Zettelkatalog

Katalogsart in einer Bibliothek From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Zettelkatalog (oder Kartenkatalog) ist ein Bibliothekskatalog, der aus vielen Katalogkarten (oder Zetteln) besteht, wobei auf jedem Zettel genau eine der in der jeweiligen Bibliothek vorhandenen Publikationen angeführt ist und jede Publikation mindestens einen Zettel erhält. Die Zettel werden üblicherweise in extra dafür angefertigten Katalogkästen nach dem Alphabet geordnet aufbewahrt. Der Zettelkatalog, vom heute gebräuchlichen elektronischen Bibliothekskatalog verdrängt, ist in vereinzelten Bibliotheken noch in Gebrauch.

Katalogkästen des Zettelkatalogs der Bibliothek der Yale University
Zettel des nach Schlagwörtern geordneten Zettelkatalogs der Universitätsbibliothek Graz

In der Regel führten die Bibliotheken mehrere Zettelkataloge nebeneinander, die nach verschiedenen Kriterien (Autorname, Schlagwort, Titel der Publikation) geordnet waren.

Erstellung, Nutzung und Bedeutung

Der entscheidende Vorteil gegenüber dem Bandkatalog ist, dass zwischen zwei Zettel immer noch ein weiterer Zettel passt (zwischen zwei Einträge in einem Bandkatalog passt nur solange noch ein Eintrag, solange noch ein beschreibbarer Zwischenraum bleibt). Der Zettelkatalog ist also unbegrenzt erweiterbar. Es gibt Zettelkataloge mit losen Zetteln, hier kann der Bibliotheksbenutzer oder Bibliothekar den gefundenen Zettel aus der Lade nehmen. Im anderen Fall sind die Zettel gelocht und mittels einer Lochstange im Katalogkasten fixiert. Die Zettel sind nicht frei herausnehmbar, wodurch die geordnete Reihenfolge gesichert werden soll. Farbige Leitkarten aus Pappe können das Ordnungsprinzip des jeweiligen Katalogs sichtbar machen.

Die anfangs noch handschriftlich oder mit Schreibmaschinen angefertigten Zettel wurden seit der Einführung der Elektronischen Datenverarbeitung durch ausgedruckte Zettelkarten verdrängt. Nach der Aufnahme einer Publikation in den elektronischen Katalog konnten beliebig viele Zettel der Publikation für die verschiedenen Zettelkataloge der Bibliothek ausgedruckt werden. Der Zettelkatalog ist heute nur noch in Bibliotheken in Funktion, die ihre Altbestände noch nicht anders erfasst haben. Ein Nachteil des Zettelkatalogs gegenüber dem OPAC ist, dass die Herstellung, Einordnung und Sortierung des Zettelkatalogs mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist. Auch sind Zettelkataloge ortsgebunden und benötigen oft viel Platz. Der Inhalt der meisten Zettelkataloge wurde deshalb mittlerweile mittels Retrokonversion digitalisiert und durch Retrokatalogisierung in OPACs übertragen.

Zu beachten ist, dass bei einer Retrokonversion nicht unbedingt alle Angaben auf den Karteikarten in den OPAC übernommen werden. So können beispielsweise Angaben zu früheren Eigentümern, zu Enteignungen oder Zensurvermerke, sei es aus der NS-Zeit oder in der DDR, die sich auf einer Karteikarte finden, im OPAC entfallen. Insofern können Zettelkataloge selbst einen Quellenwert haben. Die umfassenden Zettelkataloge der Staatsbibliothek zu Berlin mit ihrer durch die deutsche Teilung einzigartigen Geschichte lassen erkennen, „dass Ost-Bibliothekare West-Bibliothekaren klammheimlich halfen, verborgen vor der Stasi Karteikarten im Haus Unter den Linden abzuschreiben, um zu erfahren, was denn nun Kriegsverlust oder in der Sowjetunion geblieben ist“.[1]

Die Katalogkarten und Katalogschränke

Die Katalogkarten (oder Zettel) bestanden aus starkem Papier oder aus Karton. Die Größe der einzelnen Zettel beträgt seit 1948 – nach dem Internationalen Bibliotheksformat – meist genau 7,5 cm × 12,5 cm.

Die Katalogschränke (Zettelkasten) sind in der Regel 6 m × 6 m groß und mit Schubladen mit einer Kapazität von je 1000 bis 1200 Katalogkarten bestückt.

Literatur

Commons: Card catalogs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

Related Articles

Wikiwand AI