des Gebietes um den Hauptbahnhof dem heutigen Ortsteil Zentrum-Ost entspricht.
Ortscharakteristik
Das Wintergartenhochhaus unweit des Hauptbahnhofes und das Gebäude des ehemaligen Hauptpostamtes am Grimmaischen Steinweg in Sichtweite von Oper und Gewandhaus am Augustusplatz markieren die beiden Hauptzugänge vom Zentrum zum Ortsteil Zentrum-Ost. Die Bebauung am Ring ist großformatig, die Nutzung gemischt (Wohnen, Hotels und Büros). Diese Nutzungsmischung setzt sich im Prinzip im Inneren des Ortsteils so fort. Aus der Geschichte als Zentrum der deutschen Buch- und Verlagsbranche haben sich großformatige Gebäude erhalten oder wurden in jüngerer Zeit baulich wieder hergestellt. Sie wurden zu Wohnungen, Büros, Hotels, Wissenschaftseinrichtungen oder medizinischen Zentren umgenutzt.[2]
Der andere große Bereich des Ortsteils wird durch die Verkehrsflächen des Hauptbahnhofs geprägt. Hier befindet sich auch das Fernbusterminal Leipzig. Das Gelände des früheren Thüringer Bahnhofs liegt zwar westlich des heutigen Hauptbahnhofs, zählt aber ebenfalls zu Zentrum-Ost. Hier entsteht seit 2021 ein neues Stadtquartier mit dem Namen Löwitz Quartier[3].
Geschichte
Der Ortsteil liegt östlich des Zentrums, das bis zum Siebenjährigen Krieg (1756–1763) durch eine Stadtbefestigung abgeschirmt und geschützt war. Aus dem Grimmaischen Tor führte der Grimmaische Steinweg nach Osten, an dem sich seit dem späten Mittelalter die Siedlung der Grimmaischen Vorstadt entwickelte. Davon abgesehen, kam eine bauliche Entwicklung im Gebiet des heutigen Ortsteils erst nach Aufgabe der Stadtbefestigung langsam in Gang. Zunächst wurden weite Flächen noch für Gärten wie Breiters Wintergarten oder Czermaks Garten genutzt. Daneben gab es noch einen landwirtschaftlichen Gutshof namens Milchinsel in dem Gebiet. Breiters Wintergarten wurde 1855 parzelliert, Hilligs Garten 1860, Lampes Garten in drei Abschnitten 1836, 1870 und 1898, Felixscher Garten 1860, Lacarrierés Garten 1890.[4] Im 19. Jahrhundert wurde die Vorstadt komplett bis zu ihrer östlichen Grenze bebaut. Die West-Ost-Ausdehnung beträgt nur rund 700 Meter. Die Ostgrenze des Ortsteils war bis zu späteren Eingemeindungen umliegender Dörfer zugleich die Außengrenze von „Alt-Leipzig“. Der anfängliche Wohnungsanteil ging bereits im äußerst dynamischen Bebauungsprozess des 19. Jahrhunderts zurück, da „das Buchgewerbe immer größere Flächen beanspruchte“.[5] Auch die Gaststätte Zum Mariengarten, in der 1900 der Deutsche Fußball-Bund gegründet wurde[6], wurde 3 Jahre später überbaut. Die im 19. Jahrhundert neu entstandenen Stadtquartiere Friedrichstadt und Marienstadt füllten den freien Bereich zwischen der Grimmaischen Vorstadt und den Dörfern Reudnitz und Thonberg, aus deren Richtung die Bebauung ebenfalls schnell voranschritt.
- Hotel Stadt Rom kurz vor dem Abriss 1905
- Karlshof 1875 (1944 zerstört)
- Schwimmhalle des Dianabads (1881)
- Umgenutztes Druckereigebäude des Louis Glaser Verlags (2013)
Zum heutigen Ortsteil gehört auch das Gebiet der Bahnhöfe. Als erstes wurde der Alte Dresdner Bahnhof errichtet, und zwar im sumpfigen Gelände auf Eichenpfählen. Er bestand von 1839 bis 1864.[7] Westlich daran anschließend kamen der Magdeburger Bahnhof (1840) und der Thüringer Bahnhof (1857) hinzu. Sie wurden durch den heutigen Hauptbahnhof ersetzt, der von 1907 bis 1913 an derselben Stelle erbaut wurde.
Der Höhepunkt der Bevölkerungsentwicklung im Gebiet des späteren Ortsteils Zentrum-Ost war vor dem Ersten Weltkrieg erreicht. Die wirtschaftliche Dynamik nahm danach ab. Durch die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs war das Gebiet des Ortsteils, in dem 49 % der Bausubstanz zerstört wurden[8], im Leipziger Vergleich überproportional betroffen. Beispielsweise fiel der gesamte Krystallpalast-Komplex östlich des Hauptbahnhofs, der in seiner Glanzzeit in seinen verschiedenen Sälen, Restaurants, Bars, Cafés, Salons und Biergärten 15.000 Personen fasste, dem Luftangriff am 4. Dezember 1943 zum Opfer. Nach dem Krieg folgte die Demontage noch bestehender Druckereien, darunter Reclam[9]. Die negative Entwicklung wurde durch die in den 1950er Jahren erfolgten Enteignungen der Inhaber von Verlagen und Druckereien und den Weggang von Verlegern nach Westdeutschland weiter verstärkt[9][10].
Wiederaufbau und Stadtreparatur erfolgten in der Zeit der DDR nur partiell. Der Schwerpunkt lag direkt am Ring, während im Inneren des Ortsteils Ruinen überdauerten. Es gab einen starken Einwohnerrückgang. Die Wohnungspolitik war darauf ausgerichtet, neue Wohnungen im Plattenbau zu errichten. Keiner der Standorte war in Zentrum-Ost, abgesehen von der Ringbebauung. Zwischen Hauptpost (1968) und Wintergartenhochhaus (1972) wurden drei siebengeschossige Wohnblocks mit markantem Ladenvorbau im Erdgeschoss in Plattenbauweise errichtet.[11] Sie stehen heute als Beispiele der Ostmoderne unter Denkmalschutz. Das an das Wintergartenhochhaus angebaute Restaurant Stadt Dresden wurde allerdings 2004/2005 abgerissen.
In den Jahrzehnten nach der politischen Wende kam die Sanierung der alten Gebäude aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg in Gang. Beispiele für eine erfolgreiche Umnutzung dieser Gebäude sind das Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, die Handwerkskammer zu Leipzig, der Industriepalast, das Reclam-Museum[10] und das Schumann-Haus[10]. Ein Neubau, der zu nennen ist, ist der Bürokomplex des Listhauses. Der Bau von Wohnungen führte zu einem stetigen Bevölkerungsanstieg seit 1999, ohne dass der Stand von 1895 annäherungsweise erreicht wird.
Westlich des Hauptbahnhofs wird das Löwitz Quartier gebaut. Dabei ist Löwitz ein Kunstwort aus Löw von Löwe, der Leipziger Wappenfigur, und -itz, der typischen Endung Leipziger Stadtteilnamen.[12] Das Gebiet wird durch die Kurt-Schuhmacher-Straße und die Parthe begrenzt. Dafür wurde 2019 der Bebauungsplan „Westlich des Hauptbahnhofes, Teilbereich südlich der Parthe“ (Nr. 323.2) beschlossen.[13] Ein Joint-Venture der Unternehmen Hamburg Team Projektentwicklung, Otto Wulff Bauunternehmung und Haspa Projektentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft[14] realisiert hier einen Stadtteil mit Wohnbebauung, einem fünfzügigen Gymnasium sowie dem Parthepark als öffentlicher Grünfläche.
- Architektur der Ostmoderne am Georgiring (2013)
- Ecke Grimmaischer Steinweg (links) / Querstraße (rechts hinten) (2013)
- Haus des Handwerks (2013)
- Brockhaus-Center (2025)
- Wohnungsneubau in der Chopinstraße (2017)
Bevölkerung
Kulturdenkmale
Museen
Die Stationen 7 und 8 Schumann-Haus der Leipziger Notenspur[19] befinden sich im Ortsteil Zentrum Ost. Als weiteres Museum ist das Reclam-Museum[10] zu nennen.
Wissenschaftliche Einrichtungen und Schulen
Im Ortsteil befindet sich das Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften. Dafür wurde das ehemalige Verlagsgebäude des Reclam-Verlags umgenutzt.
Unter dem Namen „Gymnasium Hauptbahnhof Westseite“ ist am 5. August 2024 ein Gymnasium im Ortsteil in Betrieb gegangen.[20] Weitere Schulen befinden sich im benachbarten Ortsteil Zentrum-Südost.
Verkehr
Mit Hauptbahnhof und Fernbusterminal befindet sich ein überregionaler Verkehrsknoten im Ortsteil. In der Tunnelstation unter dem Hauptbahnhof[21] verkehren die Züge der S-Bahn Mitteldeutschland. Auf der nördlichen, westlichen und südlichen Seite des Ortsteils verlaufen Hauptstraßen mit Straßenbahntrassen. Die Ludwig-Erhard-Straße auf der östlichen Seite erfüllt die Funktion der Bundesstraße 2.
Grün
Neben dem Promenadenring und dem Marienplatz entsteht im Löwitz Quartier der neue Park an der Parthe.[22] Die Kommunalen Wasserwerke heben die klimaökologischen Effekte des Parks und die Bedeutung als Überflutungsgebiet hervor.[23] Daneben sind noch einige Pocket-Parks im Quartier vorgesehen.[24]
Politik
Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 hatte im Ortsteil Zentrum-Ost der Stadt Leipzig folgendes Ergebnis nach Zweitstimmen (Wahlbeteiligung 84,7 %)[25]:
Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört Zentrum-Ost zum Wahlkreis Nr. 25 (Leipzig I).
Weitere Informationen
Zu weiteren Informationen zum Ortsteil Zentrum-Ost siehe die Seiten zur Ostvorstadt (Leipzig) und zum Graphischen Viertel.
Weblinks
- Zentrum-Ost. In: leipzig.de. Stadt Leipzig, abgerufen am 8. Januar 2026.
- Ortsteilkatalog 2018. (PDF) In: leipzig.de. Stadt Leipzig, abgerufen am 6. Dezember 2025.

